Shrimpsinierend!

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Irgendwie war es gestern mal wieder an der Zeit für wirbellose Tiere aus dem Meer. Nachdem man an Garnelen ja nach Berichten über Sklavenarbeit auf Fangkuttern und widerliche Zustände in asiatischen Aquakulturen, in denen der Antibiotikaanteil den des Wassers bei weitem überstieg, ein wenig den Spaß an ihnen verloren hatte, hatte ich den Gambas ja bereits an Silvester eine Chance gegeben. Wildfang-Garnelen, bei deren Fang hoffentlich nicht ganze Biotope zerstört und unschuldige Arbeiter unter Drogen gesetzt und ausgepeitscht worden waren.

Und ich hoffe ebenso, dass mein Vertrauen nicht in näherer Zukunft wieder ins Wanken gerät, denn das war mal so ein richtig geniales Essen. Da passte irgendwie alles.

Und wenn ich mir jetzt auch noch richtig Mühe gebe, kriege ich die Zubereitung vielleicht sogar noch halbwegs auf die Reihe. Aber – vershrimpst und zugenäht! – in letzter Zeit haben nicht nur die Augen, sondern auch das Kurzzeitgedächtnis etwas nachgelassen…

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Zweierlei von der Garnele mit Hasselback-Vitelotte und Selleriecrème
Zutaten (für zwei Portionen):
… für die Garnelenküchlein:
10 Garnelen
Zitronensaft
Salz
weißer Pfeffer aus der Mühle
1 EL Lagavulin (oder ein anderer torfiger Single Malt)
wenig Piri-Piri
Knoblauchoel zum Anbraten
… für die gebratenen Garnelen:
10 Garnelen
Chilioel für die Marinade und zum Anbraten
Piri-Piri
5 Piri-Piris aus dem Glas
Salz
Szechuanpfeffer aus der Mühle
Koriander
… für die Selleriecrème:
1/2 Sellerieknolle
1 guter Stich Butter
200 ml Sahne
1/2 Bund Blattpetersilie
Salz, Pfeffer
… für die Hasselbacks:
4 Vitelotte-Kartoffeln (oder ersatzweise andere kleine Kartoffeln)
Olivenoel
grobes Meersalz
Szechuanpfeffer aus der Mühle

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Zubereitung:
Kartoffeln gründlich waschen und mit dem Löffeltrick * in sehr feine Scheibchen schneiden, die aber unten noch aneinander hängen. (* Löffeltrick: Kartoffel zum Schneiden in einen Esslöffel legen. Das verhindert das Durchschneiden.)
Nebeneinander in eine kleine Auflaufform legen, mit ordentlich Olivenoel beträufeln und mit Salz und Pfeffer würzen. Bei 175°C Umluft bis zum Erreichen der Knusprigkeit in den Ofen geben.
Garnelen säubern, entschalen und entdarmen. Zehn Stück in feine Stückchen schneiden und beiseite stellen. Die restlichen zehn wirbellosen Kerlchen in eine Schüssel geben. Fein gehackte Piri-Piris, etwas Piri-Piri-Soße, den gehackten Koriander und Salz und Pfeffer dazugeben. Reichlich Chilioel (bleibt bei mir immer von der Chilikonservierung übrig) darübergeben, umrühren und beiseite stellen.
Jetzt zu den zehn bereits zerstückelten Exemplaren: In eine Schüssel (eher: ein Schüsselchen) geben, mit dem Gewürzen bestreuen, Whisky, Piri-Piri und Zitronensaft zugeben und ordentlich verrühren. Ebenfalls beiseite stellen.
Sellerieknolle schälen und in kleine Würfel schneiden. Butter auslassen und Selleriewürfel darin bei geschlossenem Deckel in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze anschwitzen. Nach etwa 15 Minuten Sahne zugeben, Deckel wieder drauf und langsam weiterköcheln lassen, bis die Würfel weich sind. Alles mit der Petersilie, Salz und Pfeffer in einen hohen Becher geben und fein pürieren. Warm stellen.
Falls die Kartoffeln jetzt soweit sind, können sie zusammen mit der Selleriecrème – und den Tellern – bei 80°C im Ofen deponiert werden. Ab jetzt geht es flott.
Zwei Pfannen erhitzen. In die eine Knoblauchoel (Man ahnt es: Auch das bleibt bei mir immer reichlich beim Knoblauchkonservieren übrig…) geben und die Garnelenmasse für die Küchlein löffelweise hineinsetzen und von beiden Seiten anbraten, bis sie ein wenig Farbe bekommen haben. Derweil parallel in der anderen Pfanne die ganzen Garnelen ebenfalls von beiden Seiten in ihrer Marinade anbraten. Garnelen nicht übergaren. Wirklich nur kurz braten.
Mit den Kartöffelchen und der Selleriecrème anrichten.
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Zu den Zutaten: Die Piri-Piri-Soße und die Piri-Piris gibt’s beim Portugiesen oder Spanier. Die beiden Sorten Oel, die bei mir irgendwie immer als Restprodukt entstehen und deshalb stets vorhanden sind, kann man natürlich auch durch Olivenoel oder neutrales Oel ersetzen, dem man dann entsprechend gequetschte Knoblauchzehen oder etwas mehr Chili (frisch oder als Gewürz) beigibt.

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Und da ich gestern gerade so schön in Küchenstimmung war, produzierte ich gleich als Dessert auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Herren noch einen Sticky Toffee Pudding. Den wird es heute gleich nochmal geben – diesmal mit den restlichen Kumquats in irgendeiner, noch von mir zu bestimmenden Form. Es soll ja nix verkommen.  

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