Germany’s next Top Dessert

Glen Moray chocolate truffle torteNachdem ich hinsichtlich des Weihnachtsdesserts immer noch unentschlossen bin, wurde heute ein neuer Kandidat in die Wertung aufgenommen: Graham Harveys award winning „Glen Moray Chocolate Truffle Torte“.

Die ziert als Covergirl nämlich das „Whisky Kitchen“-Kochbuch und hatte mich eigentlich bereits beim ersten Durchblättern brutalstmöglich (um es mal hessisch zu formulieren) angesprungen. „Los! Bereite mich zu!!! Tu es jetzt!“ lautete die Botschaft, die praktisch die ganze Doppelseite 166/167 ausatmete.

Trotzdem versuchte ich mich vorher an sechs anderen Dingen aus dem Werk der Schotten. Aber heute! Heute war es soweit. Auch wenn ich während der Zubereitung feststellen musste, dass ich wider Erwarten keine Himbeeren mehr im Tiefkühlfach hatte, was die Himbeer-Coulis-Sache vereitelte.

Für den ersten Test musste es dann halt ein wenig noch vorrätiges Erdbeerpürrée tun. Wenigstens eine Plastikhimbeere für die Deko wäre nett gewesen, aber auch sowas gibt es hier leider nicht. Am Ende mussten je eine halbe Walnuss und ein schwarz-weißes Schokoherzchen zum Aufpeppen herhalten.

Und wo ich schon mal dabei war, und wo schon mal eine am Freitag erworbene Räuchermakrele im Kühlschrank lag, machte ich mich gleich noch an einen Amuse-Gueule-Test für unseren Besuch am kommenden Samstag.

Die Lieblingsnachbarn sollten schon seit geraumer Zeit mal wieder zum Essen eingeladen werden. In der Spargelsaison redeten wir schon über einen Termin. Der Sommer verging. Immerhin kann ich nun ein paar Ideen fürs Weihnachtsmenue an ihnen ausprobieren. Harhar!

Zurück zur Makrele: Ein Rezept, das so kurz und so unkompliziert wirkt, und das ausschließlich Zutaten enthält, die wir mögen, muss einfach mal flott über die Arbeitsplatte gehen. „BenRiach Smoked Mackerel Pâtée“ scheint mir eher ein Sheila-McConachie-Rezept zu sein. Und wenn sie schreibt „Now how easy is that?“ vertraue ich ihr einfach mal.

Wieso ich heute soviel Zeit für solche Experimente habe? Ganz einfach! Wir waren gestern bei meiner Lauffreundin Heike eingeladen. Und das war ein ausgesprochen netter und angenehmer Samstagabend. Und zudem ein Samstagabend mit null Eigenleistung, was das Kochen anging. Ein freier Abend für das Küchenpersonal sozusagen. Wirklich schön war’s. Und lecker. Die kleinen Cupcakes in fünf (!) verschiedenen Sorten zum Dessert ließen mich bereuen, dass ich bereits vorher irgendwie zu heftig zugeschlagen hatte. Ich will dieses Schokotopping-Rezept!

