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Nach dem Motto „Man sieht sich immer zweimal“ war für den Abschied von den Azoren ein erneuter Besuch auf São Miguel geplant. Damit hatten wir im vergangenen Jahr den Urlaub begonnen. Wir bezogen wieder Quartier in der „Quinta Altamira“ in Caloura, wo wir überaus freudig begrüßt wurden. Und den guten Basalto gab es auch wieder als Gastgeschenk.

Das Tollste allerdings waren die Betten. Nach einer halben Woche rückenzerstörenden Schlafens auf einer Matratze, die diese Bezeichnung nicht wirklich verdient hatte, wartete hier ein Doppelbett in voller Länge auf uns. Hart, aber nicht zu hart. Herrlich! 

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Auf dem Hinweg hatten wir bereits im altbekannten „Continente“ eingekauft und uns mit Getränken und Lebensmitteln versorgt. Der Rest des Tages verging mit der Vereinbarung von Tauchterminen für den Advanced Open Water Husband und mit einem Abendessen in der Bar Caloura im Hafen.

Das altbekannte Salatbuffett mit dem köstlichen Salada Fejão Frade wartete. Der Frischkäse mit Piripiri hatte nirgends besser geschmeckt. Und wir suchten uns unseren Fisch aus der Vitrine aus.

Auf meinem Teller landete ein Parrotfisch, auf dem Teller gegenüber ein Amberjack. Wir schafften sogar noch Desserts: Ich bestellte mit einen Puddim Inhame und der Chef orderte Maracujamousse. Hach! Schön!

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Gut gestärkt fielen wir in unserem herrlichen Bett in einen erholsamen Schlaf. Am nächsten Morgen war das Wetter ausgezeichnet. Und wir hatten noch eine Rechnung aus dem vergangenen Jahr offen. Unsere Wanderung zum Lagoa do Fogo war damals kurz vor dem Ziel abgebrochen worden, da wir völlig durchnässt waren. Den See hätte man damals ohnehin nicht sehen können, da er seinem Namen mal wieder alle Ehre machte.

Diesmal jedoch war alles ganz anders. Wir gingen die Rundwanderung von der anderen Seite an, sodass wir in der zweiten Hälfte an den Levadas entlang marschieren würden, wo wir im vergangenen Jahr gestartet waren. Ein gute Idee!

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Der Aufstieg war landschaftlich herrlich – meist mit Meerblick und zog sich mehr gleichmäßig in die Höhe. Als wir den See erreichten, war ich total überrascht, wie schön er ist. Bislang kannte ich ihn eben nur als Lagoa do Fogo (auch vom Miradouro an der Straße hatten wir ihn im letzten Jahr nur im Dauernebel gesehen).

Ein außerordentlich hübscher See, der Lagoa do Fogo sim Fogo.

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Auch der Rückweg entlang der Levadas, kleiner Wasserkanäle die einen Großteil des Wegs säumen, und durch den Wald war ohne Regen viel schöner. Quelle surprise! Was für einen Unterschied doch so ein wenig Sonne macht.

Als wir zurück zum Auto kamen, musste ich feststellen, dass meine Crocs nach stundenlanger direkter Sonneneinstrahlung eine Temperatur hatten, die es nicht erlaubte, sie anzuziehen. Nach dem Abkühlen verursachten sie Druckstellen. Irgendwas ist da geschmolzen und verquer wieder abgekühlt. Grrrrr….

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Am Nachmittag blieb noch etwas Zeit, um die schönsten Miradouros der Azoren abzufahren: Miradouro da Ponta da Madrugada und Miradouro da Ponta Sossego. Beide wie wunderbare Gärten gestaltet, mit etlichen Grillplätzen bestückt und mit einer herrlichen Aussicht aufs Meer ausgestattet. 

Und das Beste: Man kann mit dem Auto vorfahren! Anstrengungsloser Wohlstand… ääähhh… Panoramablick praktisch!

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Apropos „Panoramablick“: Es folgte eine Fahrt auf den Pico Bartholoméu, die nichts für schwache Nerven ist. So schön der Ausblick von oben auch ist: Wer nicht ganz schwindelfrei ist, sollte es lieber lassen. Die Auffahrt geht über einen sehr schmalen Grat. Ich schloss die Augen und betete. Gottlob saß der Gatte am Steuer, der allerdings ob meiner Jämmerlichkeit ein wenig die Contenance verlor.

Immer, wenn er mir rechts oder links etwas zeigen wollte, wimmerte ich nur vom Beifahrersitz. So etwas hatte er ja seit Feteira nicht mehr erlebt! Ich war jedenfalls froh, als wir unbeschadet wieder im Flachland waren. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Ausblick wirklich ausgezeichnet war.

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Der Abend verging mit einem Gläschen Basalto bei Sonnenuntergang an der Steilküste. Schön war das. 

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Für den folgenden Tag war der Besuch von Furnas und dem Lagoa das Furnas geplant. Das hatte ich im letzten Jahr verpasst, weil ich halbtot und erkältet im Haus rum lag. Jetzt aber! Diesmal war ich dabei!

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Zuerst schauten wir uns die Kochstellen, sog. „Fumaroles“, an, in die die ortsansässigen Hotels große Töpfe mit „Cozhido“ versenkten, der dann einige Stunden im heißen Schwefeldampf garte. Überall schwefelte und brodelte es. 

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Am Lagoa das Furnas stank es dann nicht mehr nach Hölle-Hölle-Hölle, sondern war sehr hübsch. Irgendwie hatte ich etwas mehr Hades-mäßiges erwartet. Wir liefen am Westufer bis zur Hälfte um den See herum. Die Wege sind sehr abwechslungsreich und schön schattig.

Lediglich auf die lächerlichen „Kunstwerke“ vom letzten Stihl-Woodcarving-Contest hätte man locker verzichten können. Hans-Peter Stihl, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages hat zwar schon einiges an Leid über deutsche Arbeitnehmer gebracht, aber mit der Ausrichtung eines Woodcarving-Contests auf den Azoren hat er eindeutig überzogen. Oder um mit der Kanzlerin zu sprechen: „Das geht gar nicht.“ 

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Nach Durchsicht der Gewinner-Elaborate ist man heilfroh, nicht erfahren zu müssen, wie die Werke der Zweit- und Drittplatzierten ausgesehen haben. Gulp!

Zurück zum See: Wirklich schön mit netten Uferplätzen und immer wieder anders. Mehr Fotos auf Flickr.

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Und wo wir gerade bei schönen Plätzen sind: Unser Weg führte uns anschließend in den Parque Terra Nostra in Furnas, der mit Abstand der schönste Park ist, den ich je besucht habe.

Vor dem dazugehörigen Hotel gibt es ein riesiges Schwimmbecken mit schwefeligem Inhalt, indem aber auch wieder nur einer von uns schwamm: der Gatte. Das Wasser ist zwar konstant 38° C warm, was mir prinzipiell entgegenkommen würde, aber es stinkt total schwefelig. Börks.

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Zu Abend aßen wir dann nochmals meinen neu entwickelten Bohnentopf, dessen Rezept ich bei Gelegenheit (Herbst vielleicht?!) mal verbloggen werde.

Der nächste Tag verging für den Gatten mit zwei Tauchgängen und für mich mit einem Buch auf der Terrasse. Herrlich. Für beide…

Abends marschierten wir wieder in die Bar Calhoura und gönnten uns Käse & Brot, Makrele, Barracuda, Bolo de Ananás und Maracujamousse. Faul rumliegen und essen war auch mal nicht schlecht. Vor allem die frischen Feigen vom Frühstück sind auch eine Erwähnung wert. 

