Unverhofft wurde uns ein baufreier Tag beschert. Lubor meinte, wir könnten erst morgen mit der Grundierung und dem Kalkputz anfangen, weil er den heutigen Tag noch komplett fürs Schleifen und den zweiten Spachtelgang brauche. Prima! Ein echter Urlaubstag also.
Verdorben wurde er allerdings bereits in aller Frühe durch die Mitteilung, dass ich mittags für Abdrücke beim Zahnarzt vorbeikommen möge. Die Angst war – mal wieder… – größer als sie hätte sein müssen. Er hat überhaupt nicht gebohrt! Klar. Ging ja auch nur um Abdrücke…
Ansonsten habe ich mir heute Abend noch kurz ein Bild über den Baufortschritt verschafft. Die Malerarbeiten an der Fassade sind beendet. Die Jungs haben gleichzeitig auch noch den Dachüberstand und die Fenstereinfassungen auf der Südseite ein weiteres Mal lasiert. Meine zweitgrößte Angst des Tages – die vor der seit Tagen angekündigten Regenfront, die am Ende noch die Außenputzarbeiten zunichte machen würde – erwies sich ebenfalls als größtenteils unbegründet. Wieviele Tropfen waren es? Vier? Fünf? Der blöde graue Himmel hätte sich für die Fotos allerdings mal kurz auflockern können.
Die Fassade sieht super aus. Das Grau ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Der dunkelgraue Sockel sieht auch prima aus. Und: Die Folien sind weg! Es flattert nichts mehr und es kann wieder nach Herzenslust gelüftet werden. Jetzt muss nur noch das blöde Gerüst weg, damit man endlich mal freien Blick auf die Fassade hat.
Lubors Spachteleien sind fast im gesamten OG beendet. Es fehlen nur Max‘ Zimmerdecke und die schwer zugänglichen Stellen im Treppenhaus und im Luftraum. Die Spachtelarbeiten im EG werden wesentlich weniger zeitaufwendig sein, da dort ja keine Decken zu verspachteln sind – außer der Würfeldecke.
Weiterhin fand im Laufe des Tages die CM-Messung des Parkettmanns statt. Die Ergebnisse befanden sich auf einer Wand im Gästezimmer. Ein anschließendes Telefonat ergab, dass der bestellte Boden allerdings erst in eineinhalb Wochen geliefert werden wird. Noch eine Verzögerung also… Zusätzlich müsse der Estrich grundiert werden, wodurch mal wieder ein unerwarteter Aufpreis fällig wird. Die Aufpreise treiben mich noch in den Wahnsinn!
Dafür meldete sich heute mittag die Spedition mit einer erfreulicheren Nachricht. Die Fliesen für die Bäder werden am kommenden Dienstag geliefert. Das passt nun wieder super in den Zeitplan.
Von Ikea gab es bisher keinerlei Reaktion auf meine Mail von gestern. Mal sehen, wie lange sie sich totstellen. Frechheit! Liest du noch oder ignorierst du schon?

Schade, dass ich mir den Kilometerstand von heute morgen nicht notiert habe. Irgendwie kommt es mir vor, als ob ich den gesamten Tag im Auto verbracht hätte. Und zwischendurch musste ich immer mal kurz einen Zwischenstopp in der heimischen Sanitärabteilung einlegen, da mich der Max-Magen-Darm-Virus nun auch erwischt zu haben scheint. Aber auf solche Nebensächlichkeiten kann eine Bauherrin von echtem Schrot und Korn natürlich keine Rücksicht nehmen. Der Kronprinz hatte die gesamte vergangene Woche deshalb sterbend auf dem Sofa verbracht. Verdammtes Y-Chromosom, das immer dafür sorgt, dass Krankheiten stets einen wesentlich übleren Verlauf nehmen! Wie ungerecht das doch ist!
Zuerst ging es heute morgen zu Ikea nach Wallau. Laut Ankündigung auf deren Internetseite gab es heute als „Tagesangebot“ den von Max bereits seit Monaten begehrlich umschlichenen Sessel namens Poäng für EUR 20,90 statt der regulären EUR 50,-. Da quälte sich sogar der Herr selbst frühzeitig aus dem Bett. Leider völlig umsonst, wie sich kurz darauf herausstellen sollte.
