… Es is bald widder gut,
Es Kätzje hot a Schwänzje
Es is bald widder gut,
Heile, heile Mausespeck
In hunnert Jahr is alles weg!“
– Ernst Neger
(ja, ich weiß, eigentlich nicht im Original, aber doch zumindest heute…)
Was war das wieder für ein Tag?! Heute morgen beim Anziehen, musste ich mir von Herrn Max bereits anhören: „Du kannst machen, was du willst – du riechst total nach Holz!“ Danke…
Von solchen Komplimenten bekommt man als Frau natürlich nie genug…
Kurz darauf – nachdem ich ihm erklärt hatte, wo das Auto steht – bekam ich dann folgendes zu hören: „Unter der Brücke? Bist du wahnsinnig?! Du weißt aber schon, dass die da alles zerlegen, was da länger als zwei Stunden steht? Letzthin haben sie einen ganzen Kran auseinandergenommen, der dort geparkt war…“ Meine Stimmung hellte sich dadurch natürlich immens auf. Ich sah bereits vor meinem inneren Auge das brave, unschuldige Puntili auf Ziegelsteine aufgebockt und seiner Reifen beraubt. Wie konnte ich es nur gestern Abend in einem Augenblick der Schwäche dort völlig schutzlos zurücklassen? Was bin ich nur für ein Mensch?!?!
Es stand also der Marsch durch die schunkelnde Menge und entlang der Rosenmontagszugs an. Auf meinem Weg bekam ich die ersten fünfzig Zugnummern zu sehen, an denen ich jedoch grußlos vorbeihetzte, weil es mich zu meinem vermeintlich geschändeten Auto trieb. Als ich dort ankam, war jedoch alles in bester Ordnung. Zumindest fehlten keine Teile, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigten oder auf den ersten Blick als fehlend zu erkennen gewesen wären. Umsonst geschwitzt!
Im Haus angekommen erreichte mich ein Anruf des Bauherrn, der seine Verspätung ankündigte, weil er noch auf der Suche nach Schraubennachschub und im ersten Baumarkt nicht fündig geworden war. Ich beschloss also, ein paar Dinge zu erledigen, die ich allein tun konnte. Außer Kaffee kochen waren das die Zuschnitte der letzten „Zinnen“ im Eingangsbereich und die Vervollständigung des Treppenpuzzles des Herrn Trockenbauers. Er hatte wohl einen Zuschnittversuch gestartet, der jämmerlich gescheitert war. Die offensichtlich aufgegebene Platte hatten wir am Samstag entsorgt.
Als der Bauherr dann eintraf, durfte er erstmal lustig drauflos schrauben.Weiter ging es im Technikraum mit der Doppel-GKB-Beplankung. Dann die Reste im HWR. Und schließlich stürzten wir uns mit letzter Kraft auf die OP-grüne GK-Beplankung im kleinen Bad. Und da war es auch bereits 21 Uhr und wir wären auf dem Zahnfleisch gegangen, wenn wir noch welches gehabt hätten.
Kurz vor Ende der Arbeiten erreichte mich ein Sohn-Anruf, in dem mir mitgeteilt wurde, dass er wohl aus Mitleid einen Spülversuch gestartet, diesen dann aber auf ca. der Hälfte des Weges nach dem ersten zerschmetterten Teller frustriert aufgegeben habe. Dazu muss man zwei Dinge wissen: Erstens leben wir wohl im letzten spülmaschinenfreien Haushalt Deutschlands und zweitens ist die Arbeitsteilung eigentlich so geregelt, dass ich spüle und der Herr Max abtrocknet. Nach längerem Nachdenken wurde mir klar, dass das wohl ein Fehler war. Da hilft für die Zukunft wohl nur eins: üben, üben, üben! Was soll’s? Der gute Wille zählt, und demnächst haben wir ja sowieso eine Spülmaschine.
Zum Feierabend gab es noch ein alkoholfreies Bier aus des Bauherrn Privatkasten und wir saßen einen Moment ausgepumpt zwischen Werkzeug und Dreck und wünschten uns nur noch, dass die Bauphase endlich hinter uns läge. Als das hr3-Programm unmenschlicherweise zu Fastnachts- und Schlagermusik überging, beschlossen wir, dass es Zeit war aufzubrechen. „Fiesta Mexicana“, „Anita“ und „Ich war noch niemals in New York“ hintereinander waren einfach zuviel. Und als dann die Hörer bei der Wahl zwischen „The people who grinned themselves to death“ von den Housemartins und diesem hinrissigen „Roten Pferd“ wählen sollten und sich für das Pferd entschieden, war es beschlossene Sache: Schluss für heute!