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Der nächste Tag begann wie der vorherige. Abtauchen war angesagt. Am Nachmittag fuhren wir dann nach Ponta Delgada, da zum einen ich mir mal die Stadt, in der wir beim letzten Mal nur einen Abend verbracht hatten, anschauen wollte, und zum zweiten für den letzten Abend ein Tisch im „Tasca“ reserviert werden sollte.

Ersteres gelang, die Tischreservierung scheiterte. Komplett ausgebucht. Mist! Nach dem letzten Besuch wollten wir unbedingt nochmals dort essen. Das war jetzt natürlich blöd.

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Wir schlenderten also etwas frustriert durch die Stadt, sahen uns einen Park an (der andere war geschlossen…), fanden zufällig den letzthin in einer einzigen Nacht vernichteten Anis-Likör zu einem unglaublich günstigen Preis, sodass wir eine Flasche erstanden, bummelten durch den Hafen – und standen vor den Läden mehrerer Anbieter von Whale-Watching-Touren.

Mmmhhh… Auf Pico hatten wir schon überlegt, weil es doch beim letzten Mal so unglaublich schön gewesen war, aber wir hatten gezögert. Nachher sieht man nichts oder es ist sonstwie blöd… Soviel Glück wie bei der letzten Tour hat man sicher nicht immer…

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Hier nun rangen wir uns doch noch auf den letzten Drücker dazu durch, zwei Tickets für den kommenden Tag zu erwerben. Und wenn schon… Risiko! Im Untertaunus sieht man ja so selten Wale oder Delphine.

Zuletzt schauten wir uns noch die Arruda-Ananasplantage an, die wir allerdings erst nach endloser Suche in Fajã de Baixo fanden. Der Azoraner an sich hält eh nicht sehr viel von Ausschilderungen…

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Der Abend verging auf der Terrasse mit der Vernichtung von Lebensmittelresten, die wir weder wegwerfen, noch in den Koffer packen mochten.

Und jetzt kommt er auch schon: unser letzter Urlaubstag! Heul… Zähneknirsch…

Vor unserem Whale Watching schauten wir uns noch die Keramikmanufaktur Viera an, die diese netten Azulejos und allerlei Geschirr in blau-weiß herstellen. Ein bißchen was würde doch noch in die Koffer passen. Der Gatte war kritisch. Klar.

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Und dann ging es auch schon zum Hafen. Und ins Boot. Ein deutlich größeres Boot diesmal, das wohl die befürchtete Flutung meiner Kamera verhindern würde. Tat es dann auch.

Und wir hatten Glück! Wir sahen Tümmler, Fleckendelphine und Pottwale. Und ich konnte – das hatte ich mir schon die ganze Zeit gewünscht – tatsächlich ein Walschwanzflossenfoto beim Abtauchen machen! Und der Wal, der abtauchte, hatte ein erst wenige Tage altes Kalb dabei. Hach!!!

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Das Whale Watching war eine sensationell gute Idee gewesen. Beim letzten Abendessen in der Bar Caloura waren wir immer noch total begeistert.

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Das hinderte uns jedoch nicht daran, und wieder einen nett aussehenden Fisch aus der Vitrine auszusuchen, der kurz darauf auf dem Grill landete. Meiner ist der Zweite von links. 

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Gegrillt sah er dann zwar etwas anders, aber deutlich leckerer aus, der Kleine. Und er schmeckte sensationell. Skorpionfisch hatte ich vorher noch nie probiert und war echt begeistert. Der Chef gönnte sich zum Abschied nochmal eine Pfanne Lapas. Vorab hatten wir Käse & Brot und einen Salada Polvo.

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Zum Dessert gab es für mich nochmals Puddim Inhame. Hier beging der Gatte den Fehler etwas Neues testen zu wollen. Das Glas mit dem pinkfarbenen Zeugs sah aber auch lecker aus. Sah aber leider nur so aus – die Mousse Babosa. Schmeckte total langweilig. Schade…

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Und das war es dann jetzt auch schon. Am nächsten Morgen ging es zum Flughafen, in den Flieger und nach Frankfurt. Schön war’s, Azoren! Bye-bye, Wale!

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Unsere vorletzte Urlaubsstation war Flores, die westlichste Insel des Archipels. Es liegt eigentlich schon auf der amerikanischen Kontinentalplatte und driftet Jahr für Jahr einige Zentimeter weiter von der Zentralgruppe weg. Zusammen mit Corvo natürlich.

Nach Flores bietet die SATA Direktflüge nur von Ponta Delgada auf São Miguel und von Horta auf Faial an. Wir nahmen also von Pico erstmal nach Faial die Fähre, um dann weiter nach Flores zu fliegen.

Wie wir bereits im vergangenen Jahr feststellen durften, gibt es ein „Peter Café Sport“ im Flughafen von Horta. Und das war unser perfider Plan: Die Koffer wurden gleich bis Flores eingecheckt, sodass wir uns knapp zwei Stunden im Flughafen herumtreiben konnten. Und was macht man da um zehn Uhr morgens? Genau! Gin-Tonic trinken. Auf die Tageszeit konnten wir in diesem Fall keine Rücksicht nehmen.

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Nachdem wir jeweils zwei Erfrischungsgetränke auf der Sonnenterrasse mit Blick auf die Start- und Landebahn zu uns genommen hatten, war der Weiterflug – zumindest für mich – deutlich weniger furchteinflößend. Hicks!

Geschmeidigen Schrittes wurde die Q400 erreicht, die uns nach Flores brachte. Was für ein stressfreier Flug! So kann man das durchaus aushalten. Leider gibt es nicht an jedem Flughafen ein „Peter Café Sport“, in dem zwingend Gin-Tonic getrunken werden MUSS.

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Flores selbst gefiel uns gleich von Anfang an. Noch grüner, noch blumiger – und der Himmel irgendwie noch ein bißchen blauer. Wir steuerten den westlichsten Ort Europas, Fajã Grande, an, von dem aus eine Sackgasse zu unserem kurzfristigen Zuhause in Ponta da Fajã führte. Hinter dem Ort endet die Straße. Das Ende der Welt sozusagen.

Das Häuschen war super und hatte einen hübschen Garten hinter dem Haus mit Blick auf die Wasserfälle an der Felswand hinter dem Ort. Die Küche war sehr geräumig, sodass ich erstmal meine wachsende Tomatenkernsammlung ausbreiten konnte.

Unser erster Weg führte uns nach dem Auspacken zurück nach Fajã Grande, wo es ein vielgelobtes kleines Restaurant geben sollte, das „Maresia“. Es war zwar noch geschlossen, aber wir konnten bereits einen Tisch für den Abend reservieren. Strrrike!   

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Anschließend machten wir uns in unserem KIA Rio (schon wieder…) auf den Weg zum Einkaufen. Nach vier geschlossenen Minimercados fuhren wir nach Santa Cruz das Flores, um im „Hiper“ am Flughafen das Nötigste zu besorgen. Alle paar Kilometer stellten wir dabei neue Mängel am KIA fest.

