„Manchmal kommen sie wieder…“

26 - Schriftliches 8534Nach der Lektüre des gestrigen Organspende-Artikels „HirnTOD“ (leider bislang online nicht verfügbar) in der ‚Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung‘ erstaunte es mich heute nur kurz, als ich im Büro exakt das als Lazarus-Syndrom beschriebene Szenario vorfand: „Hirntote […, die…] während der Eingriffe anfangen, um sich zu greifen, sich bisweilen sogar aufrichten“.

Mal abgesehen von den Parallelen zum Büroalltag sollte man sich sehr intensiv überlegen, ob man sich wirklich für eine Organspende entscheidet. Bisher war ich in dieser Hinsicht ja eher in Spendierlaune, aber ich werde das nochmals überdenken müssen.

Die Realität scheint sich mittlerweile dem angenähert zu haben, das man bei Monty Python noch witzig fand: „Can we have your liver…?“ Verdammt! Das ist gar kein Scherz!

Andererseits muss man das ja meist nicht mehr selbst entscheiden, wenn es soweit ist. Man wird häufig dem, was die engsten, in dieser Situation wahrscheinlich emotional unzurechnungsfähigen Angehörigen für „richtig“ halten, hilflos ausgeliefert sein. Der Bauherr hat zumindest vorerst beschlossen, meine hochwertigen Organe keinesfalls zur Implantation in Unwürdige freizugeben. Irgendwie beruhigend.

So werde ich also auch morgen wieder mit vollem Equipment – von den Mandeln einmal abgesehen, aber Mandelspenden scheinen ja auch eher nicht so wahnsinnig gefragt zu sein… – den Bus besteigen, der mich ins Reich der Untoten bringt. Zum „Dawn of the Braindead“ sozusagen. Zu denen, die sich vielleicht sogar über eine Blinddarmspende freuen würden. Oder über die Leber von Lance Armstrong.

Die Küche blieb heute annähernd kalt. Und deshalb gibt es auch kein Rezept. Das liegt wirklich nicht daran, dass wir ab heute im Hinblick auf die Transplantationseignung unserer Magen- und Darmtrakte „spendenzentriert“ leben möchten. Nein, nein. Es waren einfach noch Reste von gestern da.

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