Auf dem Heimweg graute mir bereits vor der Parkplatzsuche – vor allem angesichts der Tatsache, dass ich einen vollen Müllsack im Kofferraum hatte, der in die Hausmülltonne sollte. Und den wollte ich ungern drei Kilometer zum Haus schleppen. Aber – Der Herrgott muss en Meenzer soi! – als ich gerade in meine Straße eingebogen war, fuhr jemand aus einer Parklücke direkt vor dem Haus heraus. Mit Wiesbadener Kennzeichen! Nie wieder werde ich schlecht über Wiesbadener reden. Niemals mehr! Jedenfalls nicht vor morgen…
Überflüssig zu erwähnen, dass ich eben in der Badewanne festgestellt habe, dass meine Knie und die kompletten Schienbeine in allen Farben des Regenbogens von ultraviolett bis infrarot leuchten, oder? Und die Rechnung, die der Bauherr heute vom Statiker für die erneute Zusendung der Unterlagen an unsere Freunde von der „Unteren Baubehörde“ erhalten hat, vergessen wir auch mal lieber. Ach! Und dass wir morgen nach der Arbeit weitermachen müssen, habe ich irgendwie auch vergessen zu erwähnen…
„Heile, heile Gänsje
Es is bald wieder gut,
Es Kätzje hat a Schwänzje
Es is bald wieder gut,
Heile heile Mausespeck
In hunnert Jahr is alles weg!“
   

Kurz und knapp (und sehr spät) heute: Ich bin fertig. Die Zwölf-Stunden-Trockenbau-Schicht hat mich total geschafft. Nur der Heimweg war fast noch schlimmer…
Erstmal aber zu unseren Heldentaten von heute: HWR, Technikraum und Küche sind OSB-beplankt. Die Küche ist komplett begipskartont. In Technikraum und HWR fehlt jeweils eine Wand – allerdings aus technischen Gründen. Die HWR-Wand muss wegen eines fetten Wasserrohrs an einer Stelle umgebaut werden.
O.k. – die fehlende GK-Wand im Technikraum ist auf völlige Erschöpfung unsererseits zurückzuführen. Nachdem wir die Wasseranschluss- und Elektrokastenwand doppelt gipskartonieren mussten (inklusive der tollen Balkenausschnitte oben), waren wir zu saft- und kraftlos, um noch weiter zu machen. Fotos wie immer in den entsprechenden Ordnern. Zum Verlinken bin ich jetzt gerade zu schwach…
Zwischendurch tauchten die Trockenbauer auf, die eigentlich gestern hätten erscheinen sollen, um ihren Anschiss abzuholen. Wir konfrontierten sie mit Toms („Yes we can – but we would have done it much better!“) Beurteilung ihrer Arbeitsqualität. Klar, war es ihnen peinlich. Alle Korrekturen seien natürlich kein Problem. Wenn der Bauleiter das so wolle. Bitte sehr! Trotzdem sei das natürlich eigentlich kein Fehler usw. usf. Wir besprachen die katastrophalsten Stellen und es wurde zugesagt, die Mängel in der kommenden Woche zu beheben. Gut dann. Man darf gespannt sein!
Es folgte eine Baustellensäuberungsaktion (besenrein) und dann ein gemeinsames inneres In-sich-Zusammensinken. Morgen werden wir ab Mittag nochmal ran müssen, damit alles fertig wird, bevor die Fußbodenheizung kommt.
Da wir also nun morgen ebenfalls arbeiten werden, war klar, dass ich mein Auto eigentlich früh um sechs Uhr würde umparken müssen, weil hier großräumig wegen des Rosenmontagszugs gesperrt sein wird. Ab sieben Uhr turnen dann alljährlich lustige Politessen mit Megaphonen durch die Straßen und versuchen die letzten Fastnachtsopfer aus den Betten zu bekommen, damit diese ihre Autos entfernen. Dann hat man aber bereits einen fetten Strafzettel und muss mit eingezogenem Schwanz unter den Augen der Obrigkeit sein Fahrzeug weg fahren. Eine ziemlich fiese Situation, die ich eigentlich möglichst vermeiden wollte.