Wer auch immer das Ding vor uns gefahren hatte – und es hatte erst 20.000 Kilometer auf dem Tacho – er musste es brutalstmöglich malträtiert haben. Nie zuvor habe ich ein neues Auto gesehen, das so nachhaltig zu Tode gequält worden war. Das Getriebe war so fertig, dass auf den wenigen Streckenabschnitten auf Flores, auf denen man den vierten Gang hätte nutzen können, stets irgendwann der Gang rausflog und sich in den Leerlauf verabschiedete. Das arme Ding…

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Um den Rest des Tages noch zu nutzen, machten wir uns auf den Weg zu den Seen im Inselinneren. Will wer die Namen wissen? O.k.: Lagoa Branca, Lagoa Seca, Lagoa Negra, Lagoa Comprida, Lagoa Funda. Hihi…

Die Rundwanderung, deren letztes Stück an der Landstraße entlang führte, hätte uns dann allerdings fast unser junges Leben gekostet. Auf den letzten Metern kam uns einer der üblichen Jeeps entgegen, auf den man allerdings quaderförmige Heuballen geladen hatte, für die man hierzulande einen Traktoranhänger genommen hätte.

Das Ding kam auf uns zu. Wir standen erst wie erstarrt und flüchteten dann die Böschung hoch. Das MUSSTE kippen. Das ging gar nicht anders. Es raste an uns vorbei und bog um die nächste Ecke. Ich verfluchte mich, weil ich es nicht fotografiert hatte.

Als wir später mit dem Auto exakt auf der Fahrtroute des „Heuwägelchens“ entlang fuhren, stellten wir fest, DASS es gekippt war. Und zwar exakt hinter der Kurve, an der es uns passiert hatte. Die gesamte Fahrbahn lag voller Heu. Offensichtlich hatte man es aber geschafft, alles wieder aufzuladen und die Fahrt fortzusetzen. Unfassbar.

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Wir fuhren schließlich zu unserem reservierten Tisch im „Maresia“ und verbrachten einen der schönsten Abende des gesamten Urlaubs dort. Der Service war ausgesprochen angenehm, das Essen köstlich (das Beste, das wir auf den Azoren aufgetischt bekommen haben!), die Aussicht aufs Meer genial. Und schließlich tranken wir unseren Pico-Wein während des westlichsten Sonnenuntergangs Europas aus.

Ohne Übertreibung: ein perfekter Abend!

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Am nächsten Morgen fuhren wir nach Santa Cruz, um zwei Plätze auf der Corvo-Fähre zu ergattern. Das war nicht einfach, denn erstens war die Fähre übers komplette kommende Wochenende ausgebucht, da auf Corvo die extrem wichtigen Festivitäten zu Mariä Himmelfahrt anstanden, und zweitens wurden wir derartig gründlich legitimiert, dass wir fast vermuteten, die Anforderung von polizeilichen Führungszeugnissen sei vor der Überfahrt erforderlich.

Schließlich erhielten wir Tickets für zwei Plätze am kommenden Tag. Leider war die erste Fähre bereits ausgebucht, sodass wir die zweite nehmen mussten, was die Zeit unseres Aufenthalts stark verkürzte. Zum Krater hochlaufen käme nicht in Frage. Recherchen ergaben, dass es auf Corvo ein Taxi gab, das zur Ankunftszeit der Fähre immer im Hafen stünde. Man durfte gespannt sein…

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Nachdem wir das Büro der Fährgesellschaft, dessen Grundfläche die der Fähre etwa um das Vierfache übertraf, verlassen hatten, trafen wir zufällig in Santa Cruz einen wirklich genialen Taxifahrer. Er sprach perfektes Englisch, war ausgesprochen nett und fragte uns, ob er uns irgendwo hinbringen könne.

Das traf sich perfekt, brauchten wir doch ein Taxi für die bevorstehende Wanderung. Wir verabredeten uns in einer Stunde vor unserer Unterkunft, damit er uns zum Ausgangspunkt unserer Wanderung bringen könne.

César Augusto Fonseca holte uns gutgelaunt und pünktlich direkt vor der Haustür ab. Er erzählte auf dem Weg nach Lajedo viele interessante Dinge über die Insel und ihre Bewohner, über die Geschichte unseres Wanderwegs und war auch so eine echte Wohltat. Riesenempfehlung!

Falls jemand einmal eine Rundfahrt über die Insel unternehmen möchte und einen freundlichen und kompetenten Taxifahrer braucht, so ist er definitiv die richtige Wahl. Im Gegensatz zu dem schlecht gelaunten Großtaxifahrer, der uns auf unserer Wanderung begegnete, und der – während er missmutig zwei Touristen an einem Miradouro absetzte – seinen Müll aus dem Taxi mitten ins Naturschutzgebiet warf.

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Von Lajedo aus führte uns unser Weg über Mosteiro, Caldeira, Fajãzinha und Fajã Grande zurück nach Ponta da Fajã. Genauso empfehlenswert wie der Taxifahrer war die Wanderung. In Mosteiro gab es einige „Vende-Se“-Häuser. Ich war kurz davor, den gesamten Ort aufzukaufen. Ganz toll!

Caldeira ist ein „Geisterdorf“, dessen letzte Bewohner 1992 weggezogen waren. Jetzt gewinnt mal wieder die Girlandenblume den botanischen Kampf und wuchert praktisch den ganzen Ort und die verlassenen Häuser zu.

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Als wir schließlich „zu Hause“ eintrafen, gab es mal wieder ein selbstgekochtes, tomatiges Abendessen, nach dessen Abschluss eine Horde hungriger Katzen bettelnd unseren Garten überfiel.

Am Ende mussten sie sich mit in Sahne eingeweichten Keksen begnügen und erklären lassen, dass wir sie keinesfalls im Haus dulden würden. Etliche Versuche hineinzugelangen wurden brutal vereitelt.

In dieser Nacht fiel uns zum ersten Mal auf, wie besch***en die Matratze war. Zu kurz, zu schmal und zu alt. Wirklich das einzige Manko am Haus – aber ein nicht zu Unterschätzendes… 

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Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum Fähranleger, um nach Corvo überzusetzen. Die „Fähre“ Ariel entsprach dann nicht ganz dem, was wir uns bislang unter einer Fähre vorgestellt hatten. Sie bot Platz für zwölf Personen plus Kapitän und Skipper, der exakt aussah wie Eusébio.

Außer uns waren noch drei Touristen an Bord: ein Schweizer Ehepaar und ein alleinreisender Chinese, der perfektes Portugiesisch beherrschte und außergewöhntlich kontaktfreudig war. Tao, so hieß er, organisierte dann irgendwie alles weitere. Er besorgte ein Taxi, das uns zum Vulkan herauffahren und anschließend wieder zur Fähre bringen würde. Er unterhielt sich mit allerlei Menschen unterwegs. Und er stapfte schließlich in Badeschläppchen mit uns Richtung Krater.   

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Der „Caldeirão“ ist bereits beim ersten Anblick atemberaubend. Wir hatten allerdings auch das unglaubliche Glück, einen echten Schönwettertag erwischt zu haben. Bei unserer Abfahrt bezog es sich bereits wieder und von Flores aus lag Corvo bis zu unserer Abreise drei Tage später in Wolken.

Zu fünft stiegen wir in den Krater ab. Der einzige, der es sich am Ende zutraute, den Rundweg um die Kraterseen in der Kürze der Zeit zu schaffen, war der Gatte. Wir anderen machten Fotos, beobachteten Kühe und staunten einfach nur.

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Tao ließ sich unzählige Male mit ausgebreiteten Armen vor dem Krater fotografieren. Ich wechselte alle zehn Minuten das Objektiv und war völlig fasziniert. Die Schweizer wanderten umher.

