Die Qual der Wahl

Nächstes Wochenende ist es wieder so weit: Wir dürfen alle unser Wahlrecht ausüben. Manchmal gewinnt man allerdings den Eindruck, es wäre besser, einige Mitbürger kämen nicht in den Genuss desselben. Tim Wiese zum Beispiel.

Hier eine Fotostrecke auf „Spiegel online“ mit dem Titel Bundestagswahl 2017: Wo machen Promis ihr Kreuz?

Das Merkel kriegt demnach – aus den unterschiedlichsten Gründen – die Stimmen von Simone Thomalla, Daniela Katzenberger, Uschi Glas, Howard Carpendale, Arne Friedrich, Tim Wiese und Ralf Möller. Bravo! Eine optimale Ausbeute! Sieben Stimmen aus nur geschätzten drei Gehirnzellen. An Merkels Stelle würde ich mich jetzt mit einem entschiedenen „Meine Herren! Lassen Sie mich alleine!“ in mein Arbeitszimmer zurückziehen, um mein Rücktrittsgesuch zu formulieren.

Und auch Lena Meier-Landshut Müller-Wohlfahrt Meyer-Landrut macht mit bei „I love Raute“ („Welt“-Link), einer Merkel-Unterstützungsaktion, die offensichtlich verpflichtet, abscheuliche Ohrringe zu tragen. Selbst wenn ich in einem schwachen Moment kurz damit geliebäugelt hätte, meine Stimme dem Merkel zu geben (was ich natürlich nicht habe), hätte sich das spätestens jetzt erledigt.

Wer will schon in einer Reihe mit solch grenzdebilen Zeitgenossen stehen?! Ich bin ehrlich entsetzt.

Apropos „grenzdebil“ und nur mal am Rande bemerkt: Wer „Brüste!!!“ meint und „Bunt“ schreibt, hat auch ein Problem…

Nebeneffekt der „Spiegel“-Bilderstrecke sind jedenfalls einige interessante Erkenntnisse: Didi Hallervorden wäre besser bei „Palimpalim! Eine Flasche Pommes“ geblieben, statt auf „Ich gehe zur Wahl, weil ich möchte, dass die FDP wieder in den Bundestag einzieht.“ umzuschwenken. Seltsame Begründung. Warum eigentlich?!

Wolf Biermann ist noch verwirrter als bisher bekannt („Aus sentimentaler Tradition stehe ich den Sozialdemokraten nahe, aber aus praktischer Vernunft der Kanzlerin.“).

Tim Wiese sieht zwar mittlerweile aus wie ein waschechter Asi, scheint aber immer noch zuviel Kohle zu haben. Oder wie sonst erklärt man sich seine Pro-Merkel-Wahlbegründung „Man kann ja nicht den Schulz an die Macht bringen. Reichensteuer und so, nee, darauf habe ich gar keinen Bock“?!

Und. Bushido. Nur mal nebenbei bemerkt. Ich finde, niemand – und damit meine ich wirklich N-I-E-M-A-N-D – hat ‚deine Stimme verdient‘. Halt einfach die Klappe.

Dass von Schweiger nichts Substanzielleres als „Vielleicht wähl‘ ich die FDP. Christian Lindner ist ein guter Typ.“ kommt, trifft einen dagegen kaum überraschend. Wahrscheinlich würde er gerne sich selbst auf ähnlich gestalteten Plakaten in ähnlicher Größe bewundern. Bloß der viele Text ist doof…

Aber jetzt mal Themenwechsel. Und zu einer weiteren Qual der Wahl. Freitag wurde Muttern 75. Wir gingen essen. In Münstermaifeld in „Löffels Landhaus“. Sieht man mal über den Idiotenapostroph großzügig hinweg, war das echt ein gutes Essen. Das Foto von der Vorspeise ist grottig, allerdings bei weitem nicht so grottig wie das des Hauptgangs. Deshalb habe ich es gewählt.

Ich griff zur Spezialität des Hauses: „Das Eifler“ Landhausschnitzel. Kalb in Kartoffelkruste. Es schmeckte hervorragend. Und – Überraschung! – mir ging es anschließend auch noch ganz hervorragend. Da waren weit und breit keine fiesen Sachen drin, die sonst in Restaurants mit eher gutbürgerlicher Küche dafür sorgen, dass man (hier: ich…) Magenprobleme bekommt. Eine ausgezeichnete Wahl!

Gestern Abend hatten wir dann zu Hause das Wahlrecht (oder die Wahlpflicht?). Ein weiterer Testlauf stand auf dem Programm. Zwei Sorten Ketchup der Schwester (Hot Zucchini und gelbe Tomate) sollten verkostet werden. Desweiteren zwei im Verlaufe des Tages von mir selbst angerührte Sachen: Kürbisketchup und ein Zwiebel-Paprika-Relish, dass wir bei der Schwester getestet und für hervorragend befunden hatten.

Dazu gab es eine von den ausgezeichneten Würsten vom Aartalhof in Taunusstein, Chips aus Blauen Schweden, die ich ebenfalls auf der Morgenrunde beim Bornhof erbeutet habe, und Maniokpüree.

