„When it rains it snows, I wonder why…

… and now I know, that when it rains it snows.“ They might be giants
Ich frage mich wirklich, warum es ausgerechnet heute so richtig kalt und fies und nass sein musste. Den gesamten Vormittag über fiel Schnee, so dass ich recht schnell durchweicht und dankbar für den zweiten Mantel im Kofferraum war. Insgesamt habe ich über neun Stunden (mit einer kurzen Kaffeepause bei einem nahegelegenen Bäcker) in wechselnder Gesellschaft in der Kälte ausgeharrt, die Kamera mit dem Schal abgetrocknet und versucht, einigermaßen tapfer zu sein.
Was es zu sehen gab, war natürlich außerordentlich spannend und auch wirklich faszinierend. Dass innerhalb weniger Stunden ein ganzes Haus gebaut wird, beeindruckt schon ziemlich. Beeindruckt haben mich auch die von Schnee und Kälte wenig beeindruckten Zimmerleute. Zwischendurch wurde literweise Wasser aufgesaugt und nach draußen befördert, aber schließlich hörte es auf zu schneien und ab da fror ich wenigstens nur noch.
Das Haus selbst ist auch im noch unfertigen Zustand einfach toll. Anfangs – als nur die Erdgeschossaußenwände standen – dachte ich noch: „Oh Gott, wie soll da auch nur die Küche reinpassen?!“ Nachdem die Decken und der erste Stock montiert waren, ging die innere Frage mehr in Richtung: „Oh Gott, wer soll das alles putzen?!“
Zwischendurch gab es ein paar skurrile Schaulustige zu bestaunen, z.B. einen italienischen „Bauunternehmer“, der offensichtlich unauffällig Werksspionage betreiben wollte, um laut eigener Aussage in Holzbautechnik Hochhäuser zu errichten, den aber der Schaumglasschotter derartig begeisterte, dass er sich zwei Stückchen einsteckte. Dann kam noch ein Herr mittleren Alters vorbei, der nicht müde wurde, seine Ehrfurcht angesichts der Dicke der Dachbalken in Worte zu fassen, der aber auch nach Aufforderung das Haus nicht betreten wollte, weil er Angst hatte, dass ihm trotz bereits eingezogener Erdgeschossdecke, etwas auf den Kopf fallen könne. Dann flanierten noch einige, vermutlich nachbarschaftlich-neugierige Baustellentouristen mit und ohne Kinderwagen vorbei, die offensichtlich mal schauen wollte, was da passiert und wer dafür wohl verantwortlich sein könnte. Schließlich kamen Rita und Harry mit Kaffee und Fleischkäsebrötchen, die mein vorzeitiges Ableben verhinderten („Danke, danke, danke!“). 
Für die Dachbalken reichte die Zeit dann nicht mehr. Es wurde einfach ein wenig zu früh dunkel. Die sind dann morgen als erstes dran. Heißt übersetzt: Nochmal früh raus und frieren!
Bei meiner Rückkehr von der Baustelle sammelte ich MrFlax und MaxFlax, den bislang nicht erwähnten Flaxschen Sohn, unterwegs ein, die mit einem geliehenen Transporter mit defektem Getriebe in einem Vorort gestrandet waren. Ein Ausflug zu real,- ließ uns wie unter Schock für einen winzigen Richtbaum EUR 18,- bezahlen. Der Schockzustand verflog bei MrFlax bereits am Auto, und er brachte dem Tannenbaumverkäufer seinen total überteuerten und dabei wirklich absolut winzigen Baum zurück. Das Geld wollte der jedoch nicht mehr herausrücken, woraufhin das Ding vom erbosten Käufer zurückgelassen wurde. Da ich das nun gar nicht einsah, schickte ich „das Kind“ zum Baumzurückholen und sperrte schon mal das Auto auf. Der Baum wurde zurückerobert („Der Verkäufer war nicht da. Da hab‘ ich ihn einfach mitgenommen. Wir haben ihn ja bezahlt.“) und wie sich später herausstellte, redete der unverschämte Wucherer derweil auf  den genervten männlichen Teil der Bauherrschaft ein, seinen blöden Baum mitzunehmen, was dieser jedoch strikt verweigerte. Wieso hätte er auch nachgeben sollen, wo doch gerade seine Gattin mitsamt Anhang den Baum unbemerkt ins Auto packte?
Meinen Richtbaum habe ich also. Und ein hoffentlich relativ leicht zerbrechliches Schnapsglas ist auch bereits eingepackt. Die Glühweinvorräte wurden nochmals aufgestockt, die Thermobehälter durchgezählt, der Nudelsalat zubereitet und alles, was dringend gebraucht wird, wurde bereits als eine Art unüberwindbare (und damit unvergessbare) Blockade in der Küche aufgetürmt. Das Richtfest kann kommen!
 

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