Klingt nach dem Friseurbesuch einer „Domestic Godess“. Wo sonst fasst man schon freiwillig eine „Lisa“ an?!

Es gibt nur eine Ausnahme. Nein, eigentlich gibt es vier Ausnahmen: die vier „Sweet Dreams“-Sonderhefte pro Jahr nämlich. Die sind gar nicht mal so übel. Das aktuelle – „Fruchtig-Beeriges in Frühlingslaune“ – gefällt mir sogar ausgesprochen gut.

Von den Rhabarber- und Erdbeerrezepten sollte man zwar saisonbedingt momentan noch besser die Finger lassen, aber die Sauereien mit Orange oder Zitrone kann man sich ja schon mal unauffällig anschauen. Und ausprobieren.

Das „Blutorangen-Posset“ hatte ich ja bereits getestet. Allerdings aus der Not heraus mit Crème fraîche statt Crème double. Und ich fand es doof. Beim heutigen Einkauf erbeutete ich dann allerdings vier Becher Crème double. Und gab dem Posset eine zweite Chance. Blutorangen waren allerdings wieder Fehlanzeige. Dafür nahm ich vier sehr appetitlich aussehende Bio-Orangen mit. Die Schale ist schließlich zum Wegwerfen viel zu schade.

Alleingelassen erschien mir das Posset etwas ärmlich. Schließlich ist Wochenende – und ich muss dank einer erneuten Bauherren-Pro-Linseneintopf-Entscheidung heute wieder mal nur aufwärmen und nicht kochen. Zeit für ein bißchen Spielerei mit Frucht und Sahne und Schoki.

Am Ende war dann auch noch Crème double übrig. Und bereits seit geraumer Zeit klebt ein Haftnotizzettel auf Seite 186 in Nigella Lawsons „Leckerbissen“. Und zwar genau auf dem Foto der „Schokoladentöpfchen“. Die Entscheidung fiel leicht: Orange und Schokolade – ein Traumpaar!

Ich passte das Rezept an meine Kombi an, indem ich Piment und Kardamom wegließ, und die Crème stattdessen mit Orangenschale aromatisierte. Die Mengenangaben behielt ich diesmal bei, nachdem ich sie beim „Sweet Dreams“-Rezept etwas reduziert habe. Hier die beiden Füllungen für die bereits vor längerer Zeit voller Begeisterung erstandenen Knickbecherchen im Plastiklook, die damit endlich mal zum Einsatz kommen.

Orangen-Posset

Zutaten

  • 250 g Crème double
  • 50 g Zucker
  • 50 ml frisch gepresster Orangensaft

Zubereitung

  • Crème double mit Zucker unter Rühren aufkochen und bei schwacher Hitze etwa drei Minuten köcheln lassen.
  • Vom Herd nehmen und Saft in die Masse rühren. Etwas abkühlen lassen und auf die Förmchen verteilen.
  • Drei Stunden kühlen.

Schokoladentöpfchen

Zutaten

  • 175 g dunkle Schokolade
  • 150 g Crème double (oder Sahne)
  • 100 ml Milch
  • Mark einer 1/2 Vanilleschote
  • 1 Ei
  • Zesten etwa vom Drittel einer Bioorange

Zubereitung

  • Crème double (oder Sahne) mit der Milch erhitzen, bis die Flüssigkeit fast zu kochen beginnt. Vanillemark und Orangenzesten zugeben. Hitze auf ein Minimum reduzieren. Schokolade in kleinen Stückchen oder Schokotropfen in die heiße Flüssigkeit geben und unter Rühren darin schmelzen lassen.
  • Vom Herd nehmen, ggf. noch etwas abkühlen lassen, Ei hinein schlagen und kurz kräftig in der Masse aufschlagen.
  • Masse in kleine Förmchen gießen und für etwa sechs Stunden (besser über Nacht) in den Kühlschrank stellen.

Derart lange Kühlzeiten kam natürlich nicht in Frage. Wozu ist es eigentlich draußen schon seit Ewigkeiten so erbärmlich kalt?! Eben. Das muss man ausnutzen. Norbertsicher verpackt landeten meine Becherchen auf der Terrasse. Drei Stunden – das musste ausreichen.

Und es reichte. Und es schmeckte. Was ich allerdings anschließend noch getan habe: den Zuckeranteil im Posset etwas reduziert. Das Rezept oben wurde angepasst. Das war nämlich immer noch etwas zu süß, obwohl ich einen Spritzer Zitronensaft dazugegeben hatte. Jetzt passt das.  

Seltsam… Da verpasste ich erst um Sekunden die S-Bahn in Mainz, erreichte allerdings gerade noch den Bus – um dann aus etwa 50 Metern Entfernung die Abfahrt meines Schnellbusses beobachten zu können – und nahm schließlich den Partybus. Man fügt sich ja irgendwann in sein Schicksal…

Was mich wirklich enttäuschte: keine Musik an Bord! Der Fahrer stattdessen extrem übellaunig, die Fahrt nervig. Und dabei hatte ich wirklich gedacht, das Schlimmste an dem Ding sei die Beschallung. Fehler! Der Fahrer ohne Beschallung ist noch schlimmer.

