Bei schönem Wetter starteten wir heute morgen gleich mal durch, um bauherrschaftlich nach dem rechten zu schauen. Der Bauherr wollte schließlich auch endlich selbst das Werk der Zimmerleute in Augenschein nehmen. Meine zahllosen Fotos sind zwar als Appetizer geeignet, aber gegen richtigen Hunger eher machtlos.
Der Hausherr kam, sah und hieß gut. Unfassbar eigentlich, wie in fünf Tagen ein ganzes Haus entstanden ist. Viele unserer Ideen – wie z.B. das Riesenfenster im Luftraum – wirken nun genauso überzeugend wie gedacht. Im Ess- und Wohnbereich ist es dadurch wirklich herrlich hell. Die Frage, wie (und vor allem von wem) das Monster hinterher geputzt werden soll, ließen wir erstmal locker im Raum stehen. Das wird sich schon finden. Hoffe ich jedenfalls.
Die Dachdecker haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Davon konnten wir uns nach dem Erklettern des Gerüsts überzeugen. Eigentlich ist alles, was sich mehr als einen Meter über dem Boden abspielt, so gar nicht mein Ding, aber diese Chance wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Schnell mit Schweißhändchen ein paar Fotos vom Dach gemacht und dann nix wie runter! Sogar das hoffentlich demnächst begrünte „Würfel“-Dach ist bereits „eingesät“.
Wieder zurück zu Hause wurden gleich nochmal Kataloge gewälzt, um die Fliesenfrage endgültig zu klären. Da haben wir inzwischen auch eine schöne und bezahlbare Lösung gefunden – sowohl für das kleine Bad im Erdgeschoss als auch für das Badewannen-Bad oben. Ich werde nachher ein paar Zeichnungen anfertigen, damit man sich das ganze besser vorstellen kann. Die Internet-Badplaner haben sich als nur begrenzt tauglich erwiesen.
Als Belohnung genehmigten wir uns anschließend einen Spaziergang zum Weihnachtsmarkt inkl. Glühwein, Reibekuchen und kandierter Kürbiskerne. Der strahlend blaue Himmel über der Riesen-Erzgebirgs-Pyramide schien dabei mehr nach tropischen Cocktails, Kokosnuss und gutgebauten, halbnackten nubischen Sklaven mit Palmwedeln zu verlangen. Aber die hätten eh nur gefroren.

 

Heute morgen stand – zum zweiten Mal – der Besuch einer Badausstellung auf dem Programm. Nach den Erfahrungen beim ersten Mal starteten wir nicht gerade euphorisiert Richtung Keramik durch. Gottlob war die Verkäuferin etwas zurückhaltender und eilte uns auch nicht beim Betreten des Raumes bereits mit den Worten „Ich weiß genau, was Sie wollen!“ entgegen. Selbstverständlich wusste sie das wesentlich präziser als wir selbst es je auch nur leise erahnen könnten. Diesmal wurden tatsächlich auch nicht gleich alle unsere Vorschläge und Wünsche mit den Worten „total out“ oder „zu teuer für Sie“ im Keim erstickt, um uns dann etwas hässliches, aber dafür noch teureres aufzuschwatzen. Auch Bewertungen unseres Konsumentenverhaltens blieben uns erspart. Beim letzten Mal hieß es abschließend, was wir doch für „unkomplizierte Kunden“ seien – wahrscheinlich eine typische Verkäufer-Floskel für „Kauft alles, was man ihm sagt. Zahlt alles, was man haben will. Widerspricht nicht. Und lacht noch freundlich dabei.“
In Wirklichkeit waren wir einfach beim ersten Mal so überfahren und an die Wand gequatscht worden, dass wir uns nur noch vielsagend anschauten und dann zu allem nickten. Innerlich wollten wir einfach nur noch „Raus hier!“ – ungefähr so dringend wie ich früher aus den Latein-Doppelstunden.
Doch diesmal war ja alles gaaaanz anders. Die Verkäuferin war angenehm, hörte sich unsere Vorschläge an, hatte selbst brauchbare Ideen und glücklicherweise auch die Sachen vor Ort, die wir eigentlich anschauen wollten.
Die Entscheidung ist also gefallen: Ideal Standard hat sowohl bei der Keramik als auch bei den Armaturen das Rennen gemacht. Und von meiner Grohe-Starck-„Elch“-Armatur habe ich mich auch schweren Herzens verabschiedet, weil es mir in den vergangenen Wochen einfach nicht möglich war, MrFlax davon zu überzeugen, dass das genau das ist, was wir dringend brauchen. Nun… Da die jetzige Auswahl optisch genauso hübsch ist, sogar eher praktischer und dann auch noch beiden gefällt, werde ich es wohl verschmerzen können.
Servus, machs gut, Elch! Du bist toll! Nimm es bitte nicht persönlich!
 

