So. Feiertage erstmal vorbei. Ergebnis: eine katastrophale Laufform. Das ging ja heute mal gar nicht. Sorry, Heike! Wird wieder besser. Versprochen! Vielleicht werde ich auch irgendwie krank, obwohl mir das nun gerade gar nicht passt. Aber wann passt das schon?
Morgen geht es wieder auf der Baustelle weiter. Der Bauherr war Schrauben shoppen, und so können wir wieder loslegen. Wir könnten es mal mit Decke beplanken versuchen. Die Bäder müssen auch noch „begrünt“ werden. An den Feuchtraumplatten haben wir uns bisher noch nicht versucht.
Für Sonntag hat sich Besichtigungsbesuch angekündigt. Meine Schwester, mein Schwager und mein herzallerliebster Neffe wollen mal vorbeischauen. Dank der Leiter kann man sich ja jetzt auch überall ohne waghalsige Gerüstbesteigungen umsehen. Eine Gerüstbesteigung, wie ich sie beispielsweise für das heutige Foto riskiert habe.
Der Bauherr runzelt sorgenvoll die Stirn ob der Wettervorhersagen der nächsten Tage. Die globale Erwärmung scheint irgendwie nicht zu funktionieren. Aber den Kampf gegen die Klimakatastrophe hat unsere herrliche Kanzlerin ja sowieso zugunsten der Arbeitsplatzsicherheit vertagt. Der Bauherr sieht bereits mehrere Kernkraftwerke ans Netz gehen, um den Strombedarf seiner Wärmepumpe zu befriedigen. Dabei hatte er eigentlich geplant, den Bauunternehmer auf die von diesem prophezeiten Verbrauchswerte festzunageln. Für eventuelle Überschreitungen gab es den besonders perfiden Plan, diesen den zusätzlichen Bedarf auf einem Fahrrad-Ergometer erstrampeln zu lassen. Bei den prognostizierten Minusgraden der nächsten Tage wird aber selbst das ca. 200köpfige Tour-de-France-Peloton nicht ausreichen, um die erforderliche Energiemenge aufzubringen. Auch nicht mit Riisscher „Motivation“ oder Fuentesschen „Trainingsplänen“. Um mit Morrissey zu sprechen: „Come, Armageddon, come!“

Nachdem wir MaxFlax von seiner Silvesterparty in einer rheinhessischen Metropole angeholt hatten, beschlossen wir, die prekären Straßenverhältnisse als Vorwand zu nutzen, heute nicht nach Hessen zu fahren. Stattdessen beschäftigten wir uns intensiv mit der Badplanung auf Millimeterpapier. Jetzt ist – was längst hätte passieren sollen – endlich klar, an welchen Stellen welche Fliesen die Badwände verschönern sollen. Wieder eine Entscheidung abgehakt!
Vorher und nachher befassten wir uns mit Nahrungszubereitung, Nahrungsaufnahme, Entspannungseinheiten und Skispringen („Maddiiiiiiiiiin!!!! Ziiiiiiiiieh!“). Ich hab’s ja immer gesagt: Der Maddin, der kommt nochmal zurück! Hätte natürlich heute deutlich besser laufen können, aber wer (außer mir natürlich!) hätte überhaupt mit dem momentanen Ist-Zustand gerechnet? Genau! Niemand!
Ein bißchen wehmütig wurde ich in der vergangenen Nacht schon. Schließlich ist das unweigerlich mein letzter rheinland-pfälzischer Jahreswechsel. Ich habe zwar den Wohnort gewechselt, aber bisher nie das Bundesland. Nie wieder kann ich dann gemeine Sprüche über „die schepp‘ Seit'“ machen. Menno! Bei der kurz bevorstehenden hessischen Wahl werde ich allerdings – leider! – noch nicht stimmberechtigt sein. Aber was soll’s? Schon bei Loriot fiel es mir schwer, mich sympathietechnisch zwischen Herrn Dr. Kloebner und Herrn Müller-Lüdenscheid zu entscheiden. Störend wirkt nur diese nervig-profilneurotische Metzgerin aus Darmstadt, die es einem leicht macht, nachzuvollziehen, was Sokrates unter seiner Gattin zu erleiden hatte. Oder was Bach empfand, als seine Frau Tortenuntersetzer aus seinen Partituren schnitt. Letztendlich auch nur ein weiterer Beleg für Marx‘ Beobachtung, dass sich Geschichte immer zweimal ereignet: einmal als Tragödie und einmal als Farce.
