Kulturprogramm

Pyrenäen 6623Bereits am Morgen stand fest: Der heutige Tag würde nur für meinen Spitzenfahrer ein anstrengender werden. Ich blieb von unerträglichen Strapazen weitgehend verschont. Der Bauherr wollte den „Col de Peyresourde“, den er bereits vor Jahren einmal von der anderen Seite bezwungen hatte, nun von Bagnères-de-Luchon aus in Angriff nehmen.

Ich befand mich also wieder einmal auf dem Fahrersitz des Begleitberlingos, um ihm von dort aus zur Seite zu stehen – Wasser, Straßenkarten und Gummibärchen im Anschlag.

Am Ende hatte er wieder eine Leistung erbracht, die ihresgleichen sucht. Ich poste an dieser Stelle übrigens absichtlich keine Zahlen, um nicht für Verstörung bei mitlesenden Teammitgliedern zu sorgen. Am Ende kommt es noch zu unschönen Verdächtigungen…

Hübsche Markierung übrigens oben am Peyresourde. Solche Fotohintergründe wünschte man sich öfter. Ganz schlimm wurde es in dieser Hinsicht ja am Pla d’Adet, aber dazu kommen wir auch bald.

Pyrenäen 6631Von der Passhöhe des Peyresourde ging es dann mit dem Auto nach Saint-Bertrand-de-Comminges über einen kurzen Zwischenstopp bei der nahegelegenen „Basilique Saint-Just de Valcabrère“. Etwas Kulturprogramm gehört schließlich auch zu einem gelungenen Urlaub.

Die Basilika sieht zwischen den Zypressen irgendwie seltsam nach Toscana aus, lohnt aber durchaus einen Besuch. Sie wurde offensichtlich aus allem zusammengebaut, was da gerade so an Resten rumlag. So finden sich immer wieder Ornamente zwischen den Steinen, die da scheinbar zufällig gelandet sind.

Saint-Bertrand-de-Comminges sah im übrigen genauso nett aus wie im Reiseführer. Hübsche rote Dächer auf Steinhäusern an einem Ort, den bereits die Römer für den Bau einer Siedlung („Lugdunum Convenarum“) ausgewählt hatten. Mittendrin die „Cathédrale Notre-Dame de Saint-Bertrand-de-Comminges“, die man sich wirklich anschauen sollte. Allein das Chorgestühl und die Orgel!

Pyrenäen 6721An der Wand hängt in einer Ecke ein totes Krokodil, das sich angeblich von Jungfrauen kurz vor deren Hochzeit ernährte, bis ihm Saint Bertrand den Garaus machte. Und da hängt es nun immer noch.

Uns gelüstete es zwar nicht nach Jungfrauen, aber Hunger hatten wir gegen Abend dann schon. Und immerhin hatten wir den steilen Anstieg in die Stadt ohne den Rufbus die Bimmelbahn absolviert. Da wird man ja auch mal Hunger bekommen dürfen.

Für den Abend hatten wir unser Erscheinen am Esstisch der „Ferme de Soulan“ angekündigt. Und es sollte sich lohnen. Sylvain, unser überaus sympathischer Gastgeber, tischte nach einem Salat mit Ziegenkäsecrostini hervorragendes Fleisch und einen mediterranen Gemüseauflauf auf. Anschließend gab es Käse aus der Fromagerie. Und dann noch eine leckere Tarte zum Dessert. Das war eine gute Idee gewesen, nicht aushäusig nach Essbarem zu suchen. 

8 Kommentare

  1. [quote][i]Original von MrsFlax[/i]
    Am Ende hatte er wieder eine Leistung erbracht, die ihresgleichen sucht. Ich poste an dieser Stelle übrigens absichtlich keine Zahlen, um nicht für Verstörung bei mitlesenden Teammitgliedern zu
    sorgen. Am Ende kommt es noch zu unschönen Verdächtigungen…[/quote]

    Meine Augen sind zwar nicht mehr die besten – aber ich habe auf den Fotos mit Rad nirgendwo ein SRM-System entdecken können. :think: :nixweiss:

    Ansonsten passt das doch schon, dass der Spitzenfahrer allein vorne weg rollt und eine Mutantenleistung nach der anderen einfährt, während hinten der Rest seines Teams aus dem Zeitlimit purzelt.
    :seufz:

