Gott will das Böse nicht

Warum lässt er es also zu? Um unserer Freiheit willen? Eine Frage, mit der sich bereits viele schlaue (und auch einige weniger schlaue) Menschen beschäftigt haben. Seit heute ist zumindest geklärt, wo er es zulässt, nämlich in deutschen Zulassungsstellen.
Als erstes machte ich mich heute morgen in den wenigen verbliebenen Umzugskartons auf die Suche nach meinem letzten TÜV-Bericht vom Juni 2008, der für die Ummeldung offensichtlich erforderlich ist. Erfreulicherweise fand ich ihn recht schnell. Ein Problem weniger!
Das Auftreiben einer Deckungskarte – das Ding heißt mittlerweile nicht mehr Deckungskarte, aber das ändert an den Tatsachen eigentlich so gut wie nichts – war dann schon etwas kniffliger. Als ich ankündigte, nach Mainz zu fahren, um sie zu besorgen, fragte der Bauherr, warum ich nicht zu einer Versicherungsagentur in der Nähe führe. Mmmmhhh… Darauf muss man auch erstmal kommen.
Um weitere Verzögerungen, die möglicherweise durch meine übliche Desorientierung in fremden Gefilden ausgelöst werden könnten, zu vermeiden, beschloss er, mich zu begleiten. Danke! Die Aktion verlief ebenfalls ohne größere Schwierigkeiten. Siegessicher machten wir uns mit den nun vollständigen Unterlagen auf den Weg zur Zulassungsstelle in Idstein. Ein Fehler!
Es war zwar nicht wahnsinnig voll, aber es entstand fast eine Revolution während der endlos langen Warterei. Verschiedene örtliche Autohändler drängelten sich vor, die restlichen Wartenden standen kurz vor der Meuterei, es wurden lauthals Handy-Telefonate geführt und alle Viertelstunde wurde eine neue Nummer aufgerufen.
Die Frau mit dem Handy breitete ihren gesamten Autoverkauf an einen Tschechen, dem sie nicht recht traute und der vor ihrer Wohnung auf sie wartete, in mehreren Telefonaten aus. Irgendwer wurde beauftragt, das Bargeld vor ihrer Wohnung vom Verkäufer entgegen zu nehmen und sofort zur Sparkasse zu fahren, um es auf Echtheit zu prüfen. Sie selbst wollte derweil das Auto stilllegen lassen. Über alle diese interessanten Vorgänge mussten mehrere unbeteiligte Personen ebenfalls noch telefonisch unterrichtet werden. Schließlich ging sie dazu über, die katastrophalen und unzumutbaren Unerträglichkeiten auf der Zulassungsstelle in epischer Breite zu schildern. Am Ende verspürte man nur noch das Bedürfnis, ihr das Handy wegzunehmen, es auf den Boden zu werfen und – für den Fall, dass es noch nicht komplett zerstört sein würde – eine Weile lustig darauf herumzuhüpfen.
Kurz bevor ich die Nerven verlieren konnte, wurde unsere Nummer aufgerufen. Im betreffenden Büro saß ein junger Mitarbeiter, der offensichtlich völlig überarbeitet, hektisch und dennoch ernsthaft bemüht war, die Situation irgendwie in den Griff zu bekommen. Witzigerweise war ein zweiter Schreibtisch besetzt, an dem eine ältere Kollegin des mittlerweile mit Schaum vor dem Mund rotierenden jungen Mannes saß, die in aller Seelenruhe offensichtlich seit Stunden ein und den selben Mann abfertigte – einen Händler. Wer solche Kollegen hat, braucht auch keine Feinde mehr!
Jedenfalls erhielten wir am Ende die Papiere, durften uns ein passendes Kennzeichen anfertigen lassen und schließlich bezahlen. Die Stimmung im Warteraum brodelte. Auf dem Parkplatz saßen Leute in ihrem Auto – sie hatten eben kurz vor 12 Uhr noch eine Nummer gezogen – und waren offensichtlich damit beschäftigt, Papiere zu vernichten. Sehr, sehr seltsam… Papierfetzen flogen über den Parkplatz und während der Bauherr die neuen Schilder am Fiat montierte, roch es plötzlich verbrannt. Die beiden hatten damit begonnen, einige zerknüllte Blätter zu verbrennen. Nun ja…
Wenn es denn nötig war…
Voller Mitleid mit dem armen Sachbearbeiter verließen wir den Ort des Geschehens.
Der Rest des Tages verlief deutlich angenehmer, wenn auch ereignisloser. Zu erwähnen wäre nur, dass das Einzugsgeschenk von Janett toll ist und in unsere geniale Außenanlage (Fotos folgen…) integriert wurde. So wie gestern schon die Sonnenblume von Heike. So langsam ist es an der Zeit, etwas Struktur in die Grundstücksgestaltung zu bringen. Die Terrasse wird wohl jedenfalls nicht mehr vor Ende meines Urlaubs eintreffen. Vielleicht klappt es ja wenigstens noch vor dem ersten Schnee…

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