Außer uns war allerdings eine weitere Wandergruppe unterwegs. Der Gatte begegnete ihnen auf halbem Weg um die Seen. Ich traf sie beim Aufstieg. Und was vernahm ich da?! Sächsisch! Gut… Das „Rammstein“-Shirt hätte mir eigentlich bereits Warnung genug sein sollen…

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Sie saßen dann auch im Anschluss noch im Café im Hafen, bestellten „Expresso“ und Eis, über dessen herausragende Qualität sie sich lautstark in breitestem Sächsisch wunderten (es handelte sich übrigens um ein Produkt der Firma „Nestlé“, das sicher auch in Dunkeldeutschland vertrieben wird…) und suchten sich einen Platz, an dem sie einen „Überblick“ haben würden. Jaaaaa… Nuuuuun…

Am Ende mussten wir nicht die Fähre mit ihnen teilen, sondern bewunderten sie beim Besteigen eines kleinen Motorboots, das sie – offensichtlich sehr zum Leidwesen ihres etwas mißmutigen „Wikinger Tours“-Reiseleiters – nicht auf offener See versenken sondern zurück nach Flores bringen würde. 

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Lustig übrigens die Info, dass es die EU mehr kostet, die Schule und die Verwaltung auf Corvo aufrecht zu erhalten, als sämtliche Einwohner auf Lebenszeit im besten Hotel Lissabons unterzubringen. Da mag ich die EU ja irgendwie wieder. Sowas muss einfach drin sein. Nett auch, dass der mächtigste Finanzminister der Welt davon nichts, aber auch gar nichts haben wird. Er käme nicht mal ohne fremde Hilfe die Treppe vom Hafen hoch. O.k. – das war böse. Aber egal! Vielleicht finden das ja wenigstens die Griechen witzig.

Das erste Telefongespräch von Corvo aus wurde übrigens 1973 geführt. 1975 kauften sich auf Flores die ersten 100 Familien ein Fernsehgerät. Leider umsonst, da das Signal von Terceira aus im Westen zu schwach war. Erst zur Fußball-WM 1986 änderte sich das. Bis dahin gab es auf der Insel auch immer noch Menschen, die noch nie in ihrem Leben Schuhe getragen hatten.

Sooo lange ist das alles ja nicht mal her. Man mag es kaum glauben, wo man doch heute auf Corvo hervorragenden Maschinencafe und perfekt gekühltes Sagres trinken kann.   

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Dank der Einnahme von Medikamenten, um die Überfahrt mit der „Ariel“ zu überstehen, ohne die Fische zu füttern, fiel der Gatte nach unserer Rückkehr ins Haus auf Flores in ein reisetabletteninduziertes Wachkoma. Aber da war der Tag ohnehin zu Ende – und wahrscheinlich erleichterte es ihm die Nacht auf der grausamen Matratze.

Am kommenden Tag war wieder eine Küstenwanderung geplant. Mir graute es bereits am Morgen. Wir beschlossen, dass ich nur die Hälfte des Weges absolvieren würde, dann zum Auto zurück liefe und es nach Hause brachte, während der Chef später nach vollendeter Streckenwanderung dort zu Fuß eintreffen würde.

Als wir am Ausgangspunkt der Strecke ankamen, stellte ich fest, dass sich in den Wanderschuhen im Kofferraum keine Socken befanden. Ich hatte sie vergessen… Den Weg in Crocs oder in sockenlosen Wanderschuhen anzugehen, war keine gute Idee. Ich fuhr also das Auto wieder zurück und der Gatte nahm alleine die Wanderung in Angriff.

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Auf dem Weg von Ponta Delgada das Flores nach Ponta da Fajã begegneten ihm dann wieder unsere sächsischen Freunde. Allerdings in Gegenrichtung. Der Reiseleiter hatte die unangenehmere Variante mit dem brutalen Anstieg gleich zu Anfang gewählt.

Und währenddessen lag ich mit einem Buch im Garten des Häuschens, lauschte dem Rauschen der Wasserfälle und ließ es mir gut gehen. Sooo schlecht war der Tag nun auch wieder nicht. Gar nicht so schlimm, wenn man mal seine Socken vergisst…

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Nach der Rückkehr des tapferen Alleinwanderers begaben wir uns zum Poço do Bacalhau, einem kleinen See unterhalb eines Wasserfalls, in dem man baden konnte. Ich kniff abermals. Der Anblick eines fast erfrierenden Kindes im Wasser genügte mir. Der Gatte ließ sich trotzdem zu Wasser.

Am Ablauf des Sees gibt es eine Reihe von Wassermühlen, die allerdings leider nicht mehr in Betrieb sind. Schade.   

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Bei der Küstenwanderung am nächsten Morgen wurde vor der Abfahrt kontrolliert, ob meine Socken im Kofferraum seien. Waren sie. Wir wollten zur Fajã de Lopo Vaz. Es ging steil hinunter auf einem alten Eselspfad – und hinterher dementsprechend wieder steil hinauf, aber das war es wert.

Der geplante Rundweg – oberhalb der Fajã hin, zum Meer runter, am Meer entlang zurück – war leider am Endpunkt total verwachsen. Ein Abstieg war ohne größere Risiken unmöglich. Wir liefen also oberhalb wieder zurück und gingen dann von dort aus an den Strand.

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Aufs Baden verzichteten wir trotz mitgebrachter Schwimmsachen, da die Brandung einfach zu heftig war. Als ich mit den Füßen ins Meer stieg und ein wenig herumplätscherte, erwischte mich eine Welle und durchweichte mich bis zur Hüfte. Das langte dann erstmal.

Wir lagen ein wenig am Strand herum, an dem beeindruckend viele Steinmännchen gebaut worden waren, bis meine Klamotten wieder abgetrocknet waren. Sehr schön dort. Wirklich!

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Die Schönheit des Weges erkannte ich erst beim Aufstieg. Erstens war das Wetter da deutlich besser und zweitens war ich da ja auch deutlich langsamer unterwegs. Besonders die Marienstatuen kurz vor dem Ende ergaben beim Aufstieg auch viel eher einen Sinn.

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Nachdem wir anschließend die Koffer gepackt hatten, fuhren wir zum „Maresia“, um dort unseren letzten Flores-Abend zu verbringen. Es gab Tomatensalat, Gambas, Thunfischsalat und Frischkäse mit Honig.

Und wir saßen erneut, bis die Sonne unterging. Traumhaft.

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Weniger traumhaft, dass der Gatte in unserer letzten Nacht irgendwann das Bett verlassen musste, weil er es auf der Drecksmatratze nicht mehr aushielt. Er verbrachte dann den Rest der Nacht auf dem Wohnzimmerboden mit einem uralten, ausgeklappten Zwergensofa unter sich.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter. In diesem Zusammenhang seien unbedingt die atemberaubend schönen Sitzgruppen am Flughafen von Flores erwähnt, in denen wir einen Cafe tranken, bevor es losging.

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Und das war es dann auch schon mit Flores. Vielleicht hat es mir doch ein gaaanz klein wenig besser gefallen als Graciosa. Aber nur ein ganz klein wenig.

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Auf Pico waren wir ja bereits im vergangenen Jahr, damals allerdings nur kurz am Ende des Urlaubs. Und damit war das Thema „Pico“ irgendwie nicht so zufriedenstellend abgeschlossen. Deshalb legten wir in diesem Jahr nochmal vier Tage nach.

Nach der Übernahme eines Peugeot 207, der mal wieder erst nach endlosen Nervereien und Verzögerungen in unsere Hände gelangte – Autoverleih auf Pico? Totaler Mist! -, machten wir uns auf die Suche nach unserer Unterkunft. Und das war nicht einfach.

