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Schwierig heute. Nachdem ich die ganze Woche das Bloggen aufs Wochenende verschoben habe, fällt es gerade etwas schwer, über Essen zu reden. Ich halte es jetzt mal mit Joann Sfar:

„friends from the whole world,
thank you for #prayforParis,
but we don’t need more
religion! our faith goes
to music! kisses! life!
champagne and joy!
#Parisisaboutlife“

Und mehr möchte ich dazu nach all dem Betroffenheitsgeschwafel von Fußballkommentatoren, Nachrichtensprechern, Politikern und Oliver Bierhoff momentan auch nicht sagen. Punkt. Zumindest für jetzt.

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Champagner gibt’s nicht, aber ich habe ein Rezept zu bieten, das ich vor dem Untergang bewahren will. Also vor dem Untergang in meiner Zettelsammlung und meinem endlosen Wust von Notizen und Schnippeln.

Am vergangenen Montag landete testweise eine zweite Portion Rehrücken im Wasserbad. Dazu gab es als Beilage – abgesehen von Soße und Pilzwürfelchen – Dauphinekartoffeln nach einem Rezept aus „Sous-vide“ von Hubertus Tzschirner.

Und die Dinger sind absolut köstlich und passen gerade zu schonend gegartem Fleisch und eher weichen Beilagen ausgezeichnet als eine Mischung aus Wohlfühlgeschmack und Crunch.

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Und hier die Anleitung:

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Dauphinekartoffeln
Zutaten:
700 g mehligkochende Kartoffeln
1/4 l Wasser
70 g weiche Butter
150 g Mehl
30 g Speisestärke
4 Eigelb
1 Ei
1 TL Backpulver
2 EL geriebener Parmesan
etwas Meersalz
etwas Muskat
1 1/2 l Speiseoel zum Frittieren
Zubereitung:
Kartoffeln schälen und in Salzwasser kochen.
1/4 l Wasser mit Butter aufkochen, anschließend Mehl und Speisestärke unterrühren. Die Masse so lange auf dem Herd bei mittlerer Hitze rühren, bis sie einen festen Kloß bildet. Eier nach und nach zugeben und unterrühren.
Die noch warmen Kartoffeln hineinpressen. Mit Backpulver und Parmesan zu einem glatten Teig verkneten und mit Meersalz und Muskat abschmecken.
Für mindestens 30 Minuten kühl stellen.. Nocken abstechen und in erhitztem Frittierfett goldbraun ausbacken.
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Die Menge reicht für etwa sechs bis acht Portionen. Achtung! Ich habe es getestet. Aufbewahren und am nächsten Tag nochmals abbacken funktioniert nicht. Ich erspare uns allen hier mal die schmutzigen Details…

Frisch gemacht und abgebacken sind die Dinger der Hammer.

Zum Start der Rosenkohlsaison 2015/16 kommen wir dann morgen. Und Postelein gibt’s auch wieder.

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Da blieb nicht mal Zeit zum Posten. Das Wochenende war nämlich ein sehr arbeitsreiches. Freitag mussten erstmal Erdbeeren „weg“, die ich – weil sie so gut schmeckten und gerade auch günstig waren – am Stand meines Vertrauens in einer etwas übertriebenen Menge erworben hatte.

Ein Teil landete im Dessert, der Rest wurde mit Zucker, einem Schuss Himbeergeist und einem Spritzer Zitrone eingekocht, püriert und eingeweckt. Dieses Erdbeermus wird mit erfahrungsgemäß gute Dienste in erdbeerlosen Zeiten leisten. Man kann es als Fruchtpüree für die Eisproduktion verwenden, oder auch als Fruchtspiegel für Desserts. Ebenso etwas angedickt als Fruchtschicht in Törtchen. Der schmutzigen Erdbeerphantasie sind keine Grenzen gesetzt.

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Was mir am Freitag ebenfalls noch gelang, war die Verfeinerung meiner Bratkartoffelrezeptur. Bratkartoffeln sind ja nun etwas, dass ich sehr liebe, und das ich schon immer gerne gemacht – und gegessen! – habe. Was für ein Glück, dass Max auch ein ausgesprochener Bratkartoffelfreund ist. Oder zwangsläufig dazu gemacht wurde? Indoktrination nennt man das, oder?!

