„Vada a bordo, cazzo!“

26 - Schriftliches 0125Oder besser: „Arresto, idiota!“ Oder was auch immer… Ich hätte es jedenfalls dem schmierigen Amateur-Schettino, der eben meinen Bus fuhr, einfach an den Kopf werfen sollen. Er war übrigens kein Italiener, aber er benahm sich äußerst schettinös.

Die Heimreise begann mit einem geradezu genialen Plan, der vorsah, dass ich zwar zweimal umsteigen müsste, dafür aber fast eine Stunde vor dem Partybus zu Hause einträfe. Der Plan war super. Er scheiterte wieder mal an der Realität. Wie übrigens fast immer bei genialen Plänen…

Um 13:13 Uhr – eigentlich hätte mir bei dieser Uhrzeit bereits die Sinnlosigkeit meines Plans deutlich werden müssen… – bestieg ich noch gutgelaunt in Mainz die RB75 nach Wiesbaden. Der Wechsel in die Buslinie 271 klappte auch tadellos. Wir waren pünktlich in Neuhof Mitte, wo ein erneutes Umsteigen in Linie 225 nach drei Minuten Wartezeit vorgesehen war. Die 225 kam aber leider nicht wie vorgesehen um 14:01 Uhr.

Ärgerlich, aber mit Buch war die Wartezeit auf den nächsten Bus eine halbe Stunde später noch zu verschmerzen. Der traf dann auch pünktlich um 14:31 Uhr ein. Der Busfahrer musste sich allerdings Fragen gefallen lassen, wo denn sein Vorgänger abgeblieben sei. Diese Fragen beantwortete er lediglich mit einem gelangweilten Blick aus dem Fenster.

Kurz vor meiner Endhaltestelle drückte ein Mann vor mir das Halteknöpfchen. Wir standen beide auf und stellten uns an die hintere Tür. Da standen wir auch noch, als der Bus in voller Fahrt an der Haltestelle vorbeirauschte. Wenigstens nahm er den Bordstein nicht mit und lief auf Grund, als er auf Höhe meines Heimatortes zum „Inchino“ ansetzte. Der Mann neben mir ging nach vorne zum Fahrer und redete auf diesen ein. Der Fahrer antwortete nicht. Von hinten war mir leider nicht klar, dass die beiden wohl ein Sprachproblem hatten, sonst hätte ich mich eingemischt.

An der nächsten Haltestelle – sprich: zwei Orte weiter – verließen wir dann den Bus, um möglichst schnell einen in Gegenrichtung zu erwischen. Wir mussten allerdings feststellen, dass die nächsten Möglichkeiten allesamt Rufbusse waren, die wir hätten 120 Minuten vor Abfahrt vorbestellen müssen. Inzwischen waren wir ins Gespräch gekommen. Mein neuer Freund heißt Greg und stammt aus Warschau. Auf Englisch besprachen wir, was zu tun sei.

Wenigstens war ich mit jemand Nettem gestrandet. Wir beschlossen, uns auf den Weg zur Bundesstrasse zu machen, um von dort aus einen Bus zurück zu erwischen. Greg legte dabei bergauf ein veritables Tempo vor und ich hechelte – bei 20°C im schwarzen Jäckchen – hinter ihm her. Nach Sichtung der Aushangfahrpläne stellten wir fest, dass mit dem nächsten Bus in exakt 85 Minuten zu rechnen sei. Na prima!

Ich versuchte, den Bauherren zu erreichen, der sich allerdings auch gerade erst im Zug aus Frankfurt befand. Zwanzig Minuten auf ihn zu warten erschien uns dann aber doch verlockender, als einen Fußmarsch von etwa vierzig Minuten zurückzulegen, zumal ich Schuhe mit Absätzen trug. Wir verbrachten die Zeit mit deutschen, polnischem und englischen Flüchen auf den Busfahrer und seine Familie in den nächsten zwanzig Generationen. Der Bauherr rettete uns schließlich. Er hat beschlossen, sich gleich mal wieder mit einer Beschwerde beim rtv beliebt zu machen. Recht hat er!

Dieser verdammte Untertaunus-Francesco hatte zwar keine betrunkene Stangentänzerin dabei wie der echte, aber seine Arroganz erreichte doch etwa das Niveau der seines Idols. Um 15:40 Uhr waren wir endlich zu Hause. Ganze 90 Minuten nach der geplanten Zeit. Und das auch nur, weil der Bauherr zufällig auch gerade auf dem Heimweg war. Meine Begeisterung für öffentliche Verkehrsmittel hat jedenfalls heute einen empfindlichen Dampfer… ääähhh… Dämpfer erhalten. „Tuuuuuuut!“

4 Kommentare

  1. Krasse Geschichte ich wusste gar nicht mehr das es Fleckchen in BRD gibt wo man Rufbusse bestellen muss die nach 120 Minuten eintreffen. Trotzdem tapfer durchgehalten und eine nette Bekanntschaft
    gemacht. LG, Vroni

Kommentar verfassen