The Cairngorms – Teil 2

Schottland 2081Und weiter geht’s! Vor den Chinesen hatte der Herr den Cairn Gorm gestellt. Und über den musste ich rüber vor dem nächsten Abendmahle. Also ab dafür. Wir starteten mit dem Auto durch bis zum Parkplatz an der Bergbahn, die wir natürlich nicht nahmen, da wir ja jung und gesund sind.

Die schwierigste Aufgabe war am Ende das Auffinden des Einstiegs. Es ging erstmal sehr steil bergauf durch Heidekraut und vorbei an einem die Landschaft verschandelnden Sessellift bis wir schließlich Schottlands höchstgelegenes Restaurant „The Ptarmigan“ erreichten.

Dahin wären wir auch mit der Bergbahn gelangt – wir hätten bloß nicht aussteigen und weitergehen dürfen. Nach einem Kaffee stiefelten wir weiter Richtung Gipfel. Und von da aus über einen Bergkamm (Stob Coire und An t-Sneaghda) ins Lairig Ghru und zurück zum Parkplatz. Das Wetter hatte erstaunlicherweise schon wieder gehalten, was es am Morgen versprochen hatte. Und für die Mühen des Anstiegs entschädigte uns der wirklich herrliche Panoramablick.

Während der Rückfahrt beschlossen wir dann endgültig, den Inder weiträumig zu umfahren und den Chinesen zu testen. Das war am Vorabend einfach ein Maß an Selbsterniedrigung gewesen, das wir nicht mehr ertragen konnten. Also auf zum „Shi Ping Guo“!

Lustigerweise fand sich auf der Karte dieses Etablissements ein Wein aus meiner Heimat – ein „Piesporter Michelsberg“. Ich trank ihn trotzdem nicht. Allerdings erwies sich das Essen als genießbar, und wir beschlossen, am folgenden Abend nochmals dort einzukehren. Bei unserer Rückkehr ins B&B bemerkten wir voller Freude, dass der Whiskybus verschwunden und die wahnsinnig lustigen Engländer auf ihrer Speyside-Tour mit sich genommen hatte. Endlich keine Deutschenwitze mehr beim Frühstück!

Am nächsten Tag sah dann das Wetter deutlich schottischer aus. Wir entschieden uns für eine Wanderung durch Tal des River Dee, da die Wolken derartig tief hingen, dass man nicht mal von der oberen Sprosse einer Treppenleiter noch irgendeine Art von Fernsicht gehabt hätte. Am Fluss war es dann allerdings sehr schön. Als es schließlich anfing zu regnen, packte ich die Kamera übervorsichtigerweise in einer extra dafür mitgebrachten Tesco-Plastiktüte in den Rucksack und wir verkürzten unseren Weg und kehrten zum Auto zurück. Am Parkplatz machte ich noch dieses Foto vom wahnsinnig grünen Waldboden – und dann war es soweit. Meine brandneue 5D verabschiedete sich. Das Display fiel aus, die Elektronik spielte verrückt. Einfach futsch. Shit! 

Ein absolutes Worst-case-Szenario angesichts der Tatsache, dass ich mir das Ding speziell für diesen Urlaub angeschafft hatte – aus Angst, meine betagte 30D könnte den Geist aufgeben. Ich hatte sie natürlich auch nicht mitgenommen. Krisensitzung beim Chinesen! Es wurden verschiedene Lösungsansätze beraten und schließlich beschlossen, dass für den Fall, dass das Ding nicht überraschend über Nacht den Dienst wieder aufnehmen würde, eine nach dem Urlaub über ebay wieder zu vertickernde 1100D angeschafft würde.

Dann kam das Essen. Meins war wie am Vortag o.k., aber auf des Bauherrn Teller lag etwas, das nicht gut aussah. Bestellt hatte er „Chicken with pineapple“. Das hier sah aus wie „Hello Kitty“. Rosa. Und unendlich schleimig. Ein echtes Horroressen. Und das noch angesichts der Tatsache, dass dem Bauherrn eine hysterische Ehefrau gegenüber saß, die über den Verlust ihrer Kamera nicht hinwegkam. Manchmal schlägt das Schicksal wirklich besonders grausam zu.

Unseren letzten Tag in den Cairngorms beschlossen wir angesichts der immer noch unverändert üblen Wetterlage mit der Besichtigung von „Ballindalloch Castle“ und der „Glenlivet Destillery“ zu verbringen. Erst ein herrlicher Park mit Walled Garden, dann ein Schlückchen Alkohol, zusätzlich der Kauf zweier Kochbücher – das Leben nahm eine unerwartet positive Wendung. Das wollten wir uns keinesfalls vom Abendessen verderben lassen und kehrten sicherheitshalber in der „Craig Bar“ ein, die grundsolide britische Pies and Chips anbot.

Meine „Heidi“ (goat’s cheese, sweet potatoes, spinach, red onion, roast garlic) und des Bauherren „Moo & Blue“ (British beef, rich gravy, hebs, Stilton) schmeckten dann auch tatsächlich recht gut. Sicherlich besser als der „Highlander Burger“ im ortsansässigen Imbiss. Ziemlich gut gelaunt ging es zurück aufs Zimmer, wo ich kurze Zeit später nach DSLR-Angeboten in Inverness surfte, als der Bauherr neben dem Bett das Netzkabel berührte und kurz hinter einer Stichflamme verschwand. Dann wurde es dunkel. Der Bauherr lebte noch, wir standen allerdings beide unter Schock. Die Stichflamme hatte zudem Schmauchspuren auf dem Teppich hinterlassen.

Die Nachttischlämpchen hatten noch Saft, aber die komplette Elektrik im Bad und sämtliche Steckdosen waren tot. Wir warteten im Schein der Lämpchen auf unsere Entdeckung durch den Hausherren. Offensichtlich war auch die Flurbeleuchtung betroffen, da wenig später vor unserer Tür hektische Betriebsamkeit entstand. Wir verhielten uns ruhig und unbeteiligt. Es ging noch eine Weile treppauf und treppab – dann wurde es still. Der Strom war immer noch nicht wieder da. Wir überschlugen, was es kosten würde, in diesem Haus neue Leitungen zu verlegen. Wir waren bereit, uns zu stellen.

In diesem Augenblick ging das Licht im Bad an. Es war nur die Sicherung gewesen. Juhuuu! Mit der Nagelschere entfernte ich vorsichtig die verkokelten Fasern aus der Auslegware. Wir waren gerettet! Jedenfalls vorläufig…  

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