Unter Strom

Der Elektriker war da. Und der Installateur. Und die Schreiner. Und die Baustelle sieht aus wie ein Schlachtfeld. Unmengen von Material überall – an die Wände gelehnt, am Boden, übereinander, nebeneinander, durcheinander. Und dabei hatten wir sooo schön aufgeräumt am Sonntag. Aber gut. Der Reihe nach.
Als ich eintraf, waren die Schreiner noch mit der Verlegung der Kanäle für die Lüftungsanlage beschäftigt und der Installateur werkelte im Hauswirtschaftsraum am Wasseranschluss. Im gesamten Obergeschoss sind bereits überall die Lüftungskanäle verlegt. Wirkt auf den ersten Blick etwas chaotisch, und wo dann die Schläuche der Fußbodenheizung noch hin sollen, ist mir auch nicht ganz klar, aber ich gehe mal davon aus, dass die Jungs wissen, was sie tun. In die schöne Holzbalkendecke im Erdgeschoss sind ein paar hässliche Löcher gebohrt worden, an die die Lüftungsanlage angeschlossen werden wird.
Im Gästebad im EG sind die Installationen für Wasseranschlüsse und Abwasser fertiggestellt. Ebenso im großen OG-Bad. Da konnte ich mich allerdings nicht so recht umschauen, da ich die etwas scheuen Schreiner nicht mit der Kamera verschrecken wollte. Bei dieser Firma sind offensichtlich nur schüchterne und etwas verschämte Handwerker beschäftigt. Am zugänglichsten war noch der – nicht betriebseigene – Installateur, der mich immerhin darüber in Kenntnis setzte, dass er den Elektriker heute noch nicht gesehen hatte.
Der war wohl gestern nach Beendigung der Arbeiten im Wohnzimmer in den Feierabend verschwunden und bisher nicht wieder aufgetaucht. Die Stromkabel im OG scheinen komplett verlegt zu sein und die beiden Verteilerkästen sind gesetzt. Immerhin. Vor Freitag sollte er aber unbedingt fertig sein, damit wir weiter beplanken können. Die OSB-Platten warten! Ja, meine Hübschen, Mutti kommt ja bald… An dieser Stelle: ein irres Lachen.
Ich habe – ohne die Schreiner weiter unnötig in Verlegenheit zu bringen – schnell alles fotografiert, was mir vors Objektiv kam. Fotos finden sich im neuangelegten Ordner Installationsebene. Sieht nach zwei Tagen schon echt heftig nach Baufortschritt aus. Schööön!
Gar nicht schön ist hingegen das, was ich heute in „LIVING&MORE“ lesen musste. Wo kann man Anzeige wegen „Vergewaltigung von Sprache“ in Tateinheit mit „unsachgemäßem Gebrauch von Adjektiven“ und „peinlicher Verniedlichung von Frühblühern“ erstatten? Als ich die folgenden Sätze lesen musste, war mir nach Lynchjustiz am Texter:
„Japanische Teetassen im Craquelé-Look beherbergen liebliche Schneeglöckchen, die feine Zeichnungen auf ihren nickenden Köpfchen tragen“
und
„Zwischen den Gitterstäben eines kunstvollen Vogelbauers blinzeln zauberhafte Blausternchen hervor“
und
„Das Hyazinthen-Bouquet im hübschen Zinkei-merchen (wer trennt denn bitte an dieser Stelle?!) betört mit kräftigem Lila, reinstem Weiß und intensivem Duft“
Da mischen sich Ekel, Entsetzen und Erstaunen.  Von all den zahllosen Kasusfehlern („mit samt den Zwiebeln“) und verquasten Formulierungen („Für ihren Job (…) bräuchte sie eigentlich…“) fangen wir mal besser gar nicht erst an. Im Kapitel „Genießen“ findet sich dann die Erklärung: „Olivenbrot – ein Klassiker aus Italien – genießen wir am liebsten pur mit einem Glas Wein“. Seid ehrlich: Es ist am Tag vor der Drucksetzung nicht bei einem Gläschen geblieben…
 

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