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Eigentlich soll man ja nicht mit Essen spielen, aber wenn es nach dem Spiel in steriliserten Gläsern verschwindet, ist das sicher o.k., oder?

Von den Azoren habe ich unter anderem ein Kochbuch von Vítor Sobral mitgebracht, in dem sich ein Rezept für „Pickles Caseiros“ befindet – sauer eingelegte Möhren. Er empfiehlt allerdings, es auch einmal mit Roter Bete oder Kürbis zu versuchen. Da bin ich doch dabei!

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Zuerst ging es allerdings den wunderschönen „Purple Haze“-Möhrchen aus der Ökokiste an den Kragen. Ich hatte auch welche gesät, die allerdings derart hartnäckig immer wieder von irgendeinem mißratenen Tier abgefressen wurden, dass ich mittlerweile fürchte, dass das nichts mehr wird.

Zurück zu Vítor. Was er macht, ist nichts Neues, aber es schmeckt ausgezeichnet:

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Pickles Caseiro
Zutaten:
1 kg Möhren, gewürfelt (meine wurden in dünne Scheibchen geschnitten)
300 g Knoblauch (ich nahm confierten)
200 ml Weißwein
200 ml Weinessig
200 ml Wasser
5 g Senfkörner
15 g grobkörniges Salz
5 g Pfeffer aus der Mühle
Zubereitung:
Wein, Essig, Wasser und Senfkörner mischen und mit Salz und Pfeffer zehn Minuten aufkochen. Dann Möhrenstücke und Knoblauch zugeben und weitere fünfzehn Minuten köcheln lassen.
Noch heiß in steriliserte Einmachgläser füllen und sofort verschließen.
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Die Möhren waren hinterher zwar nicht mehr zweifarbig, aber der rote Farbstoff löste sich im Sud – und so sieht das jetzt wirklich nett aus. Ein erster Test ergab, dass ich das mit der Roten und Gelben Bete auch testen würde.

Vorher landete allerdings die erste Ladung Passata im Topf. Zusammen mit meinen eigenen, gerade reifen Tomaten ergaben die nachgereiften der Schwester etwa zwei Kilo. Das sollte sich schon lohnen. Da ich rote und gelbe Tomaten gemischt habe, ist die Passata nicht ganz so rot wie gewohnt, schmeckt aber ganz hervorragend.

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Nach dem „Guloso“-Muster produzierte ich also „Polpa de Tomate Cebola e Alho“, d.h. drei Zehen Knoblauch und sechs Schalotten durften den Tomaten beim Schwitzen Gesellschaft leisten.

Alles etwa 15 Minuten eingeköchelt. Und ab durch die Flotte Lotte. Ich gehe mal nicht in die Details, aber ich habe es geschafft, einiges über den Rand zu kippen und die halbe Terrasse damit vollzukleckern. Kommentar überflüssig…

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Nach dem Durchseihen (ein Sieb und ein Teigschaber tun es übrigens auch, falls keine Lotte im Haushalt vorhanden ist) darf der „Saft“ nochmal für etwa eine halbe Stunde auf den Herd. Derweil werden die Gläser sterilisiert. Abfüllen. Verschließen. Plopp!

Aus den zwei Kilo Tomaten bekam ich 1,3 Liter Passata. Allerdings nicht zu fest eingekocht. So taugt sie auch noch für Suppen. Und sie riecht göttlich!

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Und als die Tomaten durch waren, ging es an die Gelben und Roten Bete. Nach dem Rezept von oben mit den Karotten. Und wieder landeten ein paar Gläser im HWR. Der Gatte freut sich, dass der Gemüseberg und der Gläserberg reduziert werden. Ich freue mich, dass ich im Winter flotte und leckere Vorspeisen auf den Tisch bringen kann. Eine klassische Win-Win-Situation!

Und anschließend – nach all der harten Arbeit – gab es Mupfeln. Ging super mit Vollkorntoast… Hrrrr…

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Prinzipiell ist Ketchup echt überhaupt nicht mein Fall. Seltsamerweise finde ich ihn seit gestern super. Die erste selbstgemachte Ladung war direkt nach der Herstellung so ein Fall von „Naja… Mal schauen… Ganz lecker…“, entwickelte sich aber nach dem Abfüllen und Testöffnen eindeutig in eine „Waaaah!“-Richtung.

Das schmeckt! Man fasst es nicht! Es schmeckt nach Ketchup und es schmeckt. Gleichzeitig!!! Unfassbar.

