Arrochar, Glasgow & Edinburgh

Schottland 2776Nette Aufzählung nach dem Motto „Welcher Ort passt nicht in die Reihe?“. In Arrochar am Loch Long befand sich unser letztes B&B, an dem wir deutlich zu früh eintrafen. Das stieß diesmal leider auf wenig Gegenliebe, so dass wir uns wieder vom Acker machten, um zur vereinbarten Zeit erneut „anzukommen“.

Da das Wetter sich einigermaßen hielt, entschieden wir uns für einen in der Nähe gelegenen, nach Bauherrenaussage harmlosen Rundwanderweg. Das Ding war nicht harmlos. Das Ding war ein Killer. Zumindest gab es mir ordentlich den Rest. Was der Stob Dearg nicht geschafft hatte, besorgte dieser niedliche „Cruach Tairbairt Loop“ auf den ersten Metern, die extrem steil bergauf gingen.

Das war’s für mich. Völlige Akkuentleerung. Mist! Immerhin war ich noch in der Lage, anschließend einigermaßen aufrecht am Loch Lomond entlang zu defilieren. Wir starteten am Firkin Point und liefen erst in die eine, und dann noch in die andere Richtung. Der Himmel lockerte sich auf, sodass ich freundlicherweise noch zu einigen Seefotos kam.

Wo wir übrigens gerade an diesem herrlichen See sind, dessen ‚bonnie, bonnie banks‘ in einem ganz wunderbaren schottischen Traditional besungen werden, muss ich einmal eine Zwischenbemerkung anbringen: Das hier darf doch einfach nicht wahr sein! Diese schöne Melodie mit einem derart grenzdebilen Text zu versehen und sich dann noch nicht zu schade sein, das ganze auch noch öffentlich vorzutragen, ist an Dummdreistigkeit kaum noch zu überbieten. Kann man dafür irgendwo ein lebenslängliches Berufsverbot für die schwachsinnigen „Höhner“ beantragen?! Take the low road, FC!!!

Und wo wir jetzt gerade in Köln sind: In welche seltsame Richtung hat sich eigentlich Wolfgang Niedecken entwickelt?! Dass der Bono vom Rhein ja irgendwie einen an der Klatsche hat, überrascht nicht wirklich, aber was hat ihn geritten, ausgerechnet dem Handelsblatt (!) ein Interview zu geben, in dem er auf die Frage, welchen Politikern er vertraue, folgende Widerlichkeit von sich gibt: „Ich habe immer gerne, wenn Politiker auch mit bitteren Wahrheiten ankommen. Nehmen wir die Agenda 2010. Schröder hat es gemacht, obwohl er wusste, er wird dafür abgestraft. Deswegen hat er bei mir immer noch einen großen Bonuspunkt: weil er es endlich gewagt hat. Vielleicht hätte man mehr an die kleinen Leute denken sollen. Wenn jedoch alle auf der Welt unser Existenzminimum hätten, würden wir „Hurra“ schreien.“ Ähemm?! Wie meinen?! Im besten Falle ist er nun auch nur noch einer mit „’ner Stehplatz-Mitte-Jahreskaat vum FC“

Zurück von Köln nach Arrochar! Irgendwann durften wir dann auch unser Zimmer beziehen, allerdings wurde mir vor Betreten des Hauses vorgeschlagen, doch freundlicherweise die Wanderschuhe auszuziehen. Ich ließ sie lieber gleich im Auto. Auf der Suche nach Abendessen schauten wir uns in Arrochar um. Das hier hatte geschlossen. Wahrscheinlich besser so.

Wir marschierten also zum uns wärmstens empfohlenen „The Village Inn“, wo man uns allerdings keinen Tisch mehr anbieten konnte. Wir reservierten schließlich für den nächsten Abend und nahmen einmal mehr wabbelige Vollkornbrötchen, Trauben, Käse und Rotwein auf dem Zimmer zu uns. Geht ja irgendwie auch.

Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter deutlich verschlechtert, immerhin regnete es aber (noch) nicht. Unser Plan war, die Inveraray Highland Games zu besuchen. Eine gar lustige Veranstaltung, bei der alle ihr Bestes gaben. Eine Reihe kräftiger Herren warf den kompletten Tag über unermüdlich mit allem um sich, was man ihnen in die Hand drückte: Kanonenkugeln, Felsbrocken, Gewichte, Baumstämme und was weiß ich noch alles. Bis wir allerdings zu den Baumstämmen, und damit zu den World Championships im Caber Tossing, kamen, regnete es wie blöd und die Zuschauer verließen scharenweise den Ort des Geschehens.

Außer den kräftigen Herren gab es noch allerlei andere Wettkämpfe zu bestaunen. Zum Beispiel im Dudelsackdudeln. Die Regeln erschlossen sich uns nicht ganz, schienen aber recht streng zu sein. Es gab eine Reihe von Pavillons, in denen sich jeweils zwei Preisrichter befanden, denen jeweils ein Piper etwas vordudelte. Die Zuschauer waren extrem enthusiastisch. Irgendwann gab es dann die Ergebnisse in den verschiedenen Dudeldisziplinen schriftlich an einer Pinnwand.

