Komische Vögel

37 - Vögelchen 7013Der Tag begann ganz hervorragend. Und zwar mit der bereits ungeduldig erwarteten und meist ungewollt komischen F.A.S.-Sonderbeilage anlässlich des Wiesbadener Großereignisses „Ball des Sports“. Herrlich!

Gleich als erstes fiel mir beim eingehenden Studium folgendes Foto ins Auge: Klick! Nein! Der einzige deutsche Toursieger tritt zurück ins Scheinwerferlicht. Und gibt sich gleich mal wieder generös: „Natürlich kauft Jan Ullrich ein gelbes Los für die Tombola.“ Na, prima. Er trägt wieder gelb.

Ob sein volles Haar auf Doping (natürlich ’nur für die Haare’…) zurückzuführen ist, weiß man nicht. Lustig der Satz über ihn in der Rubrik „Ballgeflüster“: „2011 hat er beim schweren Ötztaler Radmarathon ein beachtliches Comeback auf der Radsportbühne gegeben und dabei Blut geleckt.“ 

Wenn ihm dieses Blut nicht vorher entnommen wurde, verstößt er damit ja auch immerhin nicht gegen den WADA-Code. Und Blut lecken ist allemal weniger widerlich als flüssiges Nutella schlürfen. Apropos „widerlich“ – ein „Ballgeflüster“-Satz zu ‚Turnfloh‘ Florian Hambüchen ist ja auch nicht ganz jugendfrei: „Standardtanz dagegen kommt für ihn weniger in Frage – zusammen mit seiner Freundin Caroline möchte er sich heute Abend lieber anderweitig sportlich betätigen.“ Ähemmm… Ja…

Kein Foto gibt es diesmal von Kati Witts Dekolleté. Dafür hat sich Veronika Ferres offensichtlich zu stark in ihre Rolle als Tsunami-Opfer (heute Abend 20:15) hineingesteigert: Klick! Offensichtlich wurde ihre Unterwäsche von der Flut mitgenommen. Leider liegt mir keine Bankverbindung des Spendenkontos vor. Möglicherweise werden auch Bundesbankschecks an Maschis Adresse gern genommen. Die Bildunterzeile „Das Glamourpaar der deutschen Medien“ löst auch ein leises Würgen aus.

Wo wir gerade bei Maschi sind, hätte ich hier noch einen Link auf einen ultimativen Aufreger zu bieten: „Es gibt keine Maschsee-Mafia“. Viel obszöner und zynischer hat man sich selbst in seinen wüstesten Träumen die Mitglieder der deutschen Eliten nicht vorgestellt. Da sitzt dieser dicke Mann da an seinem Schreibtisch (man beachte Onkel Dagobert im Hinter- und die nackte Mulattin im Vordergrund) und gibt tatsächlich dieses Interview.

Mal abgesehen davon, dass die Fragen teilweise Kindergarten-Montagsstuhlkreis-würdig sind, bleibt einem bei den Antworten tatsächlich der Mund offen stehen. Und ich hatte mich mal darüber echauffiert, dass Heesters Hitler einen „guten Kerl“ genannt hatte?! Während ein Rechtsanwalt aus Hannover über den Hells-Angels-Präsi Frank Hanebuth folgendes äußert: „Er ist aus meiner Sicht intelligent, kommt aus gutem Hause und kann sich prima benehmen. Meine Freunde, die ihn kennen, sagen mir jedes Mal: Das ist ein taffer Typ, der hat Humor. Warum soll ich um Himmels willen so einen Menschen fallenlassen? Er hat mich bis heute nicht enttäuscht.“ 

Und das ist ja auch im Prinzip noch eines der weniger schlimmen Dinge, die er von sich gibt. Man weiß eigentlich gar nicht, wo man bei den Aufregern mit dem Zitieren anfangen soll. Deshalb lasse ich es auch einfach. Meine Leser können ja selbst lesen. Und denken.

Zurück von den Herrenabenden zum Ballabend. Das Foto des gutgelaunten hessischen Ministerpräsidenten (Gibt’s den auch in nüchtern?!) lassen wir mal außen vor. Dafür gibt es aber noch ein launiges Foto vom flotten Roberto-Dreier: Klick! Ich nehme an, ausladen kann man ihn nicht. Deshalb ist es auch in jedem Jahr dabei. Diesmal „mit seiner kubanischen Freundin Luzandra Straßburg und José Miguel Bravo de Laguna, Inselpräsident von Gran Canaria“. Cooler Name! Also der des Herrn Bravo de Laguna. Das klingt, als ob ein italienischer Kapitän mit einem Kreuzfahrtschiff direkt auf die Bucht zuhält. Respekt!

Und während die Besucher dieses gesellschaftlichen Highlights noch ihren Rausch in diversen Wiesbadener Hotelbetten ausschliefen, war ich bereits auf dem Weg in den Wald. Meine Vogel-Fotos waren ziemlich enttäuschend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich dafür das Absterben wichtiger Extremitäten billigend in Kauf nahm.

Was ich immer schon mal fotografieren wollte, war ein Kleiber. Die Biester habe ich nie erwischt. Und ausgerechnet heute stand die Sonne so blöd, dass ausgerechnet das Kleiber-Foto besonders mistig wurde. Schlimmer wurde nur das Foto des Goldhähnchens (Nein! Nicht von Wiesenhof!), das einfach keine Sekunde still sitzen wollte. Wer schlimme Bilder ertragen kann, nehme dies: Goldhähnchen. Und dabei war ich so glücklich, endlich mal eins zu sehen. Menno!

Am Ende beschied ich mich mit einer Tannenmeise, einer Amsel und einem Rotkehlchen. Besser als nix. Und wesentlich besser, als den Abend in einem Raum verbracht zu haben, über dessen andere Besucher am nächsten Tag in der Zeitung steht: „‚Keine Party ohne mich‘, ruft Gute-Laune-Experte Roberto Blanco beim Eintritt in die Rhein-Main-Hallen.“ Dann lieber unscharfe Singvögel…

   

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