Jedenfalls gehöre ich seit ich denken kann den „Freunden der vorgekochten Bratkartoffel“ an. Letztendlich ist das wahrscheinlich eine Glaubensfrage. Ich mag sie jedenfalls so am liebsten. Dazu Zwiebeln und Schinkenwürfel. Die Schinkenwürfel wurden am Wochenende erstmal weggelassen.

Was man natürlich vor allen Dingen braucht ist eine Kartoffel, die nach Kartoffel schmeckt. Also eine gute Kartoffel aus vertrauenswürdigem Anbau. Keinesfalls eine von denen, deren Laub vor der Ernte chemisch weggespritzt wird, damit der Vollernter bequemer durch den Acker kommt.

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Diesen Kartoffelbetrieb haben wir jetzt in unserem Ökokistenlieferanten gefunden. Die Kartoffeln – gute Sorten, keine Supermarktware – sind geschmacklich toll. Wer sogar wider jede Rentabilitätsvoraussage Bamberger Hörnchen anbaut, muss ein Freund der guten Kartoffel sein.

Vergangene Woche hatte ich mal außer den obligatorischen Hörnchen zwei andere Sorten testweise mitbestellt. Besonders Agria – vorwiegend festkochend – hat es mir für die Bratkartoffeln angetan. 

Ich habe die Kartoffeln ordentlich geschrubbt, mit Schale gekocht und anschließend in dickere Scheiben geschnitten. Bei mittlerer Hitze durften die Scheiben je eine halbe Stunde von jeder Seite in Ghee braten. Gewürzt wurde mit grobem Meersalz, Pariser Pfeffer und wenig Bockshornklee.

Wenn die Scheiben gedreht werden – also nach der Hälfte der Garzeit -, kann man Schalottenringe zugeben und mitbräunen lassen. Die Kartoffelscheiben sollten von beiden Seiten richtig knusprig sein. So mochte selbst der Gatte sie, der nun wahrlich kein ausgesprochener Kartoffelfreund ist. 

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Samstag und Sonntag waren dann der Fortsetzung unserer Hochbeetpläne verschrieben. Den Samstag verbrachten wir mit der Montage des Tomatenbeets, das anschließend befüllt und mit Tomaten und Basilikum bepflanzt wurde. Da fehlt dann jetzt nur noch die Bedachung, aber die kommt auch ganz bald an die Reihe.

Den Sonntag nutzten wir, um das bereits aufgestellte dritte Beet zu befüllen und ebenfalls zu bepflanzen bzw. zu besäen. Da sitzen jetzt Hängeerdbeeren und Kürbisse drin, die in den letzten Wochen in Balkonkästen und Kübeln auf ihren Einsatz gewartet hatten. Zuletzt wurden noch verschiedene Pflücksalate und Spinat gesät.

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Bei der Befüllung des dritten Hochbeets gab der Gatte alles. Keine Ahnung, wie oft er mit der Schubkarre um den Block fuhr – leer bergab, voll bergauf – bis das Ding soweit aufgefüllt war, dass man ihm den Rest mit Kompost und Blumenerde geben konnte.

Nach Abschluss der Aktion sank er jedenfalls – geplagt von starken Heuschnupfenbeschwerden – ermattet in seinen Terrassenschaukelstuhl und verbrachte den Abend im Dämmerzustand. Sein Körper-Cetirizin-Anteil lag zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon bei besorgniserrengenden 60 Prozent.

Eine wirklich gute Ehefrau hätte die Arbeiten sicher längst abgebrochen, aber was Hochbeete angeht scheine ich mich emotional an Eiskunstlaufmüttern zu orientieren. Da darf man sich einfach keine Schwächen leisten. 

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Nach der Fertigstellung kochte ich die erste Ladung Holunderblütensirup ein. Die Verkostung folgte auf dem Fuße. Mjam! Gelungen!

Weniger gelungen dagegen: der Versuch von den unsäglichen Pflanzsteinen Nachschub zu besorgen. Das waren jetzt vier Baumärkte, die ich abgefahren habe, drei, die der Chef abtelefoniert hat – nix! Heute fanden sie sich dann bei OBI in Wiesbaden. Kann man vorbestellen und dann zum Wunschtermin abholen. Ausgezeichnet! Gleich mal bestellt.

Damit ist die gesamte Heckenseite vor dem Küchenfenster vom Komposter bis zum Carport beordentlicht. Zumindest an einer Seite. Zur Hecke hin kann dann lustig gemulcht werden. Und die – ich hasse sie trotz allem zutiefst! – Pflanzsteine erfüllen eine nützliche Funktion als Minihochbeete für die ein oder andere zu expansionsfreudige Kräutergattung.

