Bunt gedacht, monochrom gemacht

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Es kann ja nicht verwerflich sein, wenn man mal ein Essen nach den Farben der verwendeten Produkte zusammenstellt. Vitelottelila und rosenkohlgrün. Diese Kombi reizte mich schon die ganze Zeit: lila Kartoffeln, wunderbar grüner Rosenkohl. Und da gerade von beidem Reste herumlagen, arbeitete es in mir, ein Essen zu finden, bei dem beide zur Geltung kämen. Das war zumindest der Plan.

Kommt ja noch hinzu, dass Vitelotte und Rosenkohl eigentlich perfekt harmonieren sollten, da die Vitelottes ziemlich maronig schmecken. Nach einigem Suchen und Verwerfen stieß ich auf ein Ottolenghi-Rezept für eine vegetarische „Tarte Tatin Surprise“ mit Kartoffeln und Tomaten, die nach Art einer Tarte Tatin gebacken wurden. Klang super. 

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Ich gestaltete das Ganze am Ende ziemlich um – hauptsächlich übrig blieb die Tarte-Tatin-Idee. Rosenkohl braucht ja irgendwie geschmacklich schon so richtig einen mit, damit er zur Geltung kommt. Ich ersetzte den Ziegenkäse durch den kräftigeren Parmesan, verdoppelte für meine Form die Karamellmenge und briet mit den Zwiebeln zusammen Schinkenstreifen an. Damit hatte es sich dann auch mit „vegetarisch“.

Statt des frischen Oreganos würzte ich mit Muskat. Praktischerweise fand sich in meinem Weihnachtsmenue-Backup noch Butterblätterteig, den ich „für alle Fälle“ am 23.12. noch geistesgegenwärtig – man weiß ja nie… – in den völlig überfüllten Kühlschrank gestopft hatte.

Um es abzukürzen: Von meinem Farbplan – ich hatte es bereits befürchtet – blieb nicht viel übrig. Rosenkohl und Vitelotte sahen nach dem Karamellbad sehr, sehr herbstlich aus. Aaaaaaber: Das war köstlich! Wirklich köstlich. Die Süße des Karamells nahm dem Rosenkohl seine Bitterkeit. Die Zwiebeln, die Kartoffeln, der knackige Teig – die Kombi ist genial. Wer keine Angst vor komplett monochromem Essen hat, testet das. Nachkochen – marschmarsch! 

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Tarte Tatin mit Rosenkohl & Vitelotte
Zutaten für eine handelsübliche Tarteform:
Olivenoel
3 Schalotten
4 Scheiben Schinken
80 g Zucker (etwa 60g Muscovado und 20 g weißer Zucker)
20 g Butter
Muskat
500 g Rosenkohl
4 mittelgroße Vitelotte-Kartoffeln
Salz, Pfeffer
150 g gehobelter Parmesan (oder ein anderer würziger Hartkäse)
Blätterteig in der Größe der Form
Zubereitung:
Schalotten längs halbieren und in feine Halbringe schneiden, Schinken in feine Streifen. Olivenoel erhitzen und beides darin kräftig anschwitzen. Beiseite stellen.
Rosenkohl putzen. Vitelotte waschen und mit Schale vorgaren. Anschließend in etwa rosenkohlröschendicke Scheiben schneiden. Beides beiseite stellen
Parmesan hobeln.
Zucker und Butter unter Rühren stark erhitzen bis ein Karamell entstanden ist. Vorsicht an dieser Stelle! Bei Benutzung des Muscovados ist der Augenblick, indem die Sache verbrennt, schwer abzuschätzen. Ich habe eine große Pfanne dafür benutzt, bei der man den Griff abnehmen kann. Falls eine Tarteform benutzt wird, an dieser Stelle den Karamell in die mit Backpapier ausgelegte Form geben und ausstreichen.
Rosenkohlröschen mit der runden Seite nach unten in den Karamell drücken. Dazwischen immer wieder Vitelotte-Scheiben positionieren. Über alles Muskatnuss reiben, salzen und pfeffern. Zwiebel-Schinken-Mischung darüber verteilen und in die Zwischenräume drücken. Parmesan ebenfalls darüber verteilen.
Blätterteig passend zuschneiden und aufdrücken. Bei 200°C Ober-/Unterhitze etwa 45 Minuten abbacken, Ofen auf 180°C herunterdrehen und nochmals etwa 15 Minuten weiterbacken.
Kurz ein wenig abkühlen lassen, dann einen großen Teller oder eine Platte auflegen und alles zügig und wirklich beherzt umdrehen. Form abnehmen, in Stücke schneiden, genießen!
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