Ich mach‘ mal einfach weiter

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Das da oben ist Ramla Bay, ein ausgesucht schöner Strand auf Gozo. Fotografiert vom Aussichtspunkt am Calypso Cave aus. Calypso war gerade nicht da, die Höhle konnte man nicht betreten, und der Souvenirshop verkaufte vorwiegend Selbstgestricktes einer gozitanischen Dame im Rentenalter – vermutlich nicht Calypso…

An dieser Stelle hatte Odysseus Gerüchten zu Folge sieben Jahre damit verbracht, sich von der schönen Calypso unterhalten zu lassen, bis ihm irgendwann dann doch noch einfiel, dass er ja eigentlich verheiratet war und auf die Idee kam, mal nachzuschauen, was denn nun seine liebe Gattin Penelope denn derweil so mache. 

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Das war sicher nicht einfach. Calypso war der Sage nach recht ansehnlich und unterhaltsam, und der Blick auf Ramla Bay ist sagenhaft. Viele Männer wären einfach da geblieben und hätten Penelope Penelope sein lassen.

Wir marschierten runter zum Strand. Das Wasser war sagenhaft klar. Meine Hose war anschließend sagenhaft salzig und für den Rest des Urlaubs schon mal nicht mehr zu gebrauchen. Aber toll war’s!

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Wir befanden nach kurzer Beratung, dass als Tagesablauf „Strand – Kultur – Strand“ eigentlich eine gute Idee sei, und beschlossen, uns eines der ältesten, halbwegs erhaltenen Bauwerke der Welt anzuschauen, den Ġgantija-Tempel bei Xagħra. Das Ding ist etwa 5600 Jahre alt und hat gerade ein beeindruckendes Informationszentrum spendiert bekommt.

In diesem Informationszentrum kann man sich die Geschichte der Tempelanlage und allerlei Funde von Ausgrabungen anschauen. Sehr interessant in diesem Zusammenhang folgendes Foto:

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Abgesehen davon, dass der rechten Person leider irgendwann der Kopf abhanden gekommen zu sein scheint, handelt es sich für mich eindeutig um einen Beweis. dass es bereits im Neolithikum Fernsehgeräte gegeben haben muss. Das ist ein Sofa und die Haltung ist eindeutig. Und sind das etwa kupfersteinzeitliche Chipsschälchen in der Hand der beiden Personen?!

Lustig an den Informationsschildern auf der kompletten Anlage waren die Formulierungen. Irgendwie wusste keiner irgendwas. Generationen von Archäologen schienen viele Dinge einfach nicht klären zu können. „Maybe ist was used for…“, „It seems to be …“, „Perhaps it was a…“. Witzisch!

Weniger witzig mal wieder die Tatsache, dass zwischendurch irgendwann mal, als man halt so Baumaterial gebraucht hatte, der eine oder andere – oder auch ein paar davon – Stein verschwunden war. Wahrscheinlich sind die jetzt Treppenstufen, Garagenwände und Pflasterbestandteile irgendwo in Xagħra…

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Von über 5000 Jahre alten Flachbildfernsehern ging es dann wieder an den Strand. Zur San Blas Bay um genau zu sein. Lustiger Strand, extrem steiler Abstieg dahin. Witzigerweise gab es einen Jeepservice für den Rückweg, den etliche Strandbesucher nutzten.

2,50 EUR pro Person bzw. 2,00 pro Person bei mehr als zwei Personen – und einer von zwei bereitsstehenden Jeeps brachte einen wieder nach oben zum Parkplatz. Überflüssig zu erwähnen, dass wir dieses Angebot natürlich nicht nutzten. Wir sind jung und gesund! 

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Und am Ende des Tages auch sehr hungrig. Zum Abendessen ging es ins „La Pulena“ im Hafen von Marsalforn. Eigentlich wollten wir wieder ins direkt nebenan gelegene „Menqa“, aber das hatte geschlossen. Ist halt keine Hauptsaison mehr…

Die Entscheidung fürs „La Pulena“ war eine gute. Italienische Küche mit einem Touch Malta. Das Essen und der Service waren perfekt. Es ging los mit Bruschetta und gozitanischer Salami. Wir hatten die Soup of the Day (Kartoffel-Lauch-Rosmarin) und den Starter of the Day (Crespelle mit Lachs und Tomaten) gefolgt von einem Steinpilzrisotto und der Pasta of the Day (Hausgemachte Spaghetti mit Thunfisch und Tomaten). Zuletzt war gerade noch so Platz für Desserts. Dachten wir vorher jedenfalls.

Als das Tiramisu und die Panna cotta mit Johannisbeerenragout vor uns standen, wurde es hart. Aber wir siegten!

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Schlimm sowas! Der Limuncell aufs Haus half uns über den Heimweg hinweg.

Zu mehr als einem Tag wird es heute leider nicht kommen. Zu spät. Zu nervig der Bürotag hinter mir. Nett wurde es bei meiner Rückkehr. Meine Lieblingsschwester hat mir ein Geschenk geschickt. Und ich hab’s gleich aufgehängt. 

Und jetzt gibt’s Essen.

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3 Kommentare

  1. [quote][i]Original von MrsFlax[/i]
    Viele Männer wären einfach da geblieben und hätten Penelope Penelope sein lassen.[/quote]
    Dir ist aber schon klar, dass die Zeiten damals viel prüder, die Umschreibungen für „unanständige“ Dinge viel blumiger und Homer [SIZE=klein](nein, nicht Homer Simpson… :rolleyes: )[/SIZE] einfach ein Poet vor dem Herrn und somit die Formulierung „er hat sich ‚unterhalten‘ lassen“ mehr als nur zweideutig zu verstehen war… :tuet:
    You gotta face the truth: Es war halt einfach das verflixte siebente Jahr… :kicher: ::ehee: seufz:

    1. ja, eben drum! wieso sollte man(n) die „unterhaltsame“ calypso hocken lassen und zur ehefrau heimkehren?! das ist doch wahnsinn! 😀
      oder gilt das „verflixte siebente jahr“ auch für außereheliche vergnügungen?

  2. Sorry, ich hatte mich gestern schlecht ausgedrückt. Ich meinte, dass nach verflixten sieben Jahren selbst die „unterhaltsamste“ außereheliche Vergnügung irgendwann nur noch langweilige Alltags-Routine ist…

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