Abend war es allerdings, bis ich zum Haus kam. Abend und dunkel… Und einsam… Keine Handwerker mehr da – obwohl ich mit zehn „Milka“-Nikoläusen im Handgepäck unterwegs war. Verdammt!
Das „Wohnzimmer“ war perfekt aufgeräumt – bis auf meine dreckigen Linseneintopf-Gerätschaften (Topf, Teller, Löffel), die ich einsammelte und ins Auto packte. Wichtig: Auch die Wolldecke war noch da! Das bedeutete also erstmal eine entspannte, angstfreie  Heimfahrt. Was kann schon passieren MIT Wolldecke?
Apropos „Decke“: Das Dach ist fertig gedeckt und sieht echt gut aus. Jetzt muss man sich wenigstens keine Gedanken mehr darüber machen, ob wichtige Teile des Hauses bei schlechtem Wetter überflutet werden, aufweichen, aufquellen oder sich verziehen, denn: Holz lebt! Eine Tatsache, die ich mir in den letzten Tagen mehrfach anhören musste, und die mich nicht gerade wahnsinnig beruhigt hat. Blöde Natur!
Für Fotos war es zu dunkel. Ich hantierte mit schwerem, d.h. lichtstärkerem Gerät, aber auch das brachte nicht viel. Beim Objektivwechsel traf ich wieder auf meine Lieblingsnachbarin in spe. Selten genug, dass man jemanden auf Anhieb absolut sympathisch findet. Noch seltener, dass das nach mehreren Gesprächen immer noch der Fall ist. Und richtig klasse, wenn derjenige dann auch noch zukünftig schräg gegenüber wohnt.
Na dann: schönen Nikolaus-Abend!

Als mein Blick heute morgen auf die zahlreichen, übrig gebliebenen Würstchen im Kühlschrank fiel, kam mir die grandiose Idee, an meinem „gute Bauherrin“-Image zu arbeiten, indem ich einen Riesen-Linseneintopf zubereiten und diesen auf der Baustelle vorbeibringen könnte. Gedacht, getan! Alles schön in eine Kuscheldecke eingewickelt, sämtliche im Haushalt befindlichen Löffel und tiefen Teller dazu gepackt und ab ins Auto. Der Plan war eigentlich, alles abzuliefern, beim Essen zuzuschauen, Lob für meine Kochkünste einzustreichen, alles wieder einzupacken und  bestens gelaunt nach Hause zu fahren. Gut, der Plan!
Leider regnete es in Strömen als ich eintraf, sodass der größte Teil der Zimmerleute und die anwesenden Dachdecker gerade eifrig damit beschäftigt waren, das Dach endgültig abzudichten. Blöd… Die beiden mit Innenausbau betrauten Holzbauer wurden sofort herbeizitiert und abgefüttert (mit Nachschlag!). Nachdem nun nicht damit zu rechnen war, dass innerhalb der nächsten zehn Minuten weitere hungrige Handwerker auftauchen würden, um den Rest der Suppe niederzumachen, packte ich alles wieder schön warm und kuschelig ein, damit es auch eine halbe Stunde später noch genießbar wäre, und machte mich auf den Heimweg.
Unterwegs fiel mir dann auf, dass MaxFlax nun durch die Planänderung seine Cornflakes mit einer Gabel von einem flachen Teller würde essen müssen. Viel schlimmer allerdings: Ich hatte die verdammte Wolldecke zurückgelassen! Was, wenn ich auf den „kalten Monden von Jaglan Beta“ schrecklich frieren würde? Oder auf „Santraginus V“ kein Strandtuch hatte? Außerdem fehlte mir die Nahkampfwaffe, und giftigen Dämpfen wäre ich auch schutzlos ausgeliefert. Was, wenn es zum äußersten käme, und ich dem Blick des „gefräßigen Plapperkäfers von Traal“ schutzlos ausgeliefert wäre? Alle kleinlichen Bedenken waren jedoch umsonst. Ungefährdet traf ich wieder zu Hause ein.
Die Nachmittagsaufgabe (kurz: der niedere Handlangerdienst des Tages) war ein Marsch zu T-Com, um einige unterschriebene Din-A-4-Blätter abzugeben und mir Telefonkabel aushändigen zu lassen. Auf die mir tags zuvor aufgetragene Frage an den Wolfitekten, wieviel es denn sein dürfe, hatte dieser mit „Naja… 25 Meter…“ geantwortet, woraufhin der Bauherr abends auf „Dann lass‘ dir 30 geben. Oder besser gleich 35 Meter!“ erhöhte. Der Telekom-Mitarbeiter war jedoch der Ansicht, dass 20 Meter völlig ausreichend seien. Was tun, um nicht zu Hause als Versager zu gelten, der mit absolut läppischer Beute zurückkehrt? Da gibt es nur eins: weiblich-dumm stellen. Ich erklärte also, der Architekt habe aber gestern noch von ‚miiiiiiiiindestens 25 Metern‘ gesprochen, und dass ich natürlich keinerlei Ahnung von technischen Feinheiten habe (jedenfalls nie im Leben so derartig wahnsinnig-überwältigend-hammerviel Ahnung wie mein Gegenüber!). Dass ich auch nicht genau wisse, wo im Haus nachher der Anschluss sei (Halbwahrheit!), und dass ich wahnsinnig Angst habe, das Kabel würde nicht reichen (Lüge!).
Mir wurden gnädigerweise 25 Meter zugebilligt und ich bekam eine Faxnummer, über die wir die T-Com benachrichen sollten, wenn alles verlegt sei. Meine Dummstell-Taktik hatte offensichtlich funktioniert. Der nette Herr war nach meinem Dafürhalten kurz davor zu fragen: „Was ein Faxgerät ist, wissen Sie aber, oder?“ 

