„Share the moment“ – Part II: A hard day’s night

649785436 b59f18b487Na endlich! Gleich ist es soweit: Lena Mayer-Vorfelder singt ihr unvergleichliches Liedchen für Deutschland. Wie lange hat man auf diesen Augenblick gewartet! Leider hat sie sich für Startplatz 22 entschieden, sodass es noch eine Weile dauern wird. Vorher werden andere wunderbare und musikalische Menschen an uns vorbeidefilieren. Die Spannung steigt ins Unermessliche.

Als erste versucht Safura aus Aserbaidschan, sich mit „Drip Drop“ in die Herzen der Zuschauer zu tröpfeln. Nicht ganz einfach, bei einem bekannt kritischen und anspruchsvollen Publikum, wie dem, das der Eurovision Song Contest alljährlich vor die Bildschirme zieht. Das langt jedenfalls nicht. Ausgetröpfelt, Safura!

Der Spanier, der aussieht wie eine Mischung aus Andreas Vollenweider und Mick Hucknall versagt ebenfalls auf ganzer Linie. Nicht mal schwiegermutterkompatibel, der Gute…

Norwegen versucht mit Kai Pflaume und einem Billy-Bragg-Cover zu punkten. Die typische Schlager-Leidenschaft-Imitations-Faust darf nicht fehlen. Schmachtblick inklusive. Haben das Lied nicht schon die Kellys Anfang der 80er in deutschen Fußgängerzonen zum Bsten gegeben? O.k. No way, Norway!

Nebenbei: Wo bleibt eigentlich Lena Müller-Wohlfahrt? Vielleicht mal ein kleiner Blick hinter die Kulissen?

„Run Away“ – Moldau hat wenigstens einen Titel gefunden, der zur Performance passt. Endlich! Ein echter Vokuhila! Der Bauherr unternimmt den ersten Ausbruchsversuch. Sowas geht gar nicht. Er wird zurück in den Sessel beordert. Da muss er jetzt durch. Hätte er mich halt vor zwei Jahren nicht heiraten sollen. Selbst schuld! Immerhin wissen wir jetzt, wer Simon Amanns Brille nach der 4-Schanzen-Tournee ersteigert hat.

Ah! Zypern! Mit einem Waliser an der Gitarre. Klingt wie Jack Johnson – nur doofer. Wenigstens mal eine Pause im Glitzer-Show-Aufgebot. Währenddessen schießt Gomez das zweite Tor für Deutschland im Testspiel gegen Ungarn. Immerhin trifft der Bubi die Töne. Ganz nett, aber keine Lena Leuthäuser-Schnarrenberger!

Nun also BosniaHerzengowina, wie meine Lieblingskollegin zu sagen pflegt. Kurze Röckchen beim Background-Chor reißen es halt doch nicht raus. Klingt wie ein Raubzug bei den Scorpions. Das Gute: Der Sänger ist sicherlich kein Busenfreund von Gerhard Schröder. Hoffe ich jedenfalls. Der Song ist allenfalls für Boxkämpfe geeignet. Von mir aus als Doro-Pesch-Cover. Gulp…

Belgien schickt einen netten Jungen Mann ins Rennen. „Me & my guitar“ – immerhin steht er da ganz alleine. Belgien kennt man ja ansonsten mehr wegen seiner Pommes und Kälbermastpräparate. Das hier scheint aber ziemlich weit von beidem entfernt. Fettfrei und blutleer. Tom Dice erinnert an Thom Pace. Maybe… Der Kommentator verhaspelt sich anschließend vor Erregung. Erinnert an Karsten Migels bei einem Boonen-Sprint.

