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Klingt jetzt nach fiesen Vorurteilen und „MAGIBA“ (Mainzer Auswanderer gegen die Busfahrerisierung des Abendlandes), aber heute Morgen hatte ich derartig den Hals, dass ich auf den Bus – mitsamt Insassen und Fahrer – eine Panzerfaust abgefeuert hätte, so sich denn eine in meiner Handtasche befunden hätte. War natürlich nicht so. Verdammt!

Da stapfte ich eine Minute vorher noch ganz fröhlich in meinen Wanderschuhen (und mit bürotauglichem Schuhwerk in der Tasche) Richtung Haltestelle, als mich zuerst ein Schneeberg aufhielt. Keine Schneewehe! Sondern ein Berg (und das ist nicht übertrieben!), den das Gemeinderäumfahrzeug beim Beräumen des Fußwegs zur Haltestelle am höchsten Punkt des Fußwegs aufgeschüttet hatte. Rückwärtsgang rein! Sollen die Busfahrdeppen doch sehen, wie sie da durch kommen. Der Weg ist ja geräumt. Pflicht getan. Trallala. Auf meiner Ranch bin ich König. 

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Und während ich mich gerade auf allen Vieren Richtung Haltestelle durcharbeite, naht der Bus. Ich renne los. Quer über die Bundesstraße und am gesamten Bus entlang. Doch als ich gerade keuchend auf Höhe der Fahrertür ankomme, meine rechte Hand hebe, um an die Scheibe zu klopfen, gibt dieses kleine, miese Busfahrerlein Gas und verlässt die Haltestelle.

Ich war fassungslos. Ich sah den Rücklichtern hinterher. Fassungslos eben. Ich tigerte zwecks Aggressionsabbau ein wenig hin und her, checkte, wann der nächste Bus kommen würde, und schleppte mich schließlich – Tränen des gerechten Zorns in den Augen – wieder durch den weißen Dreck nach Hause.

Um zu halbwegs vertretbarer Zeit im Büro einzutreffen, blieb mir nun nur noch das Puntili. Lächerlicherweise traf ich dann in Wanderschuhen im komplett schneefreien Mainz ein, woraufhin mich alle anschauten wie eine Geisteskranke. Reinhold Messner mit voller Ausrüstung, einem Rudel tibetanischer Sherpas und Steigeisen am Lerchen“berg“ sozusagen. Schweigend wechselte ich die Schuhe.

Busfahrer! Ich habe dein Gesicht gesehen! Grrrrrr! 

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Nach einem nervigen Arbeitstag traf ich dann wieder zu Hause ein. Zeit genug, um dem Gatten ein köstliches Mahl zu bereiten, dass ihn bei seiner Heimkehr von den Unbillen seines wahrscheinlich ebenso nervigen Arbeitstags abzulenken in der Lage wäre.

Was kam dazwischen?! Eine S-Bahn-Störung in Frankfurt. Um mit Jauch zu sprechen, praktisch „griechische Verhältnisse“. Auch so ein Depp! Wollte ich übrigens immer schon gesagt haben. Die männliche Maybrit Illner sozusagen. Wirkt nur etwas BTMG-unverdächtiger als sein weibliches Pendant momentan.

Ist ja auch alles nicht so schlimm – also Jauch und Illner schon! -, da ja prinzipiell nur die Hühnersuppe und die Reste der Grünkohlquiche von gestern aufzuwärmen waren, aber gegen meine mittlerweile nicht mehr nur latenten Aggressionen konnte nur ein Dessert helfen. 

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Etwas Schnelles musste her. Da wusste ich schließlich noch nicht, wie ausgedehnt diese S-Bahn-Störung sein würde… Nichts, das stundenlang abkühlen oder abgebacken werden muss. Es lagen Orangen in der Küche, die weg mussten. Crêpe Suzette!

Zutaten, die ohnehin immer vorhanden sind, und Orangen. Perfekt! Teig gerührt, zwischendurch Wasserstandsmeldungen des Gatten zur Kenntnis genommen, Teig in die Pfanne gegeben, Crêpes warm gestellt. Öfen und Herd hoch- und runtergeschaltet. Und irgendwann war es dann doch soweit: Beide gemeldeten Personen befanden sich im Haushalt! Nehmt dies, Busfahrer und Zugführer!

