By the Sea

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Das Wetter war zum ersten Mal nicht absolut perfekt, aber egal. Eine Küstenwanderung (!) lag vor uns. Juhuuuu! Ich sage es lieber gleich: Diesen Küstenabschnitt MUSS ich mir bei besserem Wetter im kommenden Jahr unbedingt nochmal genauer vornehmen. Da ist man wirklich alle zehn Meter fasziniert. Und wenn man sich umdreht gleich wieder. Toll!

Kein Wunder, dass es die Adoptionsweltmeister Brangelina hier für ihren letzten Film hingezogen hatte: „By the Sea“. Erst war das ja irgendwie für alle Seiten noch aufregend, dann kam der Flitterwochenschnickschnack mit den verzogenen und gelangweilten Gören hinzu, und anschließend waren alle genervt – die Tauchbasen, die Umweltschützer, das abgefundene Ehepaar in der Mġarr Ix-Xini Bay, das uns den Kaffee servierte. Und ein Flop wird es am Ende auch noch, oder?

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Zurück zur Küstenwanderung. Wir parkten nach einer – üblicherweise – katastrophalen Anfahrt über etwas, das den Namen „Straße“ nicht wirklich verdient hatte, am Xatt l-Ahmar. Die Beschreibung trifft übrigens auf nahezu alle Straßen auf Gozo zu, was aber den sich im Linksverkehr aufopfernden Gatten nicht wirklich störte. Mir trieb es bisweilen den Angstschweiß auf die Stirn.

Bei unserer Ankunft regnete es sehr kurz und sehr wenig. Wir warteten kurz im Auto und machten uns dann auf den Weg. 

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Im Xatt l-Ahmar wurden drei Schiffe versenkt, damit die Taucher etwas Spannendes zum Tauchen haben. Der Gatte war zu diesem Zeitpunkt auch bereits in einem davon herumgetaucht. Der Weg führte an der Küste entlang zum Mġarr ix-Xini, einer Bucht mit einem kleinen Kiesstrand, die allerdings sehr malerisch gelegen ist.

Am Ausgang der Schlucht befindet sich ein Watchtower, wie es sie überall auf Malta und Gozo gibt, die aber irgendwie an der tragischen Geschichte der Inseln nicht wirklich viel verändert haben. Immerhin sind sie heute hübsche Fotomotive.

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Wir tranken Kaffee in der Bucht und stiegen anschließend wieder auf, um den gleichen Rückweg zu nehmen, den wir auch hin gegangen waren. Nachricht an die Brangelina-Blagen: Null langweilig. Das Licht ist immer anders. Die Landschaft spektakulär – auch ohne Sushi. Schämt euch!

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Den Abend – und das war dann auch der einzige der Woche – speisten wir im Apartment und testeten die Ta‘ Mena-Einkäufe und ein paar Sachen aus dem marsalfornischen Lighthouse-Supermarket. Es ist schwer zu beschreiben – und ich war vorher eher abgeneigt als neugierig – aber der Moment, in dem man zum ersten Mal „Kunserva“ probiert, haut einen echt um.

Kunserva ist eine Tomatenpaste mit der Konsistenz von Tomatenmark, die aber süß ist. Und megatomatig. Wir saßen da und kauten Brote mit Kunserva, gozitanischem Schafskäse, Oliven, Artischockenaufstrich und von mir gebratenen Champignons und waren total begeistert. Dazu Rotwein. Und anschließend ein Gläschen Limuncell. Was kann man vom Leben mehr erwarten?! Seufz…

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Auf dem unbebauten Nachbargrundstück hatte sich eine rote Katze niedergelassen und dort ihre fünf Kinderlein – drei rot, zwei grau – geboren. Die Kleinen waren bei unserer Ankunft in exakt dem „Waaaaaah! Süüüüüüüß!!!“-Stadium, in dem nahezu jeder Mensch in völliges Entzücken bei ihrem Anblick verfällt. Den ganzen Tag über kamen Nachbarn vorbei, streichelten, fütterten, kuschelten und stießen spitze Entzückensschreie aus.

Ich war immer wieder begeistert über die gelungene Mimikri auf den roten Fliesen vor dem Haus und machte etliche Fotos. Ehrlich? Ich hätte eine mitgenommen, wenn ich den Platz im Koffer nicht für Kunserva gebraucht hätte.

