Als es während des Frühstücks anfing zu schneien, brach leichte Panik aus, die sich aber wenig später als unbegründet erwies. Die „Bauherrschaft“ machte sich geschlossen auf den Weg zu ihrer zukünftigen Heimstätte, die schließlich friedlich und völlig neuschneefrei vorgefunden wurde. Puh!

Nachdem nun klar ist, wann die Straßensperrung stattfinden wird, bekamen die Nachbarn Briefchen, die sie über eben diese informieren sollten. Anschließend gab es eine kleine Baustellenbesichtigung.

Dabei wurden die Tötungsgelüste von MrFlax kurzfristig vom Wolfinator auf ein wahrscheinlich harmloses Kuscheltier (Nachbarkatze? Lassie? Bambi?) umgelenkt, das sich dreisterweise in unserer noch feuchten Bodenplatte per Fußabdruck verewigt hatte. Nur die zwei rücksichtslos von den Tiefbauern auf dem Grundstück zurückgelassenen Stuyvesant-Päckchen konnten ihn von seinem Blutrausch und der drohenden Verurteilung wegen „Tötung eines Wirbeltieres“ gem. §4 TSchG ablenken. Eine genauere Untersuchung der Bodenplatte durch den Bauherrn ergab zudem erschreckende Risse und katastrophal gestaltete Fugen. Ebenso konstatierte er eine völlig fehlerhafte Fundamentierung des Carports. Da seine Bedenken von der Bauherrin jedoch nicht wirklich ernst genommen wurden, gab er zunächst frustriert auf.

 Außer diesen wirklich „gravierenden“ Mängeln, die wahrscheinlich das ganze Projekt gefährden, wurde der Zustand der Baustelle für gut befunden. Man konnte sich also vorerst auf einen nahegelegenen Weihnachtsmarkt zurückziehen und das ramponierte Nervenkostüm des Bauherrn mit einem Becher Glühwein und drei Reibekuchen notdürftig reparieren.

„In den Herzen ist’s warm.

Still schweigt Kummer und Harm.

Sorge des Lebens verhallt.

Freue dich, Holzhaus kommt bald.“

Na, endlich! Da isse: die Bodenplatte! Schön glatt und grau liegt sie da in ihrem Schaumglasschotter-Bettchen. Braaaav! 

Was mich wunderte war, dass der Wolfitekt („Ich werde Sie auf dem laufenden halten“ waren schließlich seine Worte…) nicht längst Vollzug gemeldet und sich im Ruhm der Tiefbauer gesonnt hat. Wahrscheinlich hat er die halbe Nacht an dem Baustellenschildchen gebastelt, das gleich vorne am Grundstück angebracht ist. „Bauherrschaft“ – das klingt irgendwie so cool. So nach „Bestimmer“. Da bekommt man gleich Lust, ein wenig zu regieren. Es fehlt nur ein Balkon, von dem aus man zum seit Stunden geduldig wartenden Volk sprechen könnte. Die geplante Terrasse scheint zu diesem Behülfe eher suboptimal. Es sei denn natürlich, man möchte über Kleinnager und Insekten herrschen.

Nachdem es heute ja auch hell genug war, um ein paar Fotos zu schießen, die dazu taugen, MrFlax („Seid gegrüßt, oh edler Bauherr!“) über die Baufortschritte zu informieren, ist meine Tagesaufgabe eigentlich erfüllt. Was auch besser ist, denn der Weihnachtsmarkt-Glühwein („Hallo Achim!“) des Vorabends verursacht doch leichte und so ganz und gar nicht herrschaftliche Kopfschmerzen. Und dabei war er sogar „bio“. Als Niedrigenergie-Bio-Holzhäuslebauherrin kann man sich ja wohl auch kaum guten Gewissens Tetra-Pack-Plörre aus dem Chemiebaukasten reinkippen. Pah!

Zumindest hatte ich heute das echte „On the road“-Feeling, da ich nach der Arbeit noch zu einer Laufrunde verabredet war, was den Kontrollgang etwas verzögerte. Der Stau auf der Autobahn und der Berufsverkehr in der Stadt (nicht in der guten Stadt auf der richtigen Seite, sondern in der bösen Stadt auf der falschen Seite, deren Namen wir natürlich nicht nennen dürfen. Harry Potter durfte ja auch nicht „Lord Voldemort“ laut aussprechen) taten ein übriges: Es war stockdunkel, als ich an der Baustelle eintraf. Keine fleißigen Tiefbauer weit und breit. Keine nachtaktiven Wolfitekten. Keine hochmotivierten Bauleiter. Dafür Schneereste, knöcheltiefer Schlamm und völlig unzureichende Straßenbeleuchtung. Verdammt!

Dummerweise wurde ein bereits vor längerer Zeit angedachtes Blitzlicht-Upgrade für die Kamera in relativ ferne Zukunft verschoben. Es wollen einfach zuviele fremde Menschen ständig Geld für bisher nicht eingeplante und teilweise auch völlig unbekannte Leistungen. Das gute Gefühl, die Binnenwirtschaft entscheidend voranzubringen, will sich dagegen auch nicht so recht einstellen. Besonders dann nicht, wenn man ohne Rücksicht auf das edle Schuhwerk knöcheltief durch Schnee, Schlamm und Schotter watet, um wenigstens ein paar vage und stark unterbelichtete Baufortschritts-Beweisfotos zu schießen.