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Die Kapuzinerkresse geht derweil darin ab wie ein rotes Moped. Und von mir aus kann sie Richtung Hecke wuchern soviel sie mag. Wer schön blüht und gut schmeckt ist hier immer willkommen. Sogar im Pflanzstein.

Apropos „gut schmecken“: Die ersten meiner Walderdbeeren sind reif! Was für eine gute Idee, sie aus dem Wald nach Hause zu schleifen. Während man am Waldrand ja nie sicher sein konnte, ob genau über der winzigen Erdbeere nicht vielleicht der beste Freund des Menschen gerade vor zehn Minuten sein Beinchen gehoben hatte, kann man sie aus dem eigenen Garten sorglos genießen.

Jedenfalls bis ich eine urinierfreudige Nachbarskatze unter dem Pfirsichbaum erwische…

Ach… Und… „Der Posteingang von Benutzer XYZ ist bereits voll“! 😀

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Montag abend erfreute ich den Gatten noch mit obigem Dessert. Das Waldmeistereis legte sich brav neben ein Himbeer-Sahne-Törtchen. Dienstag Morgen um 4:30 Uhr musste ich ihm gestehen, dass ich gerade seine Brille platt getreten hatte. Dabei war ich etwa drei Sekunden vorher noch hoch erfreut gewesen, dass sie den Sturz vom Couchtisch unbeschadet überstanden hatte. Als ich sie aufheben wollte, trat ich drauf. Knirsch! Das erleichterte Lächeln war schlagartig verschwunden.

Das wurde dann auch insgesamt betrachtet nicht gerade die erfolgreichste Woche meines Lebens. Was erstaunlich gut lief, war am Dienstag Abend das Pochieren von Wachteleiern. Die landeten mit grünem Spargel, Bamberger Hörnchen, Kräuterseitlingen und karamellisierten Tomaten auf dem Teller und schmeckten hervorragend. 

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Die Hörnchen kamen aus dem Ofen. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr genau erinnern, wo ich in der vergangenen Woche die Idee aufgeschnappt hatte, aber die Zubereitung ist äußerst praktisch und wenig aufwendig. Und während die Dinger im Ofen garen, kann man sich in aller Ruhe anderen Bestandteilen des Tellers zuwenden.

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Bamberger Ofen-Hörnchen
Zutaten:
einige Bamberger Hörnchen
Olivenoel
eingelegter Knoblauch (fein geschnippelt)
eingelegter Chili (fein geschnippelt)
grobes Meersalz
frisch gemahlener Pfeffer
Zubereitung:
Hörnchen unter fließendem Wasser brüsten und mit Schale in Salzwasser gar kochen. Gut ausdampfen lassen.
Aus Oel , Knoblauch und Chili eine Art Marinade herstellen. Die Hörnchen in eine Auflaufform geben und mit einer Gabel andrücken oder ein wenig einschneiden. Oel darüber träufeln, salzen, pfeffern.
Bei 200°C in den Ofen schieben und knusprig ausbacken.
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Der Spargel war kurz vorgegart und dann in Stücken in der Pfanne angebraten. Die Tomaten erst karamellisiert und dann mit dunklem Balsamico abgelöscht. Die Kräuterseitlingen schmurgelten eine gute Weile in Knoblauchoel und Kräutern. Obendrauf ein pochiertes Ei – fertisch!

Eine ähnliche Zusammenstellung gab es tags darauf gleich nochmal – diesmal mit Garnelen. Auch „Mjam!“. Und unkompliziert.

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Leider war das Dessert – ein ausgesprochen hübsches und leckeres Erdbeertörtchen – zum Fototermin noch nicht ganz so durchgekühlt wie es sein sollte. Das tat dem Geschmack aber keinen Abbruch.

Blätterteig unten, halbierte Erdbeeren an den Rand, Sahne-Crème fraîche-Crème obendrauf. Dazu in pürierten Erdbeeren mit etwas Himbeergeist und wenig Zucker marinierte Erdbeerstücke. Die Brillenkrise sah schon deutlich weniger schlimm aus als noch am Vortag. 

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Donnerstag kam die neue Ökokiste. Diesmal an Bord: Auberginen, Rübstiel, Rhabarber und der letzte Lauch der Saison. Die Spannung stieg. Rübstiel! Nie gekocht, nie probiert.