Von einem entsprechenden „Tagesangebot“ hatte dort keiner der befragten Mitarbeiter je etwas gehört, man erklärte mir jedoch, der Sessel sei tatsächlich reduziert – allerdings bereits seit Wochen – für EUR 29,90 erhältlich. Gut. Das hätte man noch verkraften können und man reist ja auch ungern umsonst an. Dumm nur, dass der nicht sehr freundliche Herr im Lager uns auf nicht sehr freundliche Art und Weise mitteilte, dass das Ding ein Auslaufmodell gewesen und bereits seit einiger Zeit ausverkauft sei. Demonstrativ riss er das Preisschildchen vor unseren Augen vom Regal. Na, danke!
Wir zogen also unverrichteter Dinge wieder ab. Zusätzlich zweifelte ich wechselweise an meinem Verstand und an meiner Sehkraft, war ich doch absolut sicher, dass das blöde Ding speziell für heute so stark reduziert worden war. War es auch, wie man sieht. Beim nächsten Zwischenstopp zu Hause setzte ich erstmal eine Mail an Ikea ab. Das erleichtert enorm – auch wenn es nichts bringt.
Von Wallau ging es dann erstmal zu Beyer Baustoffe nach Hechtsheim, um die Putzkanten für die Bäder zu besorgen. Die Aktion verlief problemlos. Wie immer. Hervorragend! Anschließend begaben wir uns zum Imbiss am Hagebau, um die von Herrn Max vehement eingeforderte Currywurst mit Pommes zu besorgen. Seine Fressgier hat sich seit der Magen-Darm-Grippe stark gesteigert. Die verlorenen Kilos müssen wohl unbedingt innerhalb kürzester Zeit wieder aufgespeckt werden.
Nach ein paar weiteren Erledigungen (u.a. war auch die zweite Tapetenlieferung eingetroffen) machte ich mich schließlich auf den Weg zum Haus. Als ich um die Ecke bog, konnte ich es kaum fassen. Ein Firmenfahrzeug unseres Wiesbadener Elektrikers stand direkt vor der Tür! Er lebt! Und ich hatte mir schon solche Sorgen gemacht…
Er lebte nicht nur, er arbeitete sogar. Hammer! Als ich einen Blick in den Technikraum warf, sah ich, dass er gerade den Zähler montiert hatte. Im Geiste öffnete ich bereits eine Magnum-Flasche Champagner, um diesen Anblick gebührend zu feiern. Er war sehr freundlich – fast schon unterwürfig – und ich überlegte, wie sehr Tom wohl nach der Baubesprechung auf den Putz gehauen hatte. Nicht zu knapp, wie es schien.
Im Obergeschoss erwartete mich der nächste erfreuliche Anblick: Spachteleien soweit das Auge reichte! Und eine Wand schöner als die andere. Und vor allem tausendmal schöner als die schönste von meinen. Das geht richtig voran. Schlagartig wird mir klar, weshalb das Knauf-Zeugs UniFLOTT heißt. Möglicherweise können wir wirklich morgen abend bereits mit dem Kalkputz loslegen. Fotos vom Fortschritt in „Spachteleien“. Wie man sieht, wurden auch die letzten Spuren meiner grauenerregenden und rigipsverachtenden Trockenbau-Schändungen in Ankleide und Bad beseitigt.
Immerhin weiß ich schon, was der Bauherr sagen wird, wenn er die Fotos sieht. Seine Worte werden exakt diese sein: „Siehst du, so hab‘ ich dir gesagt, muss das aussehen. Warum hörst du auch nicht?“ Oder jedenfalls sehr ähnlich. 

Das war nicht gerade ein schweißtreibender Tag. Jedenfalls nicht für uns. Eigentlich wollte sich der Bauherr in aller Frühe mit unserem schludrigen Trockenbauer Wolf von Wolf & Wolf treffen, um den diesem überlassenen Bauschlüssel in Empfang zu nehmen. Telefonisch war er jedoch nicht zu erreichen – das schlechte Gewissen? -, um einen genauen Termin zu vereinbaren. So hinterließ der Bauherr auf der wolfigen Mailbox eine Nachricht, dass unser stümperhafter Freund den Schlüssel doch bitte unter unserer verbogenen Bautür durchschieben möge.
Mit Lubor wollten wir uns dann später treffen, um diesem den Schlüssel auszuhändigen, damit er morgen gleich in aller Frühe mit professionellerem Gespachtel als dem meinen loslegen kann. Die Gipskartons freuen sich bestimmt schon auf ihn und sind heilfroh, damit meinen Mißhandlungen zu entkommen.
Ebenfalls heute morgen erreichte uns eine Mail von Tom-yes-we-carpenters-can-carve-front-doors mit der Zeichnung und den Preisangaben für unsere schöne, rote Tür. Das ging ja mal flott. Sofort wurde die Freigabe erteilt. Jetzt ist das Ding bereits in der Fertigung.
