Top Secret

Wieso ist es eigentlich so schwierig, an Preise rund um den Hausbau heran zu kommen? Eines der letzten großen Rästel der Menschheit? Ein Fall für Erich von Däniken? Oder einfach nur raffinierte Strategie und Preistreiberei?
Bei so einfachen wie naiven Preisanfragen wie z.B. „Was kostet denn so ein Fenster wie das da?“ erhält man stets Antworten wie „Jaaaaaa… Das kommt darauf an… Doppelt oder dreifach verglast? Holz oder Kunststoff? Schwarz oder weiß?“ Präzisiert man die Frage à la „Ich wüsste gerne, was dieses dreifachverglaste Kunststofffenster dort in weiß kosten würde“ lautet die Antwort in etwa „Jaaaaa… Das ist nicht so einfach… Fragen Sie am besten bei Ihrem örtlichen Schreiner nach… Da kommen dann ja auch noch Montagekosten dazu…“. Und wenn nach hartnäckigem Nachfragen dann gar nichts mehr hilft, kommt stets „Jeder Bau ist individuell. Da kann man nun gar keine Aussage treffen. Sie als Laie haben ja nun gar keine Ahnung“. Das gleiche dann bei Waschbecken, Parkett, Steckdosen, Trockenbauarbeiten etc.
Wieso ist es eigentlich nicht möglich, in der Baubranche auf eine einfache Frage eine einfache Antwort zu erhalten? Muss ja nicht präzise sein. Aber wenigstens so ungefähr. Von mir aus auch aufgerundet. Offensichtlich wird man allerdings handwerkerseits die Hölle tun, sich preislich in irgendeiner Weise zu outen. Am Ende käme jemand auf die Idee, die Angebote zu vergleichen! Ein Skandal! Buuuuuh!
Gut nur, dass das nicht auf andere Branchen übertragbar ist. Ich sehe mich schon montags bei Aldi stehen und auf meine Frage „Was kostet nochmal das ‚bezaubernde Unterwäsche-Set in modischen Dessins‘ aus dem Angebot?“ die Antwort „Tjaaaa… Das kommt darauf an… Welche Größe nochmal? Und zu welchem Anlass möchten Sie es tragen?“ bekommen. Oder bei der Hausbank meines Vertrauens auf die Frage nach Tagesgeldzinsen mit einem „Mmmmhhh… Welche Farbe hat denn Ihr Portemonnaie? Das ist halt alles sehr individuell müssen Sie wissen…“ mundtot gemacht zu werden.
Was Handwerker ja nun echt ärgern muss, sind Plattformen wie „my-hammer.de“ oder auch „reuter-badshop.de“. Da stehen ja Zahlen!!! Das ist ja alles irgendwie nicht mehr total geheim!!! Und die Zahlen haben ja auch tatsächlich eine längere Halbwertzeit als die Ergebnisliste eines Radrennens!!! Unglaublich!
Was ich eigentlich sagen will: Woher rührt letztendlich die völlig fehlende Kostentransparenz im Baubereich? Warum ist es als Laie nicht möglich, sich auf eine einfache Art und Weise einen Überblick über mögliche Material- und Arbeitspreise zu verschaffen? Man verlangt ja nichts wirklich unverschämtes und ist zudem durchaus bereit, gutes Geld für gute Arbeit zu zahlen.
Vielleicht sollte man sich der Situation anpassen und das Taschengeld zukünftig nach der „Bedürfnisse sind halt wahnsinnig individuell, liebes Kind!“-Methode festlegen. Oder dem Arbeitgeber mitteilen, dass er für das seit Jahren gezahlte Gehalt nach neuesten Berechnungen eigentlich nur Anspruch auf zwanzig wöchentliche Arbeitsstunden hat? Ja. Ich weiß. Witzisch…

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