Bem-vindo aos Açores!

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Bißchen absurd, das zu schreiben, wenn man gerade wieder zurück ist, aber das lässt sich nun leider nicht anders machen. Weil schließlich arbeiten wir uns ja von vorne nach hinten – chronologisch gesehen – durch den Urlaub. Mir den Massen von Fotos bin ich jetzt durch. Los geht’s mit dem Blog.

Ich starte heute mit der ersten Insel unser diesjährigen Azorenrunde: Terceira. Dem Namen nach hätte man sie eigentlich als dritten Anlaufpunkt wählen müssen, aber egal.

Am 02.08. starteten wir morgens Richtung Fraport durch. Die SATA wartete bereits begierig darauf, uns in Empfang zu nehmen und nach Ponta Delgada zu transportieren. Von dort sollte es dann mit der Propellermaschine weiter nach Lajes auf Terceira gehen.

 

Vorher wurde allerdings wieder die Lieblingskassette (!) des Piloten eingelegt. Der Spaß währte nur kurz. Die instrumentale Version von „Time to say Good-bye“ beunruhigt flugängstliche Menschen wie mich vor dem Start dann schon ein wenig…

Es folgten „Crazy little thing called love“ und „Chiquitita“ – beides ebenfalls grauslige Instrumentalversionen. Als ob die Songs an sich noch nicht schlimm genug wären… Nach Chiquitita war Schluß. Die Stewardessen begrüßten freudig ihre „Passageiros“ (was stets auf azoranisch wie „Paschascheisch“ klingt… Mag aber durchaus am Crew-„Sagres“ vor dem Abflug liegen) und turnten hochmotiviert ihre Notausgang- und Rettungswestenkür durch.

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Nach dem Start gab es dann das gewohnte Tablett mit allerlei Köstlichkeiten: Obstsalat aus dem Glas, trockene Schinkennudeln, ein Schwammbrötchen, Diätmargarine (im letzten Jahr gab es noch azoranische Butter zur Einstimmung), ein Gläschen „Gloria Patri“ und – das Highlight: ein genießbarer, kleiner Kuchen.

Der Film war schrecklich. Als ich endlich begriffen hatte, wie ich Ton auf meine Kopfhörer bekommen würde, wünschte ich mir, ich hätte es nicht verstanden. Kopfhörer raus. Augen zu. Auch dieser Flug verging irgendwann. Blöderweise stand da ja bereits der nächste an.

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In Ponta Delgada stiegen wir nämlich um in einen kleinen Bombardier Q200. Nachdem wir am Flughafenstand von Vodafone eine Datenflat-SIM ergattert hatten, ging es weiter nach Terceira. Im Flugzeug wurden wir getrennt, da keine zwei Plätze nebeneinander mehr frei waren. Ich verzichtete tapfer darauf, meinen portugiesischen Sitznachbarn zu bitten, beim Start mein schweißnasses Händchen zu drücken.

Nach der Landung in Lajes auf Terceira bemühte sich der Gatte erstmal um die Übernahme unseres Leihwagens für die kommenden Tage. Gegen meinen Willen bekamen wir einen niegelnagelneuen KIA Rio mit Automatikgetriebe und Klimaanlage. Die Klimaanlage war dabei nicht so sehr mein Problem. Bei Automatikautos bin ich mehr ein Suppenkasper. „Nein, mein Automatikgetriebe fahre ich nicht!“

Und nach der Verbrüderung des Gatten mit der Leihwagentante – gegen mich! – schon gleich gar nicht mehr. Pah!

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Da der vorausschauende Gatte bereits von Frankfurt aus einen Tisch fürs Abendessen reserviert hatte, mussten wir nun nur unsere Unterkunft finden, alles abladen und uns auf den Weg ins „Beira Mar“ im Hafen von São Mateus machen. Das Essen war wirklich toll. Die Tripadvisor-Empfehlung traf mal wieder voll ins Schwarze.

Was wir hatten? Vorab den geliebten Queijo con Pão, dann jeweils eine Suppe – der Gatte die Sopa de Peixe und ich die Tagessuppe, eine Sopa de Legumes -, anschließend Lapas und Schwertfisch und zum Abschluß einen Cafe. Mjam! Ein Dessert ging da nicht mehr.

