Weihnachtsmarkt – das „Wacken“ der Büroangestellten

Lange geplant (eigentlich seit etwa 15 Jahren), endlich durchgezogen: ein Ausflug nach Köln mit den Kolleginnen. Man will ja auch mal einen anderen Dom sehen. Und einen anderen bzw. in diesem Fall mehrere andere Weihnachtsmärkte. Wir trafen uns am Mainzer Hauptbahnhof. Die Hinreise verlief planmäßig. Um kurz vor 12 Uhr standen wir dem Kölner Dom Aug‘ in Aug‘ gegenüber.

Und ab da ging es Schlag auf Schlag. Unser Zeitplan war engmaschig. Fünf Reisende = fünf Runden Glühwein und fünf Weihnachtsmärkte. Wenn man den kleinen mit der großen Pyramide in der Nähe des Doms mitzählt, haben wir unser Soll erfüllt.

Wir haben Rievkooche gegessen, Lichter bestaunt, Glühwein getrunken, Dom-Spekulatius heimgeschleppt, Bratwurst gegessen. Wir sind mit einem kleinen Tourizug durch die Stadt gefahren, wir haben den Weihnachtsmarkt der Herzen am Dom, den Markt der Engel, den Hafen-Weihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum und den Altstadt-Weihnachtsmarkt mitgenommen. Und wir haben viel gelacht.

Wir haben haufenweise Kalorien verbrannt, aber sicher deutlich mehr Kalorien zu uns genommen. Und am Ende hatten wir bei der Abfahrt in Köln 14 Minuten Verspätung, die unser Lokführer aber bis Mainz nahezu egalisierte. Die Damen mit Anschlusszügen kamen ins Schwitzen. In einem Fall war ein beherzter Sprint durch die Unterführung zwischen Gleis 11 und Gleis 6 das Mittel der Wahl. Die Kollegin wurde – als sie hechelnd und ausgepumpt in den Sitz fiel – gefragt, ob sie einen Arzt brauche… Aber am Ende war das ein sehr lustiger Tag. Wir haben beschlossen, im Sommer eine Kölschtour zu machen.

Beim letzten Glühwein „im Schatten des Doms“ stellten wir allerdings einhellig fest, dass das hier einfach eine Nummer zu groß für uns war. Selbst im dichtesten Geschiebe und Gedrängel auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt hat das noch etwas extrem Beschauliches gegen die Tourimassen, die sich mit uns durch Köln schoben. Köln ist immer noch meine Lieblingsstadt – aber mit Fuffzisch bin ich jetzt doch ganz froh, in Mainz gelandet zu sein.

Mein ultimativer Tipp für Kölner Weihnachtsmärkte: Ich hatte kurzentschlossen, meine Wanderschuhe angezogen. Im dichten Gedränge sah die eh keiner, und ich war die einzige, die nicht irgendwann mal kalte Füße hatte. Die schönsten Kölner Weihnachtsmärkte waren für uns der „Markt der Engel“ und der Altstadtmarkt „Heimat der Heinzel“. Im Hafen war es saukalt. Am Dom war es saueng. Den besten Glühwein gab es nach einhelliger Meinung in der Engelbar auf dem „Markt der Engel“.

Köln war übrigens komplett schneefrei. Bei uns war es bereits gestern auf der Anreise nach Mainz recht weiß. Und seit heute in aller Frühe schneit es ununterbrochen.

Freundlicherweise brachte mich der Gatte zum Bahnhof – und noch freundlichererweise sammelte er mich auch spät abends wieder ein. Dafür gab es Dom-„Speckelatius“ als Mitbringsel für den größten Spekulatiusfan der nördlichen Hemisphäre. Den besten, nicht selbst gebackenen Spekulatius übrigens, den ich bislang gegessen habe.

Ich habe mir selbst dann auch noch Ausstechförmchen gegönnt: ein Kind für meinen Igel und einen Hummer. Keine Ahnung, was ich mit dem Hummer ausstechen werde, aber ich musste ihn einfach haben.

Und während es schneite und schneite und schneite, rückte ich einigen der letzten Mallorca-Orangen mit der Microplane zu Leibe und produzierte einen Kuchen, den ich schon seit geraumer Zeit mal wiederholen wollte: den „Chocolate Orange Cake with Bourbon“ nach einem Rezept von April Bloomfield aus „A Girl and her Pig“.

Zuerst gab es Probleme, weil ich nicht genug Butter im Haus hatte. Die lösten sich dann aber angesichts der Entdeckung eines halben Pfunds eingefrorener Azoren-Manteiga aus dem portugiesischen Laden in Mombach in Wohlgefallen auf.

Dann fackelte ich ungefähr die halbe Küche beim Flambieren des Cognacs ab, durch den ich den Bourbon – in diesem Haus wird Whisky ohne „e“ geschrieben! – ersetzt hatte. Und schließlich flog beim Abbacken des Kuchens nach 15 Minuten die Hauptsicherung raus. Das hatte der Kombi-Dampfgarer-Backofen vor knapp einem Jahr schon mal gemacht. Und danach nie wieder. Mal gespannt, ob sich das jetzt in kürzeren Abständen wiederholen wird.

Hier jedenfalls erstmal das Originalrezept für den wirklich sensationell leckeren Kuchen – Nachbacken ist obligatorisch:

Chocolate Orange Cake with Bourbon

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Zutaten

  • 225 Gramm Butter plus Butter zum Fetten der Form
  • 350 Gramm Schokolade 70%
  • 200 Gramm Zucker
  • 5 große Eier
  • 225 Milliliter Bourbon
  • 2 Teelöffel fein abgeriebene Orangenzesten

Zubereitung

  • Blech in die Mitte des Ofens geben. Ofen auf 190°C vorheizen. In die Springform Backpapier einklemmen (Boden der Form) und die komplette Form großzügig buttern.
  • Butter und Schokolade über einem heißen Wasserbad schmelzen und verrühren.
  • 100 g Zucker mit den Eiern etwa sieben Minuten lang aufschlagen, bis sich die Masse etwa verdreifacht hat.
  • 100 ml Wasser mit den restlichen 100 g Zucker in einem Topf erhitzen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Beiseite stellen. Bourbon langsam auf dem Herd erhitzen, anzünden und warten, bis die Flamme erloschen ist.
  • Wasser-Zucker-Mischung und Orangenzesten in den Bourbon geben. Mischung unter die Eimasse rühren. Anschließend Schokoladen-Butter-Masse ebenfalls unterrühren.
  • Teig in die gefettete Form geben. Im Wasserbad 30 bis 40 Minuten abbacken. Aus dem Ofen nehmen und im Wasserbad komplett auskühlen lassen.
  • Auf eine Kuchenplatte stürzen.

 

Wichtig: Den Kuchen wirklich in der Form auskühlen zu lassen. Das wird sonst nix. Ehrlich.

Schmeckt dann trotzdem, aber sieht richtig doof aus. Ich weiß, wovon ich rede.

Fürs Abendessen bleiben dann wieder Reste: Orangensaft zum Beispiel. Und da sind Lachs und Garnelen. Und Reste des Nudelteigs von vorgestern. Ich gehe dann mal ans Werk.

Ob ich morgen ins Büro komme, steht in den Sternen. Hier schneit und schneit und schneit es…

cof

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