Grünes Geheimnis

33 - Grünliches 2485Am heutigen Gründonnerstag ist es wohl an der Zeit, einem der letzten Geheimnisse der Hessenheit nachzuspüren. Als neuhessische Hausfrau sollte man sich wohl einmal an der Frankfurter „Grie Soß“ versucht haben. Und da ich ja an künftigen Gründonnerstagen nicht auf die zur Zeit allerorten angebotene Kräutermischung im weißen Papier angewiesen sein möchte, galt es, zu ergründen wieviel von was denn nun da drin ist.

Meine Mischung stammte von hier: www.schnittlauch.de. Angegeben auf der Tüte war ein Mindestgewicht der Kräuter von 200 Gramm. Also erstmal das tatsächliche Gesamtgewicht feststellen. Her mit der Waage! Es befanden sich in meiner Tüte gut ein halbes Pfund Kräuter. Klären wir als nächstes die Frage der Zusammensetzung. Was drin war, ist klar, aber nicht zu welchen Anteilen. Also wurde die grüne Pracht erstmal in sieben kleine Häufchen sortiert und diese jeweils separat abgewogen. Ich kam auf folgende Mengen: 107 g Sauerampfer, 52 g krause Petersilie, 20 g Borretsch, 20 g Kerbel, 17 g Schnittlauch, 17 g Pimpinelle und 16 g Kresse. Und zwei Grashalme und ein wenig unidentifizierbares Grün.

Grob gerundet könnte man also sagen, dass für zukünftige Eigenproduktionen folgende Mengen nötig sind:
4 Teile Sauerampfer, 2 Teile Petersilie und je 1 knapper Teil Borretsch, Kerbel, Schnittlauch, Pimpinelle und Kresse. Fertig ist das Kräuterpaket für die Frankfurter „Grüne Soße“. Bis auf Borretsch und Pimpinelle habe ich prinzipiell auch alles im Beet. Der Borretsch begegnete mir dann bei einem kurzfristig anberaumten Gärtnereibesuch, bei dem eigentlich zwei weitere Großpackungen Torf gekauft werden sollten. Ich nahm ihn mit. Pimpinelle gibt es erst demnächst wieder. Die werde ich dann aber auch noch pflanzen.

Zurück zur Grie Soß! Die Suche nach einem Rezept erwies sich als deutlich komplizierter als ich erwartet hatte. Davon gibt es nämlich soviele Varianten wie hessische Haushalte. Zu allem Überfluss stieß ich sogar auf das gerade auf dem Frankfurter Roßmarkt stattfindende „Grüne-Soße-Festival“ und ein „Grüne-Soße-Denkmal“ in Oberrad. Nach längerem Hin und Her entschied ich mich, das Rezept auf der Packung als Grundlage zu nehmen und mich dann einfach durchzukosten. Reichlich Anregungen hatte ich ja nun aus den ungefähr hundert ergoogleten und staunend durchgelesenen Rezepten. Dass ich allerdings recht heftig nachkorrigieren musste, hätte ich mir eigentlich denken können, als ich mich beim Durchlesen des Rezepts bereits darüber wunderte, dass die Kräutermischung in Verbindung mit einem (!) Becher Crème fraîche für vier Personen ausreichen soll. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Hier das Rezept:
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Grüne Soße mit Crème fraîche
Zutaten (für 3 bis 4 Personen):
1 Paket Frankfurter Grüne Soße
4 hartgekochte Eier
1 Becher Crème fraîche
1 Esslöffel Mehl
1 Esslöffel Butter
Soßenwürze, Salz, Pfeffer
Speiseoel
Zubereitung:
Die Kräuter waschen, trocknen, klein hacken oder durch den Fleischwolf drehen. Die Flüssigkeit abschütten und für die Mehlschwitze aufheben. Die Kräuter mit einem Teelöffel Speiseoel vermischen, damit sich der spezielle Kräutergeschmack bindet. Zwischendurch vier Eier hart kochen. Für die Mehlschwitze Butter zerlaufen lassen, das Mehl unterrühren, mit der Kräuterflüssigkeit oder etwas Wasser ablöschen. Achtung vor Klümpchen. Gewürze beigeben, etwas abkühlen lassen, die Crème fraîche und die zerkleinerten Kräuter unterrühren. Die Eier klein würfeln und dazu mischen. Als Beilage eignen sich Salzkartoffeln, kalter und warmer Braten, Schinken oder auch Lachs.
Soweit das Rezept – hier meine Anmerkungen:
Die ominöse „Kräuterflüssigkeit“ trat selbst bei sehr feinem Hacken nicht aus. Da hilft dann wahrscheinlich wirklich nur der Fleischwolf. Oder der Pürierstab. Den brachte ich dann übrigens ohnehin zweimal zum Einsatz. Einmal, weil ich den haarigen Borretsch ungern in kleinen Stückchen im Mund haben möchte. Und ein zweites Mal, weil mir die Sache nicht grün genug war. Ein paar pürierte Kräuter helfen da ungemein. Alle zu pürieren verfälscht die Grie Soß dann allerdings doch zu stark. Ein Teelöffel Speiseoel und 250 g Kräuter zu vermischen? Da wäre wahrscheinlich nur vorsichtiges Einpinseln in Frage gekommen. Ich nahm zwei ordentliche Esslöffel Rapsoel.
Weiterhin hätte ich die hartgekochten Eier weglassen müssen, da der Bauherr diese hasst. Ich teilte also mein Rezept ab der Eierstelle in zwei Versionen: eine ohne und eine mit Ei. Geht ja gegen Ende problemlos. Der Becher Crème fraîche (ich ging mal von einem 200g-Becher aus…) war mir übrigens deutlich zu wenig. Und die ganze Angelegenheit zu fest. Also gab ich nochmal 200 g vollfetten Joghurt und 200 ml Milch zu. So sah das gleich deutlich besser aus. Ach, und abgeschmeckt habe ich zusätzlich mit ein wenig Weißweinessig und Senf. Und sicher nicht mit „Soßenwürze“ – was auch immer damit gemeint sein mag… Und dann gilt: Ziehen lassen.
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Ein Foto des Tellers mit Ei und Kartoffeln muss bis morgen warten. Wird aber nachgeliefert. Versprochen! Jetzt ist zum Beispiel ein Bad wichtiger. Meine vier größten Tomatenpflanzen wurden nämlich eben ins Freiland gesetzt. Mit Hütchen, damit sie nicht frieren und / oder versengt werden. Daneben war noch Platz im ehemaligen Dahlienbeet, sodass ich endlich meine Tüte essbare Blüten säen konnte.