Die Mail war gerade beantwortet, als es an der Tür klingelte und der GLS-Mann mir die Fototapete für die Küche überreichte. Der gemeine Bauherr verbot mir, die verschweißte Tapetenrolle zu öffnen. Verdammt! Da wartet man ewig und dann darf man sich das Prachtstück nicht mal genau anschauen! Na gut… So lange hat es auch nicht gedauert…
Die Tapete (Motiv -> Klick!) ist 160 cm hoch und 241 cm breit und besteht aus sechs Bahnen. Was ich durch die Verpackung sehen konnte, sah wirklich gut aus. Die Farben sind gelungen und die Tapete scheint qualitativ (Vliestapete) auch in Ordnung zu sein. Der ganze Spaß hat jetzt inklusive MwSt. und Versand knapp EUR 120,- gekostet. Bestellt habe ich bei „Juicywalls“, gedauert hat es genau 14 Tage, bis ich die Tapete in der Hand hatte. Nur blöd, dass ich sie morgen nicht gleich an die Wand kleben kann…
Als wir am frühen Nachmittag dann am Haus ankamen, um uns mit Lubor zu treffen, erwartete uns die nächste Überraschung: Die Verputzer waren vor Ort! Und das einen Tag VOR dem avisierten Termin. Das Haus war bereits komplett grau verputzt. Die Herren waren gerade mit dem Sockel beschäftigt. Fotos in „Außenputz“. Der Chef meinte, sie kämen am Donnerstag nochmals, um einen letzten Anstrich vorzunehmen. Anschließend kann dann das Gerüst weg. Endlich!
Der Wolf-Schlüssel lag tatsächlich im Haus. Der Herr hatte es wohl vorgezogen, uns nicht nochmals über den Weg zu laufen. Das war dann wohl das Ende einer wunderbaren Geschäftsbeziehung. O.k. – was soll’s? Er hat immerhin die ganzen schwierigen Stellen beplankt. Die Arbeit war nicht immer einwandfrei, aber er kam ja zum Nachbessern. Dafür war seine Firma wirklich extrem günstig. Deutlich günstiger als die anderen Angebote, die wir eingeholt hatten. Und er war stets wie abgesprochen zur Stelle und hat seine Arbeit erledigt. Vergessen wir mal den Komplettausfall seines Subunternehmers Wilhelm, ist es eigentlich im Rückblick ganz in Ordnung so.
Mit Lubor wurde vereinbart, dass ich morgen noch Putzwinkel für die Bäder besorge und vorbei bringe. Drängt ja nicht so wahnsinnig, da die spanischen Fliesen für die Bäder ja nach wie vor beim Spediteur lagern, der nicht so richtig in die Gänge kommt. Nächste Woche sollten sie kommen, damit wir nicht unnötig Zeit verlieren.
Lubor wird erst alle Wände und Decken spachteln und anschließend die bereits vorhandenen Fliesen in Küche, HWR und Eingangsbereich verlegen. Ich rechne es ihm übrigens hoch an, dass er sich beim Anblick meiner Uniflott-Schweinereien nicht stundenlang halb bewusstlos und hysterisch lachend auf dem Boden wälzte. Ich weiß so etwas zu schätzen und bin dank ihm nun wider Erwarten noch im Vollbesitz meiner Selbstachtung. Danke!

Jean Pütz hätte es in seiner Hobbythek nicht besser vormachen können. Wir haben heute Sensationelles im Bereich der Außenanlagen geleistet. Von den 20.000 Euronen, die der Wolfitekt angesetzt hatte, haben wir für die Verwirklichung unseres Gartentraums ganze zehn Euro gebraucht. Und auf die dafür erworbene Schaufel hätten wir notfalls auch verzichten können.
Nein, Rolf, wir haben auf dem Friedhof keine Blümchen geklaut, um sie Mutti zu Ostern zu schenken. Wir haben zwei Tuja-Pflanzen, die vom ehemaligen Besitzer auf den Kompost geworfen worden waren, nach Hause geschleppt. Wir haben ihnen quasi das Leben gerettet. Man könnte auch sagen: Wir haben Ihnen geholfen, eine Art österlicher Wiederauferstehung zu durchleben. Und heute haben wir sie eingepflanzt. Fertig ist die Gartenplanung!
