„Von dort wird er kommen, …

… zu richten die Lebenden und die Toten. Und die Frauen, die in einem Karton in einer Esszimmerecke leere Twist-Off-Gläser und Flaschen sammeln.“ Der Gatte zumindest, war der Ansicht, dass meine Altglassammelkiste niemals vor dem Jüngsten Gericht aus ihrer Ecke neben der Kommode und dem Küchendurchgang verschwinden würde. Weit gefehlt, Herr und Meister! Heute morgen sterilisierte ich wieder eine Ladung Gläser aus der Kiste.

Und anschließend war ich der Ansicht, dass die Riesenkiste jetzt weg könne. Guuut… Jetzt steht da eine kleinere – eine sehr viel kleinere um genau zu sein – mit nur ein paar wenigen Resten. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Eben. Pah!

Was ich heute morgen getan habe? Fehler korrigiert. Meine erste Charge Ketchup war zu flüssig. Nach längerem Überlegen entschied ich, sie wieder in den Topf zu kippen und nochmals eine Weile köcheln zu lassen, währenddessen die Gläser zu spülen und schließlich alles wieder neu abzuflaschen.

So sieht das dann halt aus, wenn man auf das Kistensammelsurium aus Gläsern zurückgreift, weil die Kiste mit den gekauften Gläsern leer ist. Dem Geschmack tut das übrigens keinen Abbruch.

An dieser Stelle ein eindringlicher Appell: Bitte, liebe Hersteller von Konserven in Gläsern! Benutzt etwas weniger hartnäckige Kleber, um eure raumgreifenden Etiketten darauf zu befestigen. Ich zumindest habe schon Produkte nicht mehr gekauft, weil ich später beim erfolglosen Versuch, die Gläser vom Schildchen zu befreien, grandios gescheitert bin. Das macht Verbraucher wütend. In meinem Fall sogar sehr sehr wütend. Und es belastet die Umwelt. Eine Zweit- und Drittnutzung der Verpackungen spart Resourcen und tut euch nicht weh.

Zurück zum Thema: Nachdem ich die erste – zu flüssige – Ladung Ketchup wieder im Topf hatte, fand ich, dass man ja außer Reduzieren noch ein wenig an ihr herumschrauben könnte. Den perfekten Tomatenketchup habe ich ja jetzt seit gestern. Und dem folgt sowieso noch eine zweite Ladung. Und da die Chilipflanzen im Garten auch nicht faul waren in diesem Jahr, habe ich mal einige in den Ketchup gegeben. Und ein paar Gewürze zusätzlich: Pimentón de la Vera, Curry, Muskat, Zimt. Und ein Gläschen meines Tannenspitzenhonigs.

Am Ende kam wirklich etwas sehr Leckeres – und ziemlich Scharfes – dabei heraus. Tests finden in der kommenden Woche statt. Und damit ist die Ketchup-Kollektion 2017 im Prinzip jetzt auch komplett. Was mich anschließend noch reizte, war eine Art Piri Piri herzustellen. Oder eine andere scharfe Soße zum Würzen. Chilis waren ja noch ausreichend vorhanden.

Also ab mit der Schere in den Garten und wieder den Herd angeworfen. Der Gatte hatte sich mittlerweile in seinen Würfel verkrümelt, sodass ich hemmungslos durchstarten konnte. Raumklima ist ohnehin überbewertet. Vor allem im Sommer.

Nach einer Anleitung der Schwester bastelte ich selbst rum. Heraus kam etwas Neues, das mit dem Originalrezept so gut wie nichts mehr zu tun hat. Ich wollte die Soße so, dass sie etwas „sticky“ ist, d.h. so, dass nicht die schweren Teile zu Boden sinken.

Also mehr feste Bestandteile und weniger Flüssigkeit. Und Gelierzucker statt Zucker. Geniale Idee! Ja… Ich habe so meine Momente. Harhar!

Das Foto ist etwas… nun ja… suboptimal. Die Sonne stand mittlerweile tiefer. Egal. Hier das Rezept:

Süße Chilisoße

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Zutaten

  • 6 Paprikaschoten, rot
  • 3 Knoblauchzehen
  • Chilischoten - je nach Schärfegrad
  • 1 daumengroßes Stück Ingwer
  • 3 mittlere Tomaten
  • 200 Gramm Gelierzucker 2:1
  • 200 Gramm brauner Rohrzucker
  • 150 Milliliter Balsamico, hell
  • 1 Liter Wasser

Zubereitung

  • Paprika, Chili, Ingwer und Tomaten in grobe Stücke teilen und mit dem Knoblauch pürieren. Achtung! Mir klappte praktisch das Zahnfleisch hoch, als ich mich kurz über die Schüssel beugte.
  • Alles in einen Topf geben. Gelierzucker, Wasser und Balsamico angießen. Das Ganze etwa 90 Minuten sanft köcheln lassen, bis es etwa auf zwei Drittel der Menge eingekocht ist.
  • Anschließend sofort heiß in sterilisierte Flaschen und Gläser füllen.

Nochmal zur Chilimenge. Ich nahm etwa zehn Stück. Zehn verschiedene. Da die Schärfe jeweils unterschiedlich ist, muss man hier etwas nach Gefühl gehen. Kurz vor dem Abfüllen fand ich es super, während der Gatte Feuer spie. Wie gesagt: einfach testen. Und die Schärfe lässt natürlich deutlich nach, weil man die Soße nicht pur isst. Also lieber etwas jenseits der Schmerzgrenze als zu harmlos.

So. Und jetzt weg vom Rechner und ab in die Küche. Morgen ist das Wochenende vorbei!

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