Überhaupt war das heute kein optimaler ÖPNV-Tag. Bereits um 6:20 Uhr war klar, dass die Sache nicht rund lief. Mein Zug hatte erst zehn, dann fünfzehn, dann zwanzig Minuten Verspätung. Ich beschloss nach einem Gespräch mit einer genervten Mitreisenden, die S-Bahn zu nehmen – auch um der genervten Mitreisenden zu entkommen. Zehn Minuten Verspätung waren am Ende die akzeptablere Lösung gegenüber einem ungewissen Schicksal in der Regionalbahn und dem weiteren Andauern des „Gesprächs“.

Fürs Abendessen besorgte ich auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause noch flott ein sehr verlockend wirkendes Stück Seelachsfilet, dem ich ein Bad in den Resten der knoblauchisierten Muschelsoße von gestern angedacht hatte. Gesagt, getan. Die mehrfache Bestätigung der mir direkt gegenüber sitzenden Kollegin, dass ich keinesfalls und überhaupt gar nicht nach Knoblauch riechen würde, ermutigte mich zu dieser Besorgung.

Der Seelachs wurde in überschaubare Stücke zerteilt und zog in der Muschel-Broth gar. Das ebenfalls angeschleppte Dinkelbaguette komplettierte das Abendessen. Gar nicht mal übel für Resteverwertung! Lag aber vielleicht auch daran, dass wir jetzt nicht mehr ohne geistigen Führer unterwegs sind…

Das war jetzt aber auch irgendwie „Last Exit Muschelsaison“. Und ich hatte dem Bauherren doch schon seit dem letzten Urlaub versprochen, mich an Miesmuscheln zu versuchen. Ich muss sie ja nicht essen. Ich muss sie ja nur kochen.

Und gestern lagen sie da in der Fischtheke. Direkt vor mir. Und ich dachte mir: O.k., dann kommt halt mit, Jungs! Ich werde euch mal ordentlich Dampf machen. Ich hatte Steamed Mussels nach schottischem Rezept ins Auge gefasst.

So kam das „Three Chimneys“-Kochbuch auch endlich zum Einsatz. Es bot eine relativ simple Zubereitungsart an. Steamed mit einer Soße aus Schalotten, Petersilie, Knoblauch und Weißwein.

Am Ende habe ich mich überwunden. Nur mit geschlossenen Augen, aber ich habe sie probiert. Und – Überraschung! – sie schmeckten mir sogar. Kurze Zusammenfassung der Zubereitung:

Steamed Mussels in White Wine Broth

Zutaten

  • 1 kg Miesmuscheln
  • 2 Schalotten
  • etwas Butter
  • etwas Olivenöl
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 Handvoll frische Petersilie
  • 100 ml trockener Weißwein
  • 100 ml Geflügelbrühe
  • 50 ml Sahne
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung

  • Muscheln in einer Schüssel mit klarem, kaltem Wasser einlegen. Einzeln unter fließendem Wasser abspülen, „Bart“ entfernen, säubern und in eine zweite Schüssel mit Wasser legen. Eventuell offene Exemplare aussortieren.
  • Butter und Oel in einen großen Topf geben und auslassen. Schalotten fein würfeln und langsam anschwitzen. Ebenfalls fein gehackten Knoblauch zugeben und kurz mit anschwitzen. Petersilie zugeben und mit Geflügelfond und Weißwein ablöschen. Kurz aufkochen.
  • Muscheln zugeben. Bei geschlossenem Deckel etwa zehn Minuten dämpfen.
  • Sahne angießen, salzen, pfeffern, umrühren.
  • Muscheln in eine vorgewärmte Schüssel geben und mit der Soße übergießen. Exemplare, die sich jetzt noch nicht geöffnet haben, aussortieren. Frisch gebackenes Brot dazu servieren. Die Soße eignet sich hervorragend zum Tunken!

Und während wir so friedlich unsere „Mupfeln“ aßen, stellten wir fest, dass wir nun auch nicht mehr ohne geistigen Beistand unterwegs waren. „Habemus Papam!“ Da schmeckten die Muscheln gleich doppelt so gut…

… In the lane snow is glistening
A beautiful sight oh we’re happy tonight
Walking in a winter wonderland…“ – Dean Martin

Mann, Mann, Mann. Es ist Mitte März – und draußen sieht es so aus, wie man es sich an Weihnachten gewünscht hätte. Stattdessen kann man jetzt die Ostereier im Schnee verstecken. Danke, Merkel! Ich weiß schon, wem ich das zu verdanken habe…

„… Later on we’ll conspire as we dream by the fire
To face unafraid of the plans that we made
Walking in a winter wonderland…“

Immerhin bin ich trotz widrigster Straßenverhältnisse noch nach Hause gekommen. Ob mir das morgen auch wieder gelingen wird? Keine Ahnung. Es schneit und schneit und schneit pausenlos weiter. Und nein – ich höre die Schlittenglöckchen nicht. Grrrr!