Noch 14 Titel bis Lena Sachenbacher-Stehle…

Serbien… Grmpf… Zeit für einen Gang zum Kühlschrank… Was machen die beiden Spieluhr-Strass-Tanten im Hintergrund? Grottig…

Auf dem Weg zum Kühlschrank fiel mir auch endlich ein, an wen der Serbe mich erinnert hat: an die Tante mit den dicken Lippen aus dem Ballsaal der Muppet-Show. Aber nun zu Weißrusslands äußerst demokratisch gewähltem Beitrag. Das Lied ignorieren wir am besten komplett und konzentrieren uns auf die Schlussszene. dann entfalten sich nämlich die Kleider der Sängerinnen zu Schmetterlingskostümen. Da! Wahnsinn! Wenn das nix ist…

Gottlob hat Lena Schäfer-Gümbel das nicht nötig. Pah!

Die Irin auch nicht. Besser so. Die kennen wir ja schon. Und wissen, dass sie zumindest singen kann. Sehr beruhigend. Klingt allerdings wie Johnny Logan, den sie ja einholen will mit dem zweiten Grand-Prix-Sieg. Ob das was wird… Mit der Milva-Perücke… Wohl eher nicht… Obwohl…

Oops! Griechenland versucht mit Burger-King-Werbung Kohle ins Land zu bringen. Oder warum heißt das Lied „Whopper“? Die Choreographie erinnert an „Badende Venus“ mit Esther Williams. Und die Perlenkette? Da wäre jetzt ein Ouzo fällig. Wenn ich einen hätte. Einen für meine Freunde. Meine guten Freunde…

Und jetzt endlich der Shit-Factory-Song aus England. Bei der Gelegenheit empfehle ich als Gegengift eindringlich Peter and the Test Tube Babies. Das ist so nicht auszuhalten. Das hätte uns nicht mal Ralph Siegel angetan. Und das will schon was heißen. Grusel-Pop vom Feinsten! 

Wo bleibt nur Lena Siemoneit-Barum?!

Georgien mit einer optischen Granate. Einer Granate, die stimmlich zum äußersten entschlossen ist. Wenn sie sich bloß nicht ständig von diesen tuntigen Tänzern begrapschen lassen würde…

Die Türkei in Englisch. Mit arschwackelnden Robotern im Hintergrund. Super! Der Gitarrist wirkt wie Tokyo Hotel abgekauft. Im 1-Euro-Shop. Die Fahnenschwenker kenne ich. Die sind immer beim Mainzer Rosenmontagszug dabei. Helau!

O.k. – Albanien. Lena Meyer-Wölden rückt näher. Oops! Ireen Sheer in blond! Mit einem durchgeknallten Geiger. Das hatten wir doch erst. Das wird sicher nichts. Gruselnummer. Kühlschrank!

Endlich. Island. Hera Björk. Eine Frau wie ein Vulkanausbruch! Doofes Lied allerdings. In diesem Kleid sieht sie aus wie einer der Thun-Weinachtsengel meiner Mutter. Das Kleid müsste allerdings Löcher haben, hinter denen Teelichter stehen. Immerhin kann sie singen. Das ist ja schon was.

Die Ukraine mit einer Klitschko-Choreographie. Krabat lässt grüßen. Blöderweise steckt unter der lächerlichen Kapuze nur eine 08/15-Blondine. Die Windmaschine gibt jedenfalls alles. Zwischendurch fragt man sich, ob die Frau noch etwas anhat außer rot gefärbtem Seetang. Lustige Aufmachung. Aber das war es auch schon.

Fronkreisch! Land der Froschschenkel und des Lavendels! Sieht aus wie Dr. Alban und singt wie Fußballfans in der Südkurve. Allenfalls WM-tauglich, aber das hatte ja sogar der Kommentator schon festgestellt. Mehr als offensichtlich also. Laaaang-weiiiii-liiiiig!

Noch drei Songs bis Lena Toulouse-Lautrec!

