Friedhof der Kuschelbiere

Vorab: Für dieses Blogpost wurde kein Bier verletzt. Alle Flaschen waren zum Foto-Zeitpunkt bereits leer. Und: Nein, wir sind jetzt keine Flaschenpfand-Millionäre. Aber ich mach’s mal kurz: Wir hatten gestern Abend Besuch. Sehr netten Besuch, der auch jedesmal bestes Terrassenwetter mitbringt. Und der nicht fahrende Besucher trinkt gerne Bier. So entstand vor einer Woche die spontane Idee, das Essen am Bier auszurichten und die Biere aus einigen unserer letzten Urlaubsländer auf den Terrassentisch zu bringen. Soweit die wirklich geniale Idee des Gatten.

Wir verbrachten also die arbeitsfreien Stunden der letzten Woche mit Planung und Bierbeschaffung. Das hat wirklich Spaß gemacht – auch wenn nicht alles perfekt lief. Länder, deren Bier zu beschaffen, nahezu oder nur unter horrenden Kosten möglich gewesen wäre, wurden verworfen. Sorry, Malta. Sorry, Cisk. Es wurden passende Gerichte ausgesucht, die man auch in überschaubarer Tellergröße servieren könnte. Wir wollten ja niemanden mästen. Nur ein bisschen füttern… Am Ende stand der Plan. Freitags nachmittags wurden die letzten Biere besorgt und das große Kochen startete. Wir begannen unsere “Reise” in Kroatien.

Es gab die gerade letzthin verbloggte Pašteta od tune. Beim Brot dazu war ich erst ratlos und später verzweifelt. Im kroatischen Kochbuch wurde ein Focaccia empfohlen. Ich setzte also mein Super-Focaccia von letzthin an – und versemmelte es grandios. Für eine erneute kalte Gare über Nacht reichte dann die Zeit nicht mehr. Also versuchte ich es mit einer Rezeptbeschleunigung durch etwas mehr Hefe. Das gelang, schmeckte auch, war aber trotzdem kein Vergleich zum ursprünglich geplanten. Egal. Das liefere ich dann bei Gelegenheit mal nach.

Weiter ging’s nach Bali. Ich war im Vorfeld todsicher, in meinem Asialaden Bintang zu bekommen. Wir hatten dieses Beschaffungsproblem jedenfalls bereits in einem frühen Planungsstadium abgehakt. Ich hatte es da schon gesehen. Im Regal. Freitags nach dem Büro klapperte ich dann erst den Yuan Fan in Mainz und anschließend noch den in Wiesbaden ab. Erfolglos. Nichts Indonesisches zu kriegen. In meiner Verzweiflung nahm ich Japan (Sapporo) und China (Tsingtao) mit nach Hause.

Wir trösteten uns damit, dass es zumindest irgendwie asiatisch sei. Und dass es ja Satay Ayam Bumbu Kacang auch nicht nur auf Bali gibt. Heißen dann halt anders, aber egal. Schmeckten jedenfalls.

Die Reise ging weiter auf die Azoren. Da war die Biersache schnell gelöst. Schließlich gibt es den Aveirense in Mombach. Und ich konnte gar Sagres Mini und Superbock Mini ergattern. Obrigada! Überflüssig zu erwähnen, dass natürlich noch ein paar andere Sachen in die Einkaufstasche wanderten. Zum Beispiel der Bacalhao für die Fischbällchen mit Paprikasauce.

Die Bolinhos de Bacalhao sind immer wieder eine sichere Bank. Diesmal musste ich auf TK-Bacalhao zurückgreifen, da ich getrockneten so schnell nicht gewässert bekommen hätte. Funktionierte ebenfalls perfekt. Eigentlich bekam jeder drei Bällchen, aber fürs Foto waren dann nur noch zwei übrg. Das nur zu meiner Ehrenrettung.

Es folgte ein Pastagang. Und damit ein sardisches Bier. Der Gatte hatte sogar Ichnusa non filtrata auftreiben können:

Es gab Malloreddus mit einer – Pssst! Das bleibt aber unter uns… – toskanischen (!) Sauce, die ich von den Pici all’Aglione gestohlen hatte. Sardinien… Florenz… Hauptsache Italien! Die Schwester hatte mir letzthin nämlich eine Knolle ihres selbstangebauten Aglione vermacht. Und die wollte ich schon die ganze Zeit zum Einsatz bringen. Schmeckte super. Keiner hat Fragen zur geografischen Herkunft der Sauce gestellt. Puh!

Die letzte Bierstation war dann Griechenland. Und aufgrund des glücklichen Umstandes, dass einer der führenden deutschen Discounter eine Woche vorher ausgerechnet seine griechische Woche hatte, bei der es alljährlich das gute Mythos gibt, war die Bierbeschaffung absolut problemlos möglich.

