Dehydriert, bekocht & zerstochen

Montags hatte der Gatte eine recht lange Tauchsession. Er hatte beschlossen, noch irgendeinen weiteren Tauchschein – das „Deep Water Seepferdchen“ oder so ähnlich – zu erwerben. Da die Kaffeebereitung durch das Auffinden der Pressstempelkanne enorm erleichtert wurde, gab es keinen Grund, meinen Balkonaufenthalt nicht noch ein wenig auszudehnen. Und noch das ein oder andere Tässchen schwarzen Goldes die müde Kehle herunterplätschern zu lassen.

Irgendwann beschloss ich dann allerdings, jetzt doch mal aufzubrechen, um mir Larnaca im Hellen anzuschauen. Mit der Kamera. Frohgemut machte ich mich auf den Weg Richtung Innenstadt. Und – oh Wunder! – ich fand sie sogar!

Und unterwegs fand ich sogar die „Emira Pottery“ wieder, die ich bereits im Vorbeigehen für einen späteren Besuch vorgemerkt hatte. Der Gatte hatte Glück. Ich schaffte es, ohne ihn einen Weinbecher und zwei Schälchen zu erwerben, sodass ihm dieses Shoppingerlebnis erspart bleiben würde.

Anschließend konnte ich dann die Lazaruskirche bei Tageslicht in Augenschein nehmen. Drinnen hatte sich gerade eine deutsche Reisegruppe niedergelassen, deren Erklärbär sich in endlosen Ausführungen erging und schließlich mit den Worten „Dann treffen wir uns in einer Stunde am Bus. Heute Abend wird ja noch getanzt!“ endete. Allgemeiner Aufbruch.

Lazarus selbst soll ja in seinem „zweiten Leben“ eher nicht mehr getanzt – nicht mal mehr gelacht – haben. Und da die Sache mit der Auferweckung bis heute noch etwas Gruseliges an sich hat, dürfen Kinder unter sieben Jahren auch nicht in die Krypta. Und Trauungen finden in der Kirche ebenfalls nicht statt.

Innen ist sie jedenfalls prachtvoll ausgestattet mit Ikonen und reichhaltigen Ornamenten, die in krassem Gegensatz zu den groben Steinwänden der Kirche stehen, die Kaiser Leo den Zyprioten sozusagen als Entschädigung „spendierte“, nachdem er sich im Jahre 890 die Gebeine des Lazarus unter den Nagel gerissen hatte.

Irgendwann machte ich mich dann wieder auf den Rückweg. Die Sonne schien gar herrlich. Leider war ich bereits an dieser Stelle etwas durstig. Der Durst stieg ins Unermessliche, während ich mich zweimal verlief und jeweils völlig orientierungslos durch unbekannte Wohngebiete irrte. Nicht, dass mich das wunderte – eigentlich hatte ich bereits auf dem Hinweg damit gerechnet.

Als ich „zu Hause“ eintraf, war ich doch recht dehydriert. Nichts, das ein Gläschen Aphrodite nicht wieder in Ordnung bringen konnte.

Kurz darauf traf dann auch der Gatte wieder ein und berichtete von einem Gespräch mit einem der Tauchmenschen, der ihm seine Lieblingszubereitungen für Kolokasi verraten hatte. Demnach war der Topfavorit „Kolokasi in Tomatensoße“ – dicht gefolgt von „Kolokasi in Weinsoße“ und „Kolokasi mit Hackfleisch und Weinblättern“. Das brachte doch schon mal etwas Licht ins Kolokasi-Dunkel.

Das Ding lag ja zu diesem Zeitpunkt immer noch unverarbeitet in der Küche. Der nächste Tag sollte jedoch diesem Zustand der Unwissenheit ein Ende bereiten, hatten wir doch einen Termin bei Marina, die uns in die Geheimnisse der zypriotischen Küche einführen sollte.

In die Geheimnisse der zypriotischen Installationsbranche wurde wir nicht eingeführt, aber der Anblick der Wasseruhren unseres Hauses erfüllte uns tagtäglich beim Vorbeifahren mit größter Bewunderung.

Abends schafften wir es tatsächlich, ein zweites Mal einen Tisch in der Esels-Schmiede zu ergattern. Reines Glück ohne vorherige Reservierung. Aber manchmal hat man halt auch Glück.

