Schwupp! Da war’s schon wieder vorbei…

Und dabei habe ich nicht mal an dieser Stelle allen ein fröhliches Fest gewünscht… Frohes Fest also! – zumindest was davon übrig ist! „Vorbei“ bedeutet allerdings in diesem Falle auch, dass gerade die Spülmaschine eine letzte Runde dreht. In etwa einer halben Stunde sieht es wieder aus wie vor Weihnachten. Bis auf den Baum. Und so.

Ich habe an den letzten beiden Tagen hauptsächlich in der Küche gelebt. Und obwohl die Lampe wieder hängt und funktioniert, sind die Fotos vom gestern Weihnachtsessenwieder mal recht bescheiden. Ich muss mir da unbedingt eine gut ausgeleuchtete Ecke mit niedrigem Tisch in die Küche basteln. Sonst wird das nie was.

Immerhin war der Tisch gedeckt, als die Gäste eintrafen. Praktisch eine Punktlandung. Und ich konnte mich auch noch umziehen, bevor der erste Sekt in den Gläser landete. Puh!

Wir starteten mit einer Steinpilzessenz (Gruß an die liebe Astrid!), die ich allerdings beim zweiten Versuch mit Rinderfond angesetzt hatte, den ich geizig nach dem riesigen Topf Rindfleischsuppe von letzthin beiseite geschafft hatte. Einlage war diesmal je ein Raviolo mit Steinpilzfüllung, den man auf dem miesen Foto aber nur bröckchenweise erahnen kann. Grrrrr… Immerhin: Es schmeckte allen hervorragend.

Weiter ging’s mit Zander – kross auf der Haut gebraten, Selleriepüree und Safranschaum. Ach, nennen wir es Safransößchen. Auf dem Foto wirkt es nämlich noch unschaumiger als es war. Egal! Hungrige Menschen saßen am Tisch. Da kann man nicht stundenlang in der Küche mit dem Tellerchen und der Kamera rumspielen.

Es folgten Posteleinravioli mit Goldkäppchen-Ricotta-Füllung. Die Goldkäppchen hatte ich an Heiligabend beim Einkaufen geschnappt. Und die ursprüngliche Füllung nochmals geändert.

Dazu Ofentomaten und Haselnussbutter. Die Tomatenchips für die Deko wurden wieder mal beim Anrichten vergessen. Dabei standen sie extra bereit.

Wieso die eigentlich grünen Ravioli im funzeligen Abendlicht so einen fiesen Gelbstich haben, weiß ich nicht. Ist mir aber auch irgendwie egal jetzt. Da ist noch Teig übrig. Aus dem stelle ich gleich Tagliatelle her, die sich in die Reste der Hauptgangsoße legen dürfen. Ich lege dann mal an gescheites, grünes Foto nach…

Apropos „Hauptgang“: Da isser! Wer denkt, er hätte für heute schon genug hässliche Essensfotos gesehen, kann gleich weitermachen, damit er nicht aus der Übung kommt:

Die köstliche, stundenlang einreduzierte, sehr dunkle Soße wirkt hell und abgesch***en, die Schweinebäckchen sehen trocken aus und der Ofenrosenkohl einfach nur so doof. Aaaber! Das täuscht alles. Die Bäckchen waren saftig und zart, die Hasselbacks knusprig, die Soße ein Traum. Ich habe Zeugen!

Bis hierher war im Prinzip – bis auf Fotos und mehrere vergessene Elemente beim Anrichten… – alles bestens gelaufen. Ich entspannte mich langsam. Es kam nur noch das Dessert. Und das war für meinen Geschmack wirklich perfekt.

Thymiansauerkirschen, Orangenfilets, Tonka-Honig-Eis, Kürbiskrokanthippe, Valrhonaküchlein. Deko fand auch hier nicht wirklich statt. Das Eis jedenfalls war wirklich der Hammer. Weil es restlos aufgegessen wurde, weil noch Kirschen, zwei Hippen und einige Küchlein übrig sind, habe ich es eben gleich nochmal hergestellt.

Und ein Rezept gibt es auch noch obendrauf! Nehmt dies!

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TONKA-HONIG-EIS
Zutaten:
1 geriebene Tonkabohne (Danke, Erfinder der Microplane!)
200 g Vollmilch
300 g Sahne
4 Eigelbe
100 g Honig
Zubereitung:
Tonka, Milch und Sahne in einem Topf aufkochen, etwa fünf Minuten leide köcheln lassen. Derweil Honig und Eigelbe schaumig aufschlagen.
Tonka-Sahne etwas abkühlen lassen und anschließend durch ein Sieb in die Eier-Honig-Mischung geben. Alles zurück in den Topf und bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren gaaaanz laaangsaaaam erhitzen, bis die Masse andickt. Zur Rose abziehen und so…
Kalt stellen. Am besten über Nacht. Dann in der Eismaschine gefrieren lassen.
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Die winzigen Schokoladenküchlein wurden – diesmal mit bester Schokolade – nach meinem Standardrezept von Mimmo Nicoli hergestellt und in einem Muffinblech mit ganz kleinen Mulden ausgebacken. Vorsicht! Nur ganz kurz!

Diese Kombination! Das supercremige Eis, die thymianisierten Sauerkirschen, das warme, leicht flüssige Schokoding, die knusprige Hippe. Wenn nicht der Plan wäre, nach dem Jahreswechsel wieder mit vorsichtigen Laufeinheiten zu beginnen, würde ich das einzelnen jeden Tag in 2017 essen wollen. Man wird ja noch träumen dürfen…

Im Anschluss ans Dessert klang der Abend aus, wie er traditionell ausklingen musste: in einem veritablen Anis-Gelage der anwesenden Damen. Die Herren beschäftigten sich freundlicherweise mehr oder weniger still. Die neuen Gläschen konnten gleich würdig eingeweiht werden. Wir hatten drei Sorten zum „Testen“. Die Gozitaner können’s, die Spanier können’s – aber wir vermissten trotzdem – zumindest am Anfang… – den guten „A Mulher de Capote“ von den Azoren. Später war das dann nicht mehr so wichtig… Und heute hab‘ ich einen dicken Kopp. Schönes Fest war das!

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