Daneben tanzten sich den ganzen Tag über eine Unmenge hochmotivierter Mädels auf mehreren Bühnen halb tot, sprangen über gekreuzte Schwerter und waren total hibbelig. Auch hier gab es Bewertungen und zusätzlich am Ende eine Siegerehrung.

Während des gesamten Tages fanden Laufwettbewerbe, Weit- und Dreisprungwettbewerbe und eine Reihe von Radrennen mit Fixies auf Grasbahn statt. Alles sehr unterhaltsam, zumal etwa alle Stunde eine Dudelsacktruppe einmal ums Stadion marschierte. Ich kaufte mir ein Tea towel mit Midges-Motiv und war rundum zufrieden mit dem Verlauf des Tages. Und das nicht nur wegen des topfebenen Geländeverlaufs.

Zurück in Arrochar ging es gleich an unseren reservierten Tisch. Die Reservierung war zwar nicht korrekt notiert worden, aber wir bekamen trotzdem etwas zu essen. Während der Bauherr wieder Muscheln in der 569. Variation testete, machte ich mich über Breaded mushrooms und Salmon her. Und dann kam die Dessertkarte! Sticky toffee pudding!!! Her damit! Der Bauherr orderte einen Double chocolate caramel fudge cake – und der war echt der Hammer. Und er löste einen brutalen „Das will ich morgen wieder!“-Reflex aus. Wir reservierten nochmals.

Am nächsten Morgen sah das Wetter nicht deutlich besser aus. Wir beschlossen, uns Glasgow anzuschauen. Unsere B&B-Wirtin legte uns dringend an Herz, den Zug zu nehmen und das Auto vorher in Helensburgh abzustellen. Mit einem Insider-Tipp für kostenloses stundenlanges Parken versehen, machten wir uns auf den Weg. Klappte auch alles hervorragend und dazu regnete es erfreulicherweise in Glasgow nicht, als wir an der Queen Street unseren Zug verließen.

Wir sahen uns die Gallery of Modern Art (nette Kuppel im netten Treppenhaus), die Glasgow Cathedral und das daneben liegende St Mungo Museum of Religious Life and Art an, und trieben uns eine Weile auf der Suche nach einem gestreiften Lambswool-Pullover in der Stadt herum. Die Pulloverdichte Glasgows ist zwar wirklich extrem, wurde aber am darauffolgenden Tag von der in Edinburgh noch getoppt.

Das mit dem Pullover ist so eine Art fixe Idee von mir, seit ich 1984 auf dem Hatzenporter Weinfest (oder war es Winningen?!) einen Schotten kennenlernte, dessen Pullover ich absolut toll fand. Neil – so hieß der junge Mann –  hatte diesen in Glasgow erworben. Seitdem hatte ich mir immer vorgenommen, mir den gleichen zu kaufen, sollte ich jemals in diesem Leben nach Glasgow kommen. Jetzt war ich da, aber nach 28 Jahren sind Streifenpullis scheinbar aus der Mode. Tragisch!

Bei unserem letzten schottischen Abendessen im „Village Inn“ kam dann schon etwas Wehmut auf. Vorbei, der Urlaub. Menno! Am folgenden Morgen brachen wir zeitig auf, da wir uns vor dem Abflug auch noch Edinburgh im Schnelldurchlauf anschauen wollten. Wir stellten das Auto am Ingliston P&R-Parkplatz in direkter Flughafennähe ab und nahmen den Bus in die City. Um genau zu sein: Wir nahmen die Linie 12 der „Lothian Buses“. Die Hinfahrt verlief auch völlig störungsfrei.

Nachdem wir auf die Burg hinaufgeklettert und inmitten von Touristenmassen anschließend wieder hinabgespült worden waren, liefen wir eine Weile durch die Stadt, sahen uns dies (Hö?!) und das (Hume) an und begaben uns schließlich wieder zur Bushaltestelle. Laut Fahrplan sollte die Linie 12 immer abwechselnd bis zur Endhaltestelle und dann wieder nur eine verkürzte Route fahren. Wir mussten natürlich zur Endhaltestelle. Blöd nur, dass dahin offensichtlich 45 Minuten lang kein Bus fuhr, während drei der Kurzroutenbusse vorbeikamen.

Langsam wurde es eng mit unserem Abflugtiming. Eine freundliche, aber ahnungslose Mitarbeiterin der Lothian Buses, die mit Fahrplan an der Haltestelle für Fragen zur Verfügung stand, war überfordert. Am Ende stürzten wir mit einem beherzten Sprint an eine um die Ecke gelegene Haltestelle der 12X-Expresslinie, von wo aus wir auch tatsächlich einen Bus erwischten.

Und das war es auch schon. Wir waren pünktlich am Flughafen, erreichten unseren Flug, stiegen schließlich in Frankfurt wieder aus und trafen kurz vor Mitternacht zu Hause ein. Der Garten war erfreulicherweise nicht vertrocknet, die Dahlien blühten, und der Urlaub war vorbei. Womit wir in diesem Blog nun auch endlich wieder in der Gegenwart angelangt wären. Juhuuu!

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