Und weil ich gestern gar nichts tun musste, und weil als „Hauptgang“ für heute noch Reste von Freitag Gabel-bei-Fuß standen, blieb am heutigen Sonntag reichlich Zeit für ausgedehnte Experimente im Hinblick aus Vorspeise und Dessert. Und hier jetzt erstmal die Rezepte:
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Ben Riach Smoked Mackerel Pâtée
Zutaten (für 4 bis 6 Portionen):
350 g Räuchermakrele
2 dicke Scheiben Roggenbrot
25 ml Apfelessig (oder Weißweinessig)
30 ml BenRiach Dark Rum Wood 15 year old Malt Whisky
100 Granny Smith Apfel, geschält und entkernt (oder jeder andere, säuerliche Apfel)
1 Prise Cayenne-Pfeffer
Zubereitung:
Alle Zutaten grob zerkleinert in einen Food Processor (in meinem Fall bearbeitete ich die Angelegenheit mit dem Zauberstab in einem hohen Rührbecker) geben und zu einer glatten Masse verarbeiten. In eine Schüssel geben und über einem Eisbad herunterkühlen (hier: Kohlschrank).
Zum Servieren Nocken abstechen und mit Salatblättern, Kapern, einer Scheibe Zitrone und getoastetem Vollkornbrot auf einen Teller geben. Apfel Chutney passt dazu, Apfelscheiben, Rhabarber-Ingwer-Chutney oder auch Red Onion Marmelade.
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Glen Moray Chocolate Truffle Torte
Zutaten (für 8 bis 10 Portionen):
6 digestive biscuits, zerkleinert *
2 gehäufte Esslöffel gehackte Nüsse **
50 g weiche Butter
25 ml Glen Moray 16 year old Malt Whisky ***
Pflanzenoel zum Fetten der Dessertringe
250 g dunkle Schokolade (mindestens 60-70% Kakaoanteil)
2 EL Golden Syrup ****
568 g Crème double *****
4 TL lösliches Kaffeepulver
1 TL gemahlener Zimt
25 ml Glen Moray
Zutaten-Anmerkungen:
* Digestive Biscuits sind hierzulande kaum zu bekommen. Ich nahm für die Hälfte des Rezeptes 60 g fertige Mürbeteigplätzchen. Wobei ich ins Auige gefasst habe, für den nächsten Versuch selbst Digestives zu backen.
** Walnüsse waren reichlich vorhanden. Also nahm ich nur die, allerdings benötigte ich etwas die doppelte Menge
*** In Ermangelung eines Glen Moray wiech ich auf Anraten des Bauherren auf einen leicht verdünnten Abelour Abunadh aus. Gute Idee – aber da hilft sicher Whisky Tasting weiter
**** Golden Syrup stellt einen vor ein ähnliches Problem ie die Digestives. Ich hatte noch Reserven im Haus. Vereinzelt kann man ihn auch hierzulande kaufen. Notfalls vielleicht auf Zuckerrübensirup oder Ahornsirup ausweichen.
***** Die Crème double war gerade auch im heimischen Kühlschrank nicht vorrätig. Gibt es meines Wissens von Dr. Oetker in gelber Verpackung in gutsortierten Kühlregalen (hier z.B. bei „Edeka“). Ich mischte stattdessen Crème fraîche mit Sahne. Funktionierte auch hervorragend.
Zubereitung:
Zehn 8-cm-Dessertringe (Höhe: 4 cm) oelen. An dieser Stelle erstmal im O-Ton ein ausgezeichneter Tipp, falls man keine Vorspeisen- und Dessertringe im Haus hat oder für teuer Geld mal eben so erwerben möchte (teilweise wirklich sündhaft teuer, aber nebenbei bemerkt in der kommenden Woche für einen relativ moderaten Preis bei „Aldi Süd“ zu haben): „If doing this for a dinner party send the old man out to the hardware store and buy a length of 3 inch drainpipe, cut this into 4 cm lengths, put them through the dishwasher and you have got a bag full of mousse rings for the cost of 2 Stainless steel ones.“
Dessertringe auf einen mit Frischhaltefolie bezogenen teller o.ä. stellen (Ich habe sicherheitshalber noch Backpapierstreifen darin platziert). Butter, Nüsse und Keksbrösel mit dem Whisky mischen und Mischung auf die Ringe verteilen. Mit einem Löffel plattdrücken und in den Kühlschrank stellen.
Schokolade in Stücke brechen und mit dem Golden Syrup und 150 ml der Crème double in einer Schüssel auf ein Wasserbad geben. Die Schüssel sollte das Wasser nicht berühren. Schokolade schmelzen lassen, vom Wasserbad nehmen und die Zutaten in der Schüssel miteinander verrühren. Kurz abkühlen lassen.
Die übrigen Zutaten in eine Rührschüssel geben und aufschlagen, bis die Crème beim Schlagen für ein oder zwei Sekunden eine Spur auf dem Schüsselboden hinterlässt. Nicht zu fest aufschlagen. Die Schokoladenmasse zugeben und mit einer Gabel zügig unterrühren, bis alles eine gleichmäßige Farbe und Konsistenz hat. Masse auf die Dessertrringe verteilen, die Oberflächen mit einem Palettmesser glätten und für zweieinhalb bis drei Stunden in die Kühlung geben. Zum Originalrezept gehört wie gesagt ein Himbeer-Coulis. Und ein Gebäckkörbchen mit frischen Sommerfrüchten. Aber das habe ich hier mal großzügig ignoriert. Zum Testen reicht es auch so. Darauf kommen wir dann bei Gelegenheit zurück.
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Am Ende waren das zwei überaus gelungene Tests. Wer hätte auch ernsthaft etwas anderes erwartet?! Ich habe bisher aus diesem Kochbuch noch nichts ausprobiert, das nicht ein echtes Highlight gewesen wäre. Blöderweise erleichtert das die Weihnachtsmenue-Entscheidung nicht, sondern erschwert sie eher. Egal! Wird schon!       

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