Gut, Knut!

39 - Zoo 9582Ach, Gottchen! Da war die Kollegin, die noch vor einiger Zeit Angst vor einem terroristischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt ihres Hundert-Seelen-Kaffs hatte, ja heute morgen völlig fertig. Der Volks-Eisbär! Tot in seinem Becken! Knut, was erlaube?! Und ich habe es wegen der Sarkozy-Angriffe auf Libyen und der lächerlichen dreifachen Zerstörung Japans nicht mal mitbekommen! Ich bin untröstlich. Erst Paul, dann Knut. Wie soll ein Land damit fertig werden?

Herr Drüwa vom Tierpark Neumünster ist jedenfalls ziemlich am Ende (BILD: „Tierpark-Chef erschüttert über Knuts Tod“). O-Ton BILD: „Der Tierpark hat nach einem Rechtsstreit von den Berlinern 430 000 Euro erhalten, damit er die Rechte an dem kleinen Eisbären abtritt.“ Vielleicht ist ihm das ja ein Trost. Wenn auch ein schwacher. Für die Berliner ist es jedenfalls sicher keiner. Da haben sie eine halbe Million gezahlt und dann macht der blöde Eisbär den Abgang! Frechheit!

„Im Juli 2010 war Eisbären-Dame Gianna nach rund zehn Monaten in ihren Heimatzoo in München zurückgekehrt. Seitdem lebte Knut in einem Gehege mit den drei weiblichen Tieren Nancy, Katjuscha und seiner Mutter Tosca.“  O.k. – mit Muttern und zwei anderen Weibern, von denen eine auch noch Nancy heißt. Und seine Mutter?! Das fiese Weib! Nix von wegen „Mit Tosca kam die Zärtlichkeit…“. Die konnte ihn doch von Anfang an nicht ab. Und dann ständig die kreischenden Teenies und sentimentalen Mittfünfzigerinnen am Beckenrand. Wie soll das gut gehen? Im Prinzip braucht es da keine Obduktion mehr: Das war Selbstmord. Knut ist ins Wasser gegangen. Der hatte einfach die Schnauze voll.

Noch voller hätte er sie wahrscheinlich, wenn er jetzt noch einige Sätze aus der BILD-Rubrik „So nehmen die Fans Abschied von Knut“ lesen müsste. Zum Beispiel diese: Wir sind unendlich traurig, aber ein Kreis scheint sich zu schließen. Welcher Kreis nochmal? Etwa Phil Collins‘ lächerlicher ‚Circle of Life‘? Na, danke…

Tiere zeigen oft ihre Trauer innerlich. Wir haben einen Plüsch-Eisbären und er bekam 2007 den Namen Knut. Seit vier Jahren liegt dieser Eisbär im Bett meines kleinen Sohnes.“ Gottlob handelt es sich um einen Plüsch-Eisbären und nicht um ein echtes Raubtier im weißen Kuschelfell. Das Kind ist mit seinen wahnsinnig originellen Eltern ja nun schon bestraft genug…

Mach es gut kleiner weiser Riese, wir werden Dich sehr vermissen. Denke das Herz wurde Dir zu schwer. Ähemmm… Ich nehme an, es handelt sich um einen Orthographiefehler. Als besonders ‚weise‘ ist mir das Vieh nämlich nicht in Erinnerung. Weiß. Ja, o.k…. Am Anfang zumindest, als es noch süß war… Und was bedeutet ‚das Herz wurde zu schwer‘? So schwer, dass es ihn unter Wasser gezogen hat? Mann, Mann, Mann…

Immerhin gibt es einen wirklich tollen Nachruf auf Knut von meinem Freund F.J. Wagner („Lieber Knut…“). Ich finde, den hat er wirklich verdient, der Knut. Mit seinen ‚Knuddelkuschelaugen‘. Vielleicht sollte ich F.J. eine Flasche Hochprozentiges spendieren, um ihn weiter zu solchen literarischen Höchstleistungen anzuspornen? Das war diesmal wirklich ein Volltreffer.

Was könnte dazu denn jetzt für ein Foto passen? Die Titanic legt vor mit „Neuer Star für den Berliner Zoo…“ und einer tollen eCard („Gedenkkarte Knut“) für alle die, die ihr Leid per Mail mit Gleichgesinnten teilen möchten. Mit anderen Knut-Fans sozusagen. Da fällt mir jetzt irgendwie nichts ein…

Zum Abschluss also nochmal ein Highlight aus der BILD-Kondolenz-Serie: Inmitten von Erdbeben, Tsunamis, AKW-Zerstörung und Krieg in Libyen ist auch in der Tierwelt ein herber Schlag eingetroffen. Unser Lieblingseisbär Knut ist leider tot...  Ja, Mensch! Scheiß‘ auf den Kinderkram, der sonst gerade so auf der Welt passiert, und auf die Regeln der deutschen Sprache. Was sind schon knapp 20.000 Japaner und eine ordentliche Formulierung gegen einen kuscheligen, knuffigen, süüüüßen, überaus goldigen Eisbären?! Eben. Nix.

Zurück zum Foto. Knut habbich nich‘. Andere, natürlich weniger wichtige Eisbären, auch nich‘. Nich‘ mal einen Plüscheisbären. Max hatte nämlich ein Nilpfed… Mist! Ach, was soll’s?! Nehme ich halt eine Schneeeule. Die ist auch weiß. Vielleicht merkt’s ja niemand…  

2 Kommentare

Kommentar verfassen