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Nachdem es die letzten Tage in diesem Haushalt ziemlich fleischlos zugegangen war, sieht das seit gestern wieder gaaaanz anders aus. Nachdem ich diesen Beitrag von Arturs Tochter gelesen hatte, hatte ich Salsicce im Hinterkopf. Das war Dienstag Abend. Mittwochs fiel mein Blick im Büro auf den Kalender. Synapsengeschnacksel!!! Celpro – Salsiccia – Mittwoch – letzter Mittwoch im Monat 20% auf alles. Tadaaah!

Mein Gehirn hatte praktisch ohne mein Zutun bestimmt, dass ich nach dem Büro noch hurtig einen Abstecher in abtrünnige Mainzer Vororte unternehmen würde. Vortorte mit „WI“-Autokennzeichen. Ich sach‘ ma‘ nix…

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Wie die Fotos bereits erahnen (aber nur ganz dezent…) lassen, schleppte ich fette Beute nach Hause. Für alle, die Ähnliches (Celpro-Besuch am letzten Mittwoch des Monats) planen: Kann dauern!

Allein schon die Suche nach einem Abstellplatz für das Puntili in Einkaufswagenreichweite kostete mich wertvolle Lebenszeit, die mir nur ein gutes Abendessen würde vergelten können. Lustig übrigens, dass die Fiat-Punto-Dichte um den Celpro herum zu diesem Zeitpunkt höher war als im Berufsverkehr um Mailand. Getoppt wurde sie nur von der Italiener-Dichte vor der Fleischtheke.

Ich passte einen günstigen Moment für meine Bestellung ab. Die Zeit ließ sich hervorragend mit der Sichtung des Sortiments, Risottoreis-Auswahl, Betasten und Beäugen diverser sonstiger schwer erhältlicher Zutaten und Freundlich-aussehen beim Ausweichen mit dem Einkaufswagen überbrücken. Toller Laden! Jetzt muss ich nicht mehr um den Pronto in Wiesbaden trauern, dessen Schließung wirklich kein schöner Moment war, an den man sich gern erinnert.

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Das oben verlinkte Rezept wandelte ich etwas ab. Fenchel war noch im Haus, sodass ich reichlich reinschnippelte. Den Blumenkohl ersetzte ich kurzerhand durch Artischockenböden – ebenfalls angeröstet im Ofen. Und das Sößchen kochte und kochte und kochte – wie im Original. Am Ende gab ich die letzten ofengetrockneten Tomaten vom Wochenende dazu. Himmlisch!

Und das Beste: Da lagern noch üppige Salsiccia-Bestände im Gefrierfach. Ich hätte doch lieber Hamster werden sollen. Augen auf bei der Berufswahl!

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Das da oben ist eine Metzgertüte voller Ochsenbacken. Die habe ich heute in der Mittagspause auf dem Markt in der Mainzer Neustadt abgeholt. Der Gatte hatte sie dort hin bestellt. Da er für die Logistik zuständig ist, war seine Aufgabe damit erfüllt. Abholung und Zubereitung fallen in mein Ressort.

Kurz vor Toresschluss lief ich ein. Den glücklichen Blick der Metzgersfrau, als ich meinen Namen nannte, werde ich nie vergessen. Sie versuchte nämlich bereits den ganzen Vormittag über, uns zu erreichen. Die Backen wurden erst kurz vor Feierabend geliefert, und sie wollte wissen, ob ich sie lieber in der Filiale abholen würde. Ungeachtet der knappen Mittagspausenzeit und des Tempos, das ich anschließend für den Rückweg aufnehmen würde müssen, unterhielten wir uns sehr nett über die Zubereitung der „Bäckchen“ (vier Stück = 2,3 Kilo), während sie daran herumschnippelte. abwog und einpackte.

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Der Marktstand auf dem Frauenlobplatz gehört zur Landmetzgerei Harth aus Stadecken-Elsheim mit Filiale in der Lotharstraße. Das nur mal so am Rande. Ochsenbacken können nach vorheriger Absprache beschafft werden. Das nur, falls noch wer auf der Suche ist, der in Rheinhessen oder Mainz wohnt.