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Nach dem Essen drehten wir noch eine Runde durch den Hafen. Das allerdings erst, nachdem wir für den übernächsten Abend gleich noch einen Tisch reserviert hatten. Das „Beira Mar“ ist wirklich eine Empfehlung wert. Frischer Fisch, lecker zubereitet, und ein freundlicher und flotter Service.

Ein echt gelungener Einstand auf Terceira. 

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Auf den gelungenen Abend folgte ein gelungenes Frühstück. Hier gleich die nächste Empfehlung: die Quinta das Merces in São Mateus. Vorweg: Wir waren mit Unterbringung und Frühstück mehr als zufrieden. Dass ich mir beinahe zweimal den Hals auf der Treppe in unserem hübschen Häuschen gebrochen habe, lag nicht am Häuschen, sondern an mir. Grrrr…

Am ersten richtigen Urlaubstag ging es mit dem KIA an der Westküste entlang zu einer Käserei. Die im Reiseführer (zum zweitenmal unterwegs mit „Azoren“ aus dem Michael Müller Verlag) avisierte Führung in der „Queijo Vaquinha“ fiel allerdings aus, da die einzige Person, die Englisch sprach, gerade etwas anderes zu tun hatte. Wir probierten den Käse. Und nahmen zwei große Stücke mit. Lecker!

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Mit der Ankündigung, einen See fotografieren zu können, lockte mich der Gatte anschließend auf eine Wanderung. Dass das Ding „Lagoinha“ – also kleiner See – hieß, hätte mich eigentlich stutzig machen müssen, aber ich war einfach zu begierig. Wenn man mir einen See vor die Nase hält, läufe ich wie der Esel hinter der Karotte her.

Die Rundwanderung von Serreta zum Lagoinha war allerdings toll. Bloß das Seelein war ein wenig enttäuschend. Und der Rückweg rutschig und steil. Da war die erste traditionelle Arschbombe fällig. Und wo ich das gerade schreibe, muss ich unbedingt anmerken, dass es auch die einzige des Urlaubs blieb. Dabei setze ich mich eigentlich immer mehrmals hin.

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Der Hinweg führte durch den Wald, der fast schon irreal schön war. Mehr Fotos als das oben gibt es auf Flickr („Azoren 2015“). Echt ein Traum. Den See selbst konnte man allerdings irgendwie nicht richtig sehen, da immer Bäume im Weg waren.

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Nachdem wir anschließend erstmal Wasser in einem Minimercado mit extrem unfreundlichem Eigentümer erstanden hatten, ging es weiter nach Biscoitos zur Badestelle. Bei der Badestelle handelt es sich um ein Natursteinbecken bzw. mehrere solche, das ziemlich überfüllt mit Einheimischen und Touristen war.

Trotz Flut und Absperrung der äußeren Badestellen stürzte sich der Gatte todesmutig in den Atlantik, während ich mich darauf beschränkte, Fotos zu machen. Die Brandung war toll.

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Anschließend ging es noch nach Angra do Heroismo. Angra war zweimal Hauptstadt der Azoren, ist es nun aber nicht mehr. 1580 war es, um die Spanier zu ärgern, zu den Portugiesen „übergelaufen“ und zur Hauptstadt erklärt worden. Den ersten spanischen Angriff wehrte man mit Stieren ab, beim zweiten drei Jahre später gingen den Azoranern entweder die Stiere aus, oder die Spanier hatten dazugelernt. Angra wurde zurückerobert.

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1828 wurde Angra dann nochmals Hauptstadt, konnte sich aber nicht dauerhaft halten. Nach dem Erdbeben in der Silvesternacht 1979/80 waren 65% der Häuser in Angra do Heroismo unbewohnbar. Davon ist allerdings mittlerweile nicht mehr viel zu sehen. Die meisten Fassaden erinnern nach dem Neuaufbau wieder an den ehemaligen Glanz der „Heldenhaften“.