Den Rübstiel gab es schließlich am Samstag Abend. Da lief gerade der ESC, den ich gefühlt das erste Mal seit 279 Jahren habe sausen lassen. Und in der hauseigenen Gemüsewertung hieß es am Ende auch für den Rübstiel: „Rübstiel – no points!“

Ich fand ihn jetzt nicht sooo schlecht, der Gatte fand, dass er ungefähr so attraktiv sei wie die Worte: „Ähemmm… Ich bin eben auf deine Brille getreten…“ Der Besuch war höflich – glaube ich.

Ich hatte das Zeugs in Stiele und grobe Blätter einerseits und andererseits in zartes Blattgrün aufgeteilt. Ersteres wurde fein geschnippelt in der Pfanne gebraten, letzteres nur roh mariniert. Dazu schon wieder pochierte Wachteleier und diesmal gebratene Hörnchen. Ich sach‘ ma‘: Nicht wirklich doof, aber unspektakulär… Also immer noch deutlich besser als Ann-Sophie, die eher in die Kategorie „wirklich doof UND unspektakulär“ gehört. 

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Leider hat das ZDF es nicht geschafft, die einzelnen Beiträge vor dem Morgengrauen in der Mediathek bereitzustellen, sodass unsere Mischung aus Neugier und Grusel zu nächtlicher Stunde nicht mehr gestillt werden konnte.

Und als ich mir am Sonntag nochmal einen Überblick verschaffen wollte, habe ich nach vier oder fünf Liedern aufgegeben. Vielleicht weiß jemand, was die eine Trulla mit dem Kopfhörer sollte?!

Was mich auch interessieren würde: Schreibt Ann-Sophie eigentlich nebenher für die Onlineausgabe des Spiegels? Das hier klingt genau so wie sie rüberkommt – affektiert, wirr, dämlich. Erst wird zeilenweise ihre Unschuld am Volks-Debakel beteuert. Und anschließend ergießt sich der ganze frustrierte Hass auf den gesamten Wettbewerb und die österreichische Tourismuswerbung. Als sei das jemals anders gewesen… 

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Und wenn man mal genau drüber nachdenkt, ist eigentlich die doofe Schöneberger schuld. Die idiotischste Spontanentscheidung aller Zeiten. Und das vor laufenden Kameras. Die „Kiwi“ des ESCs. Einfach blöd. Und niemand hat sie aufgehalten… Wie auch. Es ist die Schöneberger…

Gute Musik gab es dann gestern. Händels „Messiah“ in der Basilika des Klosters Eberbach mit der Schiersteiner Kantorei. Großartig! Wirklich. Und dankenswerterweise gab es auch keinen Jury- und Publikumsentscheid am Ende.

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Den ESC werde ich mir im kommenden Jahr natürlich wieder anschauen. Schon deshalb, weil sie dann irgendwann Peter Urban zeigen. Und ich finde es ein wirklich erfüllendes Erlebnis, ihn altern zu sehen. Das tut gut. Alles hat ein Ende. Das wird einem dabei so richtig klar. Selbst der Urban. Oder um mit Badesalz zu sprechen: „Nix hält mehr!“ Um es hier mal festzuhalten: Peter Urban zu überleben kann auch ein Ziel im Leben sein.

Vor allem, wenn man sich sonst keinen coolen Challenges aussetzt. An dieser Stelle: Worauf ich unbedingt bei Gelegenheit ausführlich zurückkommen muss, ist – man erinnere mich daran! – die „fitbit flex“-Fußfessel als großherziges Geschenk des Arbeitgebers. Nur so allgemein natürlich…

Falls jemand so ein Ding braucht: Ich habe eines günstig abzugeben.

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Am Wochenende wurde gebastelt. Und das nicht zu knapp. Freitags mussten die letzten Grünschalenmuscheln dran glauben. Mit Garnelen, Spinat und Kartoffeln. Das war schon irgendwie saulecker.

Und da die Schiersteiner Brücke ja auch endlich wieder befahrbar ist – wenn sich nicht gerade ein Lkw in der Fahrbahnverengung festgefahren hat -, kann auch wieder Nachschub beim Mombacher Portugiesen besorgt werden. Ich glaube, ganz tief drinnen haben sich die Mainzer und die Wiesbadener doch gegenseitig vermisst. 

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Das Wochenende war dann auch viel zu flott vorbei. Die Gartenarbeit verursachte Blasen in der Handfläche, und sonntags schaffte ich dann die zweite Pflanzschaufel meines Lebens. Montags beschaffte ich Ersatz nach einer – endlich wieder!!! – Runde mit Heike durch den Gonsenheimer Wald.