Meine fette Beute wurde eben hübsch pariert, zum Teil eingefroren, zum Teil mariniert. Ochsenblut floss in Strömen. Also nicht ganz so in Strömen wie bei den Italienurlauben meiner Eltern in den 70er Jahren. Wenn ich an dieses Getränk denke, dessen Verkostung allabendlich ungehemmt und fern der Heimat vor uns unschuldigen Kindern zelebriert wurde (und das war jeweils kurz bevor meine Mutter unter der Dusche inbrünstig „Azzurro…“ sang…), stellen sich mir heute noch die Nackenhaare hoch. Lambrusco mit Orangensaft. Eltern mit Schwips. Under-water-Adriano. Brrrrr…

Um die Ochsendinger kümmere ich mich dann morgen weiter. Da habe ich mich ja schon zweimal dran versucht. Einmal hier. Und einmal bei Mimmo Nicoli in Ingelheim. An dieser Stelle: Warum?! Warum hat das „Millennium“ geschlossen?! Wir sind traurig. Verdammt.

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Und das Ergebnis des Erbsenexperiments gibt’s noch gratis dazu. Gut… Die Erbsen im Risotto sind TK-Ware, aber die Sprossen sind echt aus meinem Topf. Nach zehn Tagen sah das nämlich so aus:

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„Die Sprossen schmecken mehr nach Erbsen als die Erbsen“, sagte der kluge Gatte. Und er hatte recht. Das war wirklich sehr, sehr lecker. Obendrauf ein Stück auf der Haut gebratenen Skrei – schwupp! Essen fertisch!

Was es diese Woche noch so gab? Erstmal die ersten selbstgemachten Schupfnudeln meines Lebens. Mehr aus der Not heraus. Da waren nämlich Kartoffeln, die sowas von dringend weg mussten… Und Kasseler. Und das brachte mich auf Sauerkraut. Und dann sah der Teller am Ende so aus:

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Dazu dann – vor allem, damit ich nicht beim nächsten Mal überlegen muss, wie ich das denn gemacht habe – mal zwei kurze Anleitungen.

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GESCHMORTES SAUERKRAUT
Zutaten (für 4 Portionen):
200 g Zwiebeln
1 Möhre
400 g Sauerkraut
Ghee zum Anbraten
2 EL Zucker
100 ml trockener Weißwein
2 Lorbeerblätter
100 ml Rinderfond
Zubereitung:
Zwiebeln halbieren und in Scheiben schneiden. Möhre würfeln. Sauerkraut gründlich unter kaltem Wasser abspülen und abtropfen lassen.
Ghee in einem Schmortopf erhitzen, Zwiebeln darin anbraten. Zucker darüberstreuen und alles kurz karamellisieren lassen. Mit dem Wein ablöschen und einköcheln lassen.
Sauerkraut, Möhrenwürfel, Lorbeer und Fond angießen, umrühren und im vorgeheizten Ofen bei 180°C Ober-/Unterhitze 90 Minuten schmoren lassen. Zwischendurch immer mal kurz umrühren.
Zuletzt mit Salz und Pfeffer abschmecken.
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SCHUPFNUDELN
Zutaten:
200 g Kartoffeln
10 g flüssige Butter
1 Eigelb
20 g Speisestärke
Salz, Muskat
evtl. Mehl zum Bearbeiten des Teigs
Ghee (oder Butterschmalz) zum Anbraten
Zubereitung:
Kartoffeln schälen, kochen und ausdampfen lassen. Anschließend durch eine Kartoffelpresse drücken. Mit der Butter, dem Eigelb und der Stärke zu einem glatten Teig verkneten. Mit Salz und Muskat abschmecken.
Zwischen den Handflächen zu Schupfnudeln rollen. Falls der Teig zu flüssig ist, mit wenig (!) Mehl nachhelfen.
Schupfnudeln in siedendem Wasser garziehen lassen. Abtropfen und beiseite stellen.
Kurz vor dem Anrichten in einer Pfanne anbraten.
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Dazu gab es Kasseler und eine aus Kasselerrändern, Gemüse, Rotwein und Rinderfond kräftig eingekochte Soße.

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Passte hervorragend zum blöden Wetter unter der Woche. Heute wurde das Grau in Grau noch getoppt von einer guten Ladung Schnee, die über Nacht gefallen war. Anselm kam zum Frühstück vorbei und war offensichtlich ganz froh, dass er mal nicht im Tiefschnee nach Regenwürmern graben musste.