Und während draußen alles weiß, weißer, am weißesten wird, ist auch schon wieder Zeit fürs Abendessen. Nach langer Zeit habe ich eben mal ein leckeres Stück Bio-Lachs besorgt, das auch schon brav in der Marinade aus Limettensaft, Chiliflocken, Dill, Salz und Pfeffer liegt. Dazu gibt es die zweite Hälfte des gestern zubereiteten Kartoffelgratins mit Meerrettich und Kräutern.

Kartoffelgratin mit Meerrettich und frischen Kräutern

Zutaten

  • 750 g kleine Kartoffeln
  • 100 g Meerrettich (aus dem Glas)
  • 200 ml Sahne
  • Salz, Pfeffer
  • 2 Zweige Rosmarin, Thymian und Majoran - jeweils

Zubereitung

  • Kartoffeln - ich hatte noch ein paar von Ritas wirklich superleckeren Kartoffeln aus der handverlesenen Ernte ihrer Eltern - waschen, mit Schale kochen, abschrecken und pellen. In dickere Scheiben geschnitten in eine Auflaufform geben.
  • Salzen, pfeffern, und die gehackten Kräuter darüber geben. Meerrettich und Sahne verrühren und angießen. Bei 170°C Umluft etwa 30 Minuten garen.
  • Schnell, unkompliziert und wirklich lecker. Lebt - und stirbt - natürlich mit dem Geschmack der Kartoffeln.

Gleich wird dann nur noch kurz der Lachs angebraten. Ein hoffentlich etwas stimmungsaufhellendes Essen bei so dramatischen Witterungsbedingungen. Und für morgen bin ich über meinen eigenen Schatten gesprungen. Da werde ich nämlich etwas kochen, das ich selbst nicht esse. Und noch nie probiert habe. Und ich glaube auch nicht, dass ich es morgen probieren werde. Aber vielleicht überrasche ich mich da ja schon wieder selbst. Mal sehen…
„… Oh when it snows ain’t it filling
Though your nose gets a chilling
We’ll frolic and play the Eskimo way
Walking in a winter wonderland.“

Bis dahin habe ich nur noch eine einzige, winzige Botschaft für Dean Martin: „Schnauze!“

Das stand beim Rezept der „Mini-Schokoladen-Kuchen“ aus der ‚Sweet Dreams‘ von November / Dezember 2012. Finde ich jetzt aber eigentlich gar nicht.

Und eigentlich war für heute ja auch schon genug gebloggt. Aber meine geplante Letzte-Discounter-Bio-Eier-Vernichtungsaktion endete, wo sie enden musste: in Schokolade.

Besonders kindgerecht fand ich das Rezept am Ende nicht. Und das, obwohl ich es als Muffins gebacken hatte. Dafür war es nämlich irgendwie nicht süß genug.

Was es allerdings war: fluffig, biskuitig, mjam!

Das werde ich auf alle Fälle bei Gelegenheit mal in doppelter Menge als Biskuitboden für eine Torte testen. Mit sahnig-cremiger Füllung sicher ein echter Hit.

Und damit ich es nicht vergesse bzw. dann irgendwann verzweifelt suchen muss, wird das hier dann jetzt sozusagen ein kurzes, ungeplantes „Memo to myself“:

Mini-Schokoladenkuchen

Zutaten

  • 90 g dunkle Schokolade
  • 4 Eier
  • 40 g weiche Butter
  • 40 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 60 g Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 1 EL Kakao

Zubereitung

  • Schokolade mit einem großen Küchenmesser hacken (zerbrechen tut es auch...) und über einem heißen, nicht kochenden Wasserbad unter Rühren schmelzen. Vom Wasserbad nehmen und lauwarm abkühlen lassen.
  • (Anm.: Ich schmolz die Butter gleich mit, da bei \"Was könnte ich denn jetzt mal noch flott...?\"-Backgelegenheiten ja selten ein Stück weicher Butter in der Küche herum liegt).
  • Eier trennen. Butter und Zucker cremig rühren. Salz und Eigelbe nach und nach unterrühren (Anm: Ich rührte die Eigelbe mit dem Zucker schaumig und gab anschließend Salz und Schokomischung mit dem Mehl zu). Das Mehl mit Backpulver und Kakao mischen und mit der flüssigen Schokolade unter die Buttermasse rühren. Eiweiß steif schlagen und unterheben.
  • Backofen auf 200°C (Umluft: 180°C) vorheizen. Sechs ofenfeste Förmchen (oder ein 12er Muffinblech) fetten (bzw. Papierförmchen einlegen). Teig in die vorbereiteten Förmchen füllen (Füllhöhe etwa zwei Drittel) und im Ofen etwa 25 Minuten (Muffins etwas kürzer) abbacken.

Die Dinger sind als Cupcake-Grundlage auch wirklich gut geeignet in Kombination mit einem sehr süßen Topping, da sie selbst eben nicht gerade wahnsinnig süß sind. Aber lecker. Das sind sie schon.