Im Verlaufe dieser Aktion trieb ich den Gatten praktisch in den Wahnsinn. Dazu muss man wissen, dass Calheta de Nesquim recht steile Straßen hat, die allerdings gegen die in „unserem“ Ortsteil Feteira Autobahnen waren. Alle Häuser liegen an extremen Gefällen. Die Straßen sind immer so eng, dass man (ich…) befürchten muss, irgendwo in einer Gasse hängen zu bleiben, aus der man sich mit einem schrottigen Peugeot 207 jedenfalls nicht mehr befreien kann.  

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Am Ende war es fast soweit, dass ich irgendwo im nirgendwo ausgesetzt worden wäre. Im Nachhinein betrachtet vielleicht sogar mit Recht…

Um das Elend nicht unnötig ausführlich in die Öffentlichkeit zu zerren, hier das Ergebnis: Wir fanden das Haus. Es war toll, hatte aber einen Parkplatz, den wir nur ungern befahren mochten. Wir parkten das Auto eine Straße weiter unten.

Nächste Empfindung: Hunger! Recherchen hatten ergeben, dass es im Hafen von Calheta de Nesquim ein kleines, einfaches Fischrestaurant geben sollte. Perfekt also eigentlich für geschwächte und genervte (Gatte) bzw. nervige (ich) Angereiste. Wir liefen steil bergab, fanden aber das Restaurant nicht. In der Bar an der Kirche erhielten wir dann die Auskunft, dass es seit einiger Zeit nicht mehr existiere. Na danke…

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Wir marschierten also in Ermangelung irgendwelcher Alternativen wieder bergauf. Steil bergauf. Als wir wieder am Haus waren, bot ich an zu kochen. Der Gatte jedoch tat eine Alternative auf. Das „Ponta da Ilha“ in Manhenha. Klang alles ganz gut. Nix wie hin, bevor die Küche geschlossen hätte.

Das Essen sah gut aus, die Vorspeisen (Garnelen und Lapas) waren auch in Ordnung, mir schmeckte auch mein Hauptgang – gut… bei Atum grilhado kann man auch nicht viel falsch machen -, aber des Gatten Tintenfisch war mindestens zweimal getötet worden und zäh wie Leder. Nach zwei Dritteln strich er die Segel bzw. das Besteck. Auf Desserts verzichteten wir.

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Am nächsten Morgen fanden wir, dass das eine gute Entscheidung gewesen war. Uns war nämlich schlecht. Die Serpentinenfahrt zu Pico und Lagoa de Capitão machte die Sache nicht besser. Wir waren irgendwie ziemlich platt. Beide. Das Essen? Keine Ahnung.

In der Hoffnung, frische Luft und eine Wanderung würden uns helfen, mit dieser kurzfristigen Schwäche fertig zu werden, machten wir uns auf den Weg. Die Wanderung war dann auch wirklich nett – immer den Pico im Blick – und ging am Ende über Kuhweiden (ohne Kuhhunde!) zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf São Jorge.

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Richig fit waren wir anschließend zwar immer noch nicht, aber des Gatten Energie reichte aus, um im Hafen von Santo Amaro bei der Tauchbasis von „Cowfish“ vorbeizuschauen und einen Termin für zwei Tauchgänge zu vereinbaren. Pedro machte einen äußerst vertrauenswürdigen Eindruck. Ich würde ihm wohl „mein Ehgemahl“ anvertrauen können.

Beim Abendessen gingen wir auf Nummer Sicher und warfen den Gasherd an. Unterwegs hatten wir Tomaten besorgt, die außer der Sättigung auch dem Ausbau der schwestergemeinschaftlichen Tomatensamenbank zu Gute kommen sollten. Die waren aber auch wirklich überzeugend. Ab diesem Zeitpunkt standen praktisch immer irgendwelche Gläser mit eingeweichten oder Teller mit zum Trocknen ausgelegten Tomatensamen in der Gegend rum. 

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Am nächsten Morgen – wir wachten wie neugeboren auf – brachte ich den Gatten zur Tauchbasis und ließ mich anschließend auf einen Cafe in der Bar von Santo Amaro nieder. Dank der umgehängten Kamera kam ich sogleich mit dem Kaffeemann ins Gespräch. Sein hervorragendes Englisch und seine ausnehmende Freundlichkeit machten die Sache sehr einfach.

Am Ende zeigte er mir auf seinem Handy die Sonnenaufgänge der vergangenen Wochen und ich ihm auf meinem Kameradisplay die Pico-Fotos der letzten Tage. Ein netter Mensch!

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Nachdem der Gatte nach Begegnungen mit Muränen, Barracudas und Thunfischen wieder aufgetaucht war, schauten wir uns die Südseite von Pico an. Die nette Windmühle war natürlich ein hervorragendes Fotomotiv: Moinho da Ponta Rasa. Sie hatte zwar eine Hausnummer, aber zum Bewohnen schien sie ein wenig zu klein zu sein. Die Azoraner hätten vermutlich wieder ein viel zu kurzes Bett darin platziert…

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Nach einem kurzen Zwischenstopp an der bereits im vergangenen Jahr besuchten Badestelle in Terra do Pão, an deren Kaffeebar sich an diesem Tag allerdings zahlreiche Azoraner zum Après Kirchgang mit aufgebrezelten Kindern im Schlepptau und Sagres in der Hand verabredet zu haben schienen.

Wir fuhren weiter nach Porto do Calhão und stellten das Auto ab. Hier schien gerade ein Fest im Gange zu sein. Musik aus Lautsprechern, Superbock vom Fass für 1,00 € pro Plastikbecher und gutgelaunte Menschen in strahlendem Sonnenschein empfingen uns.

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Wir legten die Rucksäcke ab, organisierten uns ein Bier und setzten uns auf die Kaimauer. Toll! Wir organisierten uns noch ein Bier. Immer noch toll! Hier hätte man wirklich in diesem Moment festwachsen mögen.

Da wir uns aber die Adegas anschauen wollten, kam das natürlich nicht in Frage. Gutgelaunt marschierten wir anschließend durchs UNESCO-Weltkulturerbe Zona das Adegas do Pico. Hier kam also der regionale Wein her.

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Wirkt jetzt etwas seltsam für jemanden, der deutsche Weinberge gewohnt ist, aber „des g’hört so“. Lavatrockenmauern und dazwischen Wein. Nix angebunden und gepflegt. Keine ordentlichen Rebstockreihen. Und doch ist das Ergebnis durchaus trinkbar.

Am Auto tobte noch immer die Feststimmung. Wir tranken jeweils noch einen Plastikbecher Superbock und hatten das Gefühl, dass das ein echt gelungener Tag war. Schön!

Eigentlich wollten wir nun etwas essen, und eigentlich hatten wir dafür auch bereits ein Restaurant auserkoren. Wir machten uns also auf den Weg nach Prainha do Norte. Kurz nach uns traf dort ein schwäbisches Ehepaar ein, das ebenfalls auf einen Tisch wartete. Sie wurden zuerst gefragt – und bekamen den letzten Tisch im ausgebuchten Restaurant. Shit!

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Sauärgerlich… Ich war ziemlich angefressen. Wir verließen das Restaurant – nicht, ohne dass ich den Schwaben einen tödlichen Blick zugeworfen hätte – und marschierten frustriert zum Auto. Hinter uns her rannten die Schwaben und die Bedienung, um uns dazu zu überreden, aus dem deutschen Zweier- einen deutschen Vierertisch zu machen. Ooooch nööö. Ich war irgendwie zu angenervt.

Wir entschieden kurzerhand, das Abendessen ins „Estrela do Mar“ in der Nähe von Piedade zu verlegen, in dem wir bereits im vergangenen Jahr ordentlich gegessen hatten. Der Tag endete mit einem herrlichen Sonnenuntergang hinter der Badestelle und leckerem Essen. Der Thunfisch mit Knoblauchbrot (oben) zum Beispiel war einfach, aber einfach gut.