Maniok umschleiche ich bereits eine Weile. Nachdem Yams ein voller Erfolg war, packte ich gestern an der Gemüsetheke zwei Wurzeln ein. Erstmal nach Hause schleppen, dann mal schauen.

Ein wenig Google bemüht – und ich war schlauer als zuvor. Und der Maniok war mir noch ein wenig sympathischer. Er ist praktisch ein Anti-Superfood. Enthält massenhaft Stärke, aber kaum Eiweiß. Ernährungsphysiologisch total unwichtig. Blöderweise wächst er hier nicht, sonst würde ich ihn anbauen. Aus Trotzgründen. Und giftig ist er roh übrigens auch noch. Ich habe ihn dann erstmal geschält, eine Weile gekocht und schließlich unter Auferbietung meiner letzten Kräfte durch die Kartoffelpresse gequetscht. Das war echt hart.

Anschließend ordentlich Butter ran, Salz, Pfeffer – fertig für einen Versuch. Einen gelungenen Versuch. Nachher gibt es die Reste ausgebacken als Plätzchen. Bindung muss da nicht mehr ran. Ist ja kein Yams. Eine Kombination aus beiden könnte ich mir gut vorstellen. Da passt dann auch der Stärkegehalt für Spielereien.

Der Kürbisketchup entstand in Ermangelung an reifen Exemplaren aus dem Garten aus zwei gekauften Butternuts. Da wurde erstmal Saatgut extrahiert. Und dann ging’s los.

Kürbisketchup

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  • Ergibt: etwa acht 200-ml-Gläser
  • Kategorie:

Zutaten

  • 4 Zwiebeln (etwa 600 Gramm)
  • 3 Chilis
  • 3 Teelöffel Ras El Hanout
  • 100 Gramm brauner Zucker
  • 200 Milliliter Wasser
  • 200 Milliliter Balsamico rosato
  • 1 Kilo Tomaten
  • 1 daumengroßes Stück Ingwer
  • 3 Zehen Knoblauch
  • etwas Rapsöl zum Anschwitzen
  • 2 Butternut-Kürbisse (etwa 2 Kilo reines Schnippelgewicht)
  • Salz, Piri Piri, Pfeffer zum Abschmecken

Zubereitung

  • Zwiebeln, Kürbis, Tomaten, Chili, Ingwer und Knoblauch in grobe Stücke schneiden. Nacheinander in etwas Rapsöl anschwitzen (nicht bräunen!).
  • Balsamico, Wasser, Zucker, Ras El Hanout und grob gehackte Chilis zugeben und abgedeckt etwa 30 Minuten köcheln lassen.
  • Alles pürieren und nochmals etwa 30 Minuten einreduzieren lassen. Mit Salz, Pfeffer und Piri Piri (weitere fein gehackte Chilis oder Chilipulver gehen auch) abschmecken.
  • Anschließend sofort heiß in sterilisierte Flaschen und Gläser füllen.

Im Ketchup wurden auch gleich die letzten Tomaten verklappt. Viel wird das bei diesem Wetter nicht mehr werden. In der gesamten letzten Woche langte es gerade mal für einen Teller. Aber hübsch sind sie immer noch.

Anschließend ging es ans Relish. Und das ging so:

Zwiebel-Paprika-Relish

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Zutaten

  • 1500 Gramm Zwiebeln
  • 1 Teelöffel Paprikapulver, süß
  • 1 Teelöffel Paprikapulver scharf
  • 60 Gramm eingelegter grüner Pfeffer
  • 500 Milliliter Weißwein, trocken
  • 125 Milliliter heller Balsamico
  • 100 Gramm brauner Zucker
  • 100 Gramm Tomatenmark
  • etwas Öl
  • 100 Gramm Tomaten
  • 1500 Gramm Paprika, rot
  • Salz, Piri Piri, Pfeffer zum Abschmecken

Zubereitung

  • Zwiebeln fein würfeln, Paprika und Tomaten in feine Stücke schneiden. Nacheinander in etwas Rapsöl anschwitzen (nicht bräunen!). Mit der Hitze etwas hochgehen und das Tomatenmark kurz mitbraten.
  • Mit Essig und Wein ablöschen. Restliche Zutaten zugeben und etwa eine Stunde ohne Deckel langsam einköcheln lassen. Immer wieder mal umrühren.
  • Abschmecken und sofort heiß in steriliserte Flaschen und Gläser füllen.

Fazit: beides ausgezeichnet. Darf im kommenden Jahr wieder ran.

Ich habe jetzt auch die Wahl. Die zwischen Spülmaschine ausräumen und Kühlschrank ausmisten und putzen. Keine echte Wahl. Nur die Reihenfolge ist wählbar. Blöd.

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4 Kommentare

  1. Wem gehören die drei Gehirnzellen? Howie? Immerhin hat er sich von Chulz abgewendet. 😀

    FDP zu wählen ist ja nicht blöd. Wenn man zu den 5 Prozent gehört. (Oder 0,5.) Didi und Till sind den Verräterpartei-Wählern kognitiv klar voraus. 😉

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