Fundsachen & Restevernichtung am Sonntag

Der Gatte erkundigte sich vorsichtig nach Kuchen. Ist ja Sonntag. Natürlich kriegt er dann auch einen. Ich sichtete die Vorräte. Und stieß auf drei letzte Äpfel von der Mosel. Goldparmänen. Köstlich – und sie schrien praktisch nach Verarbeitung. 

Ich schnappte mir Oma Gretas bereits erwähntes Backsammelsurium und machte mich auf die Suche nach etwas mit Äpfeln. Es fand sich ein handschriftlicher Zettel mit diesem Rezept: „Gestürzte Apfeltorte“.

Die „Melitta Alufolie, 30 cm breit“ und die „Sultaninen“ ignorierte ich. Das eine, weil ich es für verzichtbar hielt, das andere, weil der der Gatte nicht auf Rosinen in Apfelkuchen steht. Die Anleitung war insgesamt etwas verwirrend. Ich legte einfach los und improvisierte. Hier das – jetzt nachbackbare – Rezept für eine übliche Springform (26 oder 28 cm):

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GESTÜRZTE APFELTORTE
Zutaten:
500 g geschälte Äpfel, in Sückchen
2 EL Zucker
80 g Butter, kalt
160 g Zucker
1 Päckchen Vanillzucker
2 Eier
100 g Speisestärke
80 g Mehl
3 TL Backpulver
Zubereitung:
Äpfel in Stückchen auf den Boden der Form geben und mit dem Zucker bestreuen.
Aus den restlichen Zutaten einen Teig kneten – ich nahm erst die Knethaken des Handrührgeräts und knetete dann zügig von Hand zu Ende. Während ich das tat, wurde mir klar, was das eigentlich für ein Kuchen ist: eine Tarte Tatin à la französische Besatzungszone!
Also drückte ich den Teig etwas auseinander, zog ihn auf die passende Größe und bedeckte die Äpfel damit.
Keine Ahnung mehr, wie lange das Ding im Ofen war… Ich schätze mal so um die 40 Minuten. Bei 200°C Ober- / Unterhitze.
Dann gibt es wieder Originalanweisungen: Nach dem Backen Springform vom Rande lösen, Torte etwa zehn Minuten abkühlen lassen und auf eine Platte stürzen.
Was die Sache mit dem nassen Tuch dann soll – und wie das geht -, ist mir nicht klar. Meine Torte löste sich aber auch ausgezeichnet.
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Noch warm wurde das erste Stück vernichtet. Was übrigens noch anzumerken wäre: Mein Kuchen hat die doppelte Teigmenge auf die Apfelmenge abbekommen, weil ich erst einfach nicht geschnallt habe, was das wird. Der Teig ist außen knusprig und innen extrem fluffig. Eher rührkuchenartig mit einem Touch von Biskuit. Und ausgesprochen saftig. Sehr schön. Beim nächstenmal werde ich eventuell die Apfelmenge etwas erhöhen. Und die Äpfel in eine nettere Form bringen. Scheibchen zum Beispiel. Aber ich wusste ja auch nicht, was am Ende rauskommt. Das nur zu meiner Verteidigung. Mit dem Kuchen von heute gewinne ich sicherkeinen Schönheitswettbewerb…

Ob die Oma gezwungen wurde, das Ding für die Besatzer zu backen, oder woher sie das Rezept hatte, lässt sich jetzt leider nicht mehr klären. Witzig isses allemal.

Was ich ja letzthin bereits erwähnt habe (in meinem „Thema verfehlt! Setzen! Sechs!“-Artikel über den Napfkuchen mit Quark) ist der Werbezettel „Backoblaten Optimus – Bewährte Rezepte für Oblatengebäck“. Daraus werde ich mit Sicherheit ein Rezept in der nächsten Weihnachtsbäckerei testen, denn „Die Makronen-, Lebkuchen- und Plätzchen-Bäckerei ist ein besonders dankbares Gebiet für die sorgende Hausfrau. Mit wenig Mühe und Kosten kann sie sich einen Vorrat leckerer Sachen backen und hat jederzeit für unerwarteten Besuch und besonders für Kinder etwas anzubieten.“

Ich sach‘ nur: „Vor Weihnachten gebacken und jetzt am Fasching noch frisch!!“

Na, Mahlzeit! Die Firma Hoch in Miltenberg gibt es übrigens noch, wenn auch mit modernisierter Produktpalette: „Hoch-Oblaten“. Respekt! Am unteren Rand meines Heftchens befindet sich übrigens noch ein herrlicher Tip aus der „Wir hatten ja nix!“-Zeit: „Haselnuß- und Mantelersatz: Haferflocken mit einem Stückchen Butter und etwas Zucker in einer Pfanne auf kleinem Feuer unter stetem Umwenden anrösten, dann auskühlen.“

Mantelersatz?! Ich dachte immer „Dat wärmste Jäckchen is‘ dat Conjäckchen…“ Harhar. Schenkelklopfer. Ansonsten steht da übrigens immer Mandel, wo Mandel gemeint ist.

Das Abendessen setzt sich heute aus Resten zusammen, die „die sorgende Hausfrau“ auf ihrer eigenen Scholle angebaut und für schlechte Zeiten aufgehoben hat. Möhren zum Beispiel. Und einen Rest Mangold. Und die letzten Bohnenschnipsel. „Die sorgende Hausfrau“ muss nämlich in nächster Zeit ihr Gefrierfach abtauen. Dazu Kabeljau, der ebenfalls im ewigen Eis zwischengelagert war.

Es gibt heute also Resteessen zu Ehren unseres neuen Präsis. Im ersten Wahlgang. Was sonst?! Schön, dass der Pastor weg ist, aber andererseits… Schade, dass Sonneborns Vater keine Chance hatte. Der ist zumindest nicht für die ‚Agenda 2010‘ mitverantwortlich. Und auch nicht für unser lustiges, KH-armes Resteessen.

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4 Kommentare

    1. gottlob mögen hier alle fisch. und kabeljau ist halt flexibel und auch nach dem arbeitstag mit den verschiedensten zutaten noch schnell in einen genussfähigen zustand zu versetzen. vielleicht habe ich auch eine ungesunde affinität zu kabeljau entwickelt?! möglich… 😀
      wenn du den kuchen nachbackst, schneide die äpfel in scheibchen und lege sie fächerförmig aus. sieht einfach netter aus =)

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