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Am nächsten Morgen war der Gatte wieder mit Pedro in der Tauchbasis verabredet, Zwei weitere Tauchgänge standen an. Ich machte es mir mit einem Buch auf der Terrasse gemütlich. Natürlich nicht, ohne vorher bei meinem neuen Freund einen Cafe getrunken zu haben. So könnten alle Tage beginnen!

Beim Gatten-Einsammeln gab es wieder einen Cafe. Und ein Problem. Meine portugiesische Handykarte wollte nämlich nicht mehr so, wie ich wollte. Ich fragte den netten Kaffeemann nach dem nächsten Vodafoneshop und wir begaben uns nach Lajes.

Das Problem war letztendlich, dass Vodafone wieder Geld von mir wollte. Nun denn. Ich zahlte halt. Man gönnt sich ja sonst nix…

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Und da der Vodafoneshop im Einkaufszentrum war, erstanden wir gleich Zutaten fürs Abendessen und kochten zu Hause. Bei dieser Gelegenheit schuf ich ein köstliches, neues Gericht aus Fejão Frade, Tomaten, Paprika und Piripiri. Dazu gab es Brot. Langte völlig.

Der folgende Tag war praktisch der einzige des gesamten Urlaubs mit nicht hervorragendem Wetter. Morgens regnete es. Grmpf! Wir saßen auf der Terrasse und beschäftigten uns still. Oder wie das so heißt…

Mittags wurde es besser und wir brachen zu einer Wanderung rund um Calheta de Nesquim auf.

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Schön war’s. Weiden, Felder, Gärten und ein malerisch gelegener Friedhof mit Meerblick… Und anschließend kehrten wir an der Badestelle in Calheta ein. Und das wurde definitiv unsere Lieblingsbadestelle auf den Azoren. Die Bedienung in der Bar war ausnehmend freundlich, der Cafe göttlich, das Sagres kostete 0,80 €, Meerblick, Ruhe. Schööön.

Nach der Rückkehr ins Haus gab es aufgewärmte Reste vom Vorabend mit wie gewohnt nicht sehr knusprigem Brot. Egal. Wir hatten noch Koffer zu packen. Am folgenden Morgen stand wieder mal ein Inselwechsel bevor.

Und wir hatten einen genialen, aber für einige Leser vielleicht auch schockierenden Plan. Achtung! Cliffhanger! Morgen mehr! 

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Graciosa ist die zweitkleinste Insel des Archipels und liegt im Norden der Zentralgruppe. Und ich war auf den ersten Blick verliebt. So ein hübscher Name – so eine schöne Insel! Bis auf weiteres erklärte ich Graciosa bereits am ersten Tag zu meiner neuen Lieblingsinsel der Azoren.

Endgültig geschehen war es um mich, als wir in Sichtweite unseres Quartiers waren. Die „Moinho de Pedra“ ist eine liebevoll restaurierte Windmühle direkt am Meer. Windmühlen gibt es auf Graciosa übrigens reichlich. „Unsere“ war die mit Abstand schönste der drei Mühlen. Die Inneneinrichtung war genauso hübsch wie die Mühle von außen.

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Unser Vermieter war bereits vor Ort, um uns die Schlüssel zu übergeben. Und als Begrüßung gab es eine Flasche Wein von Graciosa und eine Packung der legendären „Queijadas da Graciosa“ – kleine Küchlein, die so köstlich wie zuckrig waren. Dagegen stanken die Queijadas de Vila Franca do Campo auf São Miguel geradezu schmachvoll ab.

Um nicht wertvolle Zeit zu verschenken, machten wir uns auf die Suche nach einem Minimercado, was sich als nicht einfach gestaltete. In Carapacho wurden wir endlich fündig. Das Abendessen war gesichert.

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Für den Rest des Tages war dann noch eine Küstenwanderung (!) zum Furna do Enxofre geplant. Dabei handelt es sich um einen noch aktiven Vulkankrater, in den man mittels einer 183 Stufen langen Wendeltreppe hinabsteigen kann. Aber dazu später.

Der Weg führte uns erst durch allerlei liebliche Landschaftseindrücke auf Graciosa. Meist hatte man das Meer im Blick. Kühe, Weideland, Äcker zwischen Basaltmäuerchen – hach!

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Bevor man auf diesem Weg zum Furna do Enxofre gelangt, kommt man an einer Höhle namens Furna da Maria Encantada vorbei, die ebenfalls vulkanischen Ursprungs ist. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf den Krater.

Der Weg zum Furna do Enxofre führt durch einen Tunnel, der auch mit dem Auto befahrbar ist. Haben wir natürlich nicht getan. Das brachte dann allerdings die Kuh, die vor uns gemächlich durch den Tunnel latschte, in arge Bedrängnis, als sich von der anderen Seite ein Auto näherte.

Man merkte ihr regelrecht an, wie es in ihr arbeitete: hinten Menschen, vorne Auto… Verdammt!!!

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Der Furna do Enxofre ist wohl bisweilen wegen zu hoher CO2-Werte gesperrt. Wie gesagt handelt es sich ja um einen noch aktiven Vulkan. Wir hatten Glück und durften rein.

Die 183 Stufen sind nur die der Wendeltreppe. Insgesamt sind es ein paar mehr. Die Wendeltreppe im Schacht existiert seit 1939. Fertiggestellt wurden die begehbaren Teile 1953. Sehr dankbar sind die Azoraner – eine Gedenktafel! – übrigens offensichtlich immer noch dem „Principe Albert I. de Monaco“, der 1879 den Furna de Enxofre anlässlich eines Besuchs als „a unique miracle of nature“ bezeichnete.

Man beachte übrigens die Jahreszahlen. Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigten sich die Monarchen aus begüterten Zwergstaaten offensichtlich noch mit naturwissenschaftlichen Forschungen statt mit Bobfahren und Scheinehen. Aber gut. Lassen wir das!

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Im Vulkan selbst ist es immer noch ziemlich blubberig und schwefelig. Und irgendwie empfindet man schon ein wenig Ehrfurcht beim Anblick dessen, was hier Naturgewalten hinterlassen haben – und jederzeit wieder hinterlassen könnten, wenn sie denn gerade in der Stimmung sein sollten.

Anschließend war dann auch schon Abendessenszeit. Ich köchelte auf dem mühleneigenen Gasherd eine Tomatensoße mit Thunfisch ein, die gar nicht mal so übel war. Dazu gab es den Graciosa-Wein und zum Dessert Queijadas.

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Der zweite Graciosa-Tag begann mit einer Inselrundfahrt in unserem netten, kleinen Toyota Yaris. Mit Schaltgetriebe übrigens! Wir schauten uns zuerst bei noch etwas bescheidenen Wetterverhältnissen den „Clube Naval da Ilha Graciosa“ an, der uns allerdings jetzt nicht so wahnsinnig beeindruckte. Das einzige Boot weit und breit war ein winziges Ruderdings, das offensichtlich einsam und verlassen seit Jahren in der Gegend herum lag.

