Katholizismus im Alltag

Dank des hervorragenden Wetters der vergangenen Woche treibt der Tomatenkindergarten vor dem bodentiefen Fenster in meinem Zimmer gerade aus wie verrückt. Und immer durstig, die Kleinen. Allerdings müffelt einer der Eierkartons. Im Zimmer riecht es ein wenig wie in den Beichtstühlen meiner Kindheit.

Leider konnte ich bislang nicht rten, um welchen Karton es sich genau handelt, um ihn zu vernichten. Wird halt in diesem Jahr etwas früher vereinzelt und in Töpfchen gepflanzt. Bis dahin schaffe ich es hoffentlich, den Reflex zu unterdrücken, jedesmal beim Betreten des Zimmers „In Demut und Reue bekenne ich meine Sünden“ zu nuscheln.

Da hier immer noch kohlenhydratfreie Zone ist – zumindest für mich -, stößt mein Erfindungsreichtum was das Abendessen angeht bisweilen an die Grenzen meiner Kreativität. Habe jetzt Pürees aus Sellerie, Pastinaken und Petersilienwurzeln getestet. Und aus Süßkartoffeln und Kürbis. Mein Favorit sind die Petersilienwurzeln. Und dann noch reichlich Blattpetersilie ran. Sehr lecker. Man vermisst die Kartoffeln dann wirklich nicht.

Rote Bete hilft auch. Hier in einer Kombination mit sautierten Champignons nach Vorbild einer Amorgosvospeise. Dazu Frühlingszwiebeln in Olivenöl anschwitzen (nur anschwitzen, nicht bräunen), Pilzköpfe ganz oder in groben Stücken (je nach Größe) zugeben und weiter schmurgeln lassen. Zwei ganze Knoblauchzehen – nur mit dem Messer geplättet – müssen auch ran. Dazu Salz, schwarzer Pfeffer und reichlich gerebelter Wildoregano von Andros. Holt das Beste aus den Pilzen heraus. Ehrlich.

Freitag habe ich eine ordentlich Handvoll Rucola darauf zerfallen lassen und ein paar geröstete und gehackte Cashews zugegeben. Dazu Rote Bete aus dem Ofen. Ebenfalls mit Olivenöl, Salz, Pfeffer und diesmal Wildthymian aromatisiert. Und mit einem Spritzer Zitronensaft und einer Prise Zucker abgerundet. Meine Bete hatte ich vorher am Stück im Ofen gegart und dann nur kurz in Spalten in die Auflaufform gegeben.

Darauf landete ein Kabeljaurückenfilet. Für Kabeljau entwickele ich gerade eine etwas abartige Schwäche. Könnte ich dauernd essen. Und fotografieren. Wie er sich in der Pfanne aufblättert… Mjam! Ich könnte schon wieder… Habe ich übrigens schon erwähnt, dass ich den Rucola aus dem Garten vermisse? Nicht?! Gut. Ich vermisse den Rucola aus dem Garten.

Und da ich mich trotz Beichtstuhlgeruchs irgendwie schamlos fühle, gibt es auch gleich noch ein Foto des hässlichsten Essens der Woche:

Ich gestehe, dass mir Nudeln mittlerweile extrem fehlen. Üblicherweise mache ich die ja selbst. Aber das geht gerade nicht. Menno! Eine Kollegin empfahl die diversen Ersatznudeln aus Hülsenfrüchten. Ich riskierte einen Versuch. Mit Mungobohnennudeln. Dazu Lachs-Tomaten-Soße und reichlich Basilikum. Gar nicht mal sooo übel. Trotzdem kein echter Ersatz für selbstgeknetete Pasta. „Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken…“ Industriepasta aus Käfighaltung… Und das mir…

Gestern durfte dann eine Charolaisbratwurst ran. Ehrliches katholisches Essen. War ja schließlich Samstag und nicht Fischreitag.

Dazu wieder die sautierten Champignons, Selleriepüree (sieht man kaum, liegt aber links…), die Reste der Roten Bete, die Reste des Rucolas und etwas Rucolakresse obendrauf. Auch gut. Heute wird es dann die Reste des Selleriepürees geben. Witzig, wenn so ein Gericht zum nächsten führt.

Dazu ist ja nun Wochenende. Und da möchte der Gatte, der sich die ganze Woche fiese Kommentare zu meinen Low-Carb-Spielchen verbissen hat, ja auch mal ein ordentliches Stück Kuchen essen. Möglichst mit Schokiglasur. Testweise habe ich gestern einen Madeleines-Versuch gestartet. Das Blöde daran war nur, dass ich auf die Schnelle nach Fertigstellung des Teigs meine Madeleines-Form nicht fand. „… durch meine Unordnung, durch meine Unordnung, durch meine große Unordnung…“

Trotzdem sind die Dinger so gut wie das Foto schlecht. Sagt zumindest der Gatte. Ich kann es ja leider nicht beurteilen, habe aber nach gründlichem Beschnüffeln beschlossen, mich dieser Meinung vorbehaltslos anzuschließen. Der Teig ist perfekt. Fühlt sich zumindest so an, und sieht auch so aus.

Trotzdem werden sie nächstes Mal in der richtigen Form gebacken. Ich hatte übrigens einem Rezept von Léa Linster eine Chance gegeben. Das war eine gute Entscheidung. Allerdings gab ich in den Teig die Schale einer halben Orange und einen Schuss Grand Marnier. Auch das war – vor allem zum Schokoladenguss – eine gute Entscheidung. Da ist sie wieder – die geniale Schoko-Orangen-Kombi!

Hier das Originalrezept:

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LÉA LINSTERS MADELEINES
Zutaten:
80 g Butter
3 große Eiweiß
100 g Puderzucker
60 g Mehl
40 g fein gemahlene Mandeln
1 Messerspitze Backpulver
Zubereitung:
Eiweiße steif schlagen. Butter erhitzen, bis sie leicht gebräunt ist. Betonung auf „leicht“. Puderzucker und Mehl mit den Mandeln (gemahlene ohne Schale!) mischen. Mehlmischung unter den Eischnee heben, flüssige Butter unterziehen. Über Nacht kalt stellen. Bei mir reichten zwei Stunden bei Außentemperaturen.
Vor dem Abbacken das Backpulver unterheben und den Ofen auf ca. 180-190° Ober-/Unterhitze vorheizen.
Den Teig in die Mulden der Form füllen.
Fünfzehn  bis zwanzig Minuten abbacken, bis sie goldbraun sind. Noch warm aus der Form lösen.
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Gibt es sicher demnächst auch nochmal im Original. Falls ich meine Form wiederfinde. Also die Backform. Nicht die Laufform. Nach der suche ich immer noch.

Dazu gesellte sich eine „Schokoladetorte, andere Art“ mit den letzten Valrhona-Resten. Merke: Kein guter Teig für Bundformen. Immer besser in einer Springform abzubacken. Ich tat mich etwas schwer mit dem Herauslösen, bastelte ein wenig und kippte dann reichlich Glasur drauf, um die Bruchstellen zu kaschieren. „Herr, sei mir Sünder gnädig!“

Die Lieblingsnachbarin kriegt vier Stücke. Schließlich hat sie am Freitag mein riesiges Gurkenglas voll Lavendelzucker durch ihren Thermomix gejagt. Unser Lavendelhang wird demnächst testweise auf einer Crème brûlée landen. Also nicht der ganze. Aber das Beste von ihm. „In Ewigkeit. Amen.“

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