„All’s well that ends well“

43 - Rätselhaftes 3203Wie kann ein Tag besser beginnen, als mit einer Extreme-Snow-Patrolling-Einheit?! Eben! Über Nacht waren wir wieder komplett eingeschneit. Und obwohl der Bauherr bereits vor seiner Abfahrt geräumt hatte, konnte ich um acht Uhr gleich nochmals loslegen.

Gut am Schnee: Die Wege der Nachbarskatze sind dokumentiert. Offensichtlich dreht sie tagtäglich in aller Frühe eine Runde über unsere Terrasse und schaut nach dem Rechten. Braves Kitty!

Nach den Schneeräumarbeiten ging es dann an die Fortsetzung der Weihnachtsbäckerei. Frohgemut sichtete ich die gestern besorgten Zutaten und die dazugehörigen Rezepte. Mein Entschluss stand schnell fest: Der Backtag sollte mit den „Erdnussplätzchen“ aus der aktuellen Ausgabe von „So isst Italien“ beginnen.

Blöderweise stieß ich bereits bei der zweiten Zutat auf ein Problem. Da stand nämlich einfach nur „Erdnussbutter mit Stücken“. Nicht dass ich keine crunchy Peanut Butter vorrätig gehabt hätte – mir fehlte die Mengenangabe. Mist!

Aufstecken gildet nicht! Die Erdnussdinger mussten auf die Bleche. Ich rechnete etwas hin und her mit den Mengenangaben der übrigen Zutaten und entschied mich schließlich, die 140 g Butter mit nochmals 150 g Erdnussbutter zu ergänzen.

Als ich schließlich an der Stelle im Rezept ankam, in der es heißt „Den Teig mithilfe von Frischhaltefolie zu einer Rolle […] formen“, war ich den Tränen nahe. Es stand fest: Das musste einfach viel zuviel Erdnussbutter gewesen sein. Von „formen“ konnte keine Rede sein. Waaah! Ich breitete den ganzen Schlonz auf der ätzenden Folie (Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Frischhaltefolie hasse?!) aus, presste das Ganze irgendwie in eine halbwegs rollenartige Form und deponierte es im Schnee vor der Terrassentür.

Nachdem ich meine Hände soweit gereinigt hatte, dass ich mich wieder in die Nähe einer Tastatur wagte, schrieb ich eine Mail an die „So isst Italien“-Redaktion. Pah! Das war ja nicht das erste Mal, dass ich hilflos vor einem Rezept in einem dieser Hefte stand. Während mein Zorn und meine Enttäuschung etwas verrauchten, hatte auch der Erdnussteig einen formbaren Zustand erreicht. Zartes Pflänzchen Hoffnung.

Am Ende schaffte ich es, Kugeln daraus zu rollen, sie mit Erdnüssen zu garnieren und nach erneuter kurzer Terrassenpause abzubacken und zu fotografieren. Als ich mit den Fotos zwecks Bearbeitung am Laptop eintraf, fand ich unglaublicherweise bereits eine Antwort von „So isst Italien“ vor! Eine Antwort, die nicht von einer Maschine stammte, sondern von einer echten Mitarbeiterin! Einer Mitarbeiterin, die nicht nur überaus freundlich (deutlich freundlicher als sie hätte sein müssen!) zu einer wütenden Kundin war, sondern auch noch in völlig einwandfreiem Deutsch hervorragende und kompetente Tipps gab. Und das Beste: Meine 150-g-Erdnussbutter-Entscheidung war völlig richtig gewesen! Ich nehme hiermit offiziell alles zurück, das ich jemals an Schlechtem über diese Zeitschrift gedacht habe. Hut ab!