Im Laufe der Woche gab das Mandelbäumchen alles. Momentan steht es da in voller Pracht, und man könnte stundenlang auf der Terrasse sitzen und es begeistert anstarren. So schön! Aber leider immer wieder eine „Königin der Nacht“. Wenn es blüht, dauert es nicht mehr lange, bis ich es unter Tränen auf Spazierstockformat zurück schneiden muss. Verdammte Monilia Spitzendürre! Krankheiten, die die Welt nicht braucht…     

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In den letzten Tagen wurde dann unter anderem eine hervorragende geräucherte Lachsforelle vernascht. Um sie herum gab es zwei Abendessen. Da brauchte es echt nur ein bißchen Salat, etwas Ziegenkäse, Rote Bete und ein paar geröstete Pinienkerne. Das macht glücklich und zufrieden – auch nach einem gar schröcklichen Bürotag.

Was auf den ersten Blick wie ein Dessert wirkt, ist eine Vorspeise. Simpel, frisch, köstlich. Zweierlei Rote Bete gewürfelt, mit Ziegenjoghurt in ein Glas geschichtet, dazu die Forelle. Mjam!   

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Auch ganz toll: der Mangold aus der Ökokiste, den es am Sonntag gab. Ich habe die Zubereitung bei einer Küchenschlacht-Kandidatin geklaut. Und manchmal lohnt sich Diebstahl halt auch.

Bloß die Sahnemenge musste ich leicht erhöhen. Und den Pilzfond durch Geflügelfond ersetzen. Und die Mangeldblätter habe ich auch vorher kurz blanchiert und abgeschreckt. Eigentlich nur, damit sie beim Garen schön grün bleiben. Bei der knappen Garzeit wäre das aber wahrscheinlich nicht mal nötig gewesen. Die Zubereitungsart von Margarethe Hoffmann-Decker war jedenfalls perfekt:

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Rahm-Mangold
Zutaten:
500 g bunter Mangold
30 g getrocknete Tomaten in Öl
1 Zehe Knoblauch
2 Schalotten
200 ml Geflügelfond
150 ml Sahne
Rapsöl, zum Andünsten
Salz, aus der Mühle
schwarzer Pfeffer, aus der Mühle
Zubereitung:
Für den Rahm-Mangold gesalzenes Wasser in einem Topf zum Kochen bringen.
Die Schalotten und den Knoblauch schälen und würfeln. Die Tomaten abtropfen lassen und fein schneiden. Den Mangold waschen und schleudern, anschließend die Stiele abtrennen, klein schneiden und im Salzwasser blanchieren. In Eiswasser abschrecken.
Die Schalotten und den Knoblauch in dem Öl glasig dünsten, mit dem Fond und der Sahne ablöschen und sämig kochen. Die Mangoldblätter und die Tomaten zugeben und garen. Anschließend die Stiele ebenfalls dazugeben und abschmecken.
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Die getrockneten Tomaten bringen es letztendlich. Finde ich zumindest. Dazu gab es Spinatspätzle und auf der Haut gebratenen Wolfsbarsch. An dieser Stelle hätte ich natürlich auch „Loup de Mer“ schreiben können, weil es so wahnsinnig schick und kompetent klingt, aber das lassen wir mal. Mir reicht Wolfsbarsch.

Das Rezept habe ich übrigens zwei Tage später leicht abgewandelt an Pak Choi getestet – und es war ähnlich lecker. Die Pak Choi- und Mangoldreste versuche ich gerade – anscheinend erfolgreich – wiederzubeleben. Macht bisher auf der Fensterbank einen recht guten Eindruck.

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Zuletzt noch kurz das – kalte – Abendessen von gestern: Rucola, gratinierter Ziegenkäse, geräucherte Lachsforelle. Dazu ein paar knackige Pinienkerne, etwas Balsamicoreduktion und zwei Löffel Red Onion Marmalade. Zum Reinlegen. Wer braucht da Fleisch?!

Wenn alles nach Plan läuft, sollte es auch in den nächsten Tagen den ersten Spargel geben. Mein Ingelheimer Stammstand hat noch nicht geöffnet. Genauso wenig der Stand vor Ort. Was der „Bauer Lipp“ mit seinen Spargeln macht, um sie allüberall jetzt schon in Massen feilbieten zu können, entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich bin jedenfalls schon richtig heiß auf den ersten Spargel. Bei diesem Wetter sollte es am Wochenende eigentlich losgehen. Her damit!