Es ergab sich jedoch nicht mal die Chance zu frühmorgendlichen Konfrontationen mit dem Gesetz. Mein gesamtes Viertel war komplett zugeparkt von witzigen Fastnachtstouristen. Trotz Anwohnerparkens. Nachdem ich eine Dreiviertelstunde lang den Block umkreist hatte wie einst die tote Laika in Sputnik 2 die Erde, gab ich entnervt auf und beschloss, das Auto gleich außerhalb des Abschleppgefahrenbereichs abzustellen. Auch das erwies sich jedoch als nahezu unmöglich.
Nach längerer Suche und im Zustand völliger Erschöpfung parkte ich schließlich ca. drei Kilometer von zu Hause entfernt in der Nähe einer Umgehungsstraße, die morgen nicht abgesperrt sein sollte. Blieb noch der Marsch Richtung Heimat mit schwerem Gepäck. Ich zog kurz eine Straßenbahnfahrt in Erwägung, fand dann jedoch, dass ich das in meinem „Total-fertiger-Trockenbauer“-Kostüm lieber lassen sollte.
Unterwegs begegnete mir eine Gruppe Schweine in rosa Plüschkostümen. Ich hoffte, sie würden nicht „Helau!“ rufen und mich zum Antworten zu zwingen versuchen. Verzweifelt sang ich leise Morrisseys „Meat is murder“ vor mich hin. Als es ca. 500 Meter vor der Haustüre dann auch noch zu regnen begann, musste ich dann doch noch lachen. Ich lachte selbst dann noch, als ich feststellen musste, dass mein Haar zu einer fiesen, klebrigen Masse aus Sägespänen und Wasser verklumpt war. Aus Erleichterung. Schlimmer konnte es ja nun nicht mehr werden.

… some hessisch Tiefbauworkers!
Die haben nämlich das Parkplatzproblem endgültig gelöst. Kein fremdes Auto – auch nicht das unserer Nachbarn – wird je wieder vor unserem Haus parken. Es wird nämlich gar kein Auto mehr vor unserem Haus parken. Auch nicht eines unserer eigenen Autos. Es gibt nämlich keine Parkplätze mehr. Schwupp! Weg waren sie – bzw. eine Etage tiefer waren sie. Und abgesperrt. Fotos im Ordner „Hausanschlüsse“.
Das war mal wieder ein klassischer Samstag nach dem Schema der vergangenen Samstage: früh raus, Schinkenbrot mit Rührei runterwürgen, ab nach Hessen, schuften, schuften, schuften, zurück nach Hause, Baaaa-deeeee-waaaaa-nneeeeee!
Aber von vorne: Um neun Uhr traf ich am Ort unseres Wochenendvergnügens ein. Außer mir war noch niemand da. Also dämmte ich ein wenig im Hauswirtschafts- und im Technikraum rum. Nur um mir wieder darüber klar zu werden, was genau ich am Dämmen so hasse – nämlich einfach alles. Eine halbe Stunde später trafen der Bauherr und der Bauherrinnenvater ein. Heute sollte nämlich der Müllberg, der sich in den letzten Wochen angesammelt hatte, endlich unser Haus verlassen. Wenn ab Donnerstag die Fußbodenheizung verlegt wird, muss alles raus sein.
Die erste Hälfte des Tages verging also recht zügig mit Anhänger beladen und Abfall zum nahegelegenen Wertstoffhof abtransportieren. Das erledigten die beiden Herren. Ich musste nur die im ganzen Haus verteilten Verschnittstücke von OSB- und GK-Platten einsammeln. Wir luden alles auf. Die Herren brachten es weg. Insgesamt drei Hänger voll.
Während die Beiden unterwegs waren dämmte ich lustig weiter. Am Ende tranken wir noch Kaffee zusammen und die Transportunternehmer stärkten sich mit einem frisch gebackenen Hefezopf der Bauherrinnenmutter. Mit selbstgemachter Erdbeermarmelade von eben dieser.
Als die Bauherrschaft dann wieder unter sich war, wurde der weitere Verlauf der Arbeiten des Tages diskutiert. Dabei stellte sich heraus, dass keine Schrauben für die OSB-Plattenmontage mehr da waren. Der Bauherr hatte jedoch letzte Woche noch 400 Stück (zwei Päckchen) vor Ort deponiert. Offensichtlich hatten sich die Trockenbauer diese – beflügelt vom Chaos, das sie angerichtet hatten – unter den Nagel gerissen. Na, danke… By the way: Schrauben unter den Nagel reißen – Hammerwortspiel!