Doch als der Dachbalken gehoben wurde, gab ich im Schneechaos gerade auf und drehte ab. Da war heute kein Durchkommen mehr. Mehrere Autos standen quer und es hatte keinen Sinn, es auf anderem Wege zu versuchen, da gleichzeitig auf der einzig möglichen Ausweichroute über die Autobahn ein niedlicher 40-Kilometer-Stau gemeldet wurde.
Also unverrichteter Dinge wieder nach Hause und erstmal abwarten.
Das Richtfest wurde derweil auf 16 Uhr verschoben, was mir ausreichend Zeit für die Vorbereitungen ließ. Um 13 Uhr packte ich alles ins Auto und startete hoffnungsvoll durch. Wie auch sonst – war ich doch mit 45 Würstchen, einem riesigen Nudelsalat, 30 Brötchen und ganzen 13 Litern Glühwein unterwegs! Was hätte mir da Angst machen sollen? Sogar die Wolldecke zu der bei den Verkehrsdurchsagen allenthalben geraten wurde, hatte ich im Gepäck. Wäre im Ernstfall allerdings wahrscheinlich so sinnvoll wie die Handtücher in Douglas Adams‘ „Hitchhiker’s Guide through the Galaxy“ (wie war das nochmal… ach ja! Zitat aus Band eins: „Einmal ist es von großem praktischem Wert – man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santraginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet (…) und nass ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen“).
Auf alle Fälle kam ich erstaunlich gut durch und war viel zu früh an der Baustelle. Ich vertrieb mir die Zeit damit, auf den Wolfitekten zu warten, den Zimmerleuten im Weg rumzustehen, Fotos vom Haus zu machen und Angst zu haben, dass der Glühwein derweil zu stark abkühlt. Es ging jedoch alles glatt. Der luxuriös-schweineteure Richtbaum kam zum Einsatz, es gab einen Richtspruch und das Glas ging auch kaputt. Perfekt!
Anschließend wurden alle mit Essen und Trinken versorgt – sozusagen die erste Party im neuen Esszimmer. Der Tisch war ein Stapel Gipskartonplatten, Stühle gab es keine, gegessen wurde mit Plastikgabeln von Papptellern, aber es war trotzdem nicht die schlechteste Party, auf der ich je war.