Baumarkt und Buddhismus

Ein ziemlich ereignisloser Tag eigentlich auf den ersten Blick… Abgesehen davon, dass es passieren kann, dass ich demnächst im Büro vollkommen durchdrehe. Ein Problem, das der Bauherr seit heute nicht mehr hat. Nach dem Katholizismus-Schwenk in die Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil und den aktuellen Bauproblemen, hat er sich laut eigener Aussage nun dem Buddhismus zugewandt. Er machte auch heute im Baumarkt einen äußerst ausgeglichenen Eindruck. Fast beängstigend ausgeglichen.
Der einzige Moment des Tages, an dem der seit Wochen schwelende Zorn in ihm hochkam, war der, in dem er verkündete, dass er in sich gegangen sei und eine Entscheidung gefällt habe. Das Haus anzuzünden sei nicht die Lösung. Er erwäge, es sozusagen zum Abdecker zu bringen bzw. an einen zwielichtigen Pellets-Händler aus dem Ostblock zu verscherbeln. Und selbst diese Ankündigung erfolgte mit einem gleichmütigen und fast entspannten Lächeln.
Der Baumarktbesuch wurde nötig, da die Trockenbauer mit den verbliebenen Schrauben nicht ganz zufrieden waren. Sie forderten Nachschub an den Torx-Schrauben der ersten Lieferung. Dem Bauherrn entlockte das nur ein müdes Lächeln und die Worte „Das ist alles Einbildung, alles nur Schein.“ Wir fuhren also zum Baumarkt.
Ich nutzte die Gelegenheit, ihn in diesem tiefenentspannten Zustand zu den Tapetenbüchern und durch die Lampenabteilung zu schleppen. Alles heute kein Problem. Bei den Lampen wurden wir zwar nicht fündig, aber die Tapetenentscheidung für die Wohnzimmerwand ist gefallen. Achtung! Wir nehmen diese hier von Contzen. In die hatte ich mich gleich verliebt (schon vor Wochen), war aber davon ausgegangen, dass sie dem Bauherrn nicht zusagen würde. Er fand sie toll! Ich liebe den Buddhismus!
Der morgige Baustelleneinsatz wurde auf 8:30 Uhr vor Ort festgelegt. Wie soll das gehen? Ich bin total am Ende von der obernervigen Arbeitswoche mit diversen mehr oder weniger (eher mehr) schwachsinnigen Kolleginnen, die Formularcenter („Formularsender“) und File-Transfer („Pfeil-Transfer“) nicht schreiben können. Oder die verzweifelt im Internet auf Männerfang gehen und dabei blöderweise Spiesen-Elversberg mit Stadecken-Elsheim verwechseln und dann Wochenendbeziehungen führen müssen, was sie vorher kategorisch ausgeschlossen hatten. Oder die den ganzen Tag wegen ihrer Wechseljahrsbeschwerden bei Minusgraden die Fenster sperrangelweit aufreißen müssen, obwohl der komplette Rest der Abteilung irgendwann bibbernd und zitternd in Mäntel und Schals gehüllt verzweifelt irgendwie noch zu tippen versucht. Oder… oder… oder…
Vielleicht wäre der Buddhismus auch etwas für mich? Wohl eher nicht. Ständig ausgeglichen zu sein würde mich zu sehr anstrengen. Bei MrFlax gefällt mir das aber. Mal sehen, wie entspannt er morgen ist, wenn wir vor der verschandelten Gästezimmerwand stehen werden. Und wenn die Nachbarn wieder vor dem Haus parken. Und wenn die Beplankung nicht so funktioniert wie geplant. „Das ist alles Einbildung, alles nur Schein.“

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