Also ging es erstmal in den Baumarkt mit den so wahnsinnig musikalischen Mitarbeitern und dann mit den Schrauben zurück zum Haus. Bereits nach einer Platte fluchte und schimpfte der Bauherr nur noch ob der grauenerregenden Qualität der Schrauben. Wieder etwas später ging er von Fluchen zu „Ich fahr‘ die umtauschen!“ über. Gesagt – getan. Teureres Spax-Original-Material musste her. Und siehe da: Tadellos! Um es einmal zu erwähnen: Die vorher stets verwendeten Schrauben von Bauhaus waren deutlich günstiger, aber ähnlich gut zu verarbeiten. Versagt haben bisher nur die OBI-Hausmarken-Teile.
Es folgten weitere OSB-Beplankungen in Küche, Technikraum und HWR. Fotos wie immer im entsprechenden Ordner: „OSB-Beplankung EG“.
Erwähnenswert wäre noch, dass Tom nach diversen Interventionen die Umarbeitung der Lüftungsrohre im Gästezimmer veranlasst hatte, und – noch bemerkenswerter – dass dies bereits passiert ist. Ebenso wurde dieser unselige Vorsprung in der Wand entfernt. Morgen müssen wir diese nur noch schließen. Die Lösung: vorher -> nachher.
Da die Trockenbauer z. Zt. noch einen Schlüssel haben, verließ ich das Haus natürlich erst, nachdem ich ein Beweisfoto des zurückgelassenen Schraubenkontingents gemacht hatte. Sicher ist sicher.
Auf Aufräumarbeiten verzichteten wir heute großzügig. Das wurde auf morgen verschoben. Zehn Stunden waren genug. Und weglaufen wird der Dreck über Nacht sicher auch nicht. Leider.

Eins vorweg: Der heutige Baustelleneinsatz ist flach gefallen. Der Bauherr ist gesundheitlich immer noch angeschlagen. Wir schonen ihn lieber für morgen, wenn ein kompletter Arbeitstag ansteht. Zudem liegen wir ja auch ganz gut in der Zeit, sodass es eigentlich keinen Grund gibt, wertvolle physische  Reserven bereits heute sinnlos zu verpulvern.
Am Ende ist man noch zu erschöpft für die alljährlich wahnsinnig witzige, originelle und tiefsinnige „Mainz bleibt Mainz wie’s singt und lacht“-Übertragung. Schön, dass das Grauen nun schon über so viele Jahre hinweg einen Namen hat.
Und schön auch, dass es wenigstens einen Abend im Jahr gibt, an dem man genau weiß, wann es Zeit ist, ins Bett zu gehen, weil man ohnehin innerhalb der nächsten fünf Minuten einschlafen wird: der Auftritt der „Mainzer Hofsänger“. Schon als Kind ist mir da alljährlich der Kopf in die Chipsschüssel gefallen. Liedgut wie Vollnarkosen, geschminkte Typen in waberndem Rotweißblaugelb, Texte, die Fremdschämen in ganz neuen Dimensionen erlaubten.
Gut… Als Kind war das einfach nur wahnsinnig öde – etwa von der Qualität einer Autofahrt durch die Po-Ebene. Die wirklichen Ekelaspekte sah man natürlich erst in späteren Jahren.
An Fassenacht muss ja hier alles zwingend ein sogenanntes Motto haben. Das nur zur Erklärung. Nein, ich bin nicht durchgedreht – der heutige Blog-Titel ist das Rosenmontagszugmotto dieses Jahres.  Das Motto der Hofgähner – ääähhh… Hofsänger natürlich! – für 2009 lautet jedenfalls:
„Sie steh’n für Fastnachts-Tradition, in Mainz fast neunzig Jahre schon.
So kennt im Land sie jedes Kind, drum bleiben sie so wie sie sind.“

Einfach rührend. Ob da wohl eine Anzeige wegen Bedrohung Sinn machen könnte?
Während ich so tippe klingen aus dem Stadion (remember: „Wir sind nur ein Fassenachtsverein…“) gar lustige Fangesänge herüber. Feulner hat gerade für die 1:0-Führung gegen die Hansa aus Rostock gesorgt. Der fastnachtliche Pflichtsieg muss her! Das Stadion ist heute nicht nur rot-weiß, sondern – wie die Hofsänger in ihren lächerlichen Billigseide-Säckchen – rotweißblaugelb. Dazu gibt es sogar den passenden Schal: Bitte sehr! Nicht dass hier nicht jeder schon so einen hätte, aber es ist meist kein 05er Logo drauf, weil die Freundin / Oma / Ehefrau damit handarbeitlich überfordert gewesen wäre.