Kurzzusammenfassung des Gesehenen: Ein Berg Schaumglasschotter befindet sich neben dem Bagger mit dem hübschen, knackigen Hinterteil. Die Carport-Streifenfundamente sind gegossen. Überall aus dem zukünftigen Standort unseres zukünftigen Domizils ragen dicke, fette Rohre heraus, die das gesamte Grundstück in eine Art surrealistisches Abwassermahnmal verwandeln. Der Zaun der Nachbarn steht noch… Stop! Wie war das?!? Der Zaun der Nachbarn steht noch? Offensichtlich scheint sich niemand ernsthaft an diesem herrlichen Stück hessisch-autodidaktischer Handwerkskunst vergreifen oder es gar durch profane Baggerarbeiten entweihen zu wollen. Respekt vor dem Erbauer? Angst vor Diskussionen mit Hessi James?

Als ich mich – und die Kamera – schlammverkrustet und frierend zurück zum Auto geschleppt habe, lege ich erstmal die Go-Betweens-CD ein: Oh no, what am I doing here, in the house Jack Kerouac built?“

Zugegeben: ein äußerst dramatischer Titel für einen völlig harmlosen Tag.

Drunter: Bodenplatte! Wie oft bin ich heute insgesamt gefragt worden, ob sie denn nun gegossen sei? „Nein. Ich weiß es nicht. Absolut keine Ahnung! Ich hatte keine Zeit nachzuschauen.“ Und obwohl MrFlax per Mail auf perfide Art und Weise sowohl dem Architekten (seit einiger Zeit bauherrenintern „der Wolfinator“ oder auch liebevoll „unser Wolfitekt“ genannt), als auch dem Bauleiter („Tom, the Builder“‚Can we fix it?‘ – ‚Yes, we can!‘ <- schon jemandem die Parallele zu Obama aufgefallen?) Angst vor der gestrengen „Bauherrin“ zu machen versucht hat, nahm mich leider offensichtlich niemand ernst. Jedenfalls nicht ernst genug, um sich bemüßigt zu fühlen, mich darüber in Kenntnis zu setzen, was denn nun heute auf dem Flax’schen Grund und Boden so passiert ist. Das war kein Witz, Leute! Ich BIN grausam und unberechenbar! 

Da werde ich wohl morgen selbst nachschauen müssen. Und wehe, es ist gar nichts passiert…

Drüber: Bambusparkett! Entschieden war das eigentlich schon seit geraumer Zeit. Ein Treffen mit dem Parkett-Mann unseres Vertrauens bestätigte diese vorläufige Entscheidung. Es wird die dunklere Variante werden. Zur farblichen Abstimmung mit der Holztreppe durfte ich mir ungestraft ein Musterbrettchen unter den Nagel reißen. Das war natürlich nur EIN Grund. In Wirklichkeit will ich es natürlich ununterbrochen und ungestört bewundernd anstarren können – das hübsche, kleine Brettchen!

Und dazwischen: Ich konnte meinen Wortschatz entscheidend aufpeppen: „Verlegerichtung“, „Wärmedurchlasswiderstand“ und „10er Bodenfliese“ bringe ich schon einigermaßen wissend rüber, „Zwei-Schicht-Parkett“ und „Hochkantlamelle“ schaffe ich bereits mit vielsagend-verständigem Nicken.

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Bloggen – etwas, das ich längst ausprobiert haben wollte.

Bauen – etwas, das wir seit mehreren Monaten planen und das nun in „die heiße Phase“ geht.

Passt doch!

Die Pläne für unser Haus stehen, der Bauplatz wartet seit Monaten ungeduldig auf seine Bestimmung. Erste Probleme wurden gelöst – auch wenn sie teilweise unüberwindbar schienen. So unüberwindbar wie der Zaun, den die Nachbarn um das direkt angrenzende Grundstück gezogen hatten, um Hunde und Nachbarskinder fernzuhalten und sonstige Grenzverletzungen im Keim zu ersticken. Freundlicherweise wurde uns erlaubt, ihn für die Bauphase teilweise zu entfernen, um ungehindert und nach Herzenslust in Grenznähe baggern und Fundamente setzen zu können.

Der überraschende Wintereinbruch vom Wochenende dämpft nun allerdings die gute Laune, da eigentlich in dieser Woche die Bodenplatte gegossen werden sollte. Hoffentlich führt die Kälte nicht zu neuen Verzögerungen! Vor die Bodenplatte hat der Herr allerdings den Schaumglasschotter gesetzt – und der soll heute aufgebracht werden.

Ein Kontrollbesuch gestern ergab immerhin, dass dem mittlerweile undurchdringlichen Baumüll-Unkraut-Biotop, der sich noch vor einer Woche auf dem Grundstück ausbreitete, inzwischen der Garaus gemacht wurde. Alles schön glatt und ordentlich jetzt. Dann der hübsche Schnee… – Balsam auf die geschundenen Augen!

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