„Schimmliges Brot…

… verdirbt oft die Freude.
Schimmliges Brot schmälert das Vergnügen.
Schimmliges Brot ist selten von Vorteil“
Das wussten 1985 bereits Foyer
des Arts. Deshalb ging es eben noch flott ans Brot backen. Für alle Interessierten hier das Rezept:
Einen Würfel Hefe
in
450 ml lauwarmes Wasser
bröseln und verrühren.
500 g Dinkelvollkornmehl,
2 TL Rapsöl
,
150 – 200 g Walnüsse (vorher etwas zerkleinern),
2 TL Salz und
3 EL Obstessig
dazugeben und alles mit den Knethaken des Handrührgeräts gut durchkneten.
Den Teig in eine Kastenform füllen und ab in den vorgeheizten Backofen! Bei 200 Grad ca. eine Stunde backen. Fertisch! Aber das nur am Rande…
Während der Teigzubereitung verfluchte ich meine fast antike Küche und träumte vom Brotbacken in der neuen, die bereits bestellt ist. Die erste neue Küche meines nicht mehr ganz jungen Lebens!
Wobei man natürlich unbedingt anmerken muss, dass beim Küchenkauf besondere Vorsicht geboten ist. Gefahr droht vor allem von den zahlreichen Küchenstudio-Insolvenz-Horrormeldungen, die einem während der kritischen Phase des Küchenkaufs permanent zu Ohren kommen. Vorher selten, hinterher fast nie – aber währenddessen. Wir hatten uns deshalb bereits vorab auf die „Keine Anzahlung! Auf gar keinen Fall irgendeine Art von Anzahlung!!“-Strategie geeinigt.
Im ersten Küchenstudio trafen wir auf genau den Verkäufertyp, vor dem uns alle bereits gewarnt hatten: das Wiesel. Seine ersten Fragen zielten nur darauf ab, sich ein möglichst genaues Bild davon zu machen, wieviel Geld wohl maximal aus uns herauszuholen sei. Nachdem er Witterung aufgenommen hatte, weil wir beim Backofen bereit waren, für ein wirklich gutes Gerät etwas mehr auszugeben, ballerte er uns die bisher nur auf seinem Bildschirm existierende Küche gnadenlos mit den kostbarsten Elektrogeräten, den erlesensten Armaturen und sonstigem „wertigem“ Zubehör voll. Seine augenzwinkernd eingeräumten „Sonderkonditionen“ sollten uns wohl beruhigen, ließen uns aber nur staunend feststellen, welch riesige Verhandlungsspielräume sich eröffneten und dass die Hersteller-UVPs anscheinend nur Scherzgrößen sind, die lediglich dem naiven Käufer einen Eindruck davon vermitteln sollen, was er in anderen Küchenstudios bei weniger zuvorkommenden Verkäufern dafür würde bezahlen müssen. Immerhin erhielten wir einen ersten Eindruck und verabschiedeten uns nach Klärung der in Frage kommenden Zahlungsmodalitäten (Anzahlung!!!) mit einem „Wir melden uns dann!“
Eine Woche später stand ein zweiter Versuch an. Mittlerweile war zumindest in groben Zügen klar, wie die neue Küche aussehen sollte: weiße Lackfronten, matte Edelstahlgriffe, und mit dem uns überlassenen Prospektmaterial hatten wir uns auch bereits einen Überblick über die in Frage kommenden Elektrogeräte verschafft. Innerlich bereits auf das Schlimmste gefasst, standen wir dort überraschenderweise dem genauen Gegenteil des ersten Küchenberaters gegenüber: einem in den 60ern hängengebliebenen Alt-Hippie, der später im Gespräch lustige Selfmade-Design-Vorschläge für den von uns ins Auge gefassten Fifties-Retro-Kühlschrank machte. Wir hatten zwar diesmal nicht den Eindruck, dass wir unmittelbar über den Tisch gezogen werden sollten, aber die im Studio aufgebauten Musterküchen waren etwas lieblos (oder doch nur einfach herrlich sorglos?) montiert, was mir dann doch zu denken gab. Nach einem lockeren Beratungsgespräch, der üblichen Eingabe in die Planungssoftware und einem günstigeren Preisangebot waren wir bereits kurz davor, mit der von uns zu erwartenden Provision dem langhaarigen Alt-Rocker die nächste Harley Davidson zu finanzieren. Allerdings hatten wir bereits einen weiteren Termin vereinbart, den wir doch noch wahrnehmen wollten. „Wir melden uns dann!“
Der dritte Termin fand ein paar Tage später statt. Und – oh Wunder! – keine geldgierig-fiesen Verkäufertypen, keine kettenrauchenden Blumenkinder – hier trafen wir auf ein Ehepaar mittleren Alters. Nett, normal und sehr bemüht. Unfassbar küchenstudiountypisch! Und es gab auch keine Planungssoftware! Der Mann zeichnete alles fein säuberlich auf Millimeterpapier. Interessanterweise wurden viele der vorherigen Planungsideen als unpraktisch aussortiert und dafür wurde tatsächlich eine tolle Lösung gefunden, Backofen und Dampfgarer doch noch hochgebaut unterzubringen, was von beiden Verkäufern vorher als unmöglich verworfen worden war. Die Sache war einfach rundum überzeugend und der Preis lag deutlich unter dem Raffzahn- und etwas über dem „If you’re going to San Francisco“-Angebot. Nach einem bauherreninternen Gespräch fiel die Entscheidung. Das letzte Angebot erhielt den Zuschlag. Die Pläne sehen toll aus und die Vorfreude steigt. Besonders wenn ich gleich wieder das Brot aus meinem baufälligen Backofen zerren und mir beim Abstellen auf dem Herd an der nicht richtig schließenden Tür des Oberschranks darüber zum ungefähr dreimillionsten Mal den Kopf stoßen werde. Grrrrrrrr!   

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