Die Vorteile von Mut und nordrhein-westfälischen Ehegatten

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Selten hatte ich so einen „inneren Durchmarsch“ wie heute. Und selten war ich so neidisch, weil ich mich das niemals getraut hätte. In der Bahn von Mainz nach Wiesbaden standen wir dichtgedrängt wie Schlachtvieh im Bereich der Türen, als eine gerade mal so volljährige Mitreisende mit Gespräch auf dem Handy sich noch dazu quetschte.

Ehrlich? Was ich hörte, war ausschließlich Mist. Privater, intimer Mist, bei dem man sich schlecht fühlt, wenn man ihn mitbekommt. Andererseits: Er wird einem ja aufgezwungen. Man kann ja nicht anders als mithören und sich fühlen, als ob man sich ungefragt ins Privatleben eines fremden Menschen drängt.

Über inoffizielle Schwangerschaften und „Weißt du eigentlich…?“-Gewäsch kam es dann schließlich, wie es kommen musste: Es wurde vertraulich. Sie: „“Du bist süß!“ Er (man ahnte es…): „Wieso?“ Sie: „Weil du so süße Sachen sagst.“ Danke auch…

Und an dieser Stelle wurde es einem der Mitreisenden wohl zu blöd. Verständlicherweise. Er richtete das Wort an die junge Frau: „Ich kann wegschauen, aber nicht weghören. Sie belästigen Ihre komplette Umwelt akkustisch. Bitte beenden Sie jetzt das Telefonat!“ Kurz. Knapp. Aggressionsfrei.

Reaktion: Hochroter Kopf, „Ich muss mal aufhören…“ – und zehn peinliche Minuten bis Wiesbaden. Strike! Warum kann ich das nicht? Verdammt!

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Was ich immerhin kann, ist die Zubereitung von Grünkohl. Gehört ja praktisch zu den ersten Dingen, die man in einer Ehe mit einem Nordrhein-Westfalen lernen muss. Bei uns gab’s den irgendwie nicht. Ich kann nicht mal das Wort. Und in Mainz lernte ich es auch nicht. Erst als der Gatte in mein Leben trat, wurde mir klar, dass es neben Rosenkohl, Wirsing und Spitzkohl noch etwas gab, dass man in Norddeutschland „Grünkohl“ nennt.

Und immer noch bin ich auf der Suche nach der perfekten Grünkohlkombi. Heute testete ich Grünkohl mit karamellisierten Kartoffeln. Ohne Mettwürste, ohne Bauchspeck – nur mit ein wenig magerem Schinken zum Anbraten und für den Geschmack.

Und? Wie war’s? Genial! Superkombi. Jederzeit wieder! Die Kartoffeln, die eigentlich in Muscovado karamellisiert werden sollten, landeten am Ende in Lyle’s Golden Syrup, da der Muscovado mir ausgegangen war. Hier dann mal eine Zusammenfassung der Zubereitung:

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Geschmorter Grünkohl mit karamellisierten Bamberger Hörnchen
Zutaten (für zwei Personen):
250 g Grünkohl, blanchiert und ausgedrückt
75 g Schinken, gewürfelt
1 ordentlicher Stich Butterschmalz
1 Zwiebel, grob gewürfelt
100 ml Gemüsefond
1 TL Senf, evtl. mehr je nach Senf
1 TL Zucker
100 g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
nochmal Butterschmalz zum Anbraten
Bamberger Hörnchen als Pellkartoffeln gekocht
Salz, Pfeffer
Lyle’s Golden Syrup
Zubereitung:
Grünkohl ggf. blanchieren, ausdrücken und grob hacken. Schinken und Zwiebel würfeln. Kartoffeln mit Schale vorkochen.
In einer Pfanne Butterschmalz auslassen. Schinken und Zwiebeln anbraten. Grünkohl und Fond zugeben und etwa 20 Minuten bei geschlossenem Deckel garen.
Senf, Zucker und Creme fraîche zugeben und offen etwa 20 Minuten bei etwas erhöhter Hitze einköchen lassen. Zuletzt salzen und pfeffern. Abschmecken und evtl. Senf, Salz oder Pfeffer zugeben.
Die vorgegarten Kartoffeln in Butterschmalz anbraten. Schließlich den Sirup zugeben und unter mehrfachem Wenden von allen Seiten karamellisieren.
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Und was soll ich sagen? Abendessen! Du bist süß! Weil du so süß schmeckst! Harhar!

2 Kommentare

  1. hmmm. Ich lebe im Norden und finde Grünkohl wird übeschätzt. Man nimmt eine Gabel voll, und kaut und kaut und es wird irgendwie immer mehr. Irgendwann fühle ich mich wie eine Kuh beim widerkäuen…. Vielleicht habe ich auch das richtige Rezept noch nicht gefunden, aber bisher… nuja.
    bleibe ich beim Rosenkohl
    😉

    1. also, ich kannte ihn ja bis vor kurzem gar nicht – den grünkohl. aber nach einigen versuchen finde ich ihn toll. man muss ihn halt ein wenig schmoren und ihm passende – starke – aromen mit auf den weg in den schlund geben. dann isser echt super. und wird auch nicht mehr im mund beim kauen. etwas, dass kaum an ekligkeit getoppt werden kann.
      rosenkohl darf auch bald wieder. erstmal sind diverse wurzelgemüse aus unser heutigen biokiste dran. rote bete find‘ ich super. und schwarzwurzeln.

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