Was für ein Tag!

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Eine ehemalige Weinkönigin erwartete mich heute morgen vor dem Haupteingang (in meinem Falle Hauptausgang) des Mainzer Hauptbahnhofs und drückte mir unverbindlich, aber unerbittlich lächelnd ein tolles Heftchen und einen Kugelschreiber in die Hand. Ja, spürt denn die Frau nicht, wenn sie eine Hessin vor sich hat, die bereits gestern Abend unter Tränen die Kommunalwahlergebnisse gecheckt hat?!

Meine über 40 Jahre auf rheinland-pfälzischem Grund und Boden müssen Spuren hinterlassen haben. Oder so. Und Wasser gab es auch noch mit dem Konterfei des blonden Gifts. Meine ebenfalls hessische Kollegin freute sich über die 25 Cent Pfand, die sie durch die Rückführung der Flasche ins Duale System Deutschland ergattern würde. Falls irgendein Leergutautomat mit einem Rest Stolz im Leib das Ding überhaupt akzeptiert.

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Der Arbeitstag verging wie Arbeitstage halt so vergehen, an denen man acht Stunden wertvoller und unwiederbringlicher Lebenszeit in Tätigkeiten investieren muss, die einem bereits nach fünf Minuten auf die Nerven gehen. Sagte ich fünf Minuten?! Ich korrigiere: fünf Sekunden…

Jedenfalls rollte ich hinterher einigermaßen fröhlich bei strahlendem Sonnenschein mit meinen Julia-Klöckner-Devotionalien in der Tasche im Schnellbus durch Wiesbaden Richtung Heimat. Feierabend. Prima erstmal. Kurz – etwa zehn Minuten – nachdem ich aus dem Bus das Handyfoto von einem meiner Wiesbadener Lieblingshäuser gemacht hatte, entstand folgendes Foto:

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Da stand ich nämlich mit dem Bus mitten im Winter Wonderland an der Platte und konnte es nicht fassen. Ein Mikroklima! Der freundliche Mann im Sitz neben mir fiel alle zehn Sekunden ins Koma, weshalb ich ungehemmt knipsen konnte. Sonst ist mir das ja immer so peinlich…

Doch jetzt kommt das absolute Highlight des Tages. Ich traf zu Hause ein, begab mich zu einem kleinen Kontrollgang in mein Zimmer und fand etwas noch Unfassbareres vor: Meine erste Tomate ist gekeimt!

Am Wochenende war ich angesichts der totalen Ergebnislosigkeit meiner diesjährigen Aussaat bereits fast in Depressionen verfallen. Und jetzt das! Mein Baby! Ich bin so stolz!

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Unter Tränen der Rührung schoss ich einige Fotos. Dann ging es zur Preisverleihung. And the winner is: die Ochsenherztomate aus meinem Lieblings-Minimercado in Piedade auf Pico. „Coração de boi“ aus dem Tütchen für EUR 1,20, das Samen zur Bepflanzung drei weiterer Hektar hessischen Bodens enthält. Gleichzeitig ist eine Fleischtomate – ebenfalls von Pico – aufgegangen, deren Samen ich selbst entnommen, konserviert, transportiert und eingetütet hatte.

Klöcknerin, Klimawandel und keimende Tomatensamen – was kann man von einem Tag mehr erwarten?! Jetzt mal ernsthaft… 😀

8 Kommentare

  1. doch keine 16% in wiesbaden. war ja klar, dass das afd-volk das mit dem kumulieren und panaschieren nicht so genial drauf hat wie die mrs. 😀

  2. 48 Prozent Nichtwahlverweigerer sind immer noch fast die Hälfte der Bevölkerung, die den neoliberalen Einheitsblock legitimiert. Schockierend, in der Tat. :hope:

    (Wobei es mit der PARTEI ja immerhin eine Alternative gibt für Leute, die sich dem inneren „Wahl“-Zwang noch nicht entziehen können. 😀 )

    1. viel schlimmer heute ein blick in die detaillierten ergebnislisten. ich kann hier nicht mehr einkaufen gehen. fast jeder fünfte hier ist afd-wähler. oder gut… ich gehe noch einkaufen, verhalte mich aber rüder als vorher 😀

  3. Ich komm vom Land. 10 – 20 % Nazis hat es da schon immer gegeben, das ist normal.

    Elitarismus war/ist die falsche Antwort. Der hat uns dahin gebracht, wo wir heute stehen. :/

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