Hier ganz kurz das nicht so übersüße und nicht so überalkoholisierte Rezept. Für meinen Geschmack war das so perfekt. Und das Beste daran: Der Busfahrer bekam nix ab!

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Crêpe Suzette
Zutaten (für zwei Personen):
1 Ei
100 ml Milch
30 g ausgelassene Butter, lauwarm
50 g Mehl
1 Prise Salz
2 Bio-Orangen
Oel
30 g Zucker
1 EL Butter
3 EL Orangenlikör
Zubereitung:
Crêpeteig herstellen aus Ei, Milch, Butter, Mehl und Salz. Dazu alle Zutaten in einen Pürierbecher geben und mit dem Pürierstab aufmixen. Beiseite stellen.
Von einer der beiden Orangen Zesten abziehen und die Orange anschließend auspressen. Saft ebenfalls beiseite stellen. Die zweite Orangen in Filets schneiden, Saft auffangen und Filets darin mit den Zesten und einem wirklich winzigen Schluck Orangenlikör einlegen. Und wieder: beiseite stellen.
Jetzt geht es ans Abbacken der Crêpes: Pfanne mit Oel auspinseln und auf mittlere Hitze aufheizen. Etwa ein Viertel des Teig hineingeben und durch Schwenken verteilen. Der Teig sollte sehr dünn sein und keine Blasen werfen. Nacheinander die vier Crêpes backen, falten und warm halten.
In der Pfanne die Butter und den Zucker auslassen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Ausgepressten Orangensaft zugeben und einköcheln lassen. Crêpes einlegen, Orangenlikör gleichmäßig daruber gießen und anzünden. Wenn der Likör abgebrannt ist, Crêpes aus der Pfanne nehmen und auf zwei Teller legen.
Die eingelegten Orangenfilets kurz im warmen Satz in der Pfanne schwenken und gleichmäßig auf die beiden Teller verteilen. Noch warm servieren.
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Die Orangen-Schoko-Törtchen vom Foto oben habe ich gestern hergestellt. Nur wie?! Der untere Schokoteil besteht aus der Nigella-Lawson-Masse von hier. Den oberen Orangenteil habe ich mit Kühlschrankresten gebastelt. Und was noch nie geklappt hat, klappte: Die beiden Massen passten perfekt für fünf Portionen. Also auch in Verhältnis zueinander.

Oben drauf platzierte ich einen Deckel aus Blätterteigresten, die ich überzuckert und abgebacken hatte. Dazu Orangenfilets.

Ich fürchte, ich wiederhole mich, aber für Schoko-Orangen-Kombis wäre ich praktisch zu allem bereit. Zu fast allem…

Ein Rezeptversuch:   

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Orangen-Schoko-Törtchen
Zutaten (für fünf Törtchen)
… Schokomasse:
175 g dunkle Schokolade
150 g Crème double (oder Crème fraîche)
100 ml Milch
Mark einer 1/2 Vanilleschote
3 Cardamomkapseln
1 Ei
… Orangenmasse:
1 Bio-Orange, Saft und Schale
3 Eigelb
50 g Zucker
250 g Mascarpone
125 g Sahne
5 Blatt Gelatine
… Deko:
Blätterteig
Zucker
Orangenfilets
Zubereitung:
Crème double (oder Sahne) mit der Milch erhitzen, bis die Flüssigkeit fast zu kochen beginnt. Vanillemark und Cardamom zugeben. Hitze auf ein Minimum reduzieren. Cardamomkapseln herausfischen. Schokolade in kleinen Stückchen oder Schokotropfen in die heiße Flüssigkeit geben und unter Rühren darin schmelzen lassen.
Vom Herd nehmen, ggf. noch etwas abkühlen lassen, Ei hinein schlagen und kurz kräftig in der Masse aufschlagen. Masse in Halbkugelförmchen gießen und für etwa sechs Stunden (besser über Nacht) in den Kühlschrank stellen. Medine Förmchen standen etwa vier Stunden bei um die null Grad auf der Terrasse. Das langte.
Orange entzesten, Saft auspressen. Eigelbe mit dem Zucker schaumig aufschlagen. Mascarpone, Orangensaft und -zesten unterrühren. Gelatine auflösen und mit zwei Löffeln der Orangenmasse erhitzen und auflösen. Unter die restliche Orangenmasse rühren. Sahne steif schlagen und ebenfalls unterheben.
Schokoladenhalbkugeln stürzen, passende Dessertringe auflegen, Orangenmasse darauf geben. Glatt streichen und kühlen.
Aus Blätterteig passende Kreise ausstechen, mit Zucker bestreuen und bei 175°C Umluft abbacken. Zuletzt auf die fertigen Törtchen legen und mit Orangenfilets dekorieren. Fertig!
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Das war ziemlich lecker. Zumindest für Menschen, die Orangen und Schokolade mögen. Und wer mag das nicht?!