Da die Plätzchen dann am Ende auch recht gut gelungen sind, hier das Rezept:
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erdnussplätzchen - fertigErdnussplätzchen
Biscottini di arachide
Zutaten (für ca. 40 Stück):
150 g Butter
150 g Erdnussbutter mit Stücken
175 g brauner Zucker
1 Ei
200 g Mehl
1 TL Backpulver
1 Prise Salz
175 g Erdnüsse, geröstet und gesalzen
Zubereitung:
Butter und Erdnussbutter mit einem Handrührgerät vermengen. Nun nacheinander Zucker, Ei und Salz unterrühren. Das Mehl mit dem Backpulver vermischen und ebenfalls kurz untermengen. Den Teig mithilfe von Frischhaltefolie zu einer Rolle von etwa drei Zentimetern Durchmesser formen (Anm.: eventuell vorher leicht durchkühlen) und ca. eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
Den Backofen auf 170°C vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier belegen (Anm.: drei Backbleche!).
Vom Teig etwa einen Zentimeter dicke Scheiben abschneiden. Die Scheiben zu Kugeln formen, aufs Backblech setzen und wieder etwas flach drücken. Auf jedes Plätzchen einige Erdnüsse drücken. (Anm.: An dieser Stelle habe ich die Bleche mit den fertig vorbereiteten Plätzchen nochmals kurz auf der Terrasse platziert, da ich immer noch Angst hatte, dass sie sich beim Backen völlig verflüssigen würden). Im vorgeheizten Ofen ca. 15 Minuten backen.
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Nachdem diese Krise überstanden war, verursachte ich die nächste selbst. Es sollten Rahmplätzchen folgen, der Teig war flott zusammengeknetet und wanderte ebenfalls in die Kühlung. Leider sanken die Temperaturen während der mir von mir selbst verordneten, ausgedehnten Pause derartig schnell, dass ich am Ende mit einem Klumpen steinhart gefrorenen Teigs da stand. Blöd…

Ich verschob die Endfertigung auf morgen, übersprang damit großzügig einen meiner Tagesordnungspunkte und ging unbeeindruckt direkt zur Herstellung der „Espresso-Tupfen“ aus „Ländliches Backen im Advent“ über. „Gehe nicht über tiefgefrorenen Teig! Ziehe nicht EUR 4.000,- ein!“ sozusagen.

Die Espresso-Tupfen hatte ich für die Eiweißverwertung eingeplant. Blöderweise fehlten zusätzlich zu den gestern bereits abgefallenen zwei Eiweißen noch die beiden, die bei der „Lackierung“ der Rahmplätzchen übrig bleiben würden. Egal! Jetzt stehen halt zwei Eigelb im Kühlschrank, die bis morgen warten müssen.

Kurz und gut: Die Dinger schmecken ausgezeichnet. Aaallerdings – und jetzt kommt der Haken! – empfehle ich, auf keinen Fall auf die Wischi-waschi-Formulierung „250 g feinster Zucker“ hereinzufallen und üblichen „Fein-Zucker“ zu verwenden. Merke: Der einzige wirkliche Freund eines guten Baisers ist der Puderzucker. Experimente lohnen sich an dieser Stelle nicht. Uuund: Wer seine Baisers wie ich trocken und fluffig mag, sollte ganz schnell die Temperatur- und Zeitangabe des Rezepts den Hasen geben. Maximal 100°C – und dann gaaanz laaangsaaam mindestens drei Stunden trocknen lassen! Hier das Originalrezept (mit Anmerkungen):
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espresso-tupfen

Espresso-Tupfen
Zutaten (für zwei Bleche):
4 Eiweiß
250 g feinster Zucker (Anm.: s.o.)
3 EL Kakaopulver
2 Tütchen löslicher Espresso (Anm.: entspricht 4 Gramm)
1 Päckchen Vanillezucker
Zubereitung:
Das Eiweiß mit den Schneebesen des Handrührgeräts zu sehr steifem Schnee schlagen. Dabei den Zucker einrieseln lassen und noch ein bis zwei Minuten weiterschlagen. Den Backofen auf 160°C (Umluft: 140°C) vorheizen (Anm.: s.o.). Kakao, Espresso und Vanillezucker mit einem Teigschaber vorsichtig unterrheben (Anm.: Quatsch! Ruhig ebenfalls mit den Schneebesen einrühren).
Die Masse in einen Spritzbeutel mit mittelgroßer Lochtülle (Anm.: oder in einen Gefrierbeutel mit mittelgroß abgeschnippelter Ecke) füllen. Damit Tupfen auf ein mit Backpapier belegtes Blech spritzen oder mit zwei nassen Teelöffeln Häufchen formen (Anm.: Man kann sich das Leben auch unnötig schwer machen…). Dabei genügend Abstand zwischen den Tupfen lassen.
Im Ofen auf der zweiten Schiene von unten (Anm.: Why that?!) backen. Espresso-Tupfen herausnehmen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.
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Bis auf den auf morgen verschobenen Rahmplätzchenteig kein wirklich erfolgloser Tag. Zumal auch noch das Top-Weihnachtsgeschenk für den Bauherren eintraf. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank für den Tipp an meinen Lieblingshauptstadtbewohner!        

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