Ach…  ‚Dann lassen Sie Hessen in Gottes Namen zu Wasser!‘ – auch ohne meine Zustimmung!

Während der Bauherr auf dem Sofa zu den Klängen von Frank Sinatra mit Big Band in der Royal Festival Hall (Gruß an Heike & Dominic!) auf 3sat überlegt, wie man die Neujahrsansprache der Kanzlerin am besten vergessen kann, hier kurz die Tageszusammenfassung:
Mit der tollen neuen Leiter („Stairway to Heaven“) haben wir heute das Obergeschoss erobert und einer gründlichen Beplankung unterzogen. In Schlaf-, Kinder-, Gäste- und Ankleidezimmer wurde jeweils die rigipsfähige Wand bearbeitet. Im Prinzip sind wir bis auf die Dachschrägen und die Bäder durch. Ergebnis: Muskelkater in jeder Armmuskelfaser. Die werden beim Laufen ja bekanntlich etwas wenig beansprucht und sind bei mir dementsprechend verkümmert. Der Bauherr, der ja eine verlozipedische Fortbewegung bevorzugt, ist da etwas im Vorteil.
Die Nachbarn hat heute offensichtlich das schlechte Gewissen geplagt und sie haben ihre Auffahrt freigeräumt, damit zumindest eines ihrer Autos dort Platz findet. Das wurde dann auch zwischendurch umgeparkt, so dass wir wenigstens nach Beendigung der Arbeiten nicht das Werkzeug wieder kilometerweit zum Auto schleppen mussten.
Und jetzt Schluss! Morgen mehr.
Guten Rutsch & nur das Beste für 2009!
All is quiet on New Year’s Day
A world in white gets underway
I want to be with you, be with you night and day
Nothing changes on New Year’s Day
On New Year’s Day
– U2 (Ja… Ich weiß… Damals… Als ich noch jung und U2 noch irgendwie gut war/en… Schade, Bono, du St.-Moritz-Kanzlerinnen-Kasper…)

Das Großereignis des Tages war die Ankunft der Leiter, deren Anlieferung von mir per Onlinetracking vom Büro aus nervös verfolgt wurde. Um 13:17 Uhr konnte der Bauherr, der sich heute endgültig vom Krankenlager erhoben hatte, sie dann endlich in Empfang nehmen.
Allerdings erst nachdem er
den weiten und extrem entbehrungsreichen Fußweg zum Haus erfolgreich zurückgelegt hatte, der nur deshalb nötig ist, weil unsere netten Nachbarn von gegenüber permanent die beiden Stellplätze vor unserer Tür zuparken. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, wenn über ihre eigenen Stellplätze ein Sammelsurium aus defekten Planschbecken, Mülltonnen, einer bunten Auswahl an Baustoffresten und der Kinderfuhrpark verteilt ist? Ein wenig Ordnung zu schaffen scheint deutlich mehr Überwindung zu kosten, als uns auf kindische Art und Weise seit Wochen nach dem Motto „Wenn ich mir die Augen zuhalte, sieht der Andere mich auch nicht. Trallalala….“ auszublenden. Wer sind wir auch schon? Dahergelaufene Kretins, die frecherweise ein Haus auf ihren per Gewohnheitsrecht mühsam ersessenen  Privatparkplätzen abzustellen wagten! Unverschämtheit!
Zurück zum Thema: Der Bauherr in Aktion! Wo er nun schon einmal halbwegs genesen und gerade vor Ort war, beschäftigte er sich noch eine Weile damit, auf möglichst originelle Weise tschechische Dämmstoffmattenproduzenten zu verfluchen, sich selbst zu hassen, weil er nicht im Besitz des elektrischen Fuchsschwanzes „Alligator“ der Firma Bosch ist, und eine Reihe von Dämmstoffmatten in die bislang ungedämmten Stellen der Innenwände (Stichwort ‚Zwischensparrendämmung‘) zu stopfen. Dort werden sie laut Homepage der Firma „Homatherm“, des deutschen Mitbewerbers unseres tschechischen Herstellers, für „Bauschadenprophylaxe“ und „Wohngesundheit“ verantwortlich sein. Wow! Große Worte! Fast genauso groß(artig) ist allerdings das cineastische Highlight der Seite: „Klemmverarbeitung an der Wand“. Oscarverdächtig besonders das wahnsinnig witzige und überraschende Ende.