Von dort aus ging es zum Farol da Ponta da Barca, einem Leuchtturm, neben dem der Ilhéu da Baleia, der „Walfelsen“ liegt. Warum er so heißt, ist klar. So sieht er aus: 

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An dieser Stelle wäre vielleicht ein kleiner Exkurs zum Thema „Namensgebung auf den Azoren“ fällig. Bevor sich also im weiteren Verlauf der Reise jemand darüber wundern sollte, dass wir schon wieder in São Mateus landen oder zum wiederholten mal in Ribeira baden, möchte ich dazu kurz folgendes anmerken:

Der Azoraner an sich ist eher pragmatisch und benennt Ortschaften beispielsweise immer entweder nach einer geografischen Gegebenheit oder nach einem Heiligen. Da die Anzahl der Heiligen begrenzt ist, wiederholen sich Ortschaften wie São Mateus, São Sebastião oder auch São Roque immer wieder auf den verschiedenen Inseln.

Hinzu kommen Orte, die Ribeira Grande (großer Fluss), Ribeira Seca (trockener Fluss), oder Ribeirinha (kleiner Fluss) heißen. Berge werden ebenfalls so benannt, wie sie aussehen: Pico Verde (grüner Berg), Pico Alto (hoher Berg) usw. Das gleiche gilt für Seen: Lagoa Verde (grüner See), Lagoa Azul (blauer See), Lagoa Branca (weißer See), Lagoa do Fogo (nebliger See), Lagoa Seca (trockener See). Ist ja eigentlich ganz praktisch, aber wenn man ab und an die Insel wechselt, wird es etwas verwirrend.

Aber das nur mal so am Rande.

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Da wir uns am Abend eigentlich aushäusig zu verköstigen gedachten, und auf der kleinen Insel nur wenige Orte dafür in Frage kamen, schauten wir zwischendurch bei der „Quinta das Grotas“ vorbei, wo man uns allerdings mit einem Hinweis auf eine geschlossene Gesellschaft am Abend wieder hinauskomplimentierte. Mist.

Wir schauten uns Porto Afonso an, einen lustigen kleinen Hafen, in dessen Steilhänge man Garagen für die Boote gekratzt hatte, und beobachteten ein paar Seetangfischer bei der Arbeit.

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Für den Nachmittag stand aufgrund des Verpflegungsengpasses ein erneuter Einkauf an. Wir stellten den Wagen in Luz (ziemlich heller Ort) ab und wanderten zur Baia da Folga. Im „Restaurante do Mar“ waren wir schon gespannt auf die im Reiseführer beschriebenen ‚lederhäutigen alten Männer beim Kartenspielen‘, aber entweder hatten sie sich versteckt oder spielten gerade wieder Piratenspiele oder Stierkampf.

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Wir wanderten zurück nach Luz, kauften im „Supermercado Melo“ das Nötigste ein und machten uns schließlich auf den Heimweg. Morgens ging es dann bereits weiter nach Pico.

Vorher schauten wir uns noch die Badestelle in Barro Vermelho an. Das Schild könnte ich mir sehr gut an unserer Badezimmertür vorstellen: „Zona de Lazer e Balnear“. Einfach toll!

Da man nicht direkt von Graciosa nach Pico kommt, muss man Zwischenstation auf Terceira machen. Dort ging es dann von einer Propellermaschine in die andere. Und ab in die Luft. Até logo, Graciosa! 

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Bißchen absurd, das zu schreiben, wenn man gerade wieder zurück ist, aber das lässt sich nun leider nicht anders machen. Weil schließlich arbeiten wir uns ja von vorne nach hinten – chronologisch gesehen – durch den Urlaub. Mir den Massen von Fotos bin ich jetzt durch. Los geht’s mit dem Blog.

Ich starte heute mit der ersten Insel unser diesjährigen Azorenrunde: Terceira. Dem Namen nach hätte man sie eigentlich als dritten Anlaufpunkt wählen müssen, aber egal.

Am 02.08. starteten wir morgens Richtung Fraport durch. Die SATA wartete bereits begierig darauf, uns in Empfang zu nehmen und nach Ponta Delgada zu transportieren. Von dort sollte es dann mit der Propellermaschine weiter nach Lajes auf Terceira gehen.

 

Vorher wurde allerdings wieder die Lieblingskassette (!) des Piloten eingelegt. Der Spaß währte nur kurz. Die instrumentale Version von „Time to say Good-bye“ beunruhigt flugängstliche Menschen wie mich vor dem Start dann schon ein wenig…

Es folgten „Crazy little thing called love“ und „Chiquitita“ – beides ebenfalls grauslige Instrumentalversionen. Als ob die Songs an sich noch nicht schlimm genug wären… Nach Chiquitita war Schluß. Die Stewardessen begrüßten freudig ihre „Passageiros“ (was stets auf azoranisch wie „Paschascheisch“ klingt… Mag aber durchaus am Crew-„Sagres“ vor dem Abflug liegen) und turnten hochmotiviert ihre Notausgang- und Rettungswestenkür durch.

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Nach dem Start gab es dann das gewohnte Tablett mit allerlei Köstlichkeiten: Obstsalat aus dem Glas, trockene Schinkennudeln, ein Schwammbrötchen, Diätmargarine (im letzten Jahr gab es noch azoranische Butter zur Einstimmung), ein Gläschen „Gloria Patri“ und – das Highlight: ein genießbarer, kleiner Kuchen.

Der Film war schrecklich. Als ich endlich begriffen hatte, wie ich Ton auf meine Kopfhörer bekommen würde, wünschte ich mir, ich hätte es nicht verstanden. Kopfhörer raus. Augen zu. Auch dieser Flug verging irgendwann. Blöderweise stand da ja bereits der nächste an.

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In Ponta Delgada stiegen wir nämlich um in einen kleinen Bombardier Q200. Nachdem wir am Flughafenstand von Vodafone eine Datenflat-SIM ergattert hatten, ging es weiter nach Terceira. Im Flugzeug wurden wir getrennt, da keine zwei Plätze nebeneinander mehr frei waren. Ich verzichtete tapfer darauf, meinen portugiesischen Sitznachbarn zu bitten, beim Start mein schweißnasses Händchen zu drücken.

Nach der Landung in Lajes auf Terceira bemühte sich der Gatte erstmal um die Übernahme unseres Leihwagens für die kommenden Tage. Gegen meinen Willen bekamen wir einen niegelnagelneuen KIA Rio mit Automatikgetriebe und Klimaanlage. Die Klimaanlage war dabei nicht so sehr mein Problem. Bei Automatikautos bin ich mehr ein Suppenkasper. „Nein, mein Automatikgetriebe fahre ich nicht!“

Und nach der Verbrüderung des Gatten mit der Leihwagentante – gegen mich! – schon gleich gar nicht mehr. Pah!

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Da der vorausschauende Gatte bereits von Frankfurt aus einen Tisch fürs Abendessen reserviert hatte, mussten wir nun nur unsere Unterkunft finden, alles abladen und uns auf den Weg ins „Beira Mar“ im Hafen von São Mateus machen. Das Essen war wirklich toll. Die Tripadvisor-Empfehlung traf mal wieder voll ins Schwarze.

Was wir hatten? Vorab den geliebten Queijo con Pão, dann jeweils eine Suppe – der Gatte die Sopa de Peixe und ich die Tagessuppe, eine Sopa de Legumes -, anschließend Lapas und Schwertfisch und zum Abschluß einen Cafe. Mjam! Ein Dessert ging da nicht mehr.

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Nach dem Essen drehten wir noch eine Runde durch den Hafen. Das allerdings erst, nachdem wir für den übernächsten Abend gleich noch einen Tisch reserviert hatten. Das „Beira Mar“ ist wirklich eine Empfehlung wert. Frischer Fisch, lecker zubereitet, und ein freundlicher und flotter Service.

Ein echt gelungener Einstand auf Terceira. 