Rumänien spielt derweil nicht mit dem Feuer, wie man dem Titel des dargebotenen Liedchens entnehmen könnte, sondern mit der Geduld der Zuschauer. Plexi-Flügel – hatten wir schon. Latex-Klamotten – Lara Croft reißt auch keinen mehr aus dem Sessel. Nööö… Nix…

Russland. „Lost and forgotten“. Das geht ans Herz – wenn man denn eins hat. Blöderweise kommt da mehr James Blunt rüber als Dostojewski oder Tolstoi. Und was soll der Schal? Immerhin könnte er vielleicht eine Chance als Sharuk-Khan-Double haben. Und tschüss!

So. Amenien. Vorgruppe von Lena Reich-Ranicki. Jetzt kommt die Pfirsich-Nummer. Ich bin schon ganz aufgeregt! Schade, dass die Haare nicht echt sind. Jedenfalls die unteren zwei Drittel nicht. Und was machen diese Gestalten aus tschechischen Märchenfilmen der 70er da im Hintergrund? Ah! Der Baum! Endlich!

So. Da isse! Lena Noelle-Neumann. Szenenapplaus! Weiter so! Wenn man den Text mal schwarz auf weiß gelesen hat, kann man ihn auch verstehen. Die deutsche Fan-Kolonie rastet aus. Warten wir’s ab. Für Portugal startet die Schwester von José Azevedo. Süüüüüß wie ein Meerschweinchen beim Betteln um Futter. Jodelig wie Mariah Carey, aber ohne platzendes Bühnenoutfit. Leider aber auch ohne Chance. Sach ich ma‘. Lena Gonzalez-de Galdeano war natürlich um Längen besser!

So. Noch zwei öde Nummern – und dann endlich der wirklich tolle Teil des Abends: die Abstimmung. Nur noch Israel überleben! Und dann Dänemark. Israel ist sogar auszuhalten. Der Sänger sieht deutlich schlimmer aus, als das Lied dann klingt. Man darf halt nicht hinschauen. Dann ist es echt nicht übel. Gar nicht übel sogar nach längerem Wegschauen und Zuhören. O.k. – da war er: der Horrorton. Einer… 

Dänemark wäre eigentlich der ideale Toilettenmoment, aber dazu ist gleich noch ausreichend Zeit. Da kommen ja dann die tollen Darbietungen aus dem Gastgeberland. Schlimmer als der dänische Beitrag können auch norwegische Feuerschlucker nicht sein. „In a moment like this“ wünscht man wirklich, man wäre woanders. Egal wo.

Wie? Was? Spanien nochmal? Gut. Dann halt jetzt Toilette. Der große Blonde mit dem weißen Schuh mit seinen Marionetten. Dieser Zirkuskram gefällt höchstens Stéphanie von Monaco…

Jetzt nur noch gefühlte zweihundert Schnelldurchläufe… Und dann 39 „Votes of the XYish Jury“ bzw. „Results of the XYish TeleVoting“ – und dann isses endlich klar: Lena Müller-Lüdenscheid gewinnt den Grand Prix! Für Deutschland! Erst Papst, dann ESC-Sieger – und dann Fußball-Weltmeister. Ist doch der Bild-Plan, oder? Lästiges Rahmenprogramm…

Sorry! Cooler Flashmob!

Es geht los! Die Punkte!

Rumänien: 3 Punkte. Ein übler Anfang. Irland: 8 Punkte. Geht doch! Mr. Ich-bin-dann-mal-weg, der den Jakobspfad für jeden Menschen mit etwas Stolz im Leib unbegehbar gemacht hat. Gähn. Gibt eh keine Punkte für Lena Däubler-Gmelin. Serbien: 8 Punkte. Nahezu unglaublich! Albanien: 10 Punkte!!! Der Urlaub in Tirana ist so gut wie gebucht. Türkei: 10 Punkte! Vielleicht doch Antalya? Kroatien: 6 Punkte. Gut… Kann man mit leben… Polen: 7 Punkte. Nuuun… Bosnien-Herzegowina: 8 Punkte. Finland: 12 Punkte! O.k. – Helsinki – wir kommen! Slovenien: 10 Punkte… Da stockt dem Zuschauer der Atem! Estland: 12 Punkte!!! Ein Wochenendtrip nach Tallinn ist so gut wie gebucht. Russland: 6 Punkte – mehr als zu erwarten waren. Das scheint ein wirklich sensationeller Abend zu werden.