An diesem Abend brachen wir unter der Urgewalt der Meze zusammen. Ein Hühnerflügel und ein Sparerib wurden unauffällig eingepackt, da wir unser Versagen nicht eingestehen wollten. Sie wurden auf dem Heimweg von mir einer Horde räudiger und ausgehungerter Katzen übergeben. Den Rest des Urlaubs verbrachte ich daraufhin in einem Zwiespalt. Diese unzähligen Straßenkatzen auch noch zu füttern brachte mich doch irgendwie auf eine Stufe mit den gutmeinenden Stadttaubenfütterern im Mainzer Bahnhofsviertel. Toll…

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zu Marina. Der Gatte tauchte nicht ab und kam mit. Und unsere Kolokasi ebenfalls. Wir besorgten unterwegs noch einen Strauß Blumen, was sich als nicht ganz einfach erwies, aber am Ende ein lösbares Problem war. Und etwas mitbringen mussten wir schließlich, waren wir doch eingeladen.

Diese Einladung hatte sich aus einem vorherigen Kontakt über die Website „Yummy Cyprus“ ergeben. Kochkurse wurden gerade nicht angeboten, aber Marina schlug vor, sich einfach zu treffen und ein bißchen über Essen zu reden. Gute Idee! Nachdem der Gatte mein Interesse an Kolokasi erwähnt hatte, borgte sie sich morgens noch eine beim Nachbarn und wir bereiteten sie gemeinsam zu. In Tomatensoße.

Dazu gab es einen hervorragenden Bulgur. Man kann dieses Essen auch mit Fleisch zubereiten. Sehr beliebt ist hier Hühnerfleisch. Es wird dann einfach gleich zu Anfang angebraten, beiseite gestellt und später – wenn die Kolokasi gar ist – wieder in den Topf gegeben.

Kolokasi in Tomatensoße

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Zutaten

  • 1 Kolokasi
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Dose gehackte Tomaten oder die entsprechende Menge frischer Tomaten
  • geräuchertes Paprikapulver
  • getrocknete Chili
  • etwas Staudensellerie
  • Tomatenmark und etwas Wasser
  • Salz, Pfeffer
  • neutrales Öl zum Anbraten

Zubereitung

  • Zuerst die Kolokasi schälen. Anschließend in Stücke zerteilen. Dazu mit einem Messer hineinschneiden und dann jeweils ein mundgerechtes Stückchen herausbrechen. Wichtig: Nicht waschen! Eventuell mit Küchenkrepp abreiben. Nicht mit dem Messer würfeln! Die Bruchkanten müssen uneben sein, da ansonsten der Garvorgang ewig dauert.
  • Selleriegrün schnippeln. Zwiebeln fein würfeln. Eventuell Tomaten hacken.
  • In einem Schmortopf das Öl erhitzen und die Zwiebeln goldgelb anschwitzen. Tipp von Marina: An dieser Stelle mit etwas Wasser ablöschen und die komplette Flüssigkeit wieder verkochen lassen. Kolokasistücke zugeben.
  • Tomaten, Tomatenmark und Wasser zugeben. Mit Paprika und Chili würzen und bei geschlossenem Deckel sanft köcheln lassen, bis die Kolokasi weich sind. Die Garzeit ist wohl sehr unterschiedlich, deshalb an dieser Stelle keine Zeitangabe.
  • Schließlich Selleriegrün noch kurz mitgaren lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Hier auch noch Marinas Bulgurrezept, das ich ganz sicher bei passender Gelegenheit wieder mal zubereiten werde:

Bulgur mit Vermicelli

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Zutaten

  • 2 Zwiebeln
  • neutrales Öl
  • etwas Wasser
  • Vermicelli
  • Bulgur und Wasser im Verhältnis 1:2
  • Salz

Zubereitung

  • Zwiebeln fein würfeln und in Öl goldgelb anschwitzen. Mit etwas Wasser ablöschen und die Flüssigkeit einkochen lassen.
  • Vermicelli (einen guten Esslöffel in etwa), Bulgur und Wasser (etwa eine Tasse Bulgur auf zwei Tassen Wasser) und etwas Salz zugeben. Kurz aufkochen lassen.
  • Ein Küchenhandtuch über den Topf legen und diesen mit dem Deckel verschließen. Hitze abschalten und Bulgur mit der Resthitze des Schmortopfs garen lassen. Eventuell am Ende nachsalzen.

Wir aßen anschließend zusammen. Und es wurde reichlich geredet und gelacht. Ein herrlicher Besuch war das!

Marina erzählte auch einiges über typisch zypriotische Lebensmittel, ließ uns Süßigkeiten probieren und weihte uns in die Geheimnisse des zypriotischen Kaffees (der ja eigentlich ein türkischer Mokka ist, aber psssst!) ein.