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Den Vormittag des fünften Tages – mittlerweile war meine Erkältung nicht mehr so wahnsinnig hinderlich – nutze ich für einen Rundgang durch Marsalforn mit der Kamera. Als der Gatte heimkehrte, machten wir uns auf nach Victoria / Ir-Rabat Għawdex, um uns die Festung anzuschauen. Wetter? Immer noch nicht wirklich so der Kracher für Fotos, aber es ging.

Die Festung wird gerade aufwendig restauriert, ist aber trotz der vielen Baustellen wirklich sehenswert. Fast bizarr streckenweise. Und riesig. Wie eine Stadt über der Stadt.

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Wir tranken Kaffee, trotzten dem wirklich starken Wind, marschierten alles ab, was abzumarschieren war und schlenderten anschließend noch durch die Stadt. Vorbei an den beiden völlig überdimensionierten Opernhäusern, die in ständigem, erbittertem Kampf miteinander stehen.

Bereits bei unserer Anreise auf der Fähre waren uns auffällig viele sehr extravagant gekleidete Mitreisende ins Auge gefallen. Wir dachten erst an eine Hochzeit o.ä. und erkannten dann bei der Durchfahrt durch Victoria, dass es sich um Opernbesucher handeln musste – wahlweise „Barbier von Sevilla“ oder „La Bohème„.

Je nach Vorliebe und / oder Kirchenzugehörigkeit. Die Opernhäuser gehören nämlich zu zwei verschiedenen Gemeinden, was den Kampf noch etwas erbitterter macht.

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Lustig, dass einer der extrem knapp bemessenen Parkplätze immerhin für den Bischof reserviert war. Besser ein Parkplatz vor der Oper als eine extrem luxuriöse Badewanne. Aber egal…

Zu Abend aßen wir – nach einem ausgiebigen Ta‘ Mena-Shopping – zum zweiten Mal im Menqa. Puh! DER Abend gab uns den Rest!

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Ich sage nur: Grilled Gozo Cheese Skewers, Aljotta, Rabbit Ravioli, Gozo Cheese Ravioli. Da waren wir eigentlich platt. Aber dann kam die Frage nach dem Dessert…

Mmmhhh… Wir dachten kurz nach und beschlossen, es zu riskieren – nicht ahnend, dass das der Todesstoß war. Death by chocolate!

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Auf den – sehr bescheidenen Handyfotos – ist links die „Valrhona Chocolate Mousse“ des Gatten und rechts mein „Chocolate Fondant with Fig Ice Cream“ zu sehen. Ich gestehe es ungern, aber es endete im Desaster. Die Mousse war nicht zu bewältigen. Wirklich nicht. Wir kapitulierten vor „Chef Gordon“, dem Inhaber des Menqa. Und vemuteten, dass es sich um eine Art Armdrücken gegen Gäste handelte.

Davon brachte uns auch der Limuncell aufs Haus nicht ab. Verdammt! Wir schleppten unsere überfüllten Mägen bergan zum Apartment.

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Und um diesem Blogpost einen produktiven Schubs zu geben, hier das Rezept der gozitanischen Tomatensuppe aus „The Gozo Table“ – nebenbei bemerkt war das für uns die beste Tomatensuppe aller Zeiten. Ein erstaunliches Ergebnis für die simple Zubereitung:

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Tomato Soup / Soppa tat-Tadam
Zutaten (für vier Personen):
2 kg reife Tomaten
6 Knoblauchzehen, fein gehackt
1 Zwiebel, fein gehackt
2 Kartoffeln, geschält und in kleinen Würfeln
1 Bund Basilikum, halb gehackt und halb in Blättern
1 Bund Petersilie, fein gehackt
Meersalz und gemahlener Pfeffer
1 Scheibe Brot mit Kruste, in kleinen Würfeln
200 ml gutes Olivenoel
Zubereitung:
Topf erhitzen, Hälfte des Oels zugeben und den Knoblauch für eine Minute anschwitzen.
Zwiebelwürfel zugeben und glasig werden lassen. Tomaten zugeben und fünf Minuten köcheln. Dann Kartoffelwürfel zugeben.
Etwas Wasser zugeben, um die Kartoffeln zu garen und zwanzig Minuten abgedeckt köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind.
Suppe fein pürieren. Gewürze zugeben.
Restliches Oel in eine Pfanne geben und die Brotwürfel und Basilikumblätter zugeben. Immer wieder umrühren, bis das Brot schön braun ist.
Suppe wieder erhitzen, geschnippelten Basilikum und gehackte Petersilie zugeben. Mit den Brotwürfeln servieren.
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