    (Womit auch geklärt wäre, wer nächstes Mal als Kapitän das Team anmeldet… :fg: )

  2. Meine Augen sind zwar noch ganz gut, aber ich kann da nicht hinsehen. :argh:

    Und was die Leistung angeht: Nach „El BALCO de Dorres“ gibt es wohl keine Fragen mehr. :hope:

    1. du erkennst aber die perfide schändung des treks durch campagnolo-komponenten? 😀

      außer zehn verschiedenen sorten marmelade zum frühstück hat man uns dort allerdings keinerlei leistungssteigernde mittel eingflößt. das müsste ich doch gemerkt haben… ^^

  3. Wie sollte ich etwas erkennen, wenn ich nicht hinsehen kann? :rolleyes: Für Schlampagnolo-Komponenten ab Modelljahr 97 (da haben sie mit der Gängeinflation angefangen) gibt’s von mir eh kein
    Pardon. :noe:

    Dein Balco-Argument überzeugt mich allerdings. 😀 10 Sorten Marmelade sind vermutlich nur direkt aus dem Glas und frisch aus der Mikrowelle leistungsteigernd. ^^

  4. [quote][i]Original von MrsFlax[/i]
    außer zehn verschiedenen sorten marmelade zum frühstück hat man uns dort allerdings keinerlei leistungssteigernde mittel eingflößt. das müsste ich doch gemerkt haben… ^^[/quote]

    Sowas passiert heutzutage ja auch eher unterwegs – auch Zabel hat seinen „Zaubertrank“ häufig aus dem Begleitauto bekommen.

    Oder warum habt ihr die geografische Nähe zur TdF gesucht und dort unterwegs an jeder carrefour (frz. = Kreuzung) angehalten?
    Womöglich habt ihr sogar die Dopingmittel gesucht, die Jens Voigt vor 15 Jahren dort vergraben hat… :oj: ^^

  5. [quote][i]Original vom Hund von Alejandro Valdoepfel[/i]
    Für Schlampagnolo-Komponenten ab Modelljahr 97 (da haben sie mit der Gängeinflation angefangen) gibt’s von mir eh kein Pardon. :noe:[/quote]

    Trek mit Schlampagnolo fahren aber noch weitere Mitglieder unseres Teams… :tja:
    (Und ausnahmsweise spreche ich mal nicht für mich. 😀 )

  6. Es war ja die Weisheit des Chefs, sein Team paritätisch mit Trek- und Dreck-Fahrern zu besetzen. Wie konnte ich das vergessen. :hope:

    Der „Zaubertrank“: Dann war das 98 kein „Hungerast“, sondern Rudy hat das falsche Fläschchen gegeben? Ich ahnte es doch schon immer. Der Ärger unseres Pyrenäentourgotts auf seine mal eben
    vorgefahrene Directeuse sportive ist nun auch verständlich. :achso:

  7. [quote][i]Original von Piti[/i]
    Der Ärger unseres Pyrenäentourgotts auf seine mal eben vorgefahrene Directeuse sportive ist nun auch verständlich. :achso:[/quote]

    TdF und Berlingo – not quite the same without us… :cuapio:
    [SIZE=10](Die Holzhammer-Methode wäre es gewesen, den Beutel mit Gummibärchen einfach vor den Augen des Revolutionsführers im WC runterzuspülen, aber die Aktion mit dem Begleitauto war natürlich
    sehr viel subtiler. :daumen: )[/SIZE]

    Und was das falsche Fläschchen anno ’98 anbelangt: Vielleicht war es ja doch ein Hungerast, weil es nicht die vorher bestellte Flasche mit dem Flüssig-Nutella war.

    Oder „die Rüdi“ hat mit seinen Wurstfingern daneben gegriffen und ihm stattdessen eine Flasche alkoholfreies Erdinger gegeben, das ja so super-isotonisch ist und die Blutwerte nicht verändert (wir
    erinnern uns, EPO-Höchstwert bei der Schluss-Etappe in Paris).
    Was zudem auch erklären würde, warum Ulle auch Jahre danach noch literweise richtiges Hefeweizen gebraucht hat, um den widerlichen Spüli-Geschmack wieder loszuwerden. :willi:

Kommentar verfassen