Wir rechnen fest damit, demnächst auf ein paar Seiten in „Mein schöner Garten“ besprochen zu werden. Ich sehe den Text bereits vor Augen:
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„So viele Ideen, aber so wenig Platz – in kleinen Gärten finden sich auf wenigen Quadratmetern häufig umso mehr Pflanzen und Dekoration. Verständlich, doch aus gestalterischer Sicht ein Fauxpas, denn eine kleinteilige Gartengestaltung lässt den ohnehin begrenzten Raum noch enger wirken.
In einem nach römischen Vorbild angelegten Garten wie dem der Familie Flax aus dem herrlichen und vegetationsreichen Rheingau-Taunus-Kreis gelingt es in hervorragender Weise, vom begrenzten Raumangebot durch die symmetrische Gestaltung und die klare Linienführung abzulenken: Die beiden Lebensbäume lenken den Blick über die Terrasse zum Baumüllhaufen. Die in ihrer Gestaltung an den Limes angelehnten Schotterwallanlagen verstärken diesen ‚Tunnelblick‘ noch, der Garten gewinnt an Tiefe.
Die Tuja-Pflanzen haben aber noch eine zweite Funktion: Sie verstellen den Blick auf den dahinter liegenden Sitzplatz der Bauherrin auf einer Gerüstquerstange. Dadurch wird ein neuer Gartenraum geschaffen und die Neugierde des Betrachters geweckt, was sich wohl dahinter verbergen mag. Auch die zweite Sichtachse, also die gedachte Linie, welche die beiden Hausecken links und rechts der Bepflanzung verbindet, wird durch das Baumüllrondell unterbrochen. Schaumglasschotter und Aushubreste wirken als Bodenbelag großzügig und elegant.
Die beiden leeren, wie zufällig platzierten ‚Krombacher-alkoholfrei‘-Flaschen an der Terrassentür (sichtbar aus dieser Perspektive -> Klick!) unterstützen nicht nur die Symmetrie der Gartenanlage, sie erschließen zudem neuen Raum auf der Fensterbank und verleihen dem gesamten Arrangement ein sommerlich-leichtes Flair.“

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Jetzt haben wir fast ein wenig Hemmungen, die zwei weiteren, im Mainzer Innenhof noch auf ihren Einsatz wartenden Tuja-Pflanzen und die drei Buchskugeln ebenfalls zu pflanzen. Möglicherweise wirkt die eigentlich perfekte Anlage dann überladen und protzig. Wir werden noch einmal darüber nachdenken müssen…
Außer stundenlang kichernd in der Sonne sitzend unseren Pflanzerfolg zu bestaunen, konnten wir uns anschließend zumindest noch dazu aufraffen, im gesamten Erdgeschoss die Bewehrungsstreifen aufzukleben. Spart morgen Lubor vielleicht ein wenig Zeit. Beim Verlassen des Hauses wunderte ich mich zum wiederholten Male darüber, dass ein Ziegel direkt vor der Tür lag. Diesmal hob ich ihn hoch. Darunter fanden sich überraschenderweise zwei Kataloge des Elektrikers. Er war also anscheinend irgendwann da gewesen, hatte das Prospektmaterial abgelegt und war wieder verschwunden.
Bei einer kurzen Durchsicht stellten wir fest, dass unsere Berkers dreimal soviel kosten wie das Standardmodell. Im ebenfalls vorgefundenen Busch-Jaeger-Katalog lagen einige recht hübsche Schalter auch deutlich unter unserem Wunsch-Modell-Preis. Andererseits haben wir natürlich enorm viel Geld bei der Gartenplanung gespart, wenn wir alles so lassen, wie es jetzt ist.    

Eigentlich gibt es wenig zu berichten. Deshalb berichte ich auch wenig. Außer zweimaligem Lüften ruhte heute der Baubetrieb. Gegen Mittag brachen wir zum Haus auf – der Bauherr mit dem Rad, der bauherrschaftliche Kronprinz et moi mit dem Auto.
Nach dem ersten Lüften ging es auf die A3 zum Familien-Osterfest. Fazit des Tages: Tapeten sind der Hammer und können Räume total verändern. Ich bin immer noch völlig platt ob des Effekts. Wahnsinn!
Nach Grillen, Tujas aus dem Friedhofskompost fischen und Kaffee trinken ging es zurück zum zweiten Lüften und anschließend nach Hause.
Spätestens jetzt wird jeder einsehen: Es gibt keine Bauneuigkeiten und somit auch keinen Baublog am heutigen Tag. So ist das nun mal. Dafür bearbeite ich jetzt noch ein paar Fotos. Und das war es dann. Ich hoffe, alle hatten ein ähnlich angenehmes Osterfest wie wir.