Und nachdem ich nach der ersten Ladung verwirrt und planlos zurückblieb, habe ich heute eine zweite Ladung angesetzt und dabei fleißig mitgeschrieben. Und so, wie es jetzt ausschaut, wird es sogar was. Nichts ist blöder, als etwas Leckeres hergestellt zu haben, ohne hinterher den leisesten Schimmer zu haben, wie genau man das gemacht hat.

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Getestet wurde auf Wurst vom Charolaishof. Dazu Gartengemüsereste mit Feta. Mjam!

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Tomatenketchup
Zutaten (für etwa 2,5 Liter):
1,5 kg Tomaten
6 mittelgroße Zwiebeln
Majoran, Rosmarin, Thymian – gartenfrisch
1,5 l Gemüsebrühe
300 ml weißer Balsamico
100 ml Olivenöl
Tomatenmark (reichlich – je nach Bedarf)
2 TL Curry Goldelefant
2 TL Paprika, süß
3 EL Zucker
Zubereitung:
Tomaten waschen, Stielansätze großzügig entfernen, vierteln oder achteln – je nach Größe. Zwiebeln grob würfeln. Etwas Olivenöl erhitzen. Erst Zwiebeln etwa fünf Minuten anschwitzen, dann Tomatenstücke zugeben und mit Deckel weitere 30 min schmoren lassen..
Kräuter abzupfen, grob hacken und zugeben, weitere fünf Minuten köcheln lassen – jetzt ohne Deckel. Gemüsebrühe angießen, richtig wallend aufkochen, Hitze reduzieren und nochmals etwa 30 Minuten einköcheln lassen.
Anschließend pürieren und durch ein Sieb geben. Balsamico und Öl zugeben, umrühren, kurz wallend aufkochen lassen. Hitze reduzieren und nach und nach Tomatenmark zugeben, bis der Ketchup in etwa die gewünschte Konsistenz erreicht hat. Bei mir dauerte das etwa 300 Gramm lang.
Dann Parika und Curry unterrühren und abschmecken. Salzen, pfeffern, nochmals abschmecken. Zuletzt Zucker unterrühren – sollte der Ketchup noch zu flüssig sein, evtl. Gelierzucker nehmen.
Noch heiß in sterilisierte Gläser füllen. Die erste Ladung hatte ich zusätzlich noch eingeweckt. Heute testete ich ohne den Zusatzschritt. Bei der Menge Essig sollte das eigentlich auch so haltbar sein, bis es gegessen wird. Warten wir’s ab. Versuch macht kluch.
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Zumal das Zeuch – so wie ich das sehe – recht schnell vernichtet sein sollte. Ich glaube nicht, dass es eine echte Chance hat zu vergammeln.

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Das auf dem Foto ist übrigens ein chinesischer Rettich. Darf ich vorstellen: Chinesischer Rettich – Blog. Blog – chinesischer Rettich. Sieht von außen ja eher unspektakulär aus, aber auf der Samentüte war er so verlockend, dass ich ihm ein Plätzchen im Garten einräumen musste.

Und heute habe ich also den ersten geerntet. Und aufgeschnitten. Wow! Und probiert. Stimmt – nussig. Eine Mischung aus Haselnuss und Radieschen. Echt lecker. Jetzt lagert er erstmal bis morgen im Kühlschrank. Und bis dahin muss mir irgendwas eingefallen sein, das ich damit anstellen könnte. Am besten etwas, das schmeckt. Schließlich sind „da draußen“ noch mehr von der Sorte. Aber darüber habe ich mir beim Aussäen natürlich mal wieder keine Gedanken gemacht. Hrrr…

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Während wir auf den Azoren weilten, ereignete sich in der Heimat ein schrecklicher Unfall: Death by Zucchini! Die BLÖD berichtet. Leider kann man den ergreifenden Artikel nicht zu Ende lesen – außer man hat ein BILD-Abo. Da fragt man sich allerdings, was schlimmer ist: das oder eine Zucchini-Vergiftung mit Todesfolge…

Immerhin darf man ein Foto der beiden Opfer sehen. Und! Der Focus schreibt ab: „Witwe nach dem Zucchini-Tod ihres Mannes: Es hat ihm den Darm zerfetzt!“ Gut… Genug der blutrünstigen Details. Immerhin hat das alles den BILD-lesenden Gatten einer ebenfalls BILD-lesenden Kollegin in der vergangenen Woche derart verstört, dass er verlangte, dass die „Tsuschiiinis“ unverzüglich aus dem gemeinsamen Garten verschwänden. Die kompletten Pflanzen wurden entsorgt. Waaaah!

