Der unmögliche Spagat zwischen Freundlichkeit und Erfolg

Eigentlich hatte der Bauherr für heute ganz andere Pläne. Und Max eigentlich auch. Nur ich war leider gezwungen, meinen ursprünglichen Plan – ins Büro zu fahren und acht Stunden zu arbeiten – in die Tat umzusetzen.
Max wachte mit einer fetten Erkältung auf, die sich in den letzten Tagen bereits durch einen erhöhten Schlafbedarf angekündigt hatte. Nach einem Versuch, aufzustehen und sich schulfertig zu machen, wurde diese Idee relativ schnell wieder verworfen. An der Rückkehr ins Bett führte kein Weg vorbei.
Der Bauherr hingegen verbrachte den kompletten Tag damit, vom Würfel – der Zentrale der Macht – aus Baufortschritte in Gang zu bringen. Ein Telefonat ergab das andere. Google tat sein übrigens. Und am Ende standen ein paar Termine mehr auf der Liste und wir hatten unsere Carport-Freiheit zurückgewonnen.
Das ganze begann mit intensiven Recherchen zu Pflastermaterial und -arbeiten und weiteren dafür in Frage kommenden Firmen. Eine vom zuletzt erschienenen Gartenmann locker in den Raum geworfene Preisangabe hatte uns etwas geschockt. Der Bauherr kam nach einigen Nachforschungen auf ein Drittel des angegebenen Preises für die Pflasterarbeiten.
Er fragte ein paar weitere Gartenbaufirmen in der Umgebung an und vereinbarte Termine. Wollen wir doch mal sehen, ob das nicht deutlich günstiger geht…
Um die endgültige Höhe des Straßenniveaus zu erfahren, setzte sich der Bauherr mit dem Wolfinator in Verbindung. Ein verhängnisvoller Fehler, wie sich herausstellte. Erstens dauerte das Gespräch eine Dreiviertelstunde, zweitens brachte es keinerlei Ergebnis und drittens erinnerte es unseren Herrn Planer daran, dass er uns ja noch eine Rechnung schicken muss. Weshalb eigentlich?! Seit der letzten hatte er eigentlich nur die Vorbauwand des OG-Bades verplant und war ansonsten von keinerlei Nutzen gewesen.
Unmittelbar nach dem Telefonat beschloss der Bauherr, dass ein Anruf beim Bauamt ihn vielleicht weiterbringen würde. Dort geriet er an den „netten“ Sachbearbeiter, der mir beim letzten Besuch klar gemacht hatte, wie dumm und unfähig genau ich eigentlich bin. Diesmal erklärte er dem Bauherrn, wie dumm und unfähig unser Architekt genau sein müsse, wenn er die Frage nicht hatte beantworten können. Prima! Ich bin nicht die einzige Blöde!
Immerhin konnte die Frage nach der Höhe des Straßenbelags und sogar die nach dem wahrscheinlichen Zeitpunkt der Fertigstellung derselben geklärt werden.
Anschließend wurde das Würfeltelefon nochmals benutzt, um Kontakt zu unserem Carport-Hersteller-Insolvenzverwalter aufzunehmen. Bisher war es uns nämlich nicht gelungen zu klären, ob eventuell irgendwann auf unseren damaligen Auftrag zurückgegriffen wird, und ein Lkw mit den Carportteilen vor der Tür steht. Seit heute wissen wir nun, dass das nicht der Fall sein wird. Wir können also auf ein anderes Angebot zurückgreifen, das sogar kostengünstiger ist. Zudem wird es exakt auf unser Fundament abgestimmt, sodass es an dieser Stelle auch keine Probleme geben sollte.
Das ärgerlichste Telefonat des heutigen Tages führte der Bauherr jedoch mit unserem Bauleiter, für dessen Verhalten ich mittlerweile nicht mehr sehr viel Verständnis aufbringe. Was mich an solchen Situationen am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass wir hier wohl längst mit dem Rotweinglas auf der Terrasse sitzen würden, wenn wir richtig nervige und ätzende Kunden wären. Schade, dass man am Ende immer der Depp ist, wenn man – aus offensichtlich völlig verfehlter Erziehung heraus – versucht, möglichst geduldig, freundlich und verständnisvoll an die Dinge heranzugehen.
Hätten wir bei Zeiten ordentlich Terror gemacht, gedroht und uns wie echte Fieslinge geriert, wäre uns der ganze Ärger wahrscheinlich erspart geblieben. So haben wir uns mit unserer lächerlichen und verfehlten Freundlichkeit in eine Situation manövriert, die selbst jetzt noch Bauleiter dazu animiert, Rückrufe zu versprechen, die dann nicht getätigt werden. Es nervt einfach nur noch.
Von der Frist, die dem Elektriker zur Nachbesserung gesetzt werden sollte, war auch nicht mehr die Rede. Und der Tiefbau-Termin sollte auch wieder eine Woche nach hinten geschoben werden. Die Bauherrschaft ist mittlerweile in stark gereizter Stimmung und zum Äußersten bereit. Was „das Äußerste“ genau ist, steht zwar noch nicht endgültig fest, wird aber mit Sicherheit kein Spass sein. Wir können auch gemein und fies, wenn wir wollen! Hoffen wir jedenfalls…

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