Es gab Zitronenkartoffeln und Soutzoukakia. Sorry an alle Griechen, aber ich musste die Fleischbällchen vorher an- und vor allem durchbraten. Und aus diesem Grund haben sie nicht die korrekte Form. Das muss man jetzt einfach mal so akzeptieren. Sie schmeckten übrigens trotzdem. Und ich möchte mich nochmal ausdrücklich bei unserem Koch auf Naxos bedanken, der uns Zimt und Kreuzkümmel in Tomatensaucen nahegebracht hat. Das ist enfach perfekt so.

Über das Dessert und das dazugehörige Getränk hatten wir lange nachgedacht. Bier zu etwas Süßem kommt ja eher nicht in Frage. Dass es süß sein sollte, stand allerdings fest. Und so wichen wir mit dem Dessert vom Bierplan ab und schwenkten auf Whisky um. Und auf einen Sticky Toffee Pudding mit alkoholfreier Sticky Sauce und einer Kugel hausgemachten Orangeneises. Die Herren tranken dazu irgendeinen torfigen Single Malt.

Der letzte Gang holte den Urlaub zurück, der am längsten her ist: Schottland. Gleichzeitig konnte ich den jüngsten Gast mit meiner Begeisterung für Sticky infizieren. Ein perfekter Abschluss eines wirklich sehr schönen Abends. Und dieses Motto-Kochen hat mir wirklich großen Spaß gemacht.

Wer die Urlaubsberichte aus den entsprechenden Ländern nochmal nachlesen will: Hier ist der Urlaubslink.

Ein Rezept fehlt?! Stimmt. Das für den Sticky Toffee Pudding. Allerdings habe ich – nachdem ich ja zwischenzeitlich im Besitz eines Second-Hand-TM5 bin – mein Rezept mal TM-kompatibel umgeschrieben. Das hat mir nämlich gestern wirklich viel Zeit gespart. Allerdings verpasst man die spannenden Chemiebaukasten-Farbwechsel der Dattelmasse: von braun über kotzgrün nach blau und wieder zurück. Muss man ja aber nicht immer unbedingt sehen. Hier mein Update inklusive einer alkoholfreien Sticky Sauce:

Sticky Toffee Pudding mit alkoholfreier Sticky Sauce

als Rezept für den TM
Gericht: Dessertteller
Autor: MrsFlax

Zutaten

für den Pudding:

  • 200 ml Wasser
  • 200 g getrocknete und entsteinte Datteln vorzugsweise die dicken, köstlichen Medjoul
  • 1 gestrichener Teelöffel Natron
  • 85 g Butter
  • 175 g Puderzucker
  • 2 Eier
  • 175 g Weizenmehl
  • 1 TL Backpulver
  • 2 EL griechischer Joghurt optional

für die Sauce:

  • 125 g Butter
  • 125 g Muscovado ersatzweise anderen braunen Zucker
  • 150 g Crème Fraîche

Anleitung

Erst der "Kuchen"…

  • Wasser aufkochen. Datteln und Natron in den Mixtopf geben und mit dem kochend heißen Wasser übergießen. Kurz – etwa fünf Minuten – durchziehen lassen.
  • Zehn Minuten bei 90°C rühren lassen. Vorsicht! Der "giftige" Schaum steigt auf! Eventuell Temperatur etwas senken.
  • Anschließend alles 90 Sekunden auf Stufe 6 pürieren, aus dem Topf nehmen und beiseite stellen.
  • Butter und Zucker eine Minute auf Stufe drei schaumig schlagen. Eier, Backpulver und Mehl zugeben und drei Minuten auf Stufe drei zu einem Teig verrühren lassen.
  • Dattelmasse und Joghurt zugeben und eine Minute auf Stufe zwei unterheben lassen.
  • In einer gefetteten Auflaufform bei 180°C Ober-/Unterhitze abbacken. Die Backzeit kann sehr unterschiedlich sein – je nach Form. In meiner relativ großen Keramikform brauchte das Ganze etwa 40 Minuten.

… dann die Sauce

  • Butter, Muscovado und Crème fraîche in den Mixtopf geben und 4,5 Minuten bei 80°C auf Stufe vier aufkochen.

9 Kommentare

      1. Du hast gestreikt? 8o

        Hugo, der Handtaschenrevoluzzer… Ich hoffe, er schickt wenigstens das Geld, das er dort findet, seinen Genossen nach Südamerika. :fg:

        https://gizmodo.com/capybaras-are-waging-class-war-in-argentina-1847549080

        “You know how capybaras always seem to have a slightly skeptical look on their faces? Turns out what they’re skeptical of might be rich people’s bullshit. Now, in Argentina, they’re fighting back. Groups of the charismatic rodents have been causing a ruckus in the fancy-pants gated community of Nordelta, crapping in the streets and hacking up manicured lawns like magnificent little punk asses.”

        :saiz: 😀

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