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Ich jedenfalls habe heute die ersten drei Früchte meiner erst kurz vor dem Urlaub gesäten Pflanzen ernten können. Und wir werden sie sorglos essen. Zumindest ist das der Plan. Falls ich mich nicht mehr melde, wurde ich dann wohl doch „gelb im Gesicht“ und es hat mir „den Darm zerfetzt“. Aber davon wird die Öffentlichkeit niemals etwas erfahren, weil der Gatte mit Sicherheit nach seiner Genesung kein BILD-Interview geben wird.

Da ich bei der samstäglichen Biohofrunde auch noch köstlich aussehende Paprika und bestes Charolaishack ergattert habe, werden sie gefüllt werden. Übrige Füllung wandert in die Paprika. Und dazu einen Tomatenreis mit den Resten des eben aus drei Kilo Tomaten eingekochten Sugos.

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Erst das Sugo? Und morgen dann die Zucchini? O.k. Kein Problem, so ich denn den Angriff des Killergemüses überleben sollte.

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Sugo für den Vorrat
Zutaten (für etwa 4 Liter Sugo):
3 kg Tomaten
1 Knolle Knoblauch (oder eine etwa gleich große Menge confierter Knoblauch)
4 große Zwiebeln
einige Karotten (meiner waren vom Biohof und sehr unterschiedlich groß)
1/2 Knolle Sellerie
1 Stange Lauch
200 ml trockener Rotwein
Chili (fein geschnitten oder confiert), Menge nach Geschmack
Olivenöl
Salz, Pfeffer, Zucker
Salbei, Thymian, Majoran, Basilikum
Zubereitung:
Tomaten waschen, Grün entfernen, vierteln. Zwiebeln grob würfeln. Knoblauch grob hacken. Karotten, Sellerie und Lauch in Stücke zerteilen.
Zwiebeln und Knoblauch in Olivenöl andünsten. Wurzelgemüse und Tomaten zugeben und ebenfalls kurz mit anschwitzen. Mit Rotwein ablöschen.
Chili, Gewürze und Kräuter zugeben, Deckel drauf und für zweieinhalb Stunden bei mittlerer Hitze einkochen lassen.
Anschließend Reste der Kräuter (Stiele etc.) entfernen und alles gut durchpürieren. Nochmals – jetzt bei geöffnetem Deckel – eine halbe Stunde weiterköcheln lassen.
Abschmecken (bei mir gab es noch einen ordentlichen Schuss Piripiri) und noch heiß in sterilisierte Gläser füllen.
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Ich werde sicher noch mindestens eine Ladung kochen. Funktioniert ganz hervorragend als schnelles Abendessen mit Nudeln, als Lasagnesoße, mit angebratenem Hack dazu als Bolognese etc. Oder auch für Tomatenrisotto. Jetzt fällt mir gerade jede Menge ein.

Ob ich noch in den Genuss des ersten Glases kommen werde, weiß ich allerdings erst, wenn ich die Zucchini überlebt habe. Falls ich die Zucchini überleben werde.

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Nach tagelangem Anblick ausschließlich blauen Himmels – und der „gelben Sau“ mittendrin natürlich – traf mich das heute völlig unvermittelt. Da war etwas Weißes im Blauen! Und das Gelbe war weg! Unfassbar…

Aber das war ja erst gegen Abend. Kurz bevor es – ebenfalls unglaublich! – zu regnen begann. Regen! Echter Regen!

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Im Verlaufe des Tages verfärbten sich die ersten Tomaten. Es handelt sich um gelbe Cocktailtomaten. Die Farbe gehört also so. In Beet Nr. 4 sprießen Buschbohnen und Chinesischer Rettich fleißig vor sich hin. Und die Johannisbeeren machten einen reifen Eindruck.

Bei etwa 40°C Außentemperatur schleppte ich mich mit Schüsselchen in den Garten und erntete die Dinger. Niemals zuvor habe ich für ein läppisches bißchen Obst dermaßen geschwitzt.

Ich schwitzte allerdings noch mehr, als ich schließlich vor dem Herd stand und sie glasfertig machte. Unten an den Sträuchern habe ich ein paar für die Amseln hängen lassen.