Derweil hat „Mainzer Urgestein“ (*harhar*) Jörn Andersen verstanden, worum es geht:
„Wir wollen versuchen, alles zu mobilisieren und zu geben für einen Heimsieg. Schließlich sollen die Zuschauer das Stadion glücklich verlassen und Fastnacht mit einem Sieg im Rücken durchfeiern“. Der Mann weiß worum es geht. Jawoll!
Nebenbei wird die Fassenacht mal wieder von allerlei Skandälchen überschattet. Bohnebeitel-Chef und Liebhaber gepflegter Kohlekraftwerkskunst Heinz Meller legt sein fastnachtliches Amt nieder. Die Rosenmontags-Zugnummer 88 – ein Motivwagen des MCV – muss in aller Eile noch umdekoriert werden, weil man sich den Unmut der Ordensfrauen der Diözese Mainz zugezogen hat. Und den von Sabine Flegel
, die zusätzlich anmerkt, dass es seltsamerweise alljährlich im Rosenmontagszug keinerlei Motivwagen mit FDP-Kritik gibt. Bravo, Herr Zugmarschall Schmelz. Saubere Arbeit!
Währenddessen zieht mal wieder Philipp Mißfelder durch die Lande. Diesmal verweigert er nicht Rentnern Hüftprothesen, sondern er macht sich beliebt, indem er Hartz-IV-Empfänger als Säufer und Kettenraucher verunglimpft. Das grandioseste an der Sache ist jedoch seine Richtigstellung hinterher:

„Der ‚Leipziger Volkszeitung‘ sagte Mißfelder, er wolle Hartz-IV-Empfängern keineswegs pauschal Missbrauch unterstellen. ‚Wir brauchen aber eine Diskussion über die Frage, wie mit sozialen Leistungen der Allgemeinheit von den Betroffenen umgegangen wird. Leider kommen sie häufig nicht zielgenau an.‘ Mißfelder schlug vor, statt Geldleistungen vermehrt Gutscheine auszuteilen, zum Beispiel für Schulspeisungen. (Quelle: stern.de).
Saukomisch! Jetzt muss mir nur noch jemand erklären, was genau daran unter „differenziernde Erklärung“ fällt. Etwa die Tatsache, dass Herr Mißfelder jetzt noch hinzufügt, dass die Hartz-IV-Empfänger nicht nur versoffen und nikotinabhängig, sondern auch noch zu dumm sind, sich von dem bißchen Geld Flatscreens und Opels zu kaufen, um der dank Leuten wie ihm in den letzten Zügen liegenden deutschen Wirtschaft auf die Beine zu helfen? Gutscheine? Von Mediamarkt?! Wenn es nicht so unendlich traurig wäre, könnte man sich wirklich tot lachen…
Ich hoffe, es ist die Titanic, die sich vorsorglich ein paar Varianten einen entsprechenden twitter-Accounts zugelegt hat. Thorsten Schäfer-Gümbel ist ja inzwischen leider wieder in der Versenkung verschwunden. Mit Bierchen und Sekretärin.
Oops! Soeben fiel am Bruchweg der Ausgleich. Ulle-City scheint sich wehren zu wollen. Das ist zwar prinzipiell „ganz groß“, wird aber sicher nicht gern gesehen werden. Dann kann der Mainzer nicht „mit einem Sieg im Rücken durchfeiern“, sondern muss sich kollektiv den Frust runterspülen. Obwohl: Kommt ja eigentlich aufs gleiche heraus: Weck, Worscht & Woi!

Nachtrag von 19:57 Uhr: Der FSV gewinnt doch noch 3:1. ‚Mainzer Fußball – Freude pur!‘

So. Der Startschuss für den kollektiven Frohsinn ist also um 11:11 Uhr gefallen. Die männlichen Kollegen trugen alte, hässliche Krawatten und wurden irgendwann ungehalten, wenn sie ihnen nicht abgeschnitten wurden. Die Kreppel waren gut. Die Luftschlangen sind noch kringelig.
Ansonsten bin ich ziemlich unbeschadet aus der Nummer herausgekommen. Und hier in der Stadt hält sich das Chaos momentan noch in Grenzen.
Bereits um 9:31 Uhr erhielt ich eine Mail des Wolfinators, in der er mitteilte, dass er „seine Hausaufgaben bereits erledigt“ habe.
Wegen der zusätzlichen Küchensteckdose, für die ich mich gestern noch spontan entschieden hatte, hatte er sich bereits mit den Elektrikern in Verbindung gesetzt. Ich soll am Wochenende einen Zettel aufhängen, aus dem hervorgeht, wo genau ich sie haben will.