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Selten hatte ich so einen „inneren Durchmarsch“ wie heute. Und selten war ich so neidisch, weil ich mich das niemals getraut hätte. In der Bahn von Mainz nach Wiesbaden standen wir dichtgedrängt wie Schlachtvieh im Bereich der Türen, als eine gerade mal so volljährige Mitreisende mit Gespräch auf dem Handy sich noch dazu quetschte.

Ehrlich? Was ich hörte, war ausschließlich Mist. Privater, intimer Mist, bei dem man sich schlecht fühlt, wenn man ihn mitbekommt. Andererseits: Er wird einem ja aufgezwungen. Man kann ja nicht anders als mithören und sich fühlen, als ob man sich ungefragt ins Privatleben eines fremden Menschen drängt.

Über inoffizielle Schwangerschaften und „Weißt du eigentlich…?“-Gewäsch kam es dann schließlich, wie es kommen musste: Es wurde vertraulich. Sie: „“Du bist süß!“ Er (man ahnte es…): „Wieso?“ Sie: „Weil du so süße Sachen sagst.“ Danke auch…

Und an dieser Stelle wurde es einem der Mitreisenden wohl zu blöd. Verständlicherweise. Er richtete das Wort an die junge Frau: „Ich kann wegschauen, aber nicht weghören. Sie belästigen Ihre komplette Umwelt akkustisch. Bitte beenden Sie jetzt das Telefonat!“ Kurz. Knapp. Aggressionsfrei.

Reaktion: Hochroter Kopf, „Ich muss mal aufhören…“ – und zehn peinliche Minuten bis Wiesbaden. Strike! Warum kann ich das nicht? Verdammt!

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Was ich immerhin kann, ist die Zubereitung von Grünkohl. Gehört ja praktisch zu den ersten Dingen, die man in einer Ehe mit einem Nordrhein-Westfalen lernen muss. Bei uns gab’s den irgendwie nicht. Ich kann nicht mal das Wort. Und in Mainz lernte ich es auch nicht. Erst als der Gatte in mein Leben trat, wurde mir klar, dass es neben Rosenkohl, Wirsing und Spitzkohl noch etwas gab, dass man in Norddeutschland „Grünkohl“ nennt.

Und immer noch bin ich auf der Suche nach der perfekten Grünkohlkombi. Heute testete ich Grünkohl mit karamellisierten Kartoffeln. Ohne Mettwürste, ohne Bauchspeck – nur mit ein wenig magerem Schinken zum Anbraten und für den Geschmack.

Und? Wie war’s? Genial! Superkombi. Jederzeit wieder! Die Kartoffeln, die eigentlich in Muscovado karamellisiert werden sollten, landeten am Ende in Lyle’s Golden Syrup, da der Muscovado mir ausgegangen war. Hier dann mal eine Zusammenfassung der Zubereitung:

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Geschmorter Grünkohl mit karamellisierten Bamberger Hörnchen
Zutaten (für zwei Personen):
250 g Grünkohl, blanchiert und ausgedrückt
75 g Schinken, gewürfelt
1 ordentlicher Stich Butterschmalz
1 Zwiebel, grob gewürfelt
100 ml Gemüsefond
1 TL Senf, evtl. mehr je nach Senf
1 TL Zucker
100 g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
nochmal Butterschmalz zum Anbraten
Bamberger Hörnchen als Pellkartoffeln gekocht
Salz, Pfeffer
Lyle’s Golden Syrup
Zubereitung:
Grünkohl ggf. blanchieren, ausdrücken und grob hacken. Schinken und Zwiebel würfeln. Kartoffeln mit Schale vorkochen.
In einer Pfanne Butterschmalz auslassen. Schinken und Zwiebeln anbraten. Grünkohl und Fond zugeben und etwa 20 Minuten bei geschlossenem Deckel garen.
Senf, Zucker und Creme fraîche zugeben und offen etwa 20 Minuten bei etwas erhöhter Hitze einköchen lassen. Zuletzt salzen und pfeffern. Abschmecken und evtl. Senf, Salz oder Pfeffer zugeben.
Die vorgegarten Kartoffeln in Butterschmalz anbraten. Schließlich den Sirup zugeben und unter mehrfachem Wenden von allen Seiten karamellisieren.
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Und was soll ich sagen? Abendessen! Du bist süß! Weil du so süß schmeckst! Harhar!