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Nach reiflichen Überlegungen entschied ich – analog zu den letzten Erdbeeren, eine Art Mus daraus zu kochen, das dann ebenso vielseitig einsetzbar sein würde, wie das Erdbeermus, das bereits als Eisgrundlage, Fruchtspiegel und angedickt als Törtchenauflage gedient hatte.

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Obstmus
Zutaten (Standard für eher süße Früchte):
500 g Obst in Stücken
80 ml Wasser
180 g Zucker
1 TL Schnaps (je nach Obst Kirschwasser, Pflaumenschnaps o.ä.)
Zubereitung:
Obst in einen Topf geben, Zucker darüber streuen, Wasser angießen. Die Wasser- und Zuckermenge kann bzw. sollte natürlich beliebig variiert werden. Eher sauer? Mehr Zucker! Einfach abschmecken.
Einköcheln lassen, bis das Obst weich ist. Mit dem Pürierstab aufmixen. Die Johannisbeeren haben ich anschließend noch durch ein Sieb gestrichen. Bei Pfirsichen z.B. fällt das ersatzlos weg.
Zuletzt nochmals kurz aufkochen, Alkohol unterrühren und noch heiß in sterilisierte Gläser füllen. Plopp!
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Das funktionierte mal wieder ganz hervorragend. Guuut… Das Abzupfen der Beeren von den Rispen nervte zwischenzeitlich etwas, aber das ließ sich verkraften. Und wo ich gerade schon mal dabei war, produzierte ich auch gleich noch fünf Gläschen Pfirsichmus aus den Ökokistenpfirsichen.

Jetzt ploppen gerade die Gläschen lustig in der Küche. Das dürfte erstmal für ein paar Desserts und Eisladungen reichen.

Diesmal hatten wir ja nur die halbe Menge Johannisbeeren, da die beiden anderen Sträucher zur Unzeit ausgegraben und versetzt werden mussten, da sie dem ersten Hochbeet im Weg standen. Macht nix. Nächstes Jahr wieder. Bei hoffentlich erträglicheren Temperaturen.

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Lang ersehnt, endlich soweit: Holunderblütenzeit! Heute marschierte ich zum erstenmal durch die Felder, um das „weiße Gold“ nach Hause zu schleppen. Am Ende reichte es für eine eineinhalbfache Portion dieses Rezepts, das ich nach anfänglicher Modifizierung und ausreichender Testphase hiermit höchstoffiziell zum Standard erkläre:

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Holunderblütensirup
Zutaten:
ca. 50 Holunderblüten
2 Liter Wasser
2 kg Zucker
50 g Zitronensäure
2 Bio-Zitronen
1 Bio-Orange
Zubereitung:
Holunderblüten ausschütteln. Wasser, Zucker und Zitronensäure unter gelegentlichem Rühren aufkochen. Derweil Zitronen und Orange unter heißem Wasser abbürsten und in Scheiben schneiden.
Blütenstände und Zitrusfrüchte in ein sauberes Gefäß geben und mit dem Läuterzucker übergießen. Abkühlen lassen. Gefäß verschließen und drei Tage bei Zimmertemperatur durchziehen lassen.
Sud durch ein feines Sieb oder Tuch gießen, nochmals kurz aufkochen, sofort in sterilisierte Flaschen füllen und diese gut verschließen. Haltbarkeitsdauer: ungeöffnet nach jetziger Erfahrung mindestens zwei Jahre.
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Das Beste an der Sache: Das komplette Haus riecht ganz herrlich nach Holunderblüten. Sonntag wird dann abgefüllt und eingeflascht. Und ich denke, es gibt das erste Holunderblüteneis der Saison. Mjam!

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Auch super: Zu Abend gibt es den ersten Mangold aus dem Hochbeet. Er darf die Kalbsinvoltini bereichern, die gerade auf dem Herd vor sich hin schmurgeln. Dazu ein paar Bratkartoffeln. Was will man mehr?! 

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Die einzige Frage, die nach diesem herrlichen Feiertag offen bleibt: Was mache ich mit den Erdbeeren?! Davon lagern nämlich zwei Kilo im Kühlschrank. Ich denke, ich werde mich erstmal an ein Dessert für heute machen und den Rest dann morgen nach dem kurzen Arbeitstag versorgen.

Ja, so mache ich’s. Sach ich mal so. Kann ich ja auch ganz diktatorisch entscheiden. „Let’s go, Erdbeeren, let’s go!“ Bin ja praktisch der Sepp Blatter meiner Küche. Kann bloß nicht zurücktreten, wenn es zu heiß wird 😀