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Irgendwie sind wir nach einem roten und und einem schwarzen Blogpost jetzt bei einem orangen gelandet. Da für heute nur der Linseneintopf von gestern aufzuwärmen war, und da der Gatte sich bis spät aushäusig herumtrieb, blieb ausreichend Zeit, etwas auszuprobieren.

Das Rezept stammt aus der aktuellen „Lust auf Genuss“ – Motto Zitrusfrüchte – und stach mir sofort ins Auge. Da irgendwie auch noch Bioorangen in der Küche lagen, die dringend mal „weg“ mussten, war das heute perfekt.

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Viel Zeit zum Schreiben bleibt jetzt nicht. Ich habe das Rezept etwas umgebastelt. Mit der Hälfte der Zutaten reichte es bei mir für acht kleine Dariolförmchen. Statt der Blutorangen metzelte ich unblutige. Und einen Schuss Grand Marnier gab es auch noch dazu.

Und dann passte ich die Sirupmenge der geänderten Zubereitung an. Und.. und… und… Ich fasse mal kurz zusammen, was ich da eben getan habe – schon damit ich selbst es morgen noch weiß…:  

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Englische Orange Puddings
Zutaten (für acht kleine Förmchen):
200 g Zucker
150 ml Wasser
3 Bio-Orangen
150 g weiche Butter
150 g Zucker
1 TL Orangenblütenwasser
2 Eier (Größe L)
150 g Mehl
1/2 TL Backpulver
etwas Salz
1 Schuss Grand Marnier
Zitronensaft
Zubereitung:
Wasser und Zucker erhitzen, bis sich der Zucker ausgelöst hat. Derweil Zesten von einer Orange abziehen und beiseite stellen. Orange auspressen, Saft ebenfalls beiseite stellen.
Restliche zwei Orangen mit einem wirklich scharfen Messer in dünne Scheiben schneiden. Die Scheiben sollten am Ende den Boden der Dariolformen abdecken. Eventuell etwas improvisieren. Dabei angefallenen Orangensaft ebenfalls aufheben.
Wenn das Zuckerwasser heiß ist, Orangenscheiben einlegen und bei schwacher Hitze etwa eine halbe Stunde vor sich hin simmern lassen.
Währenddessen Butter und 150 g Zucker aufschlagen. Nach und nach Eier, Mehl, Backpulver, Zesten, Salz, Orangenblütenwasser und den aufgefangenen Orangensaft aus der Schnippelaktion zugeben und unterschlagen.
Förmchen fetten. Orangenscheiben aus dem Sirup nehmen und in die Förmchen legen. Teig darauf geben. Im heißen Wasserbad bei 150°C Ober-/Unterhitze abgedeckt mit Alufolie garen. Dauerte bei mir etwa eine Stunde.
Der Sirup kriegt jetzt etwas Feuer. Ausgepressten Orangen- und den Zitronensaft und Grand Marnier zueben und auf knapp die Hälfte einkochen lassen.
Sobald die Puddings durchgegart sind, aus dem Ofen nehmen, kurz abkühlen lassen, stürzen und löffelweise mit dem Sirup tränken.
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Ich habe übrigens die Puddings in den Formen – also praktisch von unten – getränkt, bevor ich sie gestürzt habe. Und dazu gab es Reste der Kumquateiscrème von neulich und Sesamhippen. Perfekt!