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Auf den gelungenen Abend folgte ein gelungenes Frühstück. Hier gleich die nächste Empfehlung: die Quinta das Merces in São Mateus. Vorweg: Wir waren mit Unterbringung und Frühstück mehr als zufrieden. Dass ich mir beinahe zweimal den Hals auf der Treppe in unserem hübschen Häuschen gebrochen habe, lag nicht am Häuschen, sondern an mir. Grrrr…

Am ersten richtigen Urlaubstag ging es mit dem KIA an der Westküste entlang zu einer Käserei. Die im Reiseführer (zum zweitenmal unterwegs mit „Azoren“ aus dem Michael Müller Verlag) avisierte Führung in der „Queijo Vaquinha“ fiel allerdings aus, da die einzige Person, die Englisch sprach, gerade etwas anderes zu tun hatte. Wir probierten den Käse. Und nahmen zwei große Stücke mit. Lecker!

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Mit der Ankündigung, einen See fotografieren zu können, lockte mich der Gatte anschließend auf eine Wanderung. Dass das Ding „Lagoinha“ – also kleiner See – hieß, hätte mich eigentlich stutzig machen müssen, aber ich war einfach zu begierig. Wenn man mir einen See vor die Nase hält, läufe ich wie der Esel hinter der Karotte her.

Die Rundwanderung von Serreta zum Lagoinha war allerdings toll. Bloß das Seelein war ein wenig enttäuschend. Und der Rückweg rutschig und steil. Da war die erste traditionelle Arschbombe fällig. Und wo ich das gerade schreibe, muss ich unbedingt anmerken, dass es auch die einzige des Urlaubs blieb. Dabei setze ich mich eigentlich immer mehrmals hin.

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Der Hinweg führte durch den Wald, der fast schon irreal schön war. Mehr Fotos als das oben gibt es auf Flickr („Azoren 2015“). Echt ein Traum. Den See selbst konnte man allerdings irgendwie nicht richtig sehen, da immer Bäume im Weg waren.

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Nachdem wir anschließend erstmal Wasser in einem Minimercado mit extrem unfreundlichem Eigentümer erstanden hatten, ging es weiter nach Biscoitos zur Badestelle. Bei der Badestelle handelt es sich um ein Natursteinbecken bzw. mehrere solche, das ziemlich überfüllt mit Einheimischen und Touristen war.

Trotz Flut und Absperrung der äußeren Badestellen stürzte sich der Gatte todesmutig in den Atlantik, während ich mich darauf beschränkte, Fotos zu machen. Die Brandung war toll.

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Anschließend ging es noch nach Angra do Heroismo. Angra war zweimal Hauptstadt der Azoren, ist es nun aber nicht mehr. 1580 war es, um die Spanier zu ärgern, zu den Portugiesen „übergelaufen“ und zur Hauptstadt erklärt worden. Den ersten spanischen Angriff wehrte man mit Stieren ab, beim zweiten drei Jahre später gingen den Azoranern entweder die Stiere aus, oder die Spanier hatten dazugelernt. Angra wurde zurückerobert.

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1828 wurde Angra dann nochmals Hauptstadt, konnte sich aber nicht dauerhaft halten. Nach dem Erdbeben in der Silvesternacht 1979/80 waren 65% der Häuser in Angra do Heroismo unbewohnbar. Davon ist allerdings mittlerweile nicht mehr viel zu sehen. Die meisten Fassaden erinnern nach dem Neuaufbau wieder an den ehemaligen Glanz der „Heldenhaften“.

Ganz ehrlich? Nachdem ich beim letzten Mal ziemlich begeistert von Ponta Delgada gewesen war, gefiel mir jetzt Angra eigentlich fast noch besser. Aber pssst!

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Das Abendessen verlegten wir anschließend in den Garten unseres Häuschens. Unterwegs besorgten wir Oliven, Brot, Thunfisch und Rotwein, Käse hatten wir aus der Käserei – was braucht man mehr?! Der Gatte erwähnte meine Knoblauchfahne mit keinem Wort. Ich hätte natürlich auch Oliven nehmen können, die ehegattenfreundlicher eingelegt gewesen wären…

Der zweite Urlaubstag sorgte dafür, dass wir uns eigentlich schon ziemlich „urlaubig“ fühlten. Tschüss, blöde Arbeitsplätze! Pah! 

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Für den kommenden Morgen hatte der Gatte eine „Küstenwanderung“ angekündigt. Klingt ja prinzipiell nett, aber er versteht irgendwie etwas anderes darunter als einmal am Strand von Pellworm entlang zu laufen. Das ist doch auch eine Küstenwanderung, oder?!

Jedenfalls hielten wir vorher im noch geschlossenen Strandbad von Quatro Ribeiras, das der Badestelle von Biscoitos durchaus das Wasser reichen konnte. Achtung! Geniales Wortspiel! Hier gab es sogar einen Pool.

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Und es gab natürlich auch Natursteinbecken. Mit Treppen, die einen unweigerlich an ein Escher-Bild denken ließen.

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Anschließend ging es dann jedenfalls zur Küstenwanderung in ein Vogelschutzgebiet. Sagen wir es so: Man kann es überleben. Und da hat sich jemand wirklich Mühe mit der Gestaltung des Wegs gegeben. Das waren hübsche Fotomotive. Danke!

Was dann kam, war allerdings wirklich beeindruckend. Der „Algar do Carvão“ ist ein Vulkankegel mit offenem Kamin aus Basaltgestein, in den man über Treppen bis in die Tiefe einsteigen kann. Faszinierend immer wieder der Blick nach oben in den feuchten, bewachsenen Kamin. Ein wirklich überwältigendes Erlebnis.

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Wie uns bei der Führung erzählt wurde, finden bisweilen wegen der guten Akkustik in der „Kathedrale“, einem runden Gewölbe im Inneren, sogar Konzerte statt. Das ist bestimmt faszinierend inmitten Jahrtausende alter Wände.

Schön, dass ich gerade so begeistert bin, dass ich den Besuch in den „Adegas Brum“ unterschlagen habe. Man hat dort ein kleines Weinbaumuseum eingerichtet und es gibt auch noch eine kleine Produktion eigenen Weins, den man probieren und mitnehmen kann. Im Handel ist er nicht zu erwerben. Wir schleppten eine Flasche Dessertwein in die Quinta, der uns bei der Weinprobe außerordentlich gut geschmeckt hatte, obwohl wir eigentlich beide nicht auf Madeira und Konsorten stehen.

Der wartet jetzt hier auf einen passenden Anlass. Lustig übrigens, dass wir einen guten Bekannten trafen:   

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Für unseren letzten Abend auf Terceira hatten wir ja nochmals einen Tisch im „Beira Mar“ reserviert. Ich wagte es sogar, ein Foto vom Langustenbecken zu machen. Langusten nahmen wir trotzdem nicht.

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Stattdessen gab es eine absolut göttliche Meeresfrüchtesuppe im Brotlaib, anschließend Ameijoas und Boca Negra und zum Dessert Cheesecake und Mousse au Chocolat. Und einen Cafe. Platt waren wir. Und glücklich.

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Und das war es dann auch schon. Gleich nach dem sehr frühen Frühstück ging es zum Flughafen in Lajes zum Einchecken des Gepäcks und zur Rückgabe des KIAs. Wir ließen uns noch auf einen Cafe in der „Bar Esperança“ direkt gegenüber dem Haupteingang des Flughafens nieder.

Die Eismaschine röhrte, der Verkehr strömte stinkend und hupend an uns vorbei – aber der Cafe schmeckte ausgezeichnet. Tschüß, Terceira. War schön bei dir.