Selfmade – erfolg reich reihern

26 - Schriftliches 8004bWäre ein netter Titel für das Buch das man schreiben könnte, wenn man Carsten Maschmeyers zukünftigen Bestseller „Selfmade – erfolg reich leben“ gelesen hat. Mir wird jedenfalls schon von den Vorabveröffentlichungen in BILD schlecht. Also so richtig schlecht. Speiübel sozusagen.

Die Werbekampagne der Springer-Presse ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Plus Exklusivinterview am Ende. Vier gute Anlässe also, sich auf möglichst elegante Weise seines Magensinhalts zu entledigen. Aber beginnen wir vorne und werfen mal einen – wenn auch gesundheitlich sicher nicht zuträglichen – Blick auf den ersten Teil:  „Maschmeyer erzählt alles!“ Gulp!

Um es vorweg zu nehmen: Unser Freund Maschi zieht die ganze Sache offensichtlich als eine Art Lebensberatung für tumbe, aber karrieregeile Schwachmaten auf. „Die Fähigkeit zur Kommunikation und zur Bildung..“ (bis hierher eine prinzipiell gute Idee, aber dann geht der Satz ja leider weiter…) „… von Netzwerken ist heute entscheidend für den beruflichen Erfolg und ein spannendes, abwechslungsreiches Leben“. So, so… Ein ’spannendes und abwechslungsreiches Leben’… Spannend? Welchen meiner Freunde kriegen sie als nächstes wegen Korruption dran?! Abwechslungsreich? Aaach! Diesmal den! Da hätte ich aber zuerst an einen anderen gedacht!

Das ist wirklich abwechslungsreich, wenn auch nur kurz. „Oftmals sind die mächtigsten und bekanntesten Personen einer Berufsgruppe gar nicht unbedingt intelligenter oder qualifizierter als der Durchschnitt – sie haben einfach mehr Kontakte und bessere Beziehungen, die sie meist seit langer Zeit pflegen und wechselseitig nutzen.“ Nicht, dass mich das jetzt unvorbereitet treffen würde, aber dass man Derartiges so unverblümt und schamlos gesteckt bekommt, ist schon aller Ehren wert.

In der zweiten Hälfte des ersten Teils feiert er sich dann selbst per Name-Dropping. Ob alle der Genannten glücklich darüber sind, in derart schmierigem Kontext erwähnt zu werden, weiß man nicht. Andererseits ist ja ohnehin niemand dabei, der den Eindruck macht, moralische Bedenken brächten ihn langfristig um den Schlaf.

Die BILD legt dann mit dem zweiten Teil nach: „Nichts geht über gute Kontakte!“ Allein der Anblick von Klaus Meine, der peinlichen Pseudo-Rock-Version von Ilse Werner, auf dem Foto verursacht schon den ersten Würgereiz. Der Text sorgt anschließend dafür, dass dieser nicht nachlässt. „Um solche Wiederbegegnungen nicht dem Zufall zu überlassen, habe ich mir ein einfaches und effektvolles Verfahren abgeschaut: Ich nehme alle Menschen, die mich besonders interessieren, in meine Geburtstags- und Kontaktdatei auf.“ 

Jetzt mal ganz ehrlich: Was wäre wohl für einen Menschen, der auch nur halbwegs bei Sinnen ist, die logische Antwort auf eine der berechnenden und lächerlichen Maschi-SMSen innerhalb der ersten 24 Stunden (siehe Text)? Richtig. Auf „Das Gespräch hat Spass gemacht“ könnte man z. B. mit einem knappen, aber aussagestarken  „Schön für Sie. Mir nicht.“ antworten. Auch würde ich gerne des genialen Netzwerkers Gesicht sehen, wenn sein dumm-dreistes „Habe schon viel von Ihnen gehört“ zur Abwechslung einmal mit einem knackigen „Möchte von Ihnen lieber nichts mehr hören“ beantwortet würde.

Aber das wird wohl ein Traum bleiben. Denn erstens werde ich es, falls es tatsächlich passiert, nicht sehen können, und zweitens traut sich das wahrscheinlich niemand, weil sein „Networking-Sparkonto“ gerade eine nette Aufstockung vertragen könnte. „Gehen Sie ruhig auch einmal in Vorleistung: ‚Wen darf ich dir vorstellen, wen möchtest du kennenlernen?‘ So baut der andere quasi Kontaktschulden bei Ihnen auf. Später haben Sie einen gut bei ihm – also ein Kontaktguthaben.“

Kontaktguthaben… Börks… Eimer, bitte! 

Der dritte Teil „Wie ich Veronica Ferres eroberte“ mag den ein oder anderen eher weniger interessieren. Ich meine, wer will das schon – die Kartoffelkönigin erobern? Also ernsthaft. Oder meldet sich wer freiwillig? Wahrscheinlich nicht mehr, nachdem man um die Umstände des Antrags weiß. Da geht Maschi im anschließenden Interview „Hätten Sie Frau Ferres auch ohne Millionen erobert?“ dann nämlich ins Detail. Auf eine besonders ekelhafte Weise.

