Perfide?!

War ja wieder Ni-hi-klau-haus-Aaabend-da. Am Montag. Aber auch der trug nicht dazu bei, dass die Woche friedlich und besinnlich verlief. Zumindest nicht in den Tagesstunden…

Fünf brutale vorweihnachtlich-aggressive Arbeitstage standen an. Gulp. Exemplarisch die Mittagspause am Dienstag. Kollegin und ich begaben uns zum Hauptbahnhof, da sie in die Apotheke wollte, und ich derweil durch den Zeitschriftenladen im Erdgeschoss schlenderte.

Als sie mit ihren Nasentropfen auftauchte, war sie sichtlich genervt. Sie hatte sich in der Apotheke wieder anhören müssen, dass sie mit diesem Präparat verantwortungsvoll umgehen müsse. Keinesfalls sollte man es länger als eine Woche benutzen. Und ob es nicht vielleicht doch etwas ohne das böse Xylometazolinhydrochlorid sein dürfe. Dieser Beratungswahn seit ein paar Jahren in den Apotheken nervt mittlerweile so, dass ich ernsthaft erwäge, sämtliche nicht rezeptpflichtigen Medikamente – das sind in meinem Fall ohnehin nur antiallergische Augentropfen, Nasenspray und extrem selten mal eine Schmerztablette –  ausschließlich online zu ordern, damit ich mir die ermahnenden Worte im Fachhandel spare. Das dazu. Man kommt sich ja vor wie ein Junkie, der um Stoff bettelt, wenn man bloß ein Päckchen Papiertaschentücher kaufen will…

Als die Kollegin eintraf, um mich abzuholen, wurde sie Zeuge einer absurden Szene im Zeitschriftenladen, die ich bereits seit Minuten mehr oder weniger fassungslos miterleben durfte. Eine sehr seltsame, sehr kleine Frau laberte wie dereinst Hessie James die Verkäufer zu, die bereits leicht panisch waren. Ihr Mantra: „Und ich bin nicht mal dazu gekommen, mir die Haare zu waschen“. Und dann noch: „Raffaello! Weiß und frisch!!!“ Und: „Ich habe noch soviel zu tun…“

Wir flohen nach draußen und wurden Zeugen der Verhaftung eines sich äußerst seltsam gebärdenden Mitbürgers, der unter anderem Tauben mit Pommes frites fütterte. Sehr viele Tauben mit sehr vielen Pommes frites…

Als wir wieder im Büro eintrafen, lasen wir den Beipackzettel des gefährlichen Präparats, das die Kollegin im Schweiße ihres Angesichts erstanden hatte. Finde den Fehler!

Abgesehen davon, dass wir nach der ersten Einnahme sekündlich damit rechneten, dass sie wegen einer oder mehrerer der grauenerregenden Nebenwirkungen auf der Stelle tot umfallen würde, litt dann ich kurzfristig unter „schockähnlichem Blutdruckabfall“, als ich las: „Erniedrigung der Körpertemperatur“… Kurz setzen lassen…

Erniedrigung!!! Körpertemperatur, du dreckiges Schwein! Wir japsten. Allerdings mehr wegen der Nebenwirkungen des Beipackzettels als wegen des Medikaments. Ja, liest denn diese Dinger niemand Korrektur?! *

Das Ganze ergab dann eben ein rundes Bild, als meine geweiteten Pupillen auf folgende „Warnmeldung“, die mich über WhatsApp erreichte, trafen:

Achtung.! Die Adresse gibt es übrigens wirklich! Und Karlheinz Böhm auch. Dass von ihm nichts Gutes kommen kann, war mir klar, aber dass er nasensprayverseuchte CDs mit Korantexten verschickt, schockt mich dann doch etwas.

Jetzt mache ich mir ernsthafte Sorgen um meine „Attemwege“. Fühle mich seit eben wieder erkälteter, habe aber nur einen Umschlag vom Book Depository geöffnet. Ob die da mit drin hängen?!

*Dank eines Hinweises bin ich jetzt schlauer. Offensichtlich gibt es „Erniedrigung“ auch im medizinischen Fachjargon. Der Duden kennt nur die klassische Erniedrigung und die in der Musik. Ich finde trotzdem, es klingt Sch****. Und: Erniedrigung im megizinischen Sinne kannte ich bisher nur aus dem Zahnarztstuhl. Wieder was gelernt!

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7 Kommentare

  1. Ich wüsste auch nicht, was es an erniedrigter Temperatur zu beanstanden gibt – im Unterschied zu erniedrigenden Temperaturen. Linguistinnen sind seltsam. :rolleyes:

    Das wird man doch noch sagen dürfen! ^^

    Bitter wird’s in der Apotheke erst recht, wenn sie dich in die Altersklasse Umschau-Leserin einsortieren. 😀

    1. dachte ich’s mir doch! ich hätte vorab den rat eines weisen naturwissenschaftlers einholen sollen ^^
      … oder wenn ich in die apotheke muss, um mir produkte zu kaufen, die im vorabendprogramm der ö-r beworben werden. nächstes jahr wird’s ernst, herr piti! 😀

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