Ganz ehrlich? Nachdem ich beim letzten Mal ziemlich begeistert von Ponta Delgada gewesen war, gefiel mir jetzt Angra eigentlich fast noch besser. Aber pssst!

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Das Abendessen verlegten wir anschließend in den Garten unseres Häuschens. Unterwegs besorgten wir Oliven, Brot, Thunfisch und Rotwein, Käse hatten wir aus der Käserei – was braucht man mehr?! Der Gatte erwähnte meine Knoblauchfahne mit keinem Wort. Ich hätte natürlich auch Oliven nehmen können, die ehegattenfreundlicher eingelegt gewesen wären…

Der zweite Urlaubstag sorgte dafür, dass wir uns eigentlich schon ziemlich „urlaubig“ fühlten. Tschüss, blöde Arbeitsplätze! Pah! 

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Für den kommenden Morgen hatte der Gatte eine „Küstenwanderung“ angekündigt. Klingt ja prinzipiell nett, aber er versteht irgendwie etwas anderes darunter als einmal am Strand von Pellworm entlang zu laufen. Das ist doch auch eine Küstenwanderung, oder?!

Jedenfalls hielten wir vorher im noch geschlossenen Strandbad von Quatro Ribeiras, das der Badestelle von Biscoitos durchaus das Wasser reichen konnte. Achtung! Geniales Wortspiel! Hier gab es sogar einen Pool.

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Und es gab natürlich auch Natursteinbecken. Mit Treppen, die einen unweigerlich an ein Escher-Bild denken ließen.

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Anschließend ging es dann jedenfalls zur Küstenwanderung in ein Vogelschutzgebiet. Sagen wir es so: Man kann es überleben. Und da hat sich jemand wirklich Mühe mit der Gestaltung des Wegs gegeben. Das waren hübsche Fotomotive. Danke!

Was dann kam, war allerdings wirklich beeindruckend. Der „Algar do Carvão“ ist ein Vulkankegel mit offenem Kamin aus Basaltgestein, in den man über Treppen bis in die Tiefe einsteigen kann. Faszinierend immer wieder der Blick nach oben in den feuchten, bewachsenen Kamin. Ein wirklich überwältigendes Erlebnis.

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Wie uns bei der Führung erzählt wurde, finden bisweilen wegen der guten Akkustik in der „Kathedrale“, einem runden Gewölbe im Inneren, sogar Konzerte statt. Das ist bestimmt faszinierend inmitten Jahrtausende alter Wände.

Schön, dass ich gerade so begeistert bin, dass ich den Besuch in den „Adegas Brum“ unterschlagen habe. Man hat dort ein kleines Weinbaumuseum eingerichtet und es gibt auch noch eine kleine Produktion eigenen Weins, den man probieren und mitnehmen kann. Im Handel ist er nicht zu erwerben. Wir schleppten eine Flasche Dessertwein in die Quinta, der uns bei der Weinprobe außerordentlich gut geschmeckt hatte, obwohl wir eigentlich beide nicht auf Madeira und Konsorten stehen.

Der wartet jetzt hier auf einen passenden Anlass. Lustig übrigens, dass wir einen guten Bekannten trafen:   

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Für unseren letzten Abend auf Terceira hatten wir ja nochmals einen Tisch im „Beira Mar“ reserviert. Ich wagte es sogar, ein Foto vom Langustenbecken zu machen. Langusten nahmen wir trotzdem nicht.

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Stattdessen gab es eine absolut göttliche Meeresfrüchtesuppe im Brotlaib, anschließend Ameijoas und Boca Negra und zum Dessert Cheesecake und Mousse au Chocolat. Und einen Cafe. Platt waren wir. Und glücklich.

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Und das war es dann auch schon. Gleich nach dem sehr frühen Frühstück ging es zum Flughafen in Lajes zum Einchecken des Gepäcks und zur Rückgabe des KIAs. Wir ließen uns noch auf einen Cafe in der „Bar Esperança“ direkt gegenüber dem Haupteingang des Flughafens nieder.

Die Eismaschine röhrte, der Verkehr strömte stinkend und hupend an uns vorbei – aber der Cafe schmeckte ausgezeichnet. Tschüß, Terceira. War schön bei dir.

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