Frage BILD: „Man konnte lesen, dass Sie am 11. 11. 2011 in Paris in einer über und über mit Rosen geschmückten Hotelsuite auf Knien um die Hand von Frau Ferres angehalten haben. Sie sind also nicht nur ein kühl kalkulierender Finanzverwalter, sondern auch ein großer Romantiker. Wie verträgt sich das?“

Antwort Maschmeyer: „Sehr gut! Romantiker und Realist zu sein ist kein Gegensatz. Ohne Gefühle und die Fähigkeit, sich in die Situation anderer Menschen zu versetzen, wird man nicht erfolgreich werden. Deswegen schreibe ich auch über die Wichtigkeit emotionaler Intelligenz.“

Da bettelt dann auch der letzte erfolglose Netzwerkverweigerer um Gnade. Allein die Fragestellung verursacht mir auch beim elften Lesen noch Brechreiz. Von der Antwort mal ganz zu schweigen. Und dass Frau Ferres nicht wenigstens nach der Lektüre dieser Sätze mit einem beherzten „O.k., mir langt’s!“ ihr Heil in der Flucht suchte, spricht auch Bände. War aber ja auch nicht wirklich zu erwarten, denn: „Worauf es ankommt, sind die Gemeinsamkeiten wie Humor, das Schätzen guter und offener Gespräche, ein ähnlicher Geschmack, das Wohlfühlen mit Freunden und gleiche Interessen. Das könnte bei uns nicht besser sein.“ 

Na, dann… Wahrscheinlich bin ich ohnehin nur eine seiner mehrfach erwähnten ‚Neiderinnen‘. Schließlich ist „beruflicher Erfolg (…) meistens auch der Schlüssel zu Reichtum und einem erfüllten Leben“. Gähn! Was Ferres‘ ehemaliger Klassenkamerad, Volks-Philosoph Richard-David Precht, wohl dazu sagt? Ich bin zufällig im Netz auf die Abizeitung der Beiden gestoßen: Gymnasium Schwertstrasse 1984. Die Layouts waren damals wirklich ziemlich ähnlich. Meine sieht fast genauso aus.

Das nur, um kurz vom fiesen (Nach-)Geschmack abzulenken. Na, was soll’s?! Maschi und sein Superweib haben sich ja irgendwie verdient. Und es trifft ja immerhin keinen Unschuldigen. Bemerkenswert an seinem Geschwafel ist ja letztendlich nur, mit welcher Selbstverständlichkeit Freunde zu „Kontakten“  degradiert und Freundschaften als „Guthaben auf dem Networking-Sparkonto“ verbucht werden. Widerlich…

3 Kommentare

  1. Ich glaube, der wahre Aufreger ist, dass Maschmeyer mit seinen platten Netzwerk-Weisheiten, die wie aus einem billigen Karriereratgeber abgeschrieben scheinen, auch noch recht hat. Und wir wissen
    es. :cuapio:

    Wenn ich meinen eigenen Abijahrgang anschaue, sind es auch nicht die Käpsele, die sich durchgesetzt haben, sondern einige Mittelmäßige, die stets nach allen Seiten ihre Kontakte gepflegt haben.
    Tröstlich immerhin, dass aus denen, die sich stets nach „oben“ orientiert haben, auch nix geworden ist außer nützliche Idioten. :fg:

    Unsere Abizeitung sah ebenso aus, lustige Feststellung. =)

    1. man weiß es, aber man möchte es doch eigentlich nicht sodeutlich hören, oder? :wall:

      mein abijahrgang barg einige überraschungen. wobei ich sagen muss, dass am ende jemand eine „koryphäe“ wurde, der die oberstufe ausschließlich mit tiefschlaf und fiesen bemerkungen – in den
      kurzen wachphasen – verbracht hatte. und der ist sicher kein netzwerker. aber er wurde am ende auch wissenschaftler. vielleicht ist das etwas anderes.

      und dann war da noch wer, der irgendwie immer für verschroben gehalten wurde, und heute einer von etwa zehn menschen ist, die so absurde sprache wie altbabylonisch oder sumerisch beherrschen.
      aber das war abzusehen 😀

      was blieb uns damals auch übrig, wenn es ans layouten ging? schreibmaschine, filzstift und eingeklebte fotos ^^

  2. Mit dem Layout hatte ich nichts zu tun – ich habe nur ein paar Hetzartikel gedichtet (und die Hälfte davon wieder zurückbekommen :cuapio:). Vermutlich aus Scham darüber ist die halbe Redaktion dann
    Pfarrer/Pastorin geworden.

    So platt aufgebunden möchte man es eigentlich nicht bekommen, das ist wohl wahr, andererseits hilft es doch ganz gut gegen „Sozialneid“, sich immer mal wieder darüber klar zu werden, warum man dann
    doch lieber nicht reich und „wichtig“ ist, wenn man sich dafür mit solch einer Mischpoke freundlich stellen muss. Ekliger als den Meine finde ich auf dem Foto übrigens noch Slomka. Den fand ich
    bisher nämlich ganz okay. Nun denn, verschissen, mein Freund. 😛 Ob es mit Rangnick auch so ein Ekelfoto gegeben hätte/hat? Nehmt mir nicht auch noch diese Illusion. 😀

    Ich weiß nicht, wie es bei Geisteswissenschaftlern ist, aber in Naturwissenschaft und Medizin kommt es ganz entscheidend darauf an, zur richtigen Zeit am richtigen Ort (bei den richtigen Namen) zu
    sein. Die Karrierestrategen sind natürlich auch da klar im Vorteil.

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