Portugal: 1 Punkt. Ciao, Lisboa. Das war’s! Aserbaidschan: zum ersten Mal 0 Punkte. Pah! Griechenland: 2 Punkte. Ein Skandal! Ich will meine Steuern zurück!!!! Dieses undankbare Gesocks! Island: 3 Punkte – und das trotz der Beeinträchtigungen unseres Flugverkehrs durch den blöden Vulkan. Island, was erlaube?! Dänemark: 12 Punkte. So ist das gut. Danke, Kopenhagen! Frankreich: 3 Punkte. War ja klar… Spanien: 12 Punkte. So muss das sein! Ich verspreche auch, mir ein paar Vuelta-Autobahn-Etappen anzuschauen!

Die Slowakei: 12 Punkte. Hammer! Bulgarien: 3 Punkte. Nun gut. Ich bin großzügig. Ich kann verzeihen. Ukraine: 5 Punkte?! Frechheit! Lettland: 12 Punkte. So mag ich das! Riga kann man ja beim Tallinn-Trip mitnehmen. Malta: 4 Punkte. Norwegen: 12 Punkte. Hervorragend! Zypern: 4 Punkte. Die zukünftigen Urlaubsziele scheinen sich eher nördlich zu befinden. Litauen: 10 Punkte. Das sieht nach einer Rundreise durch die baltischen Staaten aus. Weißrussland: nix. Pah! Schweiz: Ich zähle auf Jonas und wagenge – Bingo! 12 Punkte. Brav! Belgien: 10 Punkte. Darauf einen Pot Belge! England: 4 Punkte. Klar… Das Englisch war für Muttersprachler unerträglich. Ihr habt mein vollstes Verständnis. Niederlande: 4 Punkte. Das ist ja schon mehr als man erwarten konnte.

Israel: 0 Punkte. Grrrr! Mazedonien: 8 Punkte – das war’s! Lena Engelen-Kefer ist durch!!! Moldau: 0 Punkte, aber das macht ja nu nix mehr. Georgien: 0 Punkte. Bitte. Wenn die Tante meint… Schweden: 12 Punkte. Nördlich. Ich sagte es bereits! Da fährt man doch doppelt so gerne zu IKEA! Armenien: nochmals 0 Punkte. Macht ja nix. Is‘ ja durch! Lena Elvers-Elbertzhagen hat unglaublicherweise den Grand Prix gewonnen. Ich erinnere mich noch gut an die Nacht mit Nicoles „Ein bißchen Frieden“ – und an die unzähligen Nächte danach, in denen man die Ein- und Zwei-Punkte-Votings zählen musste. Nicole hatte nur einen Vornamen. Lena Meyer-Landrut hat einen Vor- und zwei Nachnamen. Die nächste deutsche Siegerin wird demnach wohl Oda-Gebbine Holze-Stäblein heißen.

1 Kommentar

  1. Ganz wunderbar, Frau Flax. Besser als Selbergucken! Allein schon, die Raab-Fresse nicht sehen zu müssen. Oder mein persönlicher Horror der letzten Jahre: die Diskussion der Darbietungen durch Georg
    Uecker. ^^

    Und wenn ich beim Einkaufen mal wieder griechischen Spargel nach Griechenart faul in der Gemüseablage rumgammeln sehe, werde ich ihm den Kopf abreißen. Eine bodenlose Frechheit, diese mickrigen
    zwei Punkte für unsere Bundesverdienst-Lena Fritz-Odenthal! X(

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