Die Quittung für die Verquittung der Küche

quitten - liköransatzDer Freitag war ganz schön flott vorüber. Da blieb nicht mal Zeit zum Bloggen. Am späten Abend waren dann allerdings auch nur noch fünf fette Quitten übrig. Alle anderen Exemplare befanden sich am Ende – auf unterschiedliche Weisen verarbeitet – in fest verschlossenen Gläsern. Puh! Die letzten Exemplare verschob ich auf Samstag. Das Abendessen wurde wegen Zeitmangels ersatzlos gestrichen. Gemein. Ich weiß.

Heute morgen machte ich mich dann noch ans Quittengelée. Zeit für einen Blick zurück. Was aus den angeschleppten 13 Kilo Früchten wurde: Die Schalen und Kerngehäuse landeten in sieben Litern Wodka und dürfen jetzt in zwei riesigen Gläsern ein Jahr lang auf ihre Weiterverarbeitung warten. Dann gab es Quittenkompott mit Lavendel, Quittenmarmelade bzw. eine ‚Marmelada de Marmelo‘ nach portugiesischem Vorbild, Quittenmus mit Rosmarin und Chili und das Quittengelée mit Zitrone.

Der Liköransatz ruht sich nach folgendem Rezept (Chefkoch: „Quittenlikör für ganz Geduldige“) erstmal eine Weile aus, bevor er weiterverarbeitet wird. Die Marmelade entstand etwa nach folgendem Rezept: „Marmelada de Marmelo“. Sie ist ziemlich fest, aber das scheint der Sinn der Sache zu sein. Dünne Scheiben davon mit einem Stück Käse – ich bin gespannt. Das Quittenkompott wurde nach dem folgenden Muster gebastelt. Rezepte für Mus und Gelée (ohne Entsafter) lege ich auch mal – berechnet für jeweils ein Kilo Quitten – nach.
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Quittenkompott mit Lavendel
Zutaten:
1 kg Quitten
Saft zweier Zitronen
8 Nelken
1 l Apfelsaft
500 g Zucker
10 Lavendelblüten
Zubereitung:
Quitten „entflaumen“, schälen, entkernen, würfeln und mit dem Zitronensaft übergießen. Quittenstücke in einem Topf geben und mit dem Apfelsaft übergießen. Eventuell noch Wasser zugeben. Die Fruchtstücke sollten bedeckt sein. Einkochen, bis die Quitten weich sind.
Nelken, Zucker und Lavendelblüten in etwa einem Liter Wasser zu Sirup einkochen. Quittenstücke noch heiß in Twist-off-Gläser füllen und mit dem ebenfalls heißen Sirup übergießen. Fest verschließen.
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Quittenmus
Zutaten:
1 kg Quitten
50 g Zucker
1 Flasche Weißwein
Rosmarin
Salz
Zitronensaft
Chili
Zubereitung:
Auch hier wieder: Quitten vom lästigen Flaum befreien, schälen, entkernen und würfeln. In einem Sud aus Zucker, Weißwein und Rosmarin weich kochen. Pürierstab rein und fein zerkleinern. Mit Salz, Zitronensaft und Chili abschmecken. Und ab in die Gläser!
Passt gut zu angebratenen Chorizo-Scheiben oder Schinken. Auch auf geröstetem Weißbrot.
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Quittengelée mit Zitrone
Zutaten:
1 kg Quitten
Saft einer Zitrone
1 Pfd Gelierzucker 1:2
Zubereitung:
Das gleiche Spiel nochmal: Quitten entflaumen, schälen, entkernen und würfeln. In einem Topf mit Wasser (bis Oberkante Quittenwürfel) weich kochen. Alles durch ein feines Sieb drücken. Anschließend nochmals durch ein Tuch oder ein Stück Küchenrolle filtern, sodass nur der reine Saft übrig bleibt.
Mit Zitronensaft und Gelierzucker aufkochen und noch heiß in Gläser füllen. Fest verschließen.
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Ich habe jetzt zwei Blasen am rechten Zeigefinger und bin froh, dass die flauschigen, ungestalten Dinger aus der Küche verschwunden sind. So lecker sie am Ende auch schmecken mögen – ihre Verarbeitung ist extrem nervend. Auch wenn sie mit Abstand betrachtet wirklich sympathisch sind. Optisch sind sie irgendwie wie Früchte aus einer anderen Zeit. Die Dinosaurier unter den heimischen Obstsorten sozusagen. Als ob selbst die Evolution sie konsequent ignoriert hätte. Hätte ich im übrigen auch besser getan, wenn es nach dem Bauherren gegangen wäre.

Als ich ihm eben meine Quittenkollektion vorführte, meinte er süffisant: „Na, dann kann ja der Dritte Weltkrieg jetzt kommen. Wir können uns monatelang von Quitten ernähren. Quittengeschnetzeltes, Quittengulasch, Quittenknödel, Quittenbrot…“ Irgendwann – das weiß ich ganz genau – wird er mir dankbar sein. Ich werde ihm dann in Zeiten größter Not mit Hilfe eines Quittenlikörs, ein paar schwarzer Nüsse und einem generösen Lächeln das Leben retten. Grrrr…

Apropos ‚Leben retten‘: Was ist eigentlich plötzlich mit Hugo los? Er verkriecht sich neuerdings in ein Abflussrohr und beginnt bei der Erwähnung des Wortes „Krankenwagen“ zu zittern und zu weinen. Es scheint ihm wirklich schlecht zu gehen und ich habe keine Ahnung, wie ich ihm helfen kann. Ich glaube, ich stricke ihm zum Trost eine tolle Phantasieuniform mit Mützchen für den Winter.

Vorher bekommt aber erstmal der Bauherr ein schönes Abendessen. Das Schnitzelschwein köchelt seit knapp zwei Stunden vor sich hin, der Knödelteig wird gleich zubereitet, und als Vorspeise plane ich etwas, in das man unauffällig ein kleines Quittenprodukt integrieren kann.

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