Blut, Schweiß und Zollstock

Ein grausiger Sonntag! Mit Schnittwunden und Blasen… Und Zellulose in Nase, Ohren und Augen. Des Bauherren Haar sah aus wie der Fußboden: zellulosig und irgendwie fluffig. Nach Plünderung des Auto-Verbandskastens war meine linke Hand verbunden und an meiner rechten Hand prangten zwei riesige Pflaster. Zudem kann ich jetzt wirklich die Arme nicht mehr heben.
Positiv daran ist nur, dass mein linkes Handgelenk jetzt nicht mehr so weh tut wie in den letzten Tagen, weil die Schmerzen mehr gleichmäßig über den ganzen Köper verteilt sind. Da fallen einzelne Stellen nicht so ins Gewicht. Aber jetzt liegen ja erstmal fünf baustellenfreie Tage vor uns – bis auf das Bauherr-Tom-Treffen am Dienstag.
Genug gejammert! Mal zu den zellulosigen Fakten von heute: Das Erdgeschoss ist im Prinzip fertig. Fotos finden sich auch heute wieder im Ordner Einbringen der Zellulose. Fehlen eigentlich nur noch die beiden kurzen Esszimmer-Wände, die wir offen gelassen haben, weil sie gleich neben dem Stromverteilerkasten sind. Ich denke, wir haben den Elektriker mit der Arbeit dieses Wochenendes schon genug geärgert. Pech! Hätte er halt wie besprochen eine Woche früher antreten müssen!
Der Bauherr trat den Dienst mit dem neuen Schneidwerkzeug – einem Dämmstoffmesser – an. Dieses war ganz brauchbar – abgesehen von der brutalen Schnittwunde an meiner linken Hand. Blöderweise hatte ich zwischenzeitlich vergessen, dass der Wellenschliff sich auf beiden Seiten der Klinge befindet und mal herzhaft zugegriffen. Argh!
Das war aber schon kurz vor dem Moment, ab dem ich mich nur noch Abmessungen („Neunzeeeehn… Neunzeeeeehn… Neunzeeeeeehn…“) murmelnd mit dem Zollstock in der unverbundenen Hand durch den Resteberg wühlte. Der Bauherr machte sich bereits Gedanken über die Auswahl der Psychiatrie. „Eichberg“ klingt doch irgendwie romantisch… Ich fing mich dann aber wieder etwas und konnte weiterschnippeln.
Rückblickend betrachtet hätten wir deutlich schneller arbeiten können, wenn die Gefachabstände in den Wänden korrekt vermessen gewesen wären. In die meisten Fächer passten nämlich die Matten genau NICHT hinein. Entweder waren sie ein Stück zu breit, das wir in mühsamer Kleinarbeit abschnippeln mussten. Oder aber sie waren ein Stück zu schmal, sodass wir riesige Flächen mit quer geschnittenen Stücken ausstopfen durften. Beispiel: Würfelwand. Sehr ärgerlich, aufwendig und zeitintensiv!
Insgesamt sägten und stopften wir uns ca. sechs Stunden lang mit Atemschutzmasken („Riiiigiiiips! *keuch* Ich bin dein Vaaaater!!!“) durchs Erdgeschoss und dämmten Küche, Technikraum, Gästebad und diverse kleinere Stellen. Im Anschluss kehrten und entrümpelten wir die Baustelle, damit die Schreiner und der Elektriker am Dienstag einen guten Eindruck von uns bekommen. Den Müll mussten wir dann kilometerweit zu den Autos schleppen, da die Nachbarn wieder unser komplettes Grundstück zugeparkt hatten. Aber da war ich schon zu schwach, um mich noch aufzuregen. 
Nachtrag um 20:44 Uhr: Hessenwahl! Fast vergessen! Koch wird nun also doch mein zukünftiger Landesvater. Schlimme Sache. Konnte ja aber im Prinzip nicht schief gehen. Hat er sich doch in letzter Zeit statt mit der Ausweisung krimineller Ausländer mit dem Streicheln von Kindergartenkindern und Kälbchen befasst. Tolle Fotostrecken dazu auf seiner Homepage. Gulp!
Fast noch schlimmer: Thorsten Schäfer-Gimpels Auftritt neben Andrea Ypsilanti. Wie arm…
Mann-o-mann, Hessen! Was tust du mir da an…

2 Kommentare

  1. Tach auch. Eure nette Nachbarn können sich so langsam auf Ihr Gewohnheitsrecht berufen….
    Vielleicht könnt Ihr Ihnen schon einmal etwas pflastern, damit Sie sich die Schuhe nicht dreckig machen…

    1. wir könnten ihnen auch anbieten, unseren carport auf ihr grundstück zu stellen. da müssen sie nicht immer die straßenseite wechseln, wenn sie zum auto wollen…
      nächste woche werden sie endgültig des grundstücks verwiesen. rolli koch fackelt da ja auch nicht lange. wieso also wir? 😀

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