Sunday, 14. june 2009
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Heute haben wir den "Gemeinen Nagekäfer" nach Hessen eingeführt. In einem Schrank. In einem sehr alten Schrank, der mir schon vor Jahren versprochen wurde für
den Fall, dass ich jemals Platz dafür haben würde. Nun ist der Platz da. Meine Mutter hatte den Schrank in den letzten zwanzig Jahren als Wäscheschrank genutzt und - nachdem ich Bedarf angemeldet
hatte - vor Monaten schon einer gründlichen Untersuchung unterzogen.
Das Ergebnis war, dass in dem Ding der Holzwurm nagt. Also wurde mein Vater beauftragt, ein geeignetes Gift zu beschaffen. Der Schrank wurde damit mehrfach eingepinselt, das Gift wurde
von meiner Altenpflegerinnen-Mutter fachgerecht in die Wurmlöcher injiziert. Das Problem schien
gelöst.
Bis meine Mutter gestern beim Ausräumen total entsetzt auf neue Löcher in der Schublade stieß. Der verdammte Nager hatte sich aus den verseuchten Teilen des Schranks in die einzig unbeachtete Zone
zurückgezogen. Schlau - der Wurm! Panik brach aus. "Wollt ihr ihn trotzdem?!" Natürlich wollten wir ihn! In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde der
Holzwurm nochmals einer intensiven Behandlung mit der chemischen Keule unterzogen. Meine Mutter sah ihn bereits unser gesamtes (Holz-)Haus genüsslich zernagen und kleisterte und spritzte wie eine
Besessene das Gift in jeden Winkel. Wir werden ihn trotzdem im Auge behalten müssen. Verdammte Natur!
Das war aber nicht das letzte Problem, das wir mit besagtem Schrank am heutigen Tag hatten. Das Teil musste raus aus der elterlichen Ankleide, durch ein nadelöhrartiges Treppenhaus in den Hof und
schließlich über diesen in den gemieteten Kleinlaster bugsiert werden. Max wurde bereits im Morgengrauen sehr zu seinem Unwillen zum Schleppen rekrutiert. Ohne seinen jugendlichen Kraftüberschuss
hätten wir gleich zu Beginn der Aktion aufgeben können.
Die erste Hürde war die Tür der Ankleide. Die Oberkante der Zarge war nämlich niedriger als der Schrank. Also kam nur "irgendwie kippen" in Frage. Mit der zweiten Strategie lagen wir richtig. In
Millimeterarbeit schoben wir den Schrank durch die Tür. Hervorragend! - und einfacher als erwartet. Doch dann kam es, wie es kommen musste: Auf dem Treppenabsatz zwischen erstem Stock und
Erdgeschoss blieben wir stecken. Wir schoben hin, wir schoben her, kippten dort ein wenig und schoben da - es nutzte alles nichts. Hier kamen wir nicht weiter.
Es blieb also nur eine Möglichkeit: Quer durch Flur, Esszimmer und Wohnzimmer zum Balkon. Und dann abseilen. Es wurde eine Leiter aufgestellt, auf der der Schrank geschmeidig herabgleiten sollte.
Zumindest war das der Plan. Die Türen wurden verklebt. Es entstand eine recht langwierige Diskussion darüber, wie genau die Seile am Schrank befestigt werden sollten, um diesen möglichst
unbeschadet und ohne Blutverlust der Beteiligten in den Garten zu befördern.
Am Ende seilte Max ab und der Bauherr und ich nahmen den Schrank unten in Empfang. Da war allerdings zumindest auf meiner Seite eine Menge Angstschweiß geflossen, bis das Ding endlich auf dem Rasen stand. Ich bekreuzigte mich ungefähr tausendmal vor Erleichterung.
Das Verladen der Waschmaschine, des Trockners und der restlichen Möbel war dagegen ein Kinderspiel. Körperlich zwar nicht, aber nervlich! Schließlich waren wir wieder auf der Autobahn. Und bis auf
eine kleine Pause mit einem "Snack" zu einem wahrlich horrenden Preis (z.B. Currywurst mit Brötchen für sage und schreibe vier Euronen!) kamen wir zügig voran. Am Haus wurde der Lkw entladen, Max
zog sich auf sein Sofa zurück und ich bestand auf Bestückung meines geliebten Schranks. Schließlich soll die Belagerung der Küche nun auch endlich ein Ende nehmen. Beglückt räumte ich Glas
um Glas, Teller um Teller und Melitta-Kanne um Melitta-Kanne ein. Das Ergebnis erfüllte alle meine Erwartungen.
Währenddessen staubte der Bauherr seine beiden Ledersessel, die im Wohnzimmer ihren Platz finden sollen, ab und rieb sie mit Lederpflegespray, das ich extra zu diesem Behülfe erstanden hatte, ab.
Am Ende sahen sie fast aus wie neu. Und Max, der als Claqueur von seinem Sofa gelockt worden war, wollte gar nicht mehr raus aus "seinem" Sessel.
Das Tagwerk war vollbracht. Es ging wieder im Laster zurück zur Autovermietung. Die Trucker-Stimmung fand ein jähes Ende. Fast ein wenig schade...
"Trailers for sale or rent
Rooms to let...fifty cents.
No phone, no pool, no pets
I ain't got no cigarettes
Ah, but..two hours of pushin' broom
Buys an eight by twelve four-bit room
I'm a man of means by no means
King of the road." - Michael-Stipe-Version
von MrsFlax
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veröffentlicht in: Hausbau
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