Das fängt ja gut an!

35b - Netteres 4930Heute ist gerade mal der erste Advent – da beginnt die Völlerei auch bereits brutale Züge anzunehmen. Die Geburtstagsfeier des Bauherrinnenvaters trieb unsere Mägen ein weiteres Mal an die Grenzen der Belastbarkeit. 

Morgens war ich noch voller guter Vorsätze zur einer einstündigen Waldrunde aufgebrochen. Um die Mittagszeit war ich dann bereits wieder im Stadium totaler Bewegungsunfähigkeit angekommen.

Aber werfen wir doch kurz noch einen Blick zurück auf den gestrigen Rumtopfanstich. Erhitzt und etwas angedickt landete er auf einem Vanilleeis. Köstlich. Und auch nicht so brutal alkoholisiert, dass man ihn nicht hätte pur trinken können. Sehr fruchtig. Das einzige, das ich definitiv nicht mehr tun werde, ist ihn in den Imbissschälchen anzurichten. Irgendwie sieht er darin aus wie Currywurst mit Kartoffelpürree.

Jetzt aber zurück zum heutigen Tag. Als Vorspeise gab es – fast schon traditionell, aber immer wieder sehr lecker – die Rindfleischsuppe meiner Mutter mit Markklößchen und weihnachtlichen Einlagen. Darauf folgte ein Hackbraten mit gefüllten Knödeln und Bratensoße. Und mit Feldsalat (s.o.). Im Prinzip wäre man an diesem Punkt des Tages bereits satt gewesen.

Was nun folgte war allerdings der bisherige Höhepunkt unseres familieninternen Dessertwettrüstens: „Fünf Freunde, das sind wir!“ Auf dem Teller befanden sich ein Zimteisstern, ein gar köstliches Walnusseis, ein winziges Hexenhäuschen aus Butterkeks und Dominostein, eine Erdbeer-Mousse und etwas völlig Neues – eine Avocadocrème. Auf den Gesichtern der Gäste konnte man die Skepsis praktisch ablesen. Es war grün, es war cremig – und es war sehr lecker. Über die darin enthaltenen Kalorien breiten wir lieber den Mantel des Schweigens. Geschmacklich war das allerdings höchst interessant. Wit tippten auf Apfel und Banane.

Witzigerweise war beides jedoch nicht einmal in Spuren darin enthalten. Aus Avocado etwas Süßes herzustellen, wäre mir niemals in den Sinn gekommen. So funktioniert es:
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Avocadocrème
Zutaten (für sechs Personen):
2 Avocados
2 Limetten
125 g Puderzucker
200 ml Schlagsahne
1 Päckchen Sahnesteif
Zubereitung:
Avocados schälen, entkernen und mit dem Pürierstab zerkleinern. Limetten auspressen und den Saft mit dem Avocadomus verrühren. Eventuell abgeriebene Schale zur Dekoration zurücklegen. Puderzucker unterrühren.
Sahne mit Sahnsteif aufschlagen und unter die Avocadomasse heben.
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Simpel, aber vom Überraschungseffekt her ein echter Knaller. Wenn ich das Rezept irgendwo gesehen hätte, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, es auszuprobieren.

Hinterher waren wir mehr tot als lebendig. Delicious Overkill. Und Kaffee und Kuchen lagen noch vor uns! Panik breitete sich aus. Immerhin war Max kurze Zeit später wieder in der Lage, ein paar Plätzchen hinterherzuschieben. Wir anderen widmeten uns voller Begeisterung der Betrachtung eines wirklich außergewöhnlich aussehenden Naturschauspiels: dem Anblick einer Lampignonblume, deren Lampignon bis auf die Blattrippen den Weg alles Irdischen gegangen war. Faszinierend!  

Es kam, wie es kommen musste: Kuchen! Zuviel Kuchen! Hier ein Blick auf die Cappuccinotorte. Vöölig ermattet beschlossen wir, mit den drei übrig gebliebenen Avocadokernen einen kleinen biologischen  Wettkampf zu veranstalten. Das Motto hieß: „Wir ziehen uns einen Avocadobaum!“ Schwester verteilte die Aufzuchtanleitung – die drei Kerne landeten am späten Abend in drei Wasserbädern. Durch die Wahl eines Wasserglases mit apfelgrünem Boden sieht meiner bereits jetzt richtig motiviert aus. Erinnert irgendwie farblich an eine aufgeschnittene Mozartkugel.

Auf dem Heimweg wurden wir dann mit atemlosem Staunen Zeuge eines weiteren Naturschauspiels. In den vergangenen Monaten war es nur dann aufgetreten, wenn wir grillen wollte. Seit geraumer Zeit wurde es gar nicht mehr gesehen. Es handelt sich um diese Sache mit dem Wasser von oben. „Regen“ heißt das, glaube ich. Falls ich mich recht erinnere. Ist aber wirklich schon sehr lange her…   

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