Und draußen ist es staubig wie nie – der fehlende Regen und die Straßenarbeiten sind wirklich eine grauslige Kombination. Leider ist die Straße heute noch nicht bei uns angekommen. Die Pflasterarbeiten kamen am Morgen zügig voran, gerieten jedoch auf der Höhe des scheußlichen Flamingobriefkastens der Nachbarn schräg gegenüber ins Stocken. Meine erste Vermutung war, dass den Pflasterern bei dessen Anblick übel geworden war und sie die Arbeiten abbrechen mussten. Wie sich hinterher herausstellte, lag es aber daran, dass kein Splitt mehr vor Ort war. Als der endlich kam, war es allerdings schon zu spät für heute. Immerhin hat der Bauherr mitbekommen, dass am Samstag wohl gearbeitet wird.

Egal. Ich gehe mich mal abstauben.

7 Kommentare

  1. Der Flamingobriefkasten klingt vielversprechend. Ich hoffe auf ein Foto. 😀

    Scheußlich liest sich allerdings auch die Zubereitung der Grie Soß. Wohl eher was für äppelwoigegerbte Mägen. 😛

    1. ich weiß echt nicht, was du gegen grie soß hast. die ist wirklich sehr lecker. wenn man natürlich pansen bevorzugt… ^^

      mal sehen, wie ich den flamingo unauffällig fotografieren kann :whistle:

       

      nachtrag: und er ließ sich fotografieren -> *gulp* ist der
      hässlich oder ist der hässlich? 😀

  2. Zu meiner Frankfurter Zeit habe ich das alles mal probiert. Grie Soss reiht sich samt Handkäs mit Musik in die Reihe hessischer Scheuslichkeiten ein, die mich dazu zwangen, die Kontakte dorthin
    abzubrechen. Bankster, Porsche- und SUV-Fahrer hätte ich ja noch ertragen, aber diese Angriffe auf meinen Magen gingen eindeutig zu weit.

  3. Muss mir nur mal wieder Luft machen – am besten mit einem Frankfurt-Gedicht:

    Wo scheißt die Sau ins Marmorklo?
    Wo trägt man hohe Häuser
    Und noch beim Lieben Anzug? Wo
    Hält jeder Duck sich Mäuser?

    Wo pflegt die Macht mit gutem Geld
    Die guten alten Sitten?
    Wo saugt der Abschaum erster Welt
    Das Leben aus der dritten?

    Wo sich die Säcke, Sack an Sack,
    Bedienen und entlausen.
    Es muss das Börser-Bänkerpack
    Zu Recht in Frankfurt hausen.

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