Eingewöhnungsprobleme

26 - Schriftliches 6769Das war dann heute also der erste Tag im neuen Büro. Einige fanden sich schnell zurecht, andere etwas mühsamer. Die Pläne mit der Aufteilung und Zuteilung der Schreibtische lagen ja bereits seit Wochen im alten Büro aus. Umso erstaunlicher, dass die Verbalakrobatin sich heute morgen spontan an einen völlig fremden, ihrem eigenen am weitest entfernten Schreibtisch niederließ und den Rechner hochfuhr.

Just in diesem Augenblick kam die eigentliche „Besitzerin“ dieses Platzes vorbei und wunderte sich doch sehr. Auf ihren Fehler aufmerksam gemacht, wechselte die Verbaliniuristin dann hektisch den Platz. Dazu muss gesagt werden, dass unsere Schreibtische bereits am Freitag komplett bestückt und mit dem Rollcontainer der jeweiligen Kollegin versehen worden waren. Man hätte also eigentlich schon merken können, dass da etwas nicht stimmt.

Das größte Problem aller anderen – inklusive mir – heißt Kaffee. Die uns zugewiesene Teeküche ist extrem klein und eng und der Vollautomat steht im alten Gebäude. Geplante Lösung ist nun die Anschaffung einer dieser schrecklichen Kapsel- oder Padmaschinen. Mein Vorschlag, es mit einer Siebträgermaschine zu versuchen, stieß nicht auf Begeisterung. „Ich will aber Cappuccino!“ – „Das ist doch kein Problem. Dann schäumst du dir halt deine Milch auf.“ – „Das ist mir zu kompliziert…“

Na, dann… Wahrscheinlich enthält ein „richtiger“ Cappuccino auch einfach zu wenig versteckten Zucker. Die Kapselnummer habe ich jedenfalls für mich selbst innerlich abgehakt. Ich trinke nichts, das aus einer kleinen Kapsel kommt, von der ich nicht genau weiß, was da letztlich drin ist. Notfalls laufe ich halt zweimal am Tag durchs komplette Gebäude und bettele mir einen Espresso aus der Jura im anderen Trakt. Der schmeckt wenigstens.

Ansonsten ist halt auch irgendwie alles neu und ungewohnt. Nach und nach schlenderten heute die bisher nur vom Telefon bekannten Kollegen und Kolleginnen vorbei und stellten sich persönlich vor. Das war ja an sich ganz lustig. Faszinierend, wie stark sich teilweise das Bild, das man sich von Jemandem gemacht hat, und die Realität unterscheiden. Und wie nah sie auch andererseits beieinander liegen können.

Schauen wir mal, wie es morgen läuft. In der Mittagspause durch die Stadt laufen zu können ist ja auch nicht zu verachten. Ab März kommt dann die brutalste Veränderung auf mich zu: das Jobticket. Und damit die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Momentan fahre ich noch mit dem Auto, was auch angesichts meiner sehr frühen Ankunft ganz gut zu funktionieren scheint. Das weiter durchzuziehen wäre allerdings Schwachsinn, wenn man die Kosten dafür mit denen des Jobtickets vergleicht. Ich werde also umsteigen. Und auf die liebgewonnene Privatsphäre inklusive Hörbuch am Morgen verzichten.

Wenigstens weiß ich, welcher Schreibtisch meiner ist.


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