War ja irgendwie klar…

48 - Aushäusig 0793Das Wetter sonnig und trocken, der Waldrand lockte. Am Ende brachten der Bauherr und ich wieder eine Tüte Holunderblüten mit nach Hause. Die baden gerade, um morgen bzw. in drei Tagen zu Likör bzw. Sirup zu werden.

Nachdem das Holunderblüteneis aus Sirup so dermaßen lecker ist, kamen mir doch Zweifel, ob die Reserven aus dem vergangenen Jahr nicht doch etwas knapp kalkuliert sein könnten.

Jetzt sollte es aber langen. Hoffe ich. Und Likör habe ich dann auch reichlich auf Vorrat. Selbst wenn einiges davon im Kolleginnenabsatzmarkt untergeht, bleibt wohl noch genug für Geschenke und uns.

Was für ein herrlicher Sonntag übrigens. Grandioses Wetter. So könnte es doch eigentlich immer sein, oder?! Geht aber nicht, da das Merkel ja weiterhin sein Schatten auf die blühenden Landschaften im Südwesten wirft. Grrrr…

Klar war auch, dass der Bauherr es heute Abend nicht mehr aushielt und sich zwingend durch ein Saponarium ’stoibern‘ musste.

„Wenn ich mal dann halbe Stunde, ’ne Stunde, oder…
zwei Stunden am Sonntag im Garten sitz’…
Und es ist einigermaßen gutes Wetter…
Da tran… Da tanke ich Kraft, äh… und äh…
Und ich habs mir auch angewöhnt,
dass ich jeden Tag in der Frühin den Garten schau‘
und vielleicht eine Blume hinrichte…“ – Edmund Stoiber

Die Dinger waren ihm in ihrem ungezügelten Wachstum von Anfang an ein Dorn im Auge. Und ich gebe es ja zu: Sie wuchern wirklich extrem. Umso mehr Spaß macht es dem Bauherren wohl, sie gegen Ende ihrer Blüte bis auf das Wurzelwerk zurückzuschneiden. Im vergangenen Jahr trieben sie nochmals heftig aus, um im Herbst erneut zu blühen. Das liefert ihm nun die Argumente. Und so kam es, wie es kommen musste.

Was auch irgendwie bereits beim Kauf der Schweineschnitzelchen klar war: Es wird wieder gerollt. Um mal etwas Abwechslung in den Topf zu bringen, wurde Vincent Klink bemüht. Seine „Involtini vom Kalb mit Salbei“ aus „Meine mediterrane Küche“ wurden zwar zu Involtini vom Schweinchen, aber das tat dem Genuss keinen Abbruch. Ich schmorte die Röllchen nach dem Anbraten einfach in der Soße, der ich übrigens die doppelte Flüssigkeitsmenge gönnte, statt sie im Backofen zu parken.

Hier allerdings das Original:
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Involtini vom Kalb mit Salbei
Zutaten (für zwei Personen):
2 Schalotten
4 EL kalte Butter
1 TL Dijonsenf
4 dünne Kalbsschnitzel (à ca. 80 g)
Salz Pfeffer
1 EL Orangenmarmelade
12 Salbeiblätter
1 EL Orangenlikör
1/8 l Orangensaft
1/8 l kräftige Fleischbrühe
Zubereitung:
Die Schalotten schälen, in hauchdünne Scheiben schneiden und in einer Pfanne in 1 EL Butter anschwitzen. Dann den Senf untermischen.
Die Schnitzel zwischen Frischhaltefolie mit einer Pfanne hauchdünn klopfen, salzen, pfeffern und mit der Orangenmarmelade bestreichen.Salbei waschen, trocken schütteln und mit den Senfschalotten auf den Schnitzeln verteilen. Die Schnitzel eng zusammenrollen und nach Belieben mit Zahnstochern fixieren.
2 EL Butter in einer Pfanne erhitzen. Die Röllchen darin bei kleiner bis mittlerer Hitze zunächst auf der „Naht“ anbraten, dann von allen Seiten insgesamt 10 Minuten goldbraun braten. Die Fleischröllchen aus der Pfanne nehmen, mit Alufolie abdecken und im Backofen bei 60°C warm stellen.
Den Bratensatz in der Pfanne mit dem Orangenlikör und dem Orangensaft ablöschen. Die Fleischbrühe dazugießen und alles um die Hälfte einkochen lassen. Die restliche Butter in kleinen Flöckchen unterrühren und die Sauce damit binden. Involtini mit der Sauce beträufelt servieren. 
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Die Orangenmarmelade habe aus der Not heraus durch Reste meiner Physalismarmelade ersetzt. Ging auch hervorragend. Dazu gab es ein angebratenes, mediterranes Gemüse (Zucchini, Tomaten, Paprika) mit einem Schuss Balsamico und etwas Ziegenfrischkäse.

Die Kombination aus Orange und Salbei war irgendwie sehr überraschend und absolut fantastisch. Perfekt zum Ziegenfrischkäsehauch aus dem Gemüse. Ein wirklich geniales Essen!

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