Als wir sie verließen, versprachen wir uns gegenseitig, in Kontakt zu bleiben.

Anschließend ging es nach Agía Nápa, wo bis zum Capo Greco ein Küstenabschnitt mit allerlei bizarren Felsformationen und Höhlen zu besichtigen war. Und ein Window sollte es gleich noch obendrauf geben. Am Ende entdeckten wir gar zwei. Und ich bin sicher, da gibt es noch mehr.

In der Luft lag nach wie vor der dämliche Wüstensand, sodass die Fotos alle irgendwie diesig wirken. Muss man ignorieren.

Am Capo Greco musste natürlich noch die obligatorische Reiseführer-Kapelle Agioi Anargyroi fotografiert werden:

Am Parkplatz daneben stand ein Erfrischungswagen mit einem sehr lustigen Schild davor:

Wir stiegen der Vollständigkeit halber noch in die Höhle hinab, die aber ein wenig überfüllt war. Anschließend gelang es mir trotz Problemen mit meinem Reiseobjektiv ein paar Eidechsenfotos zu machen. Die Viecher lagen überall sonnenbadend auf den warmen Felsen am Meer herum. Was für ein Leben!

Weiter ging es an die Green Bay und schließlich zur Grenze kurz vor Famagusta. Wir liefen ein wenig im Niemandsland herum. In einem Privathaus bot jemand gegen Bezahlung als Aussichtspunkt seine Wohnung mit Blick auf Famagusta bzw. Varosha an. Wir ließen es.

Zurück ging es nach Larnaca, wo wir pünktlich zum Sonnenuntergang am Salzsee eintrafen. Die Flamingos mussten kurz vor unserer Anreise abgereist sein. Schade.

Immerhin war die Moschee Hala Sultan Tekke noch da, wo sie hingehört. Zitat Reiseführer: „Die Moschee am Südwestufer des Salzsees ist das wichtigste muslimische Heiligtum Zyperns.  Hala Sultan (oder Umm Haram, wie die Tante des Propheten auf Arabisch heißt) soll 647 mit der arabischen Invasion nach Zypern gekommen und hier nach einem Sturz vom Maultier verstorben sein.“

Hätte sie heute noch gelebt, wäre sie sicher einem Sturz über eine der zahllosen herrenlosen Katzen zum Opfer gefallen, die den Platz vor der Moschee „bewohnen“ und die von Touristen fleißig gefüttert werden. Der Anblick war ein wenig verstörend. So eine Art Mischung aus Markusplatz in Venedig und Hitchcocks „Die Vögel“ – nur halt mit Katzen.

Die Sonne ging über dem Salzsee unter. Ich turnte am schlammigen Ufer herum, wo mich prompt eine Stechmücke erwischte. Verdammt! Leider blieb es nicht dabei. Vermutlich hat sie mich markiert oder war uns gefolgt.

In der Nacht – wir hatten an diesem Abend auf weitere Nahrungsaufnahme verzichtet – fiel sie über mich her. Komplett willenlos und wie im Rausch. Sie zerstach meinen kompletten Nackenbereich (der Gatte zählte morgens neun Stiche!). Was genau sie so aggressiv und gierig gemacht hatte, ließ sich schlecht nachvollziehen.

Ich liege aber sicher nicht ganz falsch, wenn ich zumindest eine Teilschuld daran bei den Herren Jogi Löw und Béla Réthy sehe.

Während wir uns bäuchlings im Bett das Versagen der deutschen Gurkentruppe anschauten, muss sie wahrscheinlich – vom Licht des Tablets angelockt – durch Réthys Gequatsche in einen wahren Blutrausch geraten und wie eine ausgehungerte Straßenkatze über mich hergefallen sein. Danke auch!

Der Gatte kam mal wieder ungeschoren davon. Und ich saß mitten in der Nacht auf dem Balkon und entdeckte, dass die Müllabfuhr um etwa 2:30 Uhr ihr Werk verrichtete. Und dass ich meine Cortisonsalbe vergessen hatte. Andererseits hätte sie mir zu diesem Zeitpunkt auch nichts genützt, weil ich an die Stellen, die wie verrückt juckten, ohne fremde Hilfe eh nicht heran kam.

Ich kehrte ins Bett zurück. Ruhe kehrte erst ein, als ich das monotone Summen direkt über meinem Gesicht wahrnahm und mir selbst ordentlich eine flatschte. Danach blieb es still. Ich musste das Vieh erwischt haben.

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