Die Tiefbauer des Energieversorgers haben heute wohl überraschend doch noch zu baggern begonnen. Sensationell! Und ich hatte schon überlegt, welche Nachbarn ich anbettele, damit die Estrichjungs zu ihrem Wasser kommen. Wir sollten also bis zum Estrich-Termin sowohl Wasser als auch Strom haben. Wurde auch Zeit, dass mal irgend etwas einfach funktioniert. Also nicht nur funktioniert, sondern dass es funktioniert ohne nervenraubende Interventionen, zeitintensive Telefonate und ohne das ständige Gefühl, irgendwem auf die Nerven zu gehen.
Wobei ich sagen muss: Ich habe mir den Kontrollbesuch nach längeren Überlegungen doch gespart. Sechzig Kilometer Fahrt nur um in ein Baggerloch zu schauen, erschien dann selbst mir etwas übertrieben. Zumal wir morgen sowieso hin müssen. Wir reden also momentan nur über ein vom Wolfitekten avisiertes Baggerloch. Ob da ein echtes ist, kann ich natürlich nicht definitiv wissen. Aber: Ich hoffe es so sehr…
Im Briefkasten lag eben – taaadaaaaaahhh! – ein weiterer Garten-Katalog! Diesmal von „Baldur Garten“. Und was findet sich auf der Rückseite des Hochglanzkunstwerks? Richtig! Meine unvermeidliche Freundin, die Goji-Beere. Der Text ist diesmal wirklich sensationell: „Im Himalaya wird sie auch die Beere der Glücklichkeit genannt und dort seit Jahrhunderten verehrt.“ In welcher Sprache gibt es nochmal das Wort „Glücklichkeit“?! Ich habe keine Ahnung, sehe aber nach diesem Satz ständig ein Rudel Sherpas sich vor einer monströsen güldenen Goji-Beere erfurchtsvoll in den Staub werfen.
„Im Geschmack erinnert die Goji-Beere u.a. an Kirsche & Cranberry und verbirgt mehr Vitamin C als Orangen und mehr Eisen als ein Steak.“ Mmmhh… Wieso verbirgt sie das denn? Für Vitamin-C- und Eisen-Anteile muss man sich doch nicht schämen. Tun Orangen und Steaks doch auch nicht. Mensch, Goji! Hast du denn gar keine Selbstachtung?
Da kommt die Vitalbeere auf Seite 9 aber gleich viel selbstbewusster rüber. Richtig. Es handelt sich mal wieder um die altbekannte Wu-Wei-Zi-Beere! Der „Gesundheits-Hit aus China“ „schmückt sich mit hübschen weißen Blüten“ und verbirgt sie nicht ängstlich wie die Goji. So geht das! Muss ich erwähnen, dass wieder mal der Gong-Artikel zitiert wird? Nein. Muss ich nicht…
Auf Seite 17 treffe ich auf die „Kuheuter-Pflanze“. „Die knallgelben Früchte dieses bizarren Zierstrauchs sehen aus wie die Euter einer Kuh.“ Überflüssig zu erwähnen, dass ich noch niemals eine Kuh mit knallgelbem Euter gesehen habe. Und auch überflüssig zu erwähnen, dass mich der Anblick einer Pflanze, an der winzige gelbe Kuheuter baumeln, sicher nicht erfreuen kann. Und „Riesen-Fuchsien“ brauche ich auch nicht. Mir gefallen die kleinen schon nicht.
Was ist das nur mit diesen Garten-Katalogen? Warum sind die nur alle so… so… so auf die gleiche Art daneben irgendwie? Die sind alle schockierend in Wort und Bild (Belege nötig? Siehe hier, hier & hier). Auf die gleiche Art schockierend wie ein plötzlich auftauchender Rosenmontagszug. Und wenn man nicht gleich geistesgegenwärtig auf den Bürgersteig springt, kommt man noch unter die Räder, weil man wie gelähmt da steht und den Blick nicht abwenden kann. Und am Ende hat man den Kram dann wahrscheinlich wirklich bestellt: die Duftgeranie „Moskito-Schocker“, die Tiroler Hänge-Geranien „Feuerrot“ und „Schneeweiß“, die „Unsterblichkeitspflanze Jiaogulan“ oder gar den „Pralinen-Baum“. Mir macht das Angst. Vor allem an einem Tag wie heute, an dem es schon gruselig genug ist.