Nachdem auch mein Arbeitstag irgendwann vorbei war, und auch der Hausherr sein Tagwerk beendet hatte, gab es noch eine kleine Internet-Sichtungsrunde von Innentüren-, Haustür- und Türgriffdesigns, die allerdings irgendwann von MrFlax entnervt abgebrochen wurde, da ich heute wohl „etwas zu albern sei“. Naja… – nach einem Jahresultimo mit nervigen Kunden, am Rad drehenden Kollegen und einem vergessenen Mittagessen wird man ja wohl noch selbst mal ein bißchen überschnappen dürfen. Kein guter Zeitpunkt für wichtige Entscheidungen allerdings. Das Sightseeing in Bauelement City wurde deshalb kurzfristig abgesagt. Bis morgen sollte ich mich erfahrungsgemäß wieder etwas beruhigt und zumindest „das irre Lachen“ unter Kontrolle gebracht haben. Ob Rotwein die Sache schlimmer macht? Oder vielleicht eine beruhigende Wirkung haben könnte? Ich müsste dann nämlich wieder in der Lage sein, ernsthaft und konzentriert die Rigipsarbeiten im OG fortzusetzen. Kommt wahrscheinlich auf die Dosis an. Da hilft wohl nur eins: Selbstversuch! Prost!
Give me little time, help me clear up my mind
Give me little time, help me clear up my mind
Give me red wine because it makes me feel fine
Makes me feel fine all the time
– Neil Diamond

Nachdem ich gerade Herrn Gärtner Pötschke („Das Gärtnerleben ist gar schön, ich glaub‘, gleich krieg‘ ich einen Fön“) einigermaßen verdaut bzw. verdrängt habe, finde ich heute den vor ca. drei Monaten georderten Ahrens+Sieberz-Katalog im Briefkasten. Respekt! Da tragen die angebotenen Obstgehölze sicher schneller Früchte als der Katalog bis zum potentiellen Kunden braucht.
Diesmal gibt es keine lustigen Sprüche. Fast enttäuscht blättere ich durch. Nochmal durch. Immer noch nichts. Menno! Dafür eröffnet sich das ganze Gruselkabinett der Genmanipulation vor mir. Fangen wir aber mal ganz von vorne an.
Gleich auf Seite 3 stoße ich auf die Goji-Beere ProVita, Untertitel „Die Dreifach-Sensation“. Die als „Wunder für Schönheit und Vitalität“ aus dem Himalaya angepriesene Neuheit 2009 ist angeblich sowohl „Gesundheits-„, als auch „Wuchs-„ und „Genuß-Sensation“ . Dass man Genuss seit geraumer Zeit mit Doppel-s schreibt ignorieren wir mal großzügig. Um eine „Orthographie-Sensation“ scheint es sich also wenigstens nicht zu handeln.  Als ich etwas von „4000 Prozent mehr Antioxidantien als eine Orange“ lese, wird mir bereits Angst und Bange.
Kann das wirklich gesund sein? Irgendwie auch ein ziemlich mieses Gegenbeispiel (also die Orange jetzt), wird doch bei Wikipedia als Hauptlieferant der – offensichtlich wissenschaftlich äußerst umstrittenen Antioxidantien – mit weitem Abstand Kaffee genannt. Orangen kommen nicht mal in die TopTen! Als ich lese, dass die obskuren Goji-Beeren einen Dünger benötigen, der „Asi-Bio“ heißt, wird es mir zu blöd und ich klappe den Katalog zu.
Was sehe ich auf der Umschlagrückseite? Die Vitalbeere – im weiteren Verlauf des sehr textlastigen Artikels auch China-Beere oder Wu-Wei-Zi-Frucht genannt – hat den Arbeitstitel „Die Beere der ewigen Jugend“. Bei dem Ehepaar mittleren Alters, das mit der Frucht zusammen abgebildet ist, scheint es jedenfalls wenig gebracht zu haben. Oder hat man nur das „Nachher“-Foto unterschlagen?
In die rechte obere Ecke der Seite hat man – wie zufällig – einen ausgerissen wirkenden Zeitungsschnipsel gesetzt, der laut Quellenangabe aus dem „Gong“, Ausgabe 52/04, stammen soll. Der „Gong“ also! Ist das nicht diese medizinische Fachzeitschrift? Genau! So muss es sein. Im genannten Artikel werden vier sehr witzige „Wissenschaftler“ zitiert: Professor Pink Lenn aus Hongkong, Dr. Michael Rützler, Internist und Forscher (?) in Cambridge, Dr. Silvia Reinhold, Wissenschaftlerin aus Amerika (!), und Dr. Andrew Chevalier, England. Muss man wirklich erwähnen, dass man von diesen Phantasie-Wissenschaftlern keinerlei sinnvolle google-Ergebnisse – zumindest keine, die nicht mit dem Gong-Artikel über die Wu-Wei-Zi-Beere zusammenhängen, findet? Was machen die beiden offensichtlich deutschstämmigen Dottores Rützler und Reinhold in Cambridge bzw. Amerika? Geblendet und wegen Verletzung des Berufsethos über die Grenze getrieben? Bei Dr. Chevalier reichte die Vorstellungskraft nicht mal mehr für eine Berufsbezeichnung, aber wenigstens klingt der Vorname irgendwie nach „England“. Vielleicht ist bereits sein Vater wegen Verbreitung unseriöser Studien vor Jahrzehnten aus Frankreich verbannt und auf die Insel geschickt worden? Klasse ist natürlich auch Il Professore Pink Lenn, der sicher der Züchter der in deutschen Discountern gerne vertriebenen „Pink Lady“-Äpfel ist.
Schauen wir aber mal, was die tolle Vitalbeere so kann:
durchblutungsfördernde und gefäßreinigende Wirkung
verbessertes Gehör
verbesserte Sehkraft
stärkere Potenz
aktiveres, klügeres Gehirn (waaaahhh… fies formuliert…)
Verjüngungskur für das gesamte Gefäßsystem
erfolgreiche Tinnitus-Behandlung
Förderung klaren, schnellen und präzisen Denkens
Verstärkung der geistigen Reflexe
Linderung von Hustenreiz
verdauungsfördernde Wirkung
Verminderung des Herzinfarkt- und Schlaganfallriskos
Stärkung von Leber und Galle
Oha! Da fragt man sich doch, warum niemand, der für die Produktzusammenstellung bei A+S zuständig ist, mal eine Handvoll von den Dingern eingeworfen, auf die „Verstärkung der geistigen Reflexe“ vertraut und sich dann mit Grauen von dem Früchtchen abgewandt hat. Oder hat er / sie etwa doch und die Wirkung war nicht wie versprochen? Und warum habe ich von diesem sensationellen asiatischen Fund bisher nichts gehört, obwohl der „Gong“-Artikel bereits aus 2004 stammt? Jahrtausende altes Geheimwissen, das durch eine kleine Indiskretion bei Ahrens+Sieberz nun an die Öffentlichkeit gelangt?
Eigentlich hatte ich noch mehr tolle Beispiele für schockierende Züchtungen, sagenhafte Superlativkonstruktionen und furchteinflößende Formulierungen angestrichen. Aber irgendwie hat mich die Feng-Shui… ääähhh… Dr.-Fu-Man-Chu… ääähhh… Jiu-Jitsu-Frucht jetzt total aus dem Konzept gebracht.
Hebe ich mir halt das „Paprikosi“-Bäumchen, die Riesen-Baum-Tomate „Grandiccio“ und die erste gelbe Geranie der Welt mit ihren lustigen Mutanten-Freunden riesenblütige Engelstrompete, Magnum-Himbeere „Pokusa“ und Raketenwacholder halt für den nächsten Tag auf, an dem ich eigentlich nichts zu berichten habe, weil der Gipskarton mich nicht mal aus der Ferne gesehen hat.
Aber eins noch, lieber Ahrens, lieber Sieberz: Ist es wirklich nötig, eine angeblich dekorative und nützliche Blühpflanze „Verpiss-Dich – der Schock für Nachbars Katze“ (Seite 41) zu nennen?! Milde stimmt mich dabei nur, dass ihr euch – etwa aus Versehen? – den widerlichen, aber neuerdings ziemlich beliebten Apostroph beim Nachbarsgenitiv verkniffen habt. Danke dafür!