Was es auch noch zu essen gab – nur der Vollständigkeit halber: Rinderroulade mit Bratkartoffeln und Sauerkrautresten. Und mit einer Soße, die noch ein wenig hätte einkochen können.

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Ansonsten aber auch eine empfehlenswerte Kombi für kalte Tage. Heute steht noch die Versorgung der letzten Zitrusfrüchtereste an. Damit werde ich dann gleich mal loslegen. Und dann war da noch was Spannendes, das es in Angriff zu nehmen gilt. Dazu aber später mehr.

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… das Reh springt weit.
Warum auch nicht?
Es hat ja Zeit.“ – Heinz Erhardt

Und wochenends hat die berufstätige Teilzeithausfrau auch mal so richtig Zeit und Lust für Küchenbasteleien. Und nachdem ich gestern bereits das hier in anderer Form auf den Tisch zu bringen versucht und dabei allerlei schweißtreibende Filigranarbeiten mit blanchierten Basilikumblättchen erfolgreich erledigt hatte, konnte ich mich heute ganz dem Reh widmen.

Vorher aber nochmal kurz zur Tomaten-Ziegenfrischkäse-Terrine. Ich bin nicht so ganz zufrieden. Eigentlich war das ein Test für den Ende des Monats anstehenden Besuch, aber das war jetzt nicht wirklich optimal. Die Basilikumblättchen sind heute nicht mehr so grün, wie sie sein sollten. Die zweifarbige Tomatenschicht hat sie etwas verfärbt.

Sowas finde ich ja immer frech. Dabei dachte ich, die gelbe Tomatenmasse wäre in dieser Hinsicht unverdächtig. Falsch gedacht.

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Das Ziegenkäsegeschmiere oben links muss man sich natürlich wegdenken. Ich hätte es fürs Foto ja auch abschneiden können, aber dann hätte ich es essen müssen – sehr früh heute morgen. Och nööö…

Insgesamt finde ich es in den runden Förmchen ansprechender. Als kleine Vorspeise ist das aber dann zu groß. Die Suche nach der perfekten Form geht also weiter.

Bis zum nächsten Versuch vertreibe ich mir die Zeit mit einem neuen Sous-vide-Anlauf. Bislang habe ich zum Garen ja den Backofen mit einem wassergefüllten Bräter mit Thermometer drin genutzt. Auf Dauer ist das allerdings etwas nervig. Und ein Sous-vide-Becken, das ständig im Weg rum steht, kam irgendwie auch nicht in Frage. Jetzt hat der Gatte – völlig uneigennützig natürlich – eine Alternative aufgetan.

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Nach der gestrigen Lachspremiere und dem heutigen Rehtest bin ich schon mal recht angetan. Die Temperatur wird perfekt gehalten. Das Ding – eine Art Tauchsieder mit Umwälzfunktion – nimmt kaum Platz weg. Das Ergebnis kann sich sehen – und schmecken – lassen. Ich garte die Filets bei 54°C etwa 90 Minuten. Und briet sie anschließend kurz an.

Eigentlich waren für heute Dauphinekartoffeln als Beilage geplant. Blöderweise ist mir der Parmesan ausgegangen. Also umdisponiert. Langsame Bratkartoffeln aus „Freya“ vom Ökokistenlieferanten waren die Notlösung. Dazu eine über Stunden eingekochte Jus. Und Kräuterseitlinge. Mjam! 

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Das Reh stammt übrigens aus einem Großeinkauf beim Lieblingsjäger. Wir sind immer wieder begeistert, wenn wir da waren. Der Jäger und seine Frau sind einfach tolle Menschen. So lebendig irgendwie. 

Das Reh, das wir unter anderem abschleppten, war natürlich weniger lebendig. Dafür aber wie immer perfekt vorbereitet. Noch vorbereiteter wirkte es nur, als es eingeschweißt mit Kräutern und Gewürzen seufzend ins Bad sank.

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Warum nur muss ich immer bei Reh auf dem Teller an Max‘ herzzerreißendes Heulen denken, als er zum ersten Mal die „Bambi“-Jagdszene gesehen hat, in der die arme Mutter vom Kitz weggeschossen wird?! Ich finde, „Bambi“ ist kein Film für Kinder. Der gehört definitiv FSK-16-eingestuft. Schnief!

Aber egal! DAS war definitiv das beste Reh aller Zeiten. Und ich